| Originaltitel: Atlantis__Herstellungsland: Frankreich/Italien__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Luc Besson |
Luc Besson („Dracula – Die Auferstehung“) ist seit seiner Jugend begeisterter Taucher und wollte ursprünglich Meeresbiologe werden, bis ihm ein Tauchunfall diesen Berufswunsch unmöglich machte. Als Filmemacher konnte er seine Leidenschaft jedoch mit „Atlantis“ vollends ausleben und für andere Menschen auf Zelluloid bannen.
„Atlantis“ besteht eigentlich nur aus Unterwasseraufnahmen von Meeresbewohnern, ist kein klassischer Dokumentarfilm, sondern eher eine filmische Collage. Besson möchte seinem Publikum nicht direkt etwas beibringen oder etwas erforschen, wie in einer klassischen Doku, sondern ihm einfach die Schönheit des Meeres zeigen. Nach einem kurzen, eingesprochenen Einführungstext sind die Aufnahmen in Kapitel gegliedert, die sich Oberbegriffen widmen, untermalt von einem Score von Bessons Hauskomponist Eric Serra („Das fünfte Element“). Betrachtet man Besson als Vertreter des Cinéma du look (siehe „Subway“ und Co.), dann ist dies „Atlantis“ vielleicht der konsequente Endpunkt, denn hier gibt es keine Narration mehr, nur noch Bilder, nur noch Assoziationen. Gleichzeitig kann man „Atlantis“ auch als Erweiterung seines Taucherdramas „Im Rausch der Tiefe“ sehen, der überraschend wenig von der Fauna des Meeres zeigte, meist nur das unendliche Blau der Tiefsee, das dem Film im Original seinen Namen gibt.
„Atlantis“ hingegen zeigt dagegen fast nur Meerestiere: Seekühe, Meeresschildkröten, Rochen, Galapagosechsen, Seeschlangen usw. Die Kapiteleinblendungen geben das jeweilige Thema vor: Bei „Spiel“ etwa sieht man im Meer tollende Seehunde zu treibender Musik, bei „Liebe“ dagegen Tiere bei der Paarung im und unter Wasser, egal ob Schildkröten, Seeschlangen oder Pinguine. Serra steuert Musikstücke bei, die sich der jeweiligen Stimmung anpassen und fast die alleinige Klangkulisse sind, weshalb „Atlantis“ bei manchen Veröffentlichungen auch den Untertitel „Symphonie des Ozeans“ trägt. Aufgenommen wurden die Unterwasserfilme an verschiedenen Orten der Welt, eine tierische Castliste im Abspann gibt an, welche Tiere genau vorkamen.
Schaut euch den Trailer zu „Atlantis“ an
Es verwirrt lediglich, dass das Kapitel mit den Haiaufnahmen mit der Bezeichnung „Hass“ betitelt ist. Hier sieht man die Tiere auch mal fressen, aber Haie töten nicht aus Hass, sondern weil sie schlicht und ergreifend Hunger haben. Vielleicht triumphierte da Luc Besson, der Märchenonkel, über Luc Besson, den verhinderten Meeresbiologen. Aber dies ist eben kein Horrorfilm wie „Der weiße Hai“ oder „Deep Blue Sea“, sondern besitzt dokumentarische Anmutung. Bei wohlwollender Deutung könnte man auch sagen, dass es Besson vielleicht um die Gefühle ging, die Menschen eventuell auf Haie projizieren oder diesen entgegenbringen, aber für genaue Interpretationen ist „Atlantis“ viel zu offen angelegt. Das Hai-Kapitel produziert auch die spektakulärsten Bilder, etwa wenn ein weißer Hai nach der Kamera schnappt – kein Wunder, dass diese Aufnahme auch einige Videocover und Plakate zierte.
Wie man „Atlantis“ nun bewerten mag, ist wohl so subjektiv wie bei kaum einem anderen Film. Technisch sind die Aufnahmen erste Sahne, aber das Zusammenspiel aus Bildern und Musik hat bisweilen eher etwas von einer Installation als von einem klassischen Film. Das kann man entweder stinklangweilig oder faszinierend immersiv finden – für mich persönlich war es eine visuell beeindruckende Erfahrung, die mich jetzt auch nicht tiefer berührt hat oder zum baldigen Wiederansehen animiert.
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„Atlantis“ ist in Deutschland mit dem erwähnten Untertitel „Symphonie des Ozeans“ bei EuroVideo auf Blu-Ray und DVD erschienen, ungekürzt ab 0 Jahren freigegeben. Extras gibt es keine auf den Discs.
© Nils Bothmann (McClane)
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