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Dracula – Die Auferstehung

Originaltitel: Dracula: A Love Tale__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Luc Besson__Darsteller: Caleb Landry Jones, Christoph Waltz, Zoë Bleu, Guillaume de Tonquédec, Matilda De Angelis, Ewens Abid, Bertrand-Xavier Corbi, Raphael Luce, David Shields u.a.
Dracula - Die Auferstehung

Für „Dracula – Die Auferstehung“ arbeitete Luc Besson erneut mit „DogMan“-Hauptdarsteller Caleb Landy Jones zusammen

Dracula ist aktuell wieder in im Kino: Als toxischer Boss in der Horror-Actionkomödie „Renfield“, als Bedrohung in „Die letzte Fahrt der Demeter“ und im Remake der inoffiziellen „Dracula“-Adaption „Nosferatu“. Luc Besson („Im Rausch der Tiefe“) steuerte zu dieser kleinen Welle mit „Dracula – Die Auferstehung“ noch eine offizielle Verfilmung von Bram Stokers Klassiker bei.

Der Untertitel im englischsprachigen Raum, „A Love Tale“, deutet dabei schon an, welcher Aspekt für den französischen Regisseur und Drehbuchautor im Zentrum steht: Die Liebesgeschichte zwischen dem Prinzen und späteren Vampirfürsten Vladimir (Caleb Landry Jones) und seiner holden Elisabeta (Zoë Bleu). Vlad soll die Walachei gegen die anrückenden Ottomanen verteidige, auch im Auftrag der Kirche. Von der Kirche und von Gott wünscht er sich allein Schutz für Elisabeta, doch genau den erhält er nicht: Zwar siegt er in der Schlacht, doch ein paar Ottomanen spüren Elisabeta auf, die ausgerechnet bei Vlads Rettungsversuch zu Tode kommt. Dass der Herrscher im Krieg eine Drachenrüstung trägt, ist eine Anspielung auf das historische Vorbild Vlad, den Pfähler alias Vlad Dracul III. – Dracul bedeutet nämlich „Drache“. Nach dem Verlust seiner Geliebten entsagt Vlad Gott und wird dafür mit dem ewigen Leben als Vampir gestraft.

400 Jahre später sucht ein Priester und Wissenschaftler (Christoph Waltz) eine Nervenheilanstalt auf. Der Name Van Helsing fällt in Bessons „Dracula“ nicht, doch der namenlose Gottesmann ist definitiv das Pendant zu jener Figur. An der Schnittstelle zwischen Religion und Wissenschaft bekämpft er Kreaturen und kann bestätigen, dass die Patientin Maria (Matilda De Angelis) ein Vampir ist. In dieser Interpretation sind Draculas Opfer nicht nur dazu da, um seinen Durst zu stillen, sondern vor allem Diener auf der Suche nach einer Reinkarnation von Elisabeta. So auch Maria, welche die baldige Ankunft ihres Herrn und Meister verkündet. Die Häscherseite ist also vorgewarnt, während der Film zwischen beiden Parteien hin und her wechselt.

Auf Vlads Schloss trifft der junge Anwalt Jonathan Harker (Ewens Abid) ein, der eine Immobiliendeal mit dem Fürsten aushandeln möchte. Eigentlich sieht Dracula den jungen Mann lediglich als Beute, bis ihm dessen Amulett mit dem Bildnis von dessen Verlobter Mina (ebenfalls Zoë Bleu) ins Auge fällt. Er nimmt Jonathan in seinem Schloss gefangen und reist nach Paris, um seine reinkarnierte grobe Liebe erneut zu gewinnen…

Schaut euch den Trailer zu „Dracula – Die Auferstehung“ an

„Dracula“-Adaptionen gibt es wie Sand am Meer, prägend beispielsweise die entsprechenden Filme aus den Studios Universal und Hammer. Bessons Version wiederum weist visuell wie inhaltlich frappierende Ähnlichkeiten zu Francis Ford Coppolas Adaption „Bram Stoker’s Dracula“ auf, die sich ebenfalls große Werktreue und eine Betonung der romantischen Aspekte auf die Fahnen geschrieben hatte. Das Styling des gealterten Draculas wirkt wie fast eins zu eins aus der Coppola-Version übernommen, viele Plotelemente und Motive sind stark daran angelehnt und auch die Verweise auf die technischen Umbrüche erinnern daran. Standen bei Coppola oft die Medien der damaligen Zeit im (Bild-)Mittelpunkt, so schwelgt Bessons „Dracula“ beispielsweise in einer Jahrmarktszene, in der Dracula seinen Erstkontakt zu Mina macht. Wie die junge Dame und ihre Freundin von den (auch technischen) Wundern des Rummels fasziniert sind vermittelt auch Bessons Inszenierung, die regelrecht an den Bildern des Vergnügungsplatzes weidet. Auch sonst versucht die 45 Millionen Euro teure Produktion sich an Opulenz, gerade bei der Inszenierung von Schlössern und Waldlandschaften in Draculas Heimat, was auch wiederum an Coppolas Film erinnert.

Dracula - Die Auferstehung

Dracula (Caleb Landry Jones) sieht in Mina Mina (Zoë Bleu) die Reinkarnation seiner großen Liebe Elisabeta

Allerdings setzt Bessons „Dracula“ auch eigene Akzente, etwa in der Tatsache, dass Mina tatsächlich die Reinkarnation (oder dem deutschen Untertitel nach: die Auferstehung) von Elisabeta ist, oder durch die veränderte Jäger-Figur, die hier stärker im Fokus steht. Jonathan Harker wird im Schloss auch nicht von adretten Vampirbräuten gefangen gehalten, sondern von Gargoyles – diese pulpige Neuerung in Bessons „Dracula“ erinnert bisweilen etwas an die Handlanger von Vampirfürst Radu in der „Subspecies“-Reihe, ist aber doch ein ganzes Stück besser in Szene gesetzt, obwohl die CGI-Effekte nicht immer ganz high end sind. Angenehm pulpig wird es auch, wenn der Actionregisseur in Besson durchkommt: Das Finale ist größer und konfrontationsreicher aufgezogen als in vielen anderen Adaptionen, wenn die Helden noch jede Menge Helferlein mitbringen, Dracula seine Gargoyle-Horde an seiner Seite hat und es zu vielen Kampfhandlungen kommt. Die werden von Besson und seinem Stunt Coordinator Alain Figlarz („Arthur Malediction“) dann auch recht zackig in Szene gesetzt, vor allem wenn sich Dracula durch eine ganze Horde von Widersachern metzelt, und sorgen für einige Schauwerte im Abgang.

Dass es ausgerechnet dieser Stoff wurde, geht dann weniger aus Besson selbst als auf den Hauptdarsteller zurück. Nach „DogMan“ wollte der Regisseur gern erneut mit Caleb Landry Jones zusammenarbeiten, der wiederum von seinem Wunsch berichtete Dracula zu spielen. Tatsächlich legt sich Jones auch voll rein und überzeugt als von Obsessionen gepeinigter Graf, der gleichsam eine grausame und tragische Figur ist. Im Gegensatz zu Gary Oldman hat er dann nicht ganz das Gesicht eines unwiderstehlichen Verführers, was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass der Film seine Anziehungskraft mit einem Parfüm-Rezept erklärt. Inklusive einer (mäßig animierten) Sequenz auf jener Händlerbrücke, die auch schon in Tom Tykwers „Das Parfüm“ prominiert inszeniert wurde. Christoph Waltz („Old Guy“) gibt den Jäger zwischen Religion und Wissenschaft, auch wenn er mittlerweile etwas zu sehr auf die Rolle des blitzgescheiten Häschers und Mentors abonniert ist. Zoë Bleu („Mother, May I Sleep With Danger?“) als Objekt der Begierde ist okay, eine echte Schau dagegen Matilda De Angelis („Citadel: Diana“), die als Vampirbraut und Helferin Draculas so richtig loslegen darf, egal ob sie die Unschuld mimt, arme Knilche aussaugt oder die Begegnung von Mina und Dracula initiiert. Die restlichen Darsteller bleiben reiner Support und können wenige Akzente setzen – da hatte Coppola mit seinem All-Star-Cast natürlich ein dickeres Pfund, mit dem er wuchern konnte.

Dracula - Die Auferstehung

Christoph Waltz als Priester und Van-Helsing-Pendant will dem Vampirfürsten beikommen

Erzählerisch ist Bessons „Dracula“ solide Kost, die eben mit einer arg bekannten Geschichte aufwartet, bei der in erster Linie Details verändert und hinzugefügt wurden. Da gibt es immer wieder Höhepunkte, etwa wenn der zuvor verlachte Dracula während eines Balls Rache übt und den Ladys gleich dutzendweise in den Hals beißt, der Vampirfürst auf eine Gruppe Nonnen trifft oder Maria einen Ausbruchsversuch aus der Nervenheilanstalt wagt. Dann gibt es immer wieder pflichtschuldig abgehandelte Passagen, etwa das Abendessen des naiven Jonathan (der sich bisweilen arg dumm verhält) mit dem Vampirgrafen und leider auch die Romanze zwischen Dracula und seiner reinkarnierten Liebe, welche nie ganz das Feuer und die Leidenschaft vermitteln kann, welche sich diese „Love Tale“ auf die Fahnen geschrieben hat. Auch der Ton schwankt zwischen betont gehobener Romanze und Pulp mit leichten Eurotrash-Vibes, sodass Bessons „Dracula“ nie einen ganz geschlossenen Eindruck macht.

Die Gretchenfrage, ob diese x-te „Dracula“-Adaption am Ende des Tages gebraucht hat, kann man mit „Nein“ beantworten. Zwar bemüht sich Besson als Drehbuchautor und Regisseur um eigene, lobenswerte Ansätze, klebt in vielerlei Hinsicht an Bekanntem, vor allem an Coppolas „Dracula“. Ein solider Vampirfilm mit einigen Highlights, darunter ein knalliger Showdown und Szenen vom Werdegang der Titelfigur über die Jahrhunderte, ist dem Filmemacher dennoch gelungen, nur eben nicht immer konsistent im Ton und im Schatten der zahlreichen anderen Adaptionen des Stoker-Stoffes.

Leonine hat „Dracula – Die Auferstehung“ in Deutschland auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben, außerdem kann man den Film auch streamen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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