| Originaltitel: House of the Long Shadows__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 1983__Regie: Pete Walker__Darsteller: Vincent Price, Christopher Lee, Peter Cushing, Desi Arnaz Jr., John Carradine, Sheila Keith, Julie Peasgood, Richard Todd, Louise English, Richard Hunter u.a. |
Nette Hommage mit Altstarquartett

Mit „Das Haus der langen Schatten“ vereint Regisseur Pete Walker die Horrorlegenden Vincent Price, Christopher Lee, Peter Cushing und John Carradine
Gipfeltreffen von Legenden sind immer ein kleines Event, seien es Actionstars in „The Expendables“ oder Marvel-Helden in „The Avengers“. 1983 versuchte sich „Das Haus der langen Schatten“ an etwas Ähnlichem für den klassischen Hammer-Horrorfilm, wenn auch mit weniger Nachhall.
US-Horrorschriftsteller Kenneth Magee (Desi Arnaz jr.) kommt für eine Promotour nach Großbritannien und entspricht direkt dem Klischee des von sich selbst überzeugten Amerikaners. Seine Romane, die haue er einfach so raus, erklärt er seinem dortigen Verleger Sam Allyson (Richard Todd), und ein Werk in der Art und vom Kaliber des Klassikers „Sturmhöhe“, das könne er innerhalb von 24 Stunden runterschreiben. Es ist auch kleiner Kommentar auf die Zeit, denn Anfang der 1980er waren emsige US-Schriftsteller wie Stephen King und Dean Koontz gerade der ganz große Schrei auf dem Markt der Horror-Literatur. Für Allyson klingt das nach einer Herausforderung, weshalb er eine Wette abschließt: Binnen 24 Stunden soll Kenneth tatsächlich den entsprechenden Roman tatsächlich schreiben, der Sieger der Wette erhält 20.000 Dollar.

Ob Desi Arnaz Jr. je über die erste Seite hinauskommt?
Einen passenden Ort hat Richard auch parat, denn Kenneth soll in entsprechender Umgebung werkeln dürfen: Das verlassene Baldpate Manor soll ihm als Rückzugsort dienen. Den Namen (geschrieben in einer Art Fantasie-Walisisch) kann der Amerikaner kaum aussprechen, was zu einem Running Gag wird, vor allem aber ist der Name ein Verweis auf die Vorlage, den Roman und das spätere Theaterstück „Seven Keys to Baldpate“. Zwischen 1916 und 1947 war dieser schon mehrmals unter dem entsprechenden Namen verfilmt worden, „Das Haus der langen Schatten“ war nach Jahrzehnten eine neue Adaption unter neuem Titel.
Nach seiner turbulenten Anreise zu dem Anwesen muss Kenneth jedoch feststellen, dass das Anwesen gar nicht so verlassen wie angekündigt ist: Erst läuft er dem Haushälter Elijah Grisbane (John Carradine) und dessen Tochter Victoria (Sheila Keith) über den Weg, bald tauchen weitere unerwartete Gäste auf und es kommt zu seltsamen bis gruseligen Vorfällen, die Kenneth vom Schreiben abhalten…
Schaut euch den Trailer zu „Das Haus der langen Schatten an“ an
Mit Vincent Price („Monster Club“), Christopher Lee („Nachts, wenn Dracula erwacht“), Peter Cushing („Der Biggels Effekt“) und John Carradine („Hexensabbat“) kann „Das Haus der langen Schatten“ vier große Horrorstars vereinen, die vor allem durch die Filme der britischen Hammer Studios zu Weltruhm kamen. Sie sind der Hauptverkaufspunkt und sie liefern, auch wenn nicht alle gleich gut. Carradine ist bereits merklich vom Alter gezeichnet und schlief während des Drehs wohl öfter ein, Cushing leistet ordentliche Arbeit, doch vor allem Price und Lee gehen so richtig in den Parts auf.
Alle vier haben zudem Rollen, die auf ihre Filmographie anspielen und bekommen entsprechende Momente, etwa wenn Price‘ Figur Lionel es sich verbittet, dass man seine elaborierten Monologe unterbricht. Da bleibt der Rest vom Fest Beiwerk, selbst der nominelle Hauptdarsteller Desi Arnaz jr. („Der Bulle und das Flittchen“) muss in erster Linie daneben stehen und beklagen, dass er nicht zum Schreiben kommt, doch auch Sheila Keith („Haus der Todsünden“) als Haushälterin, Richard Todd („Verurteilt wegen Liebe“) als Verleger, Julie Peasgood („Die romantische Engländerin“) als Allysons Sekretärin und Louise English („Die verruchte Lady“) und Richard Hunter („Der Elefantenmensch“) als junges Ehepaar bleiben in den Nebenrollen lediglich Stichwortgeber.

Das Catering soll ja ganz gut gewesen sein.
Regisseur Pete Walker, mit Filmen wie „Amok“, „Frightmare“ und „Zeuge der Angst“ einschlägig im Horrorgenre beschlagen, und Drehbuchautor Michael Armstrong („Lifeforce“) scheinen allerdings doch arg verliebt in ihr Altstar-Gimmick zu sein, dass sie glatt vergessen haben, dass Horrorfilme am besten auch spannend sein sollten. Doch die erste Hälfte wird quasi allein für die Einführung der Figuren überlassen, die alle ihre großen Erstauftritte bekommen, endlos monologisieren und salbadern dürfen, auf dass auch keiner zu schnell ausscheide, denn man will den Fans ja genug von ihren Ikonen bieten. Erst zur Halbzeitmarke verdichten sich die ominösen Andeutungen und Hinweise um eine düstere Familiengeschichte zu einem Mainplot. Walker zitiert sich durch etliche Topoi des Genres, wenn die Türen knarzen und die Spinnweben an Einrichtungsgegenständen hängen, fabriziert auch ein paar Jump Scares, wenn Gesichter unangekündigter Gäste plötzlich aus dem Dunkeln auftauchen, aber so richtig Spannung baut dies nicht auf.
Nun war anno 1983 noch der große Slasher-Boom zu spüren und vielleicht ist „Das Haus der langen Schatten“ dann auch eine Meta-Abhandlung über den Widerstreit zwischen klassischem englischen Landhaus-Horror und amerikanischem Slasher-Film. Denn in Filmhälfte zwei wird die Belegschaft dann recht zügig dezimiert, wofür extra noch ein paar entbehrliche Nebenfiguren auftauchen, mit bisweilen kreativen Mordmethoden wie Säure im Waschbecken. Meist sieht man nur das Ergebnis, ein paar derbe Effekte wie ein sich auflösendes Gesicht, Maden in einer Puppe oder herausgetretene Augen nach einer Strangulation via Klaviersaite gibt es schon zu sehen, insgesamt hält sich der Film allerdings deutlich mehr zurück als man angesichts des Regisseurs oder der Produktion durch die grelle Genrefilmschmiede Cannon erwarten könnte.
Allzu viel Mitraten in Sachen Mörder-Identität ist nicht angesagt, als Spannungsstücke werden die Kills auch nicht inszeniert, aber immerhin kommt der Plot auf der Schlussgeraden mit einigen Twists um die Ecke, welche überraschen, manches im neuen Licht erscheinen lassen und sogar vermeintliche Logiklücken zu erklären wissen. *SPOILER* Man kann sich darüber streiten, ob die schlussendliche Auflösung dem Ganzen an Fallhöhe nimmt, doch andrerseits passt sie zum spielerischen Charakter des Films. Und um den Verweis auf den Slasher weiterzuführen: Einige Jahre kam ein halbwegs populärer Schlitzerfilm aus den USA mit der gleichen Auflösung um die Ecke, mit schwächerem Ergebnis. *SPOILER ENDE*

Peter Price und Vincent Cushing… oder irgendwie so.
So kommt das Ganze auch mit einem Ruck Augenzwinkern daher: Einige der finalen Plottwists werden mit einer Schlussszene karikiert, in der unglaubwürdige Zufälle (Stichwort Zwillingsschwester) und das Verschwimmen von Fiktion und Realität nochmal auf die Spitze getrieben werden. Es gibt kleine Running Gags wie den (für Kenneth) unaussprechlichen Namen des Anwesens oder die Tatsache, dass er immer wieder vom Schreiben abgehalten wird. Es gibt kleine Verweise auf die Horror(film)geschichte, etwa der Name Roderick für eine Figur, was das Publikum direkt an Edgar Allan Poes Roderick Usher denken lässt. Das alles wird eher mit Understatement als mit offener Comedy dargereicht, es betont eher den Meta-Charakter, genau wie die Besetzung oder manche Plottwists. Doch so viel über sein Genre hat „Das Haus der langen Schatten“ dann auch nicht zu sagen, es bleibt bei ein bisschen Hommage, ein bisschen Fan-Bespaßung, aber ohne tiefere Erkenntnisse.

Sheila Keith mag aus dem Low-Budget-Bereich kommen, macht aber neben dem altehrwürdigen Christopher Lee eine souveräne Figur.
So ist „Das Haus der langen Schatten“ dann doch eher ein Gimmick-Film, der sich erst reichlich langsam anlässt, um sein Altstarquartett maximal zu nutzen, ehe der Film in Hälfte zwei mit seiner Personalausdünnung und seinen Plottwists regelrecht überhastet wirkt. Das hat durchaus Stil, das ist eine Liebeserklärung für eine bestimmte Spielart und Periode des Horrorgenres, aber weder spannend noch clever genug, um mehr als eine nette Hommage zu sein, die Potential liegen lässt.
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© Nils Bothmann (McClane)
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Review Nr. 2: „Das Haus der langen Schatten“ lädt zum Treffen der Giganten


„Das Haus der langen Schatten“ erscheint als 8. Ausgabe der „Pete Walker Collection“.
Lang geraten die Schatten nicht nur durch den asymmetrischen Lichteinfall in die Empfangshalle des Herrenhauses. An ihren Proportionen zerrt schon das Alter von Earl Derr Biggers zugrundeliegendem Roman „Seven Keys to Baldpate“, der zum Entstehungszeitpunkt immerhin schon 70 Jahre auf dem Buckel hatte, nicht zu vergessen das seither entstandene Bühnenstück sowie mindestens sieben vorausgehende Verfilmungen. Mit Blick auf Regisseur Pete Walker ist zudem festzustellen, dass es sich um dessen dritte „Haus-Verfilmung“ handelt, ein Haus im Schatten eines Hauses im Schatten eines Hauses sozusagen. Last but not least braucht es aber vor allem die Objekte, um überhaupt erst die Schatten zu werfen: John Carradine, Peter Cushing, Vincent Price und Christopher Lee.
Nacheinander betreten sie die Empfangshalle, in den ersten Momenten umgarnt von der Dunkelheit der karg ausgeleuchteten Kulisse, bevor die markanten Gesichtszüge mit einem beherzten Schritt in den Lichtkegel vorstoßen. So präsentiert man Ikonen, insbesondere, wenn sie als Quartett erstmals überhaupt in diesen über Jahrzehnte parallel verlaufenden Karrieren vereint werden. Da muss sich selbst einer wie Pete Walker, der sich sonst um nichts zu scheren scheint, andächtig in Untersicht begeben, um die seltene Zusammenkunft zu einem Mount Rushmore des Horrorfilms zu meißeln. Dass auch er selbst mit diesem Werk seinen persönlichen Schlussakkord setzte, verkommt da zur Fußnote.

In dieser Konstellation fügen sich die Sterne nur alle 1000 Jahre mal.
Das „Haus der langen Schatten“ steht dabei natürlich symbolisch für Tradition und Erblinie. Es sind zentrale Themen dieser Gothic-Schauermär, die wie viele zeitgenössische Artverwandte der Gattung auf den Kontrast zu einer schnelllebigen, von liberalen Marktgesetzen geprägten Moderne setzen, in der es hauptsächlich ums Geldverdienen geht. Der Thatcherismus jedenfalls wird mit Wind und Regen in die Gemäuer gepeitscht, als unsere Hauptfigur Kenneth (Desi Arnaz junior), ein ambitionierter junger Schriftsteller, eine Wette mit seinem Verleger eingeht: 20.000 Dollar, wenn er es schafft, binnen 24 Stunden einen kompletten Roman in dem Anwesen zu verfassen.
Gerade Walker kennt sich bestens mit der Kollision dieser beiden Gesichter des britischen Königreichs aus. Tatsächlich sind die Parallelen zwischen der Grundkonstellation dieses Films und Walkers 1978er-Psychothriller „Zeuge des Wahnsinns“ so augenfällig, dass man es zunächst für ein starbesetztes Remake halten könnte, bei dem nun ein Autor anstatt eines Musikers die Inspiration in einem Herrenhaus versucht.

Das Wetter in diesem Film bekräftigt sämtliche Klischees über Großbritannien.
Einmal in die unheimliche Unterkunft eingezogen, kommt es aber schnell zu dramaturgischen Abweichungen, auch wenn die Walkerismen nicht zuletzt aufgrund seiner unersetzlichen Stammkraft Sheila Keith, die als Tochter der im Anwesen heimischen Grisbane-Familie mitmischt, jederzeit präsent bleiben. Anstatt eines aufwühlenden Mystery-Gruselfilms, der nur in Ansätzen geliefert wird, entwickelt sich „Das Haus der langen Schatten“ mit Ankunft aller Gäste schnell zu einem dialoglastigen Ensemblestück, das seine Theaterursprünge kaum länger verbergen kann. Die Konstellation ähnelt solchen Whodunits wie „Eine Leiche zum Dessert“ (1976), bei dem sich eine Gesellschaft in einem viel zu großen Haus aufhält, während um sie herum im Dunkeln merkwürdige Dinge vor sich gehen, nur dass wir es diesmal eben nicht mit einem typischen Whodunit zu tun haben; schließlich sind sich zumindest die Grisbanes untereinander einig, womit sie es zu tun haben.
Obwohl Walker erneut sein Händchen für Atmosphäre und sein Gespür für die einschüchternde Inszenierung der überproportionalen Interieurs unter Beweis stellt, könnten die ausschweifenden Konservationen über Immobilien und Blutsbande, mit denen im Mittelteil eine tiefere Kommentarebene zu den nationalen Eigenarten der Briten installiert werden soll, ein wenig trocken wirken. Die institutionellen Abgründe aus diesen Inhalten zu destillieren, gelingt dem Autoren Michael Armstrong nicht im gleichen Maße wie einem David McGillivray, der Pete Walkers beste Phase Mitte der 70er als Autor begleitet hatte. Vergleichsweise stumpft wirkt Armstrongs Schreibwerkzeug, das aber ohnehin eher darauf abzuzielen scheint, die unangefochtenen Stars entsprechend in Szene zu setzen, in der nicht unberechtigten Hoffnung, deren Charisma werde ohnehin jeden Subtext überstrahlen.

In dieser Szene deutet sich an, dass Peter Cushing auch mal Sherlock Homnes gespielt hat.
Tatsächlich ist es ein äußerst befriedigendes Gefühl, die altehrwürdigen Darsteller, die jeweils die Andenken etlicher großer Rollen in ihrer Mimik und Gestik tragen, gleichzeitig miteinander interagieren zu sehen. Walker liefert in etwa das, was man heute aufgrund der exzessiven Häufung manchmal verunglimpfend als „Fan Service“ bezeichnet, damals aber noch eine Ausnahmeerscheinung war.
Man bekommt in Price genau den Theatraliker, in Cushing genau den Rationalisten, in Lee genau die Autoritätsperson und in Carradine genau den Patriarchen zu sehen, wie sie alle vier Darsteller im Laufe ihrer Karriere quasi perfektioniert haben. Der Lohn liegt in der exakten Erfüllung der Erwartungen und einem daraus resultierenden Gefühl der Zufriedenheit. Hauptdarsteller Desi Arnaz junior ist lediglich ein Stellvertreter ohne eigene Persönlichkeit, mit dessen Hilfe sich der Zuschauer frei unter den Legenden bewegen kann. Die eher modern konnotierten Nebenfiguren, die teilweise überdeutlich von Walkers Portfolio geprägt sind (vor allem Louise English und Richard Hunter als junges Paar vom Bahnhof) sind quasi die applaudierenden Zuschauer.
Unter „Genre-Standard“ fallen die Geschehnisse der Nacht, die zwangsläufig benötigt werden, um mit ihnen punktuell die Handlung voranzutreiben. Sie sind gefüllt mit all den längst ausgestorbenen Springteufeln, von denen die schwarze Katze, die als Hallowachmacher ins Szenenbild springt, wohl der bekannteste ist. In Sachen Suspense und Thrill oder auch nur Maske und Effekte wird wenig Spektakuläres geboten; man könnte fast meinen, Walker habe sich dahingehend seit „The Flesh & Blood Show“ (1972) nicht weiterentwickelt. Die 80er als solche waren da schon deutlich weiter. Frustriert nimmt höchstens zur Kenntnis, dass der Autor mit seinem ohnehin völlig absurden 24-Stunden-Ziel vor lauter Ablenkung selbstverständlich überhaupt nicht zum Schreiben kommt. Geradezu unangenehm effekthascherisch fallen die beiden Twists aus, die an manch weniger ruhmreiche Produktion der vier Leitfiguren erinnern. Da zelebriert man ganz ungeniert das Theater und sich selbst, während man den Zuschauer so ein bisschen wie den dummen August dastehen lässt.

Was wäre ein Herrenhaus ohne MUARHARHAR-Gelächter von oben herab?
Heute würde man eine solche Veranstaltung gnadenlos verreißen und Pete Walker seine früheren Arbeiten vorhalten, die um ein Vielfaches transgressiver waren und sich um Heldenverehrung wenig scherten. Die Schatten mögen eben in die Länge gehen, sie reichen aber kaum in die Tiefe. Als Abschied von vier Ikonen, fünf, wenn man Walker selbst mit einberechnet, haftet dem Treffen der Giganten rückblickend aber etwas Erfüllendes an.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Das Haus der langen Schatten“
Pete Walker Collection #8
Wo die 2017 begonnene „Pete Walker Collection“ von Wicked Vision mit den ersten sieben Ausgaben immer mindestens eine deutsche Blu-ray-Premiere bedeutete, in einem Fall sogar die Wachablösung der Videokassette, wurde „Das Haus der langen Schatten“ auch in Blau bereits vorher ausgiebig über andere Labels durchexerziert. Natürlich; wenn Vincent Price, Peter Cushing, Christopher Lee und John Carradine gleichzeitig auf dem Etikett stehen, bleibt das Paket nicht lange unentdeckt. Vor allem Black Hill sorgte mit verschiedenen Vertriebspartnern, darunter auch Koch Media, für etliche deutsche sowie österreichische HD-Veröffentlichungen, die von einer kurzen Bildergalerie abgesehen zwar keine Extras zu bieten hatten, immerhin aber neben dem Originalton zwei unterschiedliche Synchronisationen enthielten. Die bekommt man bei der 8. Ausgabe der Pete-Walker-Reihe selbstverständlich auch; darüber hinaus aber noch wesentlich mehr, nicht zuletzt natürlich das obligatorische Versprechen, den Hauptfilm in nie zuvor gesehener Qualität zu präsentieren.
Die Verpackung
Bevor wir aber die Interieurs bewundern, schauen wir uns erst einmal die Außenfassade des Herrenhauses an. Nun sollte man ja meinen, so ein Haus hat vier Wände; dieses hat gleich fünf. Das zumindest ist die Anzahl der Variantcover dieser Gesamtauflage von 888 Mediabooks, von denen es Cover A mit einer Limitierung von 333 auf unseren Tisch geschafft hat. Dabei handelt es sich um eine nahezu identische Reproduktion des Covers der 1984 veröffentlichten VHS von ITT Contrast Video, inklusive der Tagline „Die 4 Grusel-Superstars erstmals gemeinsam!“ am oberen Rand.
Das bedeutet leider auch, dass der Filmtitel auf einem fetten roten Flatschen nahezu ein Viertel des grundsätzlich sehr stimmungsvoll gemalten Motivs verdeckt, auf dem aber zumindest die Köpfe der vier Hauptattraktionen noch unverdeckt aus einem altmodischen Rahmen ragen, während ein Kerzenleuchter für Licht und Schattenwurf sorgt. Die beiden Personen hingegen, die das Bild mit dem Rücken zum Betrachter gewendet studieren, werden fast vollständig von dem Schriftzug verdeckt. Schön ist das nicht. Dafür ist der Hochglanzdruck selbst durchaus ansehnlich, zumal die Abbildung viele Details preisgibt. Unten sind noch einmal die Namen der „4 Grusel-Superstars“ abgedruckt.

„Das Haus der langen Schatten“ kommt in fünf verschiedenen Mediabooks mit einer Gesamtauflage von 888 Stück.
Dass man das Motiv auch schöner präsentieren kann, zeigt Cover D, das sich am ehesten noch am österreichischen Cover-A-Mediabook von Black Hill orientiert. Das Motiv ist hier spiegelverkehrt, das heißt, Christopher Lee hält die Axt nach links und die Kerze leuchtet von rechts aus. Der rote Flatschen ist weg, stattdessen ist der englische Originaltitel wesentlich schlanker am unteren Rand abgedruckt – mit der gleichen Font wie das österreichische Mediabook, nur dass dort der deutsche Titel verwendet und mit Prägung hervorgehoben wurde. Im Gegensatz zu Cover A wird Hauptdarsteller Desi Arnaz, Jr. hier sogar die Ehre zuteil, neben den Stars schriftlich genannt zu werden. Eine Ehre.
Cover B bietet wie einige andere der klassischen Horrorfilme im Wicked-Vision-Programm ein Motiv im Querformat. Im Zentrum steht ein breit geöffnetes Tor, in dessen Mitte sich erneut der Originaltitel in geschwungenen roten Buchstaben ausbreitet, darüber schweben die Köpfe der „Big Four“ und schauen gar schauerlich aus der Wäsche. Wer da eintritt, ist selbst schuld. Das Querformat wird jedenfalls sinnvoll genutzt, denn so würde sich ein kreativer Kameramann wahrscheinlich auch dem Eingangsbereich des Hauses nähern.
Cover C nimmt das mit den langen Schatten wörtlich und zieht eine lange, schwarze Silhouette über die Fassade einer schräg von der Seite eingefangenen Villa, deren Architekur fast schon etwas Kubistisches an sich hat. Die blauen Verläufe werden mit ein wenig Rot akzentuiert, das Gelb des deutschen Titels spiegelt die erleuchteten Fenster in der Nacht. Ein wenig abstrakt und eigenwillig, aber doch wirkungsvoll.
Und dann gibt es noch Cover E, auf dem die Büsten des Horror-Quartetts symmetrisch in Reih und Glied aufgereiht sind. Entgegen vieler moderner Filmposter stimmt hier sogar mal ausnahmsweise die Zuordnung der Gesichter zu den über ihnen abgedruckten Namen. Die Hautfarbe reicht ins Pfirsichfarbene und wirkt dadurch unnatürlich, die Zeichnungen selbst streben allerdings nach Realismus. Das Herrenhaus ist eine Miniatur im Hintergrund, erhellt vom einschlagenden Blitz, daneben wuseln für den Buh-Effekt noch ein paar Skeletthände auf einer Schreibmaschine herum. Der hier wiederum englische Originaltitel ist wohl cooler stilisiert als auf allen anderen Varianten. Da die Stilisierung für den Rücken weitgehend übernommen wurde, sieht das im Regal auch entsprechend nett aus.
Das Booklet
Ein weiteres Motiv im Stil eines altmodischen Comics bedeckt das 24-seitige Booklet, für dessen Füllung erneut Christoph N. Kellerbach verantwortlich ist. Der betont zum Einstieg, wie anachronistisch der Stoff um die alten Ikonen im Wind des sich wandelnden Horrorfilms der 80er Jahre schon damals gewirkt hat, um anschließend auszuführen, wieso er trotzdem gedreht wurde. So habe Pete Walker eigentlich die Idee eines „Killerfötusfilms“ vorgeschwebt, womit er doch glatt Alain Robaks „Baby Blood“ (1990) zuvorgekommen wäre. Stattdessen überredete Produzent Menahem Golan ihn zum Star-Horror der Lugosi-Karloff-Schule. Aus rechtlichen Gründen musste ein neuerliches Remake von „The Old Dark House“ (1932; 1963) verworfen werden, daher entschied man sich für die x-te Verfilmung von „Seven Keys to Baldpate“.
Die dann folgende Präsentation des Casts dürfte sich für Kellerbach wohl wie von selbst geschrieben haben. Anschließend geht es wie üblich um die Dreharbeiten. In diesem Abschnitt verweist der Autor auf die Regieanweisungen, mit denen kleine und größere Verweise auf die größten Rollen der Darsteller eingebaut wurden, ferner um die entsprechenden Klischees dieser Sorte Film, die sich gerade durch das Festhalten am Traditionellen quasi in Stein verwandelten. Interessant daher, dass Kellerbach am Ende trotzdem einen Grund findet, dem Film zu attestieren, er sei seiner Zeit in gewisser Weise voraus gewesen. Übrigens: Auch wenn diesmal eine Spoilerwarnung am Anfang fehlt, sollte man den Text nicht lesen, bevor man den Film gesehen hat, da die Twists am Ende verraten werden.
Das Bild
„Das Haus der langen Schatten“ macht seinem Namen unter anderem dadurch alle Ehre, dass er sehr dunkel gefilmt ist. Fast der komplette Film spielt bei Nacht und nicht selten schleichen die Figuren durch stockdüstere Räume, die allenfalls dadurch erhellt werden, dass irgendwo eine Kerze brennt oder die Lampe aus dem Nachbarzimmer hineinstrahlt. Das Schwarz immerhin wird durchdringend und tief wiedergegeben und die Konturen, auf die doch einmal etwas Licht fällt, werden messerscharf abgebildet. Die Hauttöne tendieren vielleicht etwas zu sehr ins Orangene, als wären die Farben gemeinsam mit der Dunkelheit aufgedreht worden. Die schmuddelige, diffuse, britische Kaltwetter-Optik, die Walkers frühe Filme auszeichnete, kann sich gegen die erwärmende Opulenz des Hauses und ihrer Bewohner nicht durchsetzen; am ehesten kommt der alte Walker-Stil noch in den Szenen vor Eintreffen im Anwesen bemerkbar.
Der Ton
Die Tonspuren liegen allesamt in DTS-HD Master Audio Zweikanal-Mono vor. Wie bereits eingangs angekündigt, sind auch hier beide deutsche Synchronfassungen an Bord. Die Unterschiede sind teilweise eklatant. Alleine Julie Peasgood wirkt durch die viel weichere Neusynchro quasi wie eine völlig andere Figur. Bei Desi Amaz jr. hat man dank Mathias Einert immerzu Dirk Benedict aka „Face“ aus „Das A-Team“ vor dem inneren Auge. Vincent Price wiederum bekam eine für den Zuschauer wesentlich vertrautere Stimme als bei der VHS-Synchro ab, hat Friedrich Schoenfelder ihn doch bereits etliche Male gesprochen.
Teilweise ergeben sich auch eklatante inhaltliche Unterschiede: Der zynische Unterton bei der Party am Ende geht in der Erstsynchro noch unter, bei der zweiten nähert man sich eher dem Original, in dem man ein „Schlange“ einbaut. Dafür hat die TV-Synchro allerdings ein paar technische Probleme, die sich insbesondere in einem gleichmäßigen Grundrauschen zeigen, das bei der VHS-Tonspur fehlt. Puristen wählen aber ohnehin die runde, sehr warm wirkende Originalspur, alleine schon wegen Vincent Prices unersetzlichem Organ. Deutsche und englische Untertitel stehen auf Wunsch zur Verfügung.
Die Audiokommentare
Alle bisherigen Veröffentlichungen der „Pete Walker Collection“ hatten Audiokommentare zu bieten, aber keiner von ihnen gleich drei an der Zahl. Bei einem solchen Cast gibt es eben entsprechenden Redebedarf. Der Regisseur selbst war bisher nur dreimal im Einsatz („Haus der Peitschen“, „Haus der Todsünden“, „Frightmare“), für „Das Haus der langen Schatten“ kehrt er ein viertes Mal zurück und findet sich wieder in einem Gespräch mit Derek Pykett, einem Schreiber, Schauspieler und Dokumentarfilmer, der sich als Autor von „British Horror Film Locations“ vorstellt, zu dem Pete Walker das Vorwort beigesteuert hatte. Die Beiden kennen sich also bereits und können gut genug miteinander. Das führt dazu, dass die knapp 100 Minuten durch und durch lebendig gestaltet werden, zumal Walker ja auch im fortgeschrittenen Alter geistig mehr als gut dabei ist und einen großen Anteil daran hat, dass es interessant bleibt. Wenig überraschend pflegt Walker zu seinem Schlusswerk ein zwiegespaltenes Verhältnis.
Nicht nur habe er es seit Entstehung nicht mehr angeschaut (immer wieder erstaunlich, wie oft das vorzukommen scheint), auch deutet er im Laufe des Gesprächs an, dass er es als reine Auftragsarbeit gesehen habe und immer noch sieht; als ausführender Regisseur sei er zwar zufrieden gewesen mit dem reibungslosen Ablauf, wäre er hingegen Produzent gewesen, wäre er mit vielen Dingen nicht so zufrieden gewesen. Im Hauptteil verschiebt sich das Gespräch daher auch zu wertneutralen Beschreibungen der Abläufe, woraus bereits ersichtlich wird, dass Walker hier wohl die inhaltliche Tiefe vermisst haben dürfte, die viele seiner früheren Werke auszeichnete. Hervorhebenswert am Kommentar ist übrigens das urige britische Flair, das nicht nur durch die Akzente der beiden Sprecher zustande kommt, sondern auch durch Walkers Hund, der an einer Stelle bellt, sowie die Standuhr, die sich zu jeder Viertelstunde im Hintergrund meldet. Da möchte man sich gleich einen Tee zum Kommentar machen.
Im zweiten englischsprachigen Kommentar trifft der überaus fleißige Doku- und Making-of-Filmer Elijah Drenner, der bei der imdb mehr als 200 Credits als Regisseur pflegt, auf den Journalisten David Del Valle, der genau die richtige Adresse ist, wenn es um klassische Horrorfilme geht, ist der doch schließlich mit den Bela Lugosis, Lon Chaney Jrs. oder auch den Herrschaften in der hier besprochenen Produktion aufgewachsen. Entsprechend tief geht es in ihre Biografien hinein.
Es werden Abschnitte ihrer Karriere herausgehoben, um Thesen zu unterstützen, teilweise lange Zitate vorgelesen und Einblicke ins Denken der Schauspieler gegeben, wobei insbesondere Christopher Lee im Zentrum steht. Kein Wunder, entstand der Kommentar doch am 15. Juni 2015, gerade mal eine Woche nach Lees Tod. Del Valle hat übrigens eine hervorragende Stimmimitation von Lee im Repertoire, die man definitiv mal gehört haben sollte. Auch sonst ist die Chemie mit Elijah Drenner ganz wunderbar und der Wortwitz beizeiten sogar bühnenreif. Ein Kommentar mit dem ausgegebenen Motto „This movie deserves some love“, den man nicht nur fachlich, sondern auch in Sachen Unterhaltungswert absolut empfehlen kann.
Die Existenz zweier reichhaltiger Originalkommentare kann ein Gespann wie Dr. Gerd Naumann, Christopher Klaese und Matthias Künnecke trotzdem noch längst nicht zum Schweigen bringen. Das Trio analysiert im dritten Kommentar der Scheibe gewohnt angeregt die Wirkung des Films und extrahiert bis ins kleinste Detail die Eigenaromen eines markanten Regisseurs, der immer wieder seine typischen Manierismen in diese Auftragsarbeit einflechtet. An der absurden Prämisse lassen sie kein gutes Haar und das Twist-Finale bekommt erst recht sein Fett weg, was aber nicht bedeutet, dass ihnen bei aller Aufregung über das Drehbuch die Feinheiten entgehen würden, mit denen da vier Kinolegenden inszeniert werden.
Man versetzt sich auch mal in die Perspektive des Hauptdarstellers, der auf einmal die Gelegenheit hat, mit absoluten Weltstars zusammenzuarbeiten, man macht sich Gedanken über die Besonderheiten des On-Location-Drehs und schweift auch mal ab zu weiterführenden Themen wie Walkers späterer Karriere auch abseits des Filmgeschäfts. Zu Wiederholungen gegenüber den ersten beiden Kommentaren kommt es kaum, so dass sich auch dieser möglicherweise sechste Filmdurchlauf (nach zwei deutschen Synchronfassungen, dem O-Ton und zwei englischen Kommentaren) lohnt.
Dokumentation: „The House of the Long Shadows… Revisited“
Es wird aber nicht nur geredet, sondern auch gezeigt – und zwar im Bonus-Menü der Disc. Blu-ray und DVD sind grundsätzlich identisch ausgestattet, mit einer Ausnahme: Die Dokumentation „The House of the Long Shadows… Revisited“ ist nämlich exklusiv der Blu-ray vorbehalten.
| Originaltitel: House of the Long Shadows… Revisited__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Derek Pykett__Darsteller: Pete Walker, Michael Armstrong, Desi Arnaz Jr., Louise English, Jeanne Ferber, Alan Flyng, Simon Flynn, Richard Harvey, Norman G. Langley, Julie Peasgood, Michael Pickwoad, Derek Pykett, John Simmons u.a. |

I Have Returned!
Mit einem saftigen „I have returned“ betritt Pete Walker die heiligen Hallen des Rotherfield-Park-Landsitzes knapp 30 Jahre später erneut, just an der Stelle, an der Vincent Price einst die gleichen Worte sprach. Der spielfilmlange Rückblick „House of the Long Shadows… Revisited“ beginnt standesgemäß mit einem Jump Cut, der die Echos der Vergangenheit mit dem Poltern der Gegenwart verknüpft, angemessen orchestriert vom Peitschen des Donners aus dem originalen Filmmaterial, das zum Einstieg auf die kommenden nostalgischen Rückblicke einstimmen soll.
Kernstück dieser Dokumentation ist sicherlich diese theatralische Rückkehr Walkers an den Ort der Entstehung seines allerletzten Films, bevor er dem Filmgeschäft recht früh den Rücken kehrte. Das ist auch dahingehend bemerkenswert, weil er „Das Haus der langen Schatten“ wohl kaum als sein Herzensprojekt bezeichnen würde. Es ist eben kein besonders repräsentativer Film für sein Gesamtwerk, und doch spricht aus Walker immer auch der Respekt vor den Menschen, mit denen er arbeitete, hier eben vor allem mit den Ikonen des Horrorfilms, die von der ganzen Welt bewundert wurden. Sie verkörperten eine Größe, die auch Walker sicherlich zu respektieren wusste, selbst wenn diese Art von „Weltfilm der großen Attraktionen“ sicherlich nicht so sehr die seine war. Umso höher ist ihm anzurechnen, dass er sich trotzdem bereiterklärte, quasi zum Hauptdarsteller des Projekts zu werden und beim Streifzug durch die Gemäuer oder auch im gemütlichen Sessel ausgiebig über die vergangenen Zeiten zu sprechen.
Vor Ort wird er unter anderem begleitet von dem Regisseur und Initiator, Derek Pykett, dem Besitzer des Landhauses, James Scott, sowie Julie Peasgood, der Darstellerin der Mary Norton, die mit großen Augen von Raum zu Raum streift und sichtlich bewegt ist von ihrer Rückkehr in die Kulisse, deren Besonderheiten sie nach eigener Aussage heute besser zu schätzen weiß als damals in jüngeren Jahren. Und während die Interviews praktisch im Vorbeigehen vonstatten gehen, erzählt nicht zuletzt auch das Landhaus selbst aus dem Hintergrund heraus spannende Geschichten von damals.
Auch sonst hat Derek Pykett keine Mühen gescheut, sämtliche Beteiligte von damals zu Wort kommen zu lassen, wenn schon nicht für einen Tag im Rotherfield Park, dann aber doch zumindest in separaten Sitzungen vor Ort. Weitere Schauspieler wie Richard Hunter und Louise English geben Einblicke in ihre Sicht der Dreharbeiten oder sogar Memorabilia von damals, wie ein Originaldrehbuch mit Unterschriften und persönlichen Grußnachrichten von Price, Cushing & Co. Auch Desi Arnaz Jr. meldet sich kurz zu Wort. Drehbuchautor Michael Armstrong erläutert, wie er aus dem Stoff eine Art Höhepunkt des altmodischen Horrorfilms machen wollte mit allem, was das Publikum begeisterte. Die Musik erfährt ebenfalls eine Analyse. Michael Pickwoad gibt Einblicke in das chaotische Szenenbild. Jeanne Ferber geht auf Aspekte der Produktion ein. Und und und.
Allzu strukturiert ist „House of the Long Shadows… Remastered“ allerdings nicht geraten. Der Schnitt wirkt relativ unverbindlich, die Kamera achtet wenig auf Compositing, Ausleuchtung spielt keine große Rolle und ein narrativer Faden ist nicht zu erkennen. Das hat auch damit zu tun, dass sich viele der Gespräche mit unkritischen Retrospektiven begnügen, die auf eine Beschwörung der „guten alten Zeit“ ausgelegt sind. Wie bei einem Klassentreffen eben. Über den argumentativen Aufbau wird kaum ein Mehrwert erzeugt, der eine Laufzeit rechtfertigen würde, die sogar jene des eigentlichen Hauptfilms übersteigt. So lebt diese Rückschau auf einen Film, der trotz seiner spektakulären Besetzung längst von Moos überwuchert ist, hauptsächlich von Einsatz, Leidenschaft und einer gewissen Harmonie.
Weitere Extras der Wicked-Vision-Edition von „Das Haus der langen Schatten“
Darüber hinaus befindet sich noch ein 14-minütiges Interview mit Pete Walker namens „Pete Walker’s House of Horror“ auf beiden Discs. Wer die Abläufe der Produktion in komprimierter Version noch einmal rekapitulieren möchte und vor allem Walkers Motivation als Filmemacher verstehen möchte, sollte sich dieses Feature auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Es ist die vielleicht ergiebigste Quelle für alle nachträglich angefertigten Extras auf der Disc, inklusive des deutschen Kommentars und des Booklets. Wenn man diese endlos lange Zeit ohne neuen Pete-Walker-Film rekapituliert und ihn vielleicht auch ein wenig verflucht dafür, dass er das Filmemachen längst aufgegeben hat, wird man nach seinen Ausführungen vielleicht ein wenig mehr Verständnis für seine Entscheidung aufbringen, denn seine Anmerkungen zum Thema „Kompromisse“ wirken jeder Romantisierung des Jobs konsequent entgegen.

Pete Walker gibt Einblicke in seine Herangehensweise an das Medium Film.
Obligatorisch ist der englische Kinotrailer, der sich aber schon deswegen lohnt, weil es niemand Geringerer als Vincent Price ist, der hier den Off-Kommentator macht (und anmerkt „Vincent Price, that’s me“, als er im Bild auftaucht). Auf die Idee muss man erst mal kommen. Eine kleine Bildergalerie (3 Min.) mit musikalischer Begleitung ist ebenfalls dabei. Geboten werden diverse Artworks für Aushänge und Medienveröffentlichungen (unter anderem die Mediabook-Cover „nackt“ ohne Beschriftung) und etliche Promo- und Portraitfotos in bunt und schwarzweiß.
Fazit
„Das Haus der langen Schatten“ ist letztlich eine Veröffentlichung mitten aus der Comfort Zone dieses Labels und definitiv der bisher „typischste“ Wicked-Vision-Film in der Pete-Walker-Collection. Die technische Präsentation lässt nichts vermissen, bei der Cover-Auswahl bleiben kaum Wünsche unberücksichtigt und geredet über den Film wird reichlich im Booklet, drei Kommentaren und den Extras, unter denen eine spielfilmlange Dokumentation heraussticht. Es war der Schlusspunkt in Pete Walkers Karriere, aber hoffen wir, dass die „Pete Walker Collection“ in der Form noch ein wenig weitergeht.
© Sascha Ganser (Vince)
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