| Originaltitel: The Hunted__Herstellungsland: Belgien, Frankreich, Großbritannien, Griechenland__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Louis Lagayette__Darsteller: Lily Banda, Alec Newman, Kostis Kallivretakis, Vassilis Koukalani, Mylène Jampanoï, Raj Bajaj, Daphne Alexander, Pygmalion Dadakaridis, Argyris Gaganis u.a. |

Auf zur lustigen Menschenjagd in „The Hunted Survivors“.
Irgendwo an der Mittelmeerküste des afrikanischen Kontinents startet ein Schlauchboot seinen Weg gen Europa. An Bord: Viel zu viele afrikanische Flüchtlinge. Allesamt voller Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Situation auf dem überfüllten Boot bleibt nicht lange friedlich. Als der Motor explodiert, eskaliert die Lage. Obendrein geraten die Flüchtlinge in einen Sturm.
Als dieser vorbei ist, sind bis auf sieben alle Flüchtlinge ertrunken. Die Überlebenden haben jedoch Glück im Unglück. Sie werden von einer Jacht aufgesammelt. Die Besitzer des Luxusgefährts kümmern sich obendrein geradezu rührend um die Überlebenden und verbringen sie auf ihre Privatinsel. Auch hier werden die Flüchtlinge umhegt und umpflegt.
Als sie jedoch am nächsten Morgen zu sich kommen, finden sie sich auf der Ladefläche eines Transporters wieder. Sie begreifen, dass sie beim Abendschmaus betäubt wurden und dass es ihre Retter alles andere als gut mit ihnen meinen. Die stehen ihnen dann auch wenig später bis an die Zähne bewaffnet gegenüber und erklären ihnen, dass sie nun die Auswahl treffen würden, wer stark genug für eine Zukunft in Europa sei. Damit ist eine blutige Hetzjagd eröffnet.
Menschenjagd mit sozialkritischer Note
Zu Beginn fühlt sich „The Hunted Survivors“ mit seinen angeschlagenen Themen unangenehm aktuell an. Schleuser überlassen ihre „Kunden“ dem Unbill des Meeres. Die Hoffnung auf ein besseres Leben lässt die Flüchtlinge über jedwede drohende Gefahr der Überfahrt hinwegsehen. Dann passiert, was vermutlich unzähligen solcher Schiffe tatsächlich passiert: Die Natur schlägt grausam zu, die Technik versagt und es beginnt das große Sterben.
Die wenigen Überlebenden sehen sich daraufhin mit oberflächlichen, viel Müll labernden Rettern konfrontiert. Die schwadronieren über Artikel aus dem Magazin „Elle“ und meinen, zu wissen, was die Geretteten um- und antreibt. Wer jedoch genauer hinhört, bekommt einiges über die Biografien der Flüchtlinge mit und was sie wirklich aus ihrer Heimat trieb. Einzig Hauptfigur Wael scheint irgendein finsteres Geheimnis zu haben.
Diesem insgesamt wenig subtilen, aber durchaus gut funktionierenden Auftakt lässt Regisseur Louis Lagayette den Menschenjagd-Part folgen. Die bisherigen sozialkritischen Anlagen weichen dem für dieses Subgenre üblichen Duktus. Sprich: Privilegierte, von ihrem Luxusleben gelangweilte Idioten machen Jagd auf die Ärmsten der Armen und wundern sich irgendwann, dass diese sich nicht einfach umbringen lassen wollen. Zumal die Reichen nicht eben fair agieren: Sie sind mit modernen Waffen ausgestattet, überlassen ihrer Beute aber immerhin Macheten. Und sie tracken das „Wild“.

Leider keine Schauspiel-Entdeckung: Lily Banda als Wael.
„The Hunted Survivor“ macht nun keine Gefangenen mehr. Vor allem dünnt er die Flüchtlinge extrem schnell aus. Wael soll in den Mittelpunkt rücken, was schnell vonstatten geht. Leider ist sie die Figur, von der man eben am wenigsten weiß und so stellt man sich nur bedingt hinter sie. Zumal ihr Geheimnis alles andere als angenehm zu sein scheint.
Doch auch einige der Jäger bekommen schnell Probleme. Werden mit ihrer eigenen Moral konfrontiert oder verlieren ein paar Körperteile. Auch erste Verluste bleiben nicht aus. Diese sind sowohl auf Seiten der Jäger als auch der Gejagten kompromisslos umgesetzt.
Kehlenschnitte, Kopfschüsse, abgetrennte Extremitäten und in Hälsen landende Pfeile bilden hier nur die Speerspitze. Regisseur Lagayette mag es vor allem intensiv und so geraten einige Kills schon arg derb. Da wird gefühlt 20 Mal auf bereits tote Gegner eingestochen. Ganze Magazine werden in Gesichter abgefeuert. „The Hunted Survivors“ hätte in der Hochzeit der Videotheken riesige Probleme mit der FSK bekommen. Zumal die blutigen Effekte sitzen und weitgehend handmade umgesetzt werden.

Dieser Jäger genießt sein Tun sichtlich.
Prinzipiell macht der Menschenjagdfilm also eine Menge richtig. Auch das Setting der Insel als Jagdrevier liefert gute Bilder und wird ordentlich bespielt. Doch man baut einfach keine Bindung zu Wael auf. Auch weil Lily Banda sie nicht wirklich einnehmend verkörpert und allgemein überfordert wirkt. Auch die Jäger hauen nicht genug rein. So schaut man leider etwas arg unterwältigt in die Röhre.
Wenn dann auch noch Szenen lanciert werden, in denen Wael eine erbeutete Knarre erst entlädt und dann wegschmeißt, fühlt man sich von dem Film schlichtweg nicht verstanden. Obendrein erklärt sie dann auch noch, niemanden töten zu wollen. Obschon sie zu dem Zeitpunkt bereits weiß, dass zahlreiche ihrer „Mitstreiter“ blutigst verreckt sind. Obendrein erweisen die sich untereinander auch noch als wenig hilfreich und menschlich. Kurzum: Ich persönlich war zu diesem Zeitpunkt komplett raus aus der Erzählung.
Zwar müht sich Lagayette um ein spannendes Finish in einem komplett anderem Umfeld. Doch auch das funktionierte für mich wenig bis gar nicht, weil sich hier zum einen einige Jäger als arg bescheuert erwiesen und man auch noch spürte, dass man über genau diese bis auf altbekannte Genre-Klischees gar nichts erfahren hat.

Wael und einer ihrer Mitstreiter.
Zumal ihre Darsteller auch nicht wirklich gut spielen. Vor allem die von mir sehr gerne gesehene, aparte Mylene Jampanoi („N121 – Terror im Nachtbus“) habe ich noch nie so schlecht spielen sehen, wie in „The Hunted Survivors“. Auch die offensichtlich ein wenig schillernder gedachten Chefs der Menschenjagd schlagen nie wie geplant beim Zuschauer ein. Was vor allem Alec Newmans („Winnie the Pooh: Blood and Honey 2“) zwischen sämtlichen Polen changierender Charakter Vlad darstellen sollte, ich kann es nicht sagen.
Technisch wissen vor allem die bei Tag spielenden Sequenzen durchweg zu gefallen. Sobald es in „The Hunted Survivors“ jedoch Nacht wird, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Produktion sich einen fähigen Beleuchter schlichtweg gespart hat. Bei den nächtlichen Szenen auf dem Mittelmeer ist man wie beim Showdown mehr damit beschäftigt, in den Screen zu starren, um etwas zu erkennen, anstelle mitzufiebern. In den hektischeren Szenen gerät zudem die Kameraarbeit arg wackelig. Musik spielt in dem Film eine absolut untergeordnete Rolle – was den actionreicheren oder gar spannend gemeinten Momenten nur wenig hilft.
„The Hunted Survivors“ lässt den Zuschauer kalt
Prinzipiell hat man definitiv den Eindruck, dass Regisseur Lagayette dem Subgenre des Menschenjagdfilmes etwas abgewinnen kann. Immerhin versucht er durchaus, die von Filmen wie „Surviving the Game“ oder „Night Hunter“ gesetzten Standards ordentlich zu bedienen. Aber er verzettelt sich in zu vielen sozialkritischen Ansätzen, hantiert mit arg egalen Figuren, bekommt aus seinen Darstellern keine Intensität herausgekitzelt und kann einfach keine Spannung aufbauen. Zumindest die Action inszeniert er zupackend und hart – letztlich bleibt aber auch hier nichts in Erinnerung. Und das gilt leider auch unisono für „The Hunted Survivors“.
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Der Film erscheint am 01. Oktober 2026 auf DVD und Blu-ray. Er kommt von Spirit Media und ist ungeschnitten ab 18 freigegeben. Ihr könnt den Film ab dem 24. September 2026 auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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