Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Godzilla Minus Zero

Originaltitel: Gojira -0.0__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Takashi Yamazaki__Darsteller: Ryûnosuke Kamiki, Minami Hamabe, Hidetaka Yoshioka, Min Tanaka, Masami Nagasawa, Yûki Yamada, Sae Nagatani, Kuranosuke Sasaki, Sakura Andô, Miô Tanaka u.a.
Godzilla Minus Zero

Mit „Godzilla Minus Zero“ schließt Takashi Yamazaki direkt an „Godzilla Minus One“ an

Mit „Godzilla Minus One“ hatte Takashi Yamazaki („Returner – Kampf um die Zukunft“) einen furiosen Franchise-Neustart hingelegt, der das beste Einspiel eines japanischen „Godzilla“-Films erzielte, sich beim Oscar für die besten Spezialeffekte gegen die Hollywood-Konkurrenz durchsetzte und nebenbei auch noch der wahrscheinlich beste Film der Reihe ist. Mit „Godzilla Minus Zero“ legt der Regisseur und Drehbuchautor nun ein direktes Sequel nach.

Dementsprechend sind auch die menschlichen Hauptfiguren wieder an Bord. Der frühere Kamikaze-Pilot Koichi Shikishima (Ryûnosuke Kamiki), der bei der Bezwingung von Godzilla im Vorgänger die entscheidende Rolle spielte, hat Noriko (Minami Hamabe) mittlerweile geheiratet und gemeinsam ziehen sie die adoptierte Tochter Akiko (Sae Nagatani) auf. Noriko hilft in einem Waisenhaus aus und nimmt Akiko mit, die als Kind mit zwei Eltern dort eine Art Sonderling ist. Wie schon der Vorgänger verarbeitet auch „Godzilla Minus Zero“ das nationale Trauma Japans: Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, ebenso weitere Folgen des Zweiten Weltkriegs, der viele Familien auseinanderriss und viele Kinder elternlos hinterließ. Auch handlungstechnisch sind nur zwei Jahre ins Land gegangen, das Japan von „Godzilla Minus Zero“ ist immer noch im Wiederaufbau.

Eine weitere wiederkehrende Rolle und gelegentlicher Abendessensgast des Paares ist Kenji Noda (Hidetaka Yoshioka), der mittlerweile die Behörde für den Schutz gegen Katastrophen von Godzilla-Größe leitet. Zum bunt gemischten Team gehören Experten verschiedenster Couleur, etwa die instinktgetriebene Wettervorhersagerin Makoto Ayoma (Masami Nagasawa). Und aktuell fällt die nächste Bedrohung in Kaiju-Größe in Japan ein: Ein Drachenmonster, das von der Truppe auf den Namen Ghidora getauft wird. Neben der Mal-Freund-mal-Feind-Motte Mothra dürfte Godzillas Erzfeind Ghidora der vermutlich populärste Nebencharakter aus der Reihe sein, der von „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ über „Godzilla – Duell der Megasaurier“ bis hin zu „Godzilla II – King of the Monsters“ in verschiedenen Epochen und Zyklen auftauchte. Hier noch als einköpfiges Wesen, ohne das King vor seinem Namen, ganz im Origin-Story-Gedanken des Neustarts.

Die Expertentruppe entwickelt, mit Unterstützung einiger Flugzeuge des US-Militärs, nicht nur einen Plan A, sondern auch einen Plan B zur Bekämpfung des Monsters – die jedoch beide scheitern, obwohl sich Koichi gegen Norikos Wunsch der Gruppe anschließt. Noch dazu erwacht der im Meer versenkte Godzilla aus seiner Starre…

Schaut euch den Trailer zu „Godzilla Minus Zero“ an

Man muss kein Kaiju-Experte sein, um abzusehen, dass das Ganze natürlich auf eine Monsterschlacht der beiden Riesenkreaturen hinausläuft. Doch „Godzilla Minus Zero“ bleibt der Charakterisierung seiner Titelfigur treu: Der große Grüne wird nicht urplötzlich zum Beschützer der Menschheit, sondern ist weiterhin eine Urgewalt von einer Bedrohung. Eine, die man höchstens in die richtige Richtung dirigieren kann, damit es den Menschlein nutzt. Bis ungefähr zur Halbzeitmarke hat Japans Vorzeigemonster allerdings erstmal Sendepause und steht danach auch nicht unbedingt im Zentrum: Ganz im Sinne des Naturgewaltgedankens taucht er auf und wütet wie ein Hurrikan oder ein Erdbeben, besitzt kaum Eigenschaften oder Verhalten über seine Urinstinkte hinaus, die es zu entschlüsseln oder zu erklären gilt. Insofern bleibt der Fokus bei den menschlichen Figuren, die Mitteln und Wegen suchen müssen, um beiden Bedrohungen beizukommen, so als seien dies einfach nur neue Arten von Naturkatastrophe.

Godzilla Minus Zero

Godzilla tobt auch im Sequel wieder als entfesselte Urgewalt

Wie schon beim Vorgänger profitiert auch „Godzilla Minus Zero“ davon, dass seine Figuren nicht nur Lückenfüller-Pappkameraden für die Zeit zwischen den Monsterszenen sind. Es gibt viele nachvollziehbare zwischenmenschliche Konflikt, angefangen bei Koichis Rückkehr in den Dienst. Kenji will das Opfer nicht von seinem alten Freund verlangen, auch Ehefrau und Tochter wollen ihn nicht verlieren. Doch Koichi will von anderen nur das verlangen, was er auch selbst zu tun bereit ist. Das eigene Wohl, das Wohl der Liebsten und das Wohl der Nation werden von „Godzilla Minus Zero“ wohltemperiert gegeneinander aufgewogen, wobei der Film den pazifistischen Gestus des Vorgängers beibehält, genauso kritisch auf Krieg und Atomwaffen blickt. Das Verhältnis zum Kriegsgewinner USA bleibt auch in diesem Film ein schwieriges, mit nicht unbedingt vorteilhafter Zeichnung der Amerikaner, ohne diese zu dämonisieren. So wie es auch auf japanischer Seite auch Menschen mit zweifelhafter Agenda gibt. Zu diesem großen menschlichen Subplot gesellen sich kleinere: Makoto hat Schuldgefühle, weil sie bei einer Wettervorhersage gegen den eigenen Instinkt handelte, mit katastrophalen Folgen, Kenji hat mehr als professionelle Zuneigung für die Wetterfee übrig und der brillante Wissenschaftler Kanji Murakami (Min Tanaka) hat an seelischen Traumata zu knabbern.

So sind die Figuren kein anonymer Ameisenhaufen von Bürokratieapparat wie etwa in „Shin Godzilla“, sondern „Godzilla Minus Zero“ konzentriert sich auf seine Handvoll zentraler Figuren. Manchmal vielleicht sogar eine Spur zu sehr, denn gerade im letzten Drittel lenkt das Persönliche dann doch manchmal zu sehr von dem Monsterfilm ab, der „Godzilla Minus Zero“ dann trotz allem immer noch ist. Auch nach dem eigentlichen Finale zieht sich Yamakazis Film vielleicht zu sehr in dem Bemühen allen Figuren noch einen runden Abschluss zu geben – und in einem Fall auch vielleicht ein wenig zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Dafür ist die Besetzung wieder stark, allen voran Ryûnosuke Kamiki („Der große Japaner – Dainipponjin“) als zweifelnder Held zwischen privatem Glück und Aufopferung, aber auch Minami Hamabe („Phoenix Wright – Ace Attorney“) als mahnende Ehefrau, Hidetaka Yoshioka („The Hidden Blade“) als umsichtiger Behördenchef und Min Tanaka („Blade of the Immortal“) als ebenso brillanter wie traumatisierter Wissenschaftler setzen starke Akzente. Neben dem Quartett geraten andere Figuren und Darsteller etwas ins Hintertreffen, trotz mancher nominell wichtiger Rollen.

Godzilla Minus Zero

Kenji Noda (Hidetaka Yoshioka) leitet mittlerweile den Katastrophenschutz, der auf Bedrohungen in Kaiju-Größe reagiert

Die wichtigsten Rollen haben aber natürlich die beiden großen Kaiju inne. Beide bekommen ihre Momente, wenn sie Städte plattmachen, gegen menschliche Truppen antreten (die nicht ganz so ineffektiv wie in manchen alten Filmen der Reihe sind) oder sich irgendwann gegenseitig auf die Mütze geben. Wieder schafft „Godzilla Minus Zero“ den Spagat zwischen moderner, ziemlich gut aussehender CGI-Tricktechnik und Hommage an nostalgische Gummianzug-Zeiten in den Actionszenen. Zu bekannten Waffen wie Godzillas atomarem Atem kommen einige neue Fähigkeiten, etwa ein Antigravitationsstrahl, der in einer besonders eindrucksvollen wie erschreckenden Szene jede Menge Häuser schweben und wieder fallen lässt – mitsamt deren bemitleidenswerten, sichtbaren Bewohnern. Auch hier bleibt „Godzilla Minus Zero“ seinem Konzept treu: Die Kaiju sind Wiedergänger der Schrecken des Krieges, die Tod und Verheerung über das Land bringen, keine Rabauken im unbeschwerten Plattmachspaß. Auch bei den Kämpfen der Monster untereinander wird es in Sachen Verwundungen und abgetrennte Körperteile etwas graphischer und blutiger als sonst von der Reihe gewohnt. Mit einem Luftkampf zwischen Ghidorah und einigen Fliegern bietet „Godzilla Minus Zero“ auch mal ein Set Piece, das sich von den Standards der Kaiju-Action entfernt, während der Finalkampf den würdigen, traditionellen Monster-vs.-Monster-Höhepunkt darstellt. Einziger Wehrmutstropfen hier: Das Duell ist vielleicht doch eine Nummer zu schnell vorbei, gerade im Kontext eines solchen Zweistünders.

„Godzilla Minus Zero“ ist als Sequel durchaus auf Augenhöhe mit dem Vorgänger, mit quasi identischen Stärken und Schwächen. Eine gelungene Übersetzung traditioneller Kaiju-Action ins moderne Kino, mit nostalgischem Charme und kontemporärer Effektarbeit, dazu mit erfreulich ausgearbeiteten Figuren, facettenreichem Subtext und einer Storyline mit dem notwendigen Ernst, welche die Monster als Urgewalt in Szene setzt. Manchmal nehmen die menschlichen Handlungsparts etwas überhand, im Finale könnte die Action etwas präsenter sein und gegen Ende wird es bisweilen kitschig. „Godzilla Minus One“ bekommt die Mischung noch etwas besser hin, aber das Sequel reiht sich nur knapp dahinter ein.

Starke:

Plaion Pictures bringt „Godzilla Minus Zero“ am 5. November 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Plaion Pictures__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 5.11.2026 in den deutschen Kinos

Tagged as: , , , , , , , , , , , , ,