| Originaltitel: Above & Below__ Herstellungsland: USA-Spanien__ Erscheinungsjahr: 2026__ Regie: Jesse V. Johnson__ Darsteller: Laura Marano, Antonio Banderas, Diego Llinás, Christina Ochoa, Timothy V. Murphy, Louis Mandylor, Jess Liaudin, Donncha Tynan, Ryan Bertroche, … |

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Hierzulande unter dem unpassenden Titel „Tides of Fear“ veröffentlicht, handelt es sich bei „Above & Below“ um ein sowohl in den bulgarischen „Nu Boyana“-Studios als auch auf und um den Kanarischen Inseln herum gedrehtes B-Movie, dem im Sommer 2026 in einigen Ländern sogar ein Kino-Start zugestanden wurde – im Rahmen dessen ich mir den Streifen spontan mal in einem balinesischen Cineplex auf der großen Leinwand angesehen habe. Natürlich ist das Werk primär für den Streaming- bzw. Home-Video-Markt produziert worden – wo es fraglos klar am besten aufgehoben ist – doch hegte ich an jenem Tag einfach Lust auf Entertainment dieser Art und barg die Prämisse – nämlich eine Kreuzung aus einem Shark-Survival- und Confined-Space-Crime-Thriller – per se durchaus Potential in sich. Dass Regisseur Jesse V. Johnson (u.a. „Accident Man“, „Chief of Station“ und „Thieves Highway“) wahrlich nicht dafür bekannt ist, effektiv Suspense generieren zu können, sowie Skript-Autor Anthony Steven Giordano im Vorhinein bloß Flicks wie „Zombies! Zombies! Zombies!“, „Robo-Dog: Airborne“ und „Space Pups“ verfasst hatte, hilft einem derweil schonmal dabei, seine Erwartungshaltung entsprechend zu kalibrieren…
Im Zentrum des Geschehens sind fünf junge Amerikaner on Vacation abroad unterwegs – und zwar Tatiana (Laura Marano), ihr Boyfriend TJ (Donncha Tynan), ihr Bruder Kyle (Diego Llinás) sowie das Pärchen Kayle (Christina Ochoa) und Danny (Ryan Bertroche). Erstere stehen just davor, bekannt zu geben, dass sie ihre Beziehung zu „pausieren“ gedenken, letztere genießen die Reise in vollen Zügen und Kyle wird von seiner Schwester ständig im Auge behalten, da er unter Spielsucht leidet und sie ihm nicht vertraut, dass er sich daran hält, die Finger von jeglichem in der Hinsicht zu lassen – zu Recht, wie sich herausstellt, als er sich eines Abends in einem Club flink von den anderen absetzt sowie in einem Hinterzimmer in eine Poker-Partie einsteigt, bei der er am Ende sein gesamtes Geld an einen Herrn (Antonio Banderas) verliert, der bis zu jenem Punkt hin den unterhaltsamen Erzählungen des Touristen gelauscht hatte. Daraus resultierend, bietet Burns ihm (nach der niederschmetternden Preisgabe seiner Karten) kurzerhand ein „Trostpflaster“ an, um ihm und seinen Freunden zumindest ein positiv in Erinnerung verbleibendes „Highlight-Erlebnis“ zu bescheren: Ein privater Boots-Ausflug samt Käfig-Tauchen in Haifisch-Gewässern…
Dass Kyle sein Ehrenwort gebrochen hat, verärgert Tatiana – allerdings wird darauf nicht intensiver eingegangen und sich am nächsten Morgen stattdessen zu dem Katamaran Captain Logans (Timothy V. Murphy) begeben, welcher bestätigt, dass Burns ihn über alles informiert habe und sie sich außerdem frei an der Bar bedienen dürften. Bevor sie in See stechen, kommen jedoch noch zwei suspekt-grimmige Männer mit an Bord, die wachsam über „Gepäck“ unbekannten Inhalts wachen: Martin (Louis Mandylor) und Garrison (Jess Liaudin). Speziell die Mädels fühlen sich Unwohl in deren Gegenwart – und als Kyle bei Logan nachhakt, warum jene denn überhaupt mit dabei wären, empfiehlt der, sie schlicht zu ignorieren (was im Falle Martins allerdings nicht ganz so simpel ist) und sich auf den eigenen Spaß zu konzentrieren. Fortan legen sich die Girls gechillt in die Sonne und absolvieren die Jungs ihren Tauchgang (unabhängig einer selbstverschuldet leichtsinnigen Aktion) reibungslos – wonach getauscht wird, so dass Kayle und Tatiana nun eine Auswahl angelockter Haie durch das sie schützende Gitter beobachten können: Eine aufregende, tolle Erfahrung. Was sie nicht wissen: Oben an Deck verschärft sich die Lage plötzlich…
„Tides of Fear“ arbeitet solide, wenngleich berechenbar auf eine Eskalation der Situation hin – mit Martin und Garrison nach einer schiefgelaufenen Übergabe aufkreuzend, beide zwischenmenschlich nicht optimal miteinander harmonierend, Martin sich aufdringlich-unsympathisch den „Kids“ gegenüber gebarend sowie Garrison diesen via Zurückhaltung und Ruhe eigentlich nicht gerade schwer zu meisternden Teil ihres Plans angespannt-professionell abzuschließen versuchend. Dass einem der Bros unter Wasser sein Handy entgleitet und er sich deshalb dazu entscheidet, den Käfig zu verlassen, um es wiederzubeschaffen, befördert die Geschichte indes nicht ernsthaft vorwärts und kündigt auf diesem Wege bereits an, dass mit „Unebenheiten“ im Bereich der Gewichtung Schrägstrich Balance der unterschiedlichen Bedrohungen (siehe Original-Titel) zu rechnen ist. Wenige Minuten später wird dann eine Tasche verwechselt und der Blick auf eine stattliche Menge Koks darin offenbart – was Martin stracks dazu animiert, eine Pistole zu zücken und das Feuer auf die Zeugen dieser Gegebenheit zu eröffnen; infolge dessen die Mädels entsetzt damit konfrontiert werden, die Leichen TJs und Dannys an ihnen vorbei auf den Meeresboden hinabsinken zu sehen…
Auf einem weiteren Boot eingetroffen, ist Burns – welchem die Drogen gehören – ziemlich angefressen angesichts der seine illegalen Geschäfte gefährden könnenden Entwicklungen. Ihr wisst schon: Tote Touristen und so. Eine gewichtige Sache markiert überdies noch, dass ein Teil der wertvollen Ware ab einem bestimmten Zeitpunkt ebenfalls (fest eingeschweißt) unten auf dem Grund liegt: Das Ergebnis eines gelungenen Moments, den ich hier nicht spoilern werde. Als er zudem mitbekommt, dass es ja auch noch Tatiana und Kayle gibt – und wo sich diese aktuell befinden – wendet er sich übers vorhandene Kommunikations-System an sie und fordert sie dazu auf, ihm seinen Besitz zu bergen. Im Gegenzug würde er ihnen nichts antun, seiner Aussage nach. Mit ihrem Sauerstoff-Vorrat sich konstant verringernd, Raubtieren um sich herum sowie Mördern an der Oberfläche, müssen sie also abwägen, wie am besten zu verfahren ist. Ergiebigerweise sind sie trotz allem erstaunlich gefasst und vermag Tatiana mit ihrem Mobil-Telefon „aus der Tiefe“ sogar ein SOS-Signal auszulösen: Nur zwei einer Reihe von Unglaubwürdigkeiten. Wie es letzterer bspw. glückt, an einer Stelle den Käfig von der ihn haltenden Kette zu lösen, ist noch so einer…
Die Charakter-Zeichnungen sind durchweg schlicht geraten. Eingangs wird dem US-Quintett immerhin ein Hauch individueller Persönlichkeiten zugeschrieben – doch reicht das nicht aus, um eine vernünftige Connection zu ihnen aufzubauen. Dass Tatiana und Kayle die Tode ihrer Boyfriends kaum richtig nahe zu gehen scheinen – geschweige denn dem Publikum – ist im Prinzip vernachlässigbar (obgleich ein kitschiger „romantischer Flashback“ gen Ende somit umso überraschend-deplatzierter anmutet) – bloß wäre etwa dem angeschlagenen Geschwister-Verhältnis mehr Substanz zu wünschen gewesen. Kyle ist unehrlich und egoistisch – und auch wenn Screen-Debütant Diego Llinás die Scham, als Tatiana ihn damit konfrontiert, ordentlich rüberbringt, habe ich ihm dennoch nicht die Daumen gedrückt, dass er das Ganze übersteht. Donncha Tynan („Anniversary“), Christina Ochoa (TV’s „Blood Drive“) und Ryan Bertroche („Six Days in Evergreen“) agieren derweil ähnlich brauchbar – allerdings schwächer als Laura Marano („Last Train to Fortune“) als Tatiana: Der außerdem als Sängerin aktive Ex-„Disney“-Sitcom-Star überzeugt als listig-resolutes „Final Girl“ – wobei aber kräftig „Suspension of Disbelief“ vonnöten ist, wie geschwind adaptiv, bedacht und kompetent sie das alles so meistert…
„Tides of Fear“ profitiert ungemein von Antonio Banderas‘ Partizipation – welcher seit einigen Jahren ja zwischen „Paycheck-Projekten“ (á la „Code Name Banshee“, „Cult Killer“ oder dieses hier) und wertigerer Kost (wie „Babygirl“, „Paddington in Peru“ und „Tony“) hin und her wechselt. Es ist anzunehmen, dass Johnson ihn einfach „sein Ding“ hat machen lassen – und man spürt, dass Banderas den verschmitzt-charismatisch-arroganten, mehrfach seine Vorstellungen und Schritte nachjustieren müssenden Baddie vergnügt (mit Spaß) dargeboten hat. Den übergriffig-dümmlich-reizbar-impulsiv-gefährlichen, durch seine unüberlegten Entscheidungen „den Schlamassel“ stetig vergrößernden Martin verkörpert Louis Mandylor („Battle for Saipan“) unterdessen erfreulich prima. Seine Szenen mit Banderas sorgen für einen Zacken an Humor (der beabsichtigten, nicht unamüsanten Art) – vorrangig im Zusammenhang mit seinem Unbehagen, von Burns wegen der Tasche wohlmöglich zum Hinabtauchen angewiesen zu werden. Und als er genau das schließlich muss, zeigt seine (zum Kopfschütteln animierende) Tat, mit der er die Haie dabei von sich fernhalten will, wie groß sein Mangel an Grips wahrhaftig ist…
Ex-„MMA“-Fighter Jess Liaudin („One Shot“) gefiel mir als wortkarger, im Rahmen seiner Profession als „Enforcer“ durchaus aber auch mal seine eigene Meinung vertretender Garrison – während Timothy V. Murphy („Road to Paloma“) eine treffende Wahl für den Part des Captains war, der (erwartungsgemäß) Infos wie „Generally, a shark is a cautious animal with a curious disposition. They’re not blood-thirsty monsters – but they are apex predators.“ beisteuert sowie im Verlauf ungewollt in „das Dilemma“ mit hineingezogen wird. Seine fünf jungen Passagiere sind Logan beileibe nicht egal – allerdings ist ihm unmissverständlich bewusst, Burns besser nicht in die Quere zu kommen. Das Konzept, dass die Haupt-Gefahr in diesem Film nicht von den Haien, sondern von menschlichen Antagonisten ausgeht, erinnert ein wenig an Sean Byrne’s „Dangerous Animals“ – vermengt mit Elementen aus John Barr’s „Dangerous Waters“ sowie (nicht unerheblich) Johannes Roberts‘ „47 Meters down“. Zwar hat das Verweben dieser Komponenten im Vorliegenden an sich keineswegs schlecht geklappt – doch erreichen beide ihr eigentliches Potential „unterm Strich“ jeweils nicht; was u.a. der mit Unoriginalität verbundenen Vorhersehbarkeit Giordano’s Vorlage anzukreiden ist…
Über Wasser kann Johnson einmal mehr sein Können beim Arrangieren von Schusswaffen-Gebräuchen demonstrieren – doch hält sich die Zahl solcher Situationen in Grenzen; auch wenn die Ankunft eines Duos Tatiana’s Notsignal anpeilender Cops (Rodrigo Poisón und Mario Tardón) den Bodycount noch ein Stück weit erhöht. Ansonsten wird „oben“ meist geredet – verhandelt, geflucht, abgewogen und geplant – mit Tatiana und Kayle sich „unten“ indes mit schwindenden Luft-Reserven und verschiedenen Haien auseinandersetzen müssend – einer davon ein spezieller mächtiger „Great White“, der sich nach langem (den 2000ern) just erneut mal wieder blicken lässt: So’n Zufall – und Pech für die Unglückseligen. Ein paar „Jump Scares“ und Aktionen außerhalb des Käfigs bieten solide Genre-Setpieces – welche mitunter aber rein wie zweitklassige Versionen derer in dem genannten Roberts-Streifen daherkommen. Ein ausgeprägteres Maß an Spannung, Kreativität und „Drive“ hätte da mit Sicherheit noch das eine oder andere (akzentuierend und/oder kaschierend) bewirken können – so jedoch bleibt der Eindruck nahezu kontinuierlich im Bereich „okay“ stecken; inklusive des Scores Maria Vertiz‘ („Shaman“) sowie der Bebilderung Maxime Alexandres („Crawl“)…
Bei den Unterwasser-Aufnahmen hat man viel mit „negativem Raum“ gearbeitet, in welchem sich wiederholt schemenhafte Bewegungen ausmachen lassen und aus dem heraus jederzeit urplötzlich etwas hervorschnellen könnte. Merkwürdigerweise ist es bloß eine kurze Strecke vom zentralen Ort des Geschehens entfernt auf einmal stockfinster – ja, damit Tatiana mal ihre Magnesium-Fackel anzünden kann, ich weiß – doch konnte generell zufrieden stellend „verschleiert“ werden, dass diese Passagen in einem Wasserbecken am Rande Sofias gedreht wurden (allerdings klingen die nachvertonten Sprach-Übertragungen nicht so, als würden die Leute dabei in einer Taucher-Maske stecken). In Sachen CGIs sind die der Haie denen des Bluts und der Explosionen überlegen – und obwohl ein verwendeter zernagter Prosthetic-Torso grundsätzlich von stattlicher Qualität ist, musste ich mich unweigerlich fragen, warum nur man ihn dermaßen „zersetzt“ ausschauend gestaltet hat. Kayle dagegen ist da wesentlich robuster: Zuerst schießt sie sich selbst eine Harpune durch den Arm – was nach dem Rausziehen des Pfeils einfach nicht weiter thematisiert wird – worauf ihr später zudem auch noch ein Hai herzhaft ins Bein beißt – ohne gravierendere Verletzungen zu verursachen…
Fazit:
„Tides of Fear“ ist nicht ununterhaltsam – doch verhindert seine formelhaft-generisch-berechenbare inhaltliche wie inszenatorische Beschaffenheit, dass die Aussicht bzw. Hoffnung auf „thrilling and/or cheesy B-Movie-Fun“ alles in allem nicht eingelöst wird; einzelner eben solcher Momente zum Trotz – wie als Tatiana einen Hai in over-the-Top-Manier ausweidend aufschlitzt oder sie endlich eine Waffe zu fassen bekommt, diese auf Burns richtet und ihm die Ansage „Listen to me, you boomer motherfucker! You murdered my friends, injured my family, and ruined my vacation! I should shoot you where you stand right now! The only reason you’re still breathing is that I’m choosing to show restraint! You’re done here! Off this boat! Now! Before I change my fucking mind!“ um die Ohren haut. Und nein, das habe ich mir im Kino so nicht Wort für Wort merken können, sondern im Nachhinein ein Transkript ergoogelt…
gute![]()
Hierzulande erscheint „Above & Below“ als „Tides of Fear“ am 30.10.26 auf DVD und BluRay.
Stefan Seidl

(© AF Films, Aura Entertainment, Wild Bunch & LEONINE)
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zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright der „Above & Below“ bzw. „Tides of Fear“ Poster-/Covermotive und Pics: AF Films / Match Point / Capture Ent. / Aura Entertainment (US) / Wild Bunch, LEONINE (D)__ Freigabe: FSK-16__ DVD/BluRay: ja/ja |





