| Originaltitel: Nightfall__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: Zac Villanueva__ Darsteller: Guy Hershler, Teri Hatcher & Emma Malouff |

Den Kurzfilm kann man sich (in der Originalfassung) hier anschauen!
In einer regnerischen, stürmischen Nacht fahren zwei Teenager eine ländliche Straße entlang einem bestimmten Ziel entgegen. Emotional aufgewühlt, angespannt sowie um passende Worte ringend, geht James (Guy Hershler) hinterm Steuer das durch, was er einer speziellen Person in Kürze zu sagen gedenkt: „I’m sorry… Have you forgiven the… Have you forgiven the…“ – doch bekommt er’s einfach nicht richtig zu Ende über die Lippen. Neben ihm sitzt Mia (Emma Malouff) – welche das Ganze für eine schlechte Idee hält. „I’m ready“, versichert er ihr – was sie ihm aber nicht abnimmt, so dass sie ihn zuerst darum bittet, dann energischer dazu auffordert, umzudrehen. „There’s no way she’s forgiven you. You’re making this worse.” Stattdessen erhöht er die Geschwindigkeit. „I need to see her.“ Zunehmend ängstlicher werdend, fängt sie zu weinen sowie nach ihrer Mutter zu fragen an. Seine Versuche, sie zu beruhigen, gelingen nicht – worauf sie plötzlich laut aufschreit: „Why did you leave me?!“ – und das Publikum etwas zu sehen erhält, das ich hier nicht konkret spoilern werde…
So beginnt „Nightfall“ (2025) – ein rund sechzehneinhalb-minütiger dramatischer Horror-Thriller-Short von Regisseur und Co-Autor Zac Villanueva, welchen jener gemeinsam mit Hershler verfasste und bei dem es sich um das bis dahin aufwändigste Projekt des jungen Filmemachers handelt, der zuletzt auch als persönlicher Assistent von Zach Cregger bei der Entstehung dessen Genre-Hits „Weapons“ und „Resident Evil“ mit dabei war. Angesiedelt am Todestag der Tochter Annes (Teri Hatcher), an deren Tür James unmittelbar nach der Titel-Einblendung herantritt, wird dem Zuschauer relativ rasch bewusst, dass er der dafür Verantwortliche ist: Damals hatte er sie – Mia – auf einer Straße nahebei mit seinem Wagen erfasst – sich jedoch vom Ort des Geschehens entfernt, anstelle ihr zu helfen sowie zum Vorgefallenen zu stehen. James erzählt Anne, Mia von der Schule her gekannt zu haben – und sie nimmt die unverhoffte Gelegenheit dankend an, nicht allein sein zu müssen sowie mit jemandem über das Thema reden zu können (u.a. seit ihr Mann nicht mehr bei ihr ist)…
Anne ist voller Trauer. Bevor Mia starb, hatten sie sich gestritten, war jene rausgeschlichen und war es schließlich Anne selbst gewesen, die ihre Leiche fand. Als sie erwähnt, dass sie sich kaum noch an ihre Stimme erinnern könne sowie sie sich manchmal ausmalen würde, sich mit ihr zu unterhalten, offenbart ihr James: „I see and hear her… all the time.“ Wenn sie nur wüsste. Dies resultiert darin, dass das Gespräch dahin führt, ob man dem Fahrer wohl verzeihen könnte, falls es bspw. ein Unfall war und jener ernsthaft reumütig und schuldbedrückt sei. „No. No, no, no“, entgegnet sie entschieden, „I mean, this was no accident. She was killed. And that sick, unimaginable monster decided to leave her like dead meat. And the person responsible is out there, living on.“ Würde sie dem Täter den Tod wünschen? „No. That wouldn’t be enough. No… for it to be even, they would need… their baby slain in the street.“ Auf direkte Erkundigungen Annes hin, beschreibt James ihr Mia, wie diese ihm erscheint – und gibt an, dass sie auch gerade jetzt dort mit ihnen zugegen wäre…
An diesem Punkt ist „Nightfall“ ungefähr zur Hälfte vorüber. Anne tut ihm sehr leid und sein Gewissen belastet ihn schwer – also geht er ins Bad und ruft die Polizei: „A man is wanted for murder here. Please come soon.“ Fest entschlossen, ihr alles zu gestehen und sich den Behörden auszuliefern, kehrt er ins Wohnzimmer zurück – doch Anne ist verschwunden. Hat sie das zu stark mitgenommen – oder hat sie ihn durchblickt? Wie und in was für eine Richtung sich dieser sich von seiner Atmosphäre, guten Performances sowie die mit der Materie verbundenen Emotionen ergiebig profitierende Kurzfilm in seinem finalen Drittel noch so entwickelt, das können Interessierte gern selbst entdecken. Debütant Guy Hershler transportiert den schmerzhaften, bedauernden Seelenzustand James‘ glaubwürdig – welcher nicht bloß daher stammt, dass er von Mia heimgesucht wird. Keineswegs etwa betrunken oder auf Drogen, hatte er mit der Situation konfrontiert einen großen Fehler begangen und war abgehauen – ist nun aber (endlich) dazu bereit, sich den Konsequenzen zu stellen…
James‘ Absicht und Antrieb in der gegenwärtigen Nacht entschuldigt nicht, was er getan hat – verleiht ihm allerdings einen gewissen ambiguierten Zuspruch, so dass man ihm nicht strikt schwarzweiß ein schlimmes Schicksal wünscht. Indes hatte der Verlust ihres Kindes Anne’s Leben zerbrechen lassen: Unversiegt brodeln Herzeleid und Selbstvorwürfe sowie Erbitterung aufgrund der Weise Mia’s Todes unter ihrer ruhigen, ausgezehrten Schale. Wie wohl wird sie reagieren, wenn sie die Wahrheit hinter seinem Auftauchen begreift oder er ihr jene offenbart? Verzeiht sie ihm, entlädt sich all ihre angesammelte Wut – oder tritt vielleicht noch eine andere Komponente mit ins Spiel, eventuell im Zusammenhang mit Mia’s Präsenz? Teri Hatcher („2 Days in the Valley“) überzeugt in der Rolle, deren unverarbeitete, tiefschneidende Gefühle psychologisch und menschlich nachvollziehbar sind. Emma Malouff („the Vigilante“) verfügt zwar nur über ein paar Momente als Mia, meistert diese aber prima – sich dabei im Raum Echtes Ghost Girl oder nur in James‘ Kopf? bewegend…
„Nightfall“ ist ein handwerklich kompetenter Short, der Villanueva durchaus fürs Anvertrauen der Regie eines Feature-Films empfiehlt. Er präsentiert ein solides Gespür für die Erzeugung von Suspense, hat mit seinem Kameramann Joseph Wise („Moonshine“) einige gelungene Shots arrangiert und wählte überdies (erfreulich) die Practical-Route – u.a. in Form feiner Makeup-Kreationen Patrick Bradberrys („Somnium“) sowie einer 4000-Gallonen-Regenmaschine – statt dafür CGIs oder gar AI zu nutzen. Obendrein noch ein ordentlicher Score Daniel Greis‘ („Mugabe“), ein effektives Sound-Design und ein toller Stinger im ersten Viertel: Vom Look und Feeling her hatte ich keine Notwendigkeit zur Klage. Inhaltlich ist es dagegen ein Stück weit absehbar, worauf der Verlauf hinzusteuert – und hätte eine Passage im Wald meines Erachtens eine minimale Straffung vertragen können – doch war ich mit dem gebotenen Ausklang nichtsdestotrotz zufrieden, welcher zum Glück auch auf eine dieser im Horror-Genre verbreiteten klischeehaften finalen Einstellungen verzichtet…
knappe![]()
Stefan Seidl

(© Nightfall Production LLC, Zac Villanueva Motion Picture Group LLC & ALTER)
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| Copyright des „Nightfall“ Postermotivs und der Screenshots: Nightfall Production LLC / Zac Villanueva Motion Picture Group LLC / ALTER __ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein |
