| .Originaltitel: Command Performance__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2009__Regie: Dolph Lundgren__Darsteller: Dolph Lundgren, Melissa Smith, Dave Legeno, Hristo Shopov, Zahary Baharov, Clement von Franckenstein, Ivaylo Geraskov, Shelly Varod, Katarzyna Wolejnio, Ida Lundgren, Robin Dobson, Raicho Vasilev u.a. |

Dolph Lundgren spielt in „Command Performance“ die Hauptrolle und führte Regie.
Regisseur Dolph Lundgren und sein Lieblingsdarsteller Dolph Lundgren sind wohl eines der Traumduos des B-Actionfilmes! Warum? Weil sie es wie kaum jemand anderes aus den Reihen der alten Actionrecken verstehen, das Kino der guten alten 80er und 90er modern verpackt für die heutige Zeit aufzubereiten.
Das nahm seinen Anfang im soliden, in technischer Hinsicht aber wegweisenden Regiedebüt von Dolph Lundgren. „The Defender“ zeigte 2004 auf, dass der Schwede verstanden hatte, was seine Fans von ihm wollten und dass er in der Lage war, genau das nicht aussehen zu lassen, als würde irgendein x-beliebiger Darsteller mal eben in Regie machen.
Lundgren hatte nach einer langen Schaffenspause offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht, was er vor allem mit seinem meines Erachtens bisherigen Meisterwerk „The Mechanik“ 2005 nur unterstrich. Ein derartiges Frontalbrett hatte es bis dahin seit Ewigkeiten nicht mehr gegeben und es war wie ein Statement gegen die ganze PG-13-Scheiße und viel zu verkopfte Actionvehikel aus Hollywood. Geradlinig wurde eine brachiale Story urstbrutal abgespult und einfach noch mal gezeigt, wie Action auszusehen hat.
Es folgte Dolphs bisher ambitioniertestes Filmprojekt, denn in „Missionary Man“ ging es ihm 2007 sichtlich mehr um die Erschaffung einer stimmigen Neo-Western Atmosphäre als um brachiale Hammeraction. Dass es dennoch rummste, dafür steht freilich schon der Name Dolph Lundgren. Die Teilregie an „Diamond Dogs“ blenden wir hier einmal wohlwollend aus, an dem Film war eh kaum noch etwas zu retten.
Altactionheld wird zum Altrocker
Und genauso scheint Lundgren gedacht zu haben, denn mit seinem offiziell vierten Regieprojekt machte er wieder das, was er am besten kann: Bambule! Aber amtlichst! Rundherum zimmerte er als Drehbuchautor eine recht belanglose „Stirb Langsam“-Routine, die letztlich sogar noch mehr an das „Stirb Langsam“-Rip-Off „Sudden Death“ als an den Willis-Brecher denken lässt.
Hauptdarsteller Dolph Lundgren gibt hier Joe, einen Altrocker, der als Drummer einer Crossover Band richtig auf die sprichwörtliche Pauke haut. Kurz nach dem Auftritt der Mannen um Joe in Moskau werden die Konzerträume von ein paar abtrünnigen Russen gestürmt. Ihre Beute: Der russische Präsident (dessen Tochter von Ida Lundgren, Dolphs Tochter in ihrem Filmdebüt, gegeben wird), der amerikanische Botschafter und ein Popsternchen namens Venus, das gerade JLo-ähnlich zum Superstar aus der Bronx aufgestiegen ist.
Joe hat von all dem gar nix mitbekommen, hat er doch gerade im Klo des Gebäudekomplexes eine Tüte gebastelt und selbige durchgezogen. Wie es sich halt für einen echten Rocker gehört. Doch nach dem bewusstseinserweiternden Lungenputz wird er der verfahrenen Situation gewahr. Die bösen Russen gehen über Leichen und Joe versucht alles, um der Gefahr zu entgehen – bis es ihm irgendwann reicht und er den Terrorrussen kräftig in den Wodka rotzt.
Dolph Lundgren in einem wuchtigen „Stirb Langsam“-Klon
Bei seinem „Gig“ treibt er Drumsticks durch gegnerische Köpfe, rammt Armeemesser in russische Quadratschädel, spießt die Lumpenhunde mit E-Gitarren auf und zerstört wortwörtlich diverse andere menschliche Hindernisse. Erklärt wird dieser Hang zum praktischen Töten mit herumliegenden Utensilien mit einer kleinen Waffenphobie von Joe. Dass dies nur ein Vorwand für ein Mehr an kreativen Todesarten ist, dürfte spätestens dann klar sein, wenn Joe keine 15 Minuten nach der Erläuterung der Gründe für sein Waffentrauma seinen Stahlkörper mit Granaten, Kalaschnikows und allem möglichen anderen Kroppzeugs behängt, um die Bäddies auszudünnen.
Nicht nur an derartigen Punkten merkt man, dass Regisseur Lundgren dem Drehbuchautor Lundgren mal noch ein paar Übungsstunden verordnen sollte. Warum beispielsweise unter den abtrünnigen Russen noch einmal noch abtrünnigere Russen sein müssen, die gegen die abtrünnigen Russen vorgehen… man weiß es nicht. Und das Schlimmste: Der Film braucht es nicht.
Zumal es in einer Szenenfolge mündet, die ich per se an Actionfilmen immer schwer hasse: Der Oberbäddie beginnt seine eigenen Leute zu killen! Verdammt noch mal, dafür ist Dolph da! Auch die amerikanische Hupfdohle Venus, wohl im Drehbuch als Sidekick für Joe gedacht, kommt nie im Film an und ist eigentlich nur da, um ihren straffen Body an der Kamera vorbeizuschlängeln. Und derartige Punkte findet man mühelos zuhauf.
Dennoch kann sich Hauptdarsteller Lundgren insofern auf Drehbuchautor Lundgren verlassen, dass dieser am besten weiß, wie er seinen Star in Szene setzen muss. Lundgren hat sichtlich Spaß am Rockerleben. Mal macht er auf obercool, nur um in der nächsten Szene als ziemlicher Stoffel dazustehen. Dass er den Überfall der Terroristen wegen einer Tüte Gras verpasst, ist ein echter Brüller. Und auch diverse Seitenhiebe auf sein vorangeschrittenes Alter nutzt Lundgren für wunderbare Schmunzelszenen.
Diese Lockerheit ist es auch, die Lundgren im Allgemeinen zuletzt auszeichnete. Im Gegensatz zu all den anderen alten Recken (van Damme sieht man sein exzessives Leben in jeder Gesichtsfalte an, Seagal investierte jeden Dollar in fettes Essen und dreht kaum noch, Dudikoff ist gefühlt in Rente, …) ist der Schwede wie ein guter Wein gereift.
Er hat sich ein ordentliches Pfund an verschmitztem Lausbubencharme draufgepackt, der zwar optisch mit dem Alter des Mimen konfligiert, ihm aber auch eine süffisant selbstironische Note verleiht und den früher so kühl wirkenden Lundgren richtig nahbar und kumpelhaft wirken lässt. Und es macht einfach Spaß, Kumpel Lundgren zuzusehen, wie er die dämonische Pommesgabel formt und gleich danach diebisch feixt.
Da können Lundgrens Co-Stars allesamt nicht mithalten und letztlich sind sie eigentlich alle nur da, um die herumfliegenden Kugeln abzufangen, bevor sie den noch immer schwedenstahlharten (aber deutlich abtrainierten) Körper Lundgrens berühren. Und das machen sie alle unisono ziemlich gut. Der Oberbäddie des Filmes ist gar richtig cool geraten. Leider schanzt ihm Regisseur und Drehbuchautor Lundgren zu wenige prägnante Szenen zu, auch wenn er ihn dank „dramatischer Rückblenden“ gerne menschlicher gestalten würde – comicesker angelegt hätte das ein richtig geil rockendes Duell werden können.
Rocken tut dafür der Soundtrack von „Command Performance“. Dabei gefällt vor allem das dargebotene Musikstück der Band von Drummer Joe und sogar der Bubblegum Song von Venus macht durchaus Laune und wirkt wertig produziert. Der eigentliche Soundtrack bleibt unauffällig hinter den Bildern und verrichtet seine Arbeit ohne groß aufzufallen. Hier hätte etwas mehr Druck sicher noch mehr Atmosphäre schaffen können.
Inszenatorisch zeigt Dolph Lundgren wieder, was er drauf hat. Klar, Puristen werden wieder jammern, dass sie vor lauter Wackelkamera nichts erkennen würden. Klar, objektiv betrachtet zoomt und wackelt die Kamera zwar wie verrückt, aber weder verliert man in diesem Stilmittelwust den Überblick NOCH verpasst man irgendein wuchtig brutales Detail.
Vielmehr findet Lundgren immer wieder die richtige Mischung aus brachialer Unmittelbarkeit sowie hervorragend eingeflochtenen Zeitlupen und die Wackelkamera verleiht seinem Film und den Actionszenen viel Druck. Zudem lässt Lundgrens Inszenierung „Command Performance“ deutlich teurer wirken, als er war. Und wenn er eine ganze Einheit an russischem Kriegsgefährt vor dem Konzertgebäude aufrollen lässt, klappt einem schon einmal die Kinnlade runter. Dass er diese dann nicht für riesige Actioninfernos einsetzen kann (rein budgettechnisch gesehen) sei ihm verziehen.
„Commend Performance“ rockt!
Ich denke, es ist klar geworden, dass mir „Command Performance“ richtig gut gefallen hat. Das mehr als solide „Die Hard“-Rip-Off hat extrem rockende Ansätze, macht in seinen Actionszenen einfach mal richtig Laune und bietet einen absolut genial aufgelegten Hauptdarsteller.
Dass Regisseur Lundgren und sein Hauptdarsteller so manche Schwäche des Drehbuchautors Dolph Lundgren vergessen machen müssen, ist dabei ziemlich egal. Klar, die Story ist altbekannt, die Charaktere sind fast durchweg ein schlechter Witz, manche Szene im Mittelteil hätte gut und gerne verkürzt oder zugunsten von mehr Mano-a-Mano-Actionszenen weggelassen werden können und ein oder zwei CGI Effekte sind eher misslungen – alles vollkommen richtig. Aber auch einfach mal vollkommen egal! „Command Performance“ macht richtig Laune! Oder wie es im Film ausgedrückt wird: Dying is easy, Rock n Roll is hard! Zugabe, Zugabe, Zugabe!
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Die bisherigen deutschen Veröffentlichungen von Kinowelt waren trotz FSK 18 Freigabe leider immer um mehrere Minuten geschnitten. Im Januar 2026 ist der Film nun ungeprüft und damit endlich uncut von dem Label NSM in vier Mediabooks erschienen. Bislang geschnittene Szenen wurden, wo nötig, deutsch untertitelt. Die Bildqualität ist prinzipiell klasse, aber das Bildformat stimmt nicht. Bei allen ausländischen Veröffentlichungen wird als Bildformat 2,35:1 angegeben.
So beispielsweise auch auf dem Backcover der NSM-Mediabooks. ABER alle deutschen VÖs (sowohl geschnittene Kinowelt-Fassungen als auch die uncut NSM-Fassung) haben nur ein 1,78:1-Format. Man bemerkt nicht wirklich fehlende Bildinformationen an den Seiten. Im Making-of zum Film sieht man aber, dass das Ursprungsformat definitiv 2,35:1 ist und der Actioner so noch wertiger aussieht. Trailer zum Film, ein zehnminütiges Making-of und ein Booklet mit Informationen zu „Command Performance“ bilden die Extras-Sektion. Ganz aktuell gibt es den Film auch im preisgünstigeren Amaray von NSM auf DVD unf Blu-ray – uncut mit neuem FSK-18-Siegel.
In diesem Sinne:
freeman
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