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Clayface

Originaltitel: Clayface__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: James Watkins__Darsteller: Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, David Dencik, Max Minghella, Eddie Marsan, Joshua James, Joana Ribeiro, Nancy Carroll, Wil Coban u.a.
Clayface

Der Horrorthriller „Clayface“ erzählt diese Genese des titelgebenden DC-Schurken unter der Regie von James Watkins

Während Franchise-Lenker James Gunn das DCU mit einem dem populärsten Helden in Form von „Superman“ startete und dessen Cousine mit „Supergirl“ den zweiten Film gab, so handelt es sich bei Beitrag Nummer 3, „Clayface“, um ein kleiner budgetiertes, tonal anderes Werk, das auch in die Paralleluniversen von „Joker“ oder „The Batman“ passen könnte.

Bevor der titelgebende Bösewicht aus der zweiten bis dritten Reihe der DC-Schurken jedoch zu dem wird, was Comicleser kennen, folgt man dem Schauspieler Matt Hagen (Tom Rhys Harries). Tom hat es geschafft: Ursprünglich in ärmlichen Verhältnissen in Gotham, dem New York der DC-Welt, aufgewachsen, ist er mittlerweile ein Star in Coastal City, dem Los Angeles der DC-Welt. Matt hat alles: Erfolg, tolles Aussehen, eine Agentin, einen Finanzverwalter und seinen besten Kumpel Corey Bowery (Joshua James) an seiner Seite, dem er Rollen zuschustert. Eine Oscar-Nominierung ist der nächste Karriereschritt für den wandlungsfähigen, smarten und von den Medien geliebten Star der Traumfabrik. „Clayface“ stellt seinen Protagonisten, der zwischen Hochmut und Demut schwankt, auf ein Podest – eines, von dem er bald fallen wird, das ahnt man angesichts der Inszenierung und Prämisse von der Bösewichtsgenese schon.

Matts Überheblichkeit zeigt sich, als er in einem Club in Gotham von Mia (Joana Ribeiro) angegraben wird und Coreys Warnungen in den Wind schlägt, dass es sich dabei um die Freundin von Gangsterboss Markos Szabo (David Dencik) handelt. Also stehen am Morgen nach dem Schäferstündchen Markos und seine Crew in Matts Wohnung und bestrafen den Star, indem sie sein Gesicht zu schneiden. Matt versucht juristisch Genugtuung zu erlangen, doch Zeugen entlasten den Gangster, eine Medienkampagne zerstört sein Image und die Prozess- und Arztkosten fressen sein Vermögen auf.

„Clayface“ zeigt brutal den Kontrast zwischen Matts vermeintlicher Unbesiegbarkeit zuvor und seinem Opferstatus nach der Attacke. Es geht nicht nur um die Macht von Strippenziehern wie Szabo, sondern auch um etwas, das Christopher Nolans „The Dark Knight“ in anderer Form ausformulierte: Mehr als einen Helden mag die Öffentlichkeit vielleicht sogar einen Helden, der scheitert. Vielleicht auch eine Parabel auf das Genre der Superheldenfilme, das sich vom kassenträchtigen Hollywoodvorzeigeprodukt in den 2010ern immer mehr zum Buhmann in den 2020ern wandelte, mit einigen großen und gern belächelten Flops.

Mittel- und erfolglos zieht Matt in eine ranzige Wohnung in Gotham und schließt sich dort ein, bis er im Fernsehen ein Interview mit der Wissenschaftlerin Caitlyn Corr (Naomi Ackie) sieht. Die arbeitet an Nanozellen, mit denen sich deformierte Gesichter wiederherstellen lassen, wurde von ihren Geldgebern allerdings sitzen gelassen. Matt meldet sich freiwillig als menschliches Testsubjekt, mit oberflächlich positiven, aber ungewissen Ergebnissen…

Schaut euch den Trailer zu „Clayface“ an

Die Genese eines Comicschurken, der durch Gangster entstellt wurde – angesichts dieser Prämisse ist nur unschwer zu erraten, worauf „Clayface“ am Ende des Tages hinauslaufen wird. Es ist gewissermaßen ein Rachefilm, wenn auch einer, der seinem Protagonisten nicht ganz so viel Sympathie gegenüber zeigt wie andere Vertreter dieser Gattung. Wobei der Film durchaus geschickt zwischen Ablehnung von und Verständnis für den Protagonisten oszilliert. Matt ist nicht einfach nur ein Hollywoodfatzke, der die Früchte seiner eigenen Eitelkeit erntet, sondern trotz seiner Selbstüberschätzung eigentlich ein recht guter Kerl. Einer, den Gangster, Justiz und Medien ungerecht behandelten. Aber auch einer, der seine dunklen Seiten hat. Inwieweit diese schon immer da waren und inwieweit sie durch eine Überdosis Nanozellen verursacht werden, das lässt der Film offen. Auch seine Gewaltakte folgen einer Eskalationsspirale: Sein erster Mord ist eher eine Art Unfall, der zweite eine Überreaktion, später geht er jedoch zunehmend kaltblütig und berechnend vor.

Clayface

Sein Gesicht und seines gutes Aussehen sind sein Kapital: Matt Hagen (Tom Rhys Harries). © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved. Foto: Parisa Taghizadeh.

Dass er dabei auch die Gesichter seiner Feinde und deren Verbündeter annimmt, erinnert nicht von ungefähr an Sam Raimis „Darkman“, mit einer Portion Body Horror, die mehr oder minder deutlich auf Vorbilder wie John Carpenters „The Thing“, David Cronenbergs „The Fly“ oder „The Substance“ verweist. Doch der Rachepart setzt erst vergleichsweise spät ein. Dann meuchelt sich Matt vergleichsweise zügig durch die Reihen deren, die ihm Unrecht getan haben: Teilweise ungewollt, teilweise für den Schutz anderer und teilweise als simpler Racheakt.

Gerade im gewitzten Finale spielt der Film dabei mit seinen Fähigkeiten, zu denen neben seiner körperlichen Wandlungsfähigkeit auch sein Schauspieltalent kommt – Vorgeschichte und Mutation bilden bei der Titelfigur gewissermaßen eine Einheit. Das hat ein Element der Schadenfreude, denn einige Opfer verdienen ihre Strafe, zeigt aber auch den Abstieg des Antihelden, der mehr und mehr zum gewissenlosen Mörder wird. Den Spagat zwischen gering dosierter, aber effektiver Racheaction und horrorartiger Abstiegsgeschichte schafft „Clayface“ durchaus überzeugend.

Angesichts der Horror-Ausrichtung wurde auch das entsprechende Personal hinter der Kamera engagiert: Regisseur James Watkins inszenierte „Eden Lake“, „Die Frau in Schwarz“ und das „Speak No Evil“-Remake, Storylieferant und Co-Autor Mike Flanagan, der gemeinsam mit Hossein Amini („47 Ronin“) das Drehbuch schrieb, zeichnet für populäre und geschätzte Horrorfilme und -serien wie „Still“, „Das Spiel“, „Spuk im Hill House“ und „Der Untergang des Hauses Usher“ verantwortlich. In diesen sicheren Händen überzeugt „Clayface“ dann auch mit Stil und Atmosphäre.

Als Horrorfilm im Superheldenbereich ist „Clayface“ auch merklich derber und ungezügelter als das harmlose „X-Men“-Spin-Off „New Mutants“, wenn auch nicht ganz so hart wie seine Vorbilder. Doch bei abgesäbelten Fingern, aufgeschlitzten Gesichtern und ähnlichen Dingen wendet sich die Kamera nicht ab, wobei „Clayface“ nicht nur auf den Shock Value setzt, sondern auch effektiv und nachhaltig inszeniert daherkommt. So sind die beiden unangenehmsten Szenen gar keine Mordtaten. Zum einen ist da eine auf Bild- und Tonebene explizite OP-Szene am entstellten Matt. Zum anderen eine Sequenz, in der Matt sich Wucherungen seiner künstlichen Haut an den Augen mit einer Nagelschere wegschneiden will – auf einer Flugzeugtoilette inmitten von Turbulenzen. Gerade die Nachvollziehbarkeit der Gefahr und der drohenden Selbstverstümmelung, wenn er unter diesen Umständen mit einem spitzen Gegenstand am eigenen Auge rumfuhrwerkt, macht das Ganze fast schon körperlich fühlbar.

Clayface

Ärztin und Wissenschaftlerin Caitlyn Corr (Naomi Ackie) hilft Matt, hat aber ein größeres Auge für die Nebenwirkungen. © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Auf eine Anbindung an weitere DC-Stoffe wird verzichtet (also keine Post-Credit-Szenen), ebenso auf eine Verklärung oder Heldwerdung der Hauptfigur. Ist also alles gut bei „Clayface“? Nicht ganz. Denn neben dem doch recht vorhersehbaren Storyverlauf kommt dann noch der Mittelteil ins Spiel. Hier erinnert „Clayface“ eher an Krankheitsdramen wie „Zeit des Erwachens“, wenn Matt mehr von seinem alten Selbst zurückerhält und mehr als nur Dank für seine Ärztin empfindet, die jedoch mit dem Cop John Borrelli (Max Minghella) verlobt ist. Dies dient sicherlich der Charakterisierung Matts, der nicht immer auf Caitlyns Rat hört, und baut ein bisschen Spannung mit der Frage auf, ob sie seinem Charme vielleicht erliegt. Doch der Part dauert länger als nötig und ist auch nicht allzu temporeich, zumal das Ergebnis von Matts Werdegang durch die Comic-Mythologie schon feststeht. Nur die Menge der Verluste, die er und andere bis dahin tragen müssen, die ist offen.

Auf große Namen wurde beim Casting verzichtet. Am bekanntesten dürfte das vertraute Nebenrollengesicht von Eddie Marsan („Operation Fortune“) sein, der Matts opportunistischen Finanzverwalter spielt. Tom Rhys Harries („Kandahar“) ist stark in der Hauptrolle, kann er Matt einerseits so anlegen, dass mit ihm und seinem Leiden sympathisiert, ihn andrerseits auch so verkörpern, dass dessen Überheblichkeit und sein späteres Verhalten Ablehnung erzeugen.

Er trägt den Film und ist so sehr präsent, dass der Rest vom Fest etwas zu verblassen droht. Die größte weitere Rolle hat Naomi Ackie („Shelter“) als Ärztin im ethischen und gefühlsmäßigen Zwiespalt, ist okay, fällt aber gegenüber Harries ab. David Dencik („Keine Zeit zu sterben“) als eindimensionaler Schurke ist durchaus charismatisch, ist aber leider über weite Strecken des Films zu wenig präsent, um so wirklich Eindruck zu schinden. Ein paar Akzente setzen Max Minghella („Babylon“) als aufrechter Cop im korrupten Gotham Police Department und Joshua James („Das Jerico Projekt“) als alter Freund, doch der Film gehört Harries, der sein Können dankbar zeigt.

Clayface

Mit Gangsterboss Markos Szabo (David Dencik) ist nicht gut Kirschen essen. © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Insofern ist „Clayface“ als Origin Story eines Schurken bisweilen vorhersehbar und versandet im Mittelteil ein wenig. Doch die Atmosphäre überzeugt, Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller erschaffen eine erfreulich ambivalente, nachvollziehbare Hauptfigur und der Horrorfaktor in Sachen Effekte und Inszenierung ist effektiv. „Clayface“ mag vielleicht kein „Joker“ sein, steckt die ganzen Schurkenfilme aus dem gescheiterten Sony-Spider-Universe aber klar in die Tasche.

Starke:

Warner bringt „Clayface“ am 22. Oktober 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 22.10.2026 in den deutschen Kinos

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