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Street Fighter

Originaltitel: Street Fighter__Herstellungsland: USA / Japan__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Kitao Sakurai__Darsteller: Noah Centineo, Andrew Koji, Callina Liang, David Dastmalchian, Cody Rhodes, Eric André, 50 Cent, Jason Momoa, Olivier Richters, Mel Jarnson, Orville Peck, Rayna Vallandingham, Joe Anoa’i, Andrew Schulz, Vidyut Jammwal, Kristy Best, Hirooki Goto u.a.
Street Fighter Kinoplakat

Das Kinoplakat von „Street Fighter“.

Jetzt aber mal im Ernst!

„Street Fighter“ und seine Realverfilmungen, eine Geschichte voller Cosplay. Begonnen mit Jackie Chan, der in „City Hunter“ (1993) in das Kleid von Chun-Li schlüpfte, über die inoffizielle Actionkomödie „Future Cops“ (1993), die sich ohne Lizenz am Fundus des Capcom-Spiels bediente, bis zur allseits berüchtigten Jean-Claude-Van-Damme-Kuriosität von 1994, die wohl jeder, der Filme liebt, irgendwann mal belächelt hat, versiegend in dem traurigen Ausklang „The Legend of Chun-Li“ (2009), an den sich heute niemand mehr erinnert: Gefühlt wurde die Königsfranchise unter den Spielhallenprüglern von Filmemachern noch nie so richtig ernst genommen. Die Marke lebt abseits der Konsolen und Automaten seit jeher allenfalls von dem ein oder anderen Animationsfilm. Und das ist eine Nische, die man am kollektiven Gedächtnis des Massenpublikums vorbei produziert.

Diese Historie hat sich offenbar irreversibel ins Unterbewusstsein der Filmemacher gebrannt. Zugegeben: Wie anders, wenn nicht mit ein bisschen Humor, kann man derart skurrile Straßenkämpfer in Szene setzen, die sich durch exzentrische Gimmicks zu Karikaturen der von ihnen vertretenen Nationen aufplustern, wenn sie nicht gleich völlig aus Fantasia stammen. Dementsprechend teaserte eines der allerersten Setfotos des neuen „Street Fighter“ den Schatten Guiles auf dem Asphalt, mit dem Versprechen, dass Van Dammes halbgare orangeblonde Tolle um etliche Zentimeter getoppt werden würde. Teaser und Trailer ließen dann keinen Zweifel mehr, dass der Plan darin lag, hemmungslosen Figurenkult zu betreiben. Die Message: Egal wie bescheuert es in Live-Action aussieht, wir ziehen das durch.

Da erscheint es nur konsequent, das Setting ins Jahr 1993 zu verlagern, in die Zeit, als der „Street Fighter II“-Hype gerade seinen Peak erreicht hatte und Van-Damme-Geschichte noch nicht geschrieben war. MTV spielte damals Hard Rock, Hip Hop, Techno, Grunge und Pop aus aller Welt quer durcheinander, Multikulti war noch ein Ding, alles, was anders war, erschien interessant. Legendary / Paramount dürften in dieser Ausgangslage ideale Bedingungen für zeitgemäßen Kino-Eskapismus gesehen haben.

Round 1… Fight!

Folglich setzt die Neuverfilmung von der ersten Sekunde an vehement auf ein Feuerwerk aus nostalgischen Triggern. Kaum ist das nach Marvel-Vorbild gestaltete Capcom-Intro mit einer Videospielszene aus „Street Fighter II“ eingeleitet, meldet sich auf der Tonspur auch schon die original verzerrte Soundchip-Stimme des legendären Ansagers der Spielvorlage – die neuen „Super Mario“-Verfilmungen hatten es mit ihren 8-Bit-Sounds kürzlich bereits vorgemacht. Dann die erste Überraschung: „Street Fighter“ beginnt exakt wie „Street Fighter II – The Animated Movie“, nämlich mit einem animierten (!) Kampf zwischen Ryu und Sagat.

Erfreulich, dass das heimliche Doppelleben, das die Marke seit 30 Jahren auf der Mattscheibe führt, derart anerkannt wird, zumal sich weitere Animationsabschnitte durch den gesamten Film ziehen. Der erste von ihnen bebildert den gesamten Prolog, der im Jahr 1987 spielt und ausführt, weshalb sich die Ziehbrüder Ryu und Ken in der sechs Jahre später stattfindenden Haupthandlung entfremdet haben. An seinem Ende steht der Aufstieg der Gottheit Akuma (gespielt von WWE-Superstar Roman Reigns), die sich durch den Mord an Ryus und Kens Meister Gouken als Über-Antagonist empfiehlt, noch bevor General Bison überhaupt ins Geschehen eingreifen kann.

Ken und Ryu in Street Fighter

Ken und Ryu müssen sich zusammenraufen. ©2026 PARAMOUNT PICTURES, CAPCOM AND LEGENDARY. ALL RIGHTS RESERVED.

Weil man nach kurzer Eingewöhnung im Grunde am liebsten einfach in der Animationswelt verweilen würde, wirkt der erstmalige Wechsel in den Realfilmteil wie eine Ohrfeige während eines seligen Traumes. Die Erhabenheit, die den animierten Versionen Kens und Ryus ins Gesicht geschrieben steht, ist dahin, als Noah Centineo mit zerknautschter Visage volltrunken und selbstmitleidig den 4-Non-Blondes-Hit „What’s Up“ ins Mikrofon bellt und alten Zeiten nachheult wie ein Schlosshund, während Andrew Koji sein introvertierteres Ryu-Pendant unzureichend hinter einem Zauselbart verbirgt und den Schmerz auf diskreterem, gleichwohl nicht weniger albernem Wege kanalisiert. Das ist natürlich genau der bierselige Ton, den Regisseur Kitao Sakurai anstrebt, allerdings verschlingt die mühselige emotionale Trunkenheitsphase der Beiden wertvolle Zeit, die anderweitig ungenutzt verstreicht.

Solange sich Ken und Ryu nämlich erst das nötige Mindset aneignen müssen, um überhaupt im Film anzukommen, bleibt die Entwicklung der übrigen Plotlines weitgehend blockiert. Das wiederum führt zu einem Mangel an Kampfszenen in der ersten Filmhälfte, der einer Verfilmung nicht würdig ist, welche sich schließlich als überdrehte Martial-Arts-Revue präsentieren möchte. Callina Liang versucht als Chun-Li in der ihr angedachten Rolle der Interpol-Agentin ihr Bestes, nicht nur der optische Blickfang des Films zu sein, sondern auch als Verteidigerin der Seriosität Fäden im Hintergrund zu ziehen, aber der Familienzwist, in den sich schließlich auch noch Guile einmischt, weil er gefühlt nichts Besseres zu tun hat, macht es nicht einfach.

Aus dem Melodram geht am ehesten noch Andrew Schulz in der Rolle von Kens Manager Dan als Gewinner heraus. Zwar gehört er zu den unglückseligen Spielfiguren, die kaum bis gar nicht zulangen dürfen, allerdings mausert er sich mit der Zeit zur guten Seele des Films und straft alle Vorurteile Lügen, mit denen man ihn anfangs womöglich als schmierigen Blutegel einsortiert – eine Meinung, die Guile am Ende womöglich exklusiv hat.

„Street Fighter“ und der Neon Underground

Doch weiter müssen wir geduldig auf die Bescherung warten, denn es bleibt äußerst dünn, was die Kämpfe angeht, wegen derer man sich im Kino überhaupt einfindet. Gelegentlich entwickelt sich mal ein kurzes Handgemenge aus dem Nichts, selbst dann bleibt es aber zumeist kurz angebunden und diffus. Wo „Street Fighter II – The Animated Movie“ im Minutentakt um die Welt führte und einen exotischen Kampf nach dem anderen initiierte, darf man hier froh sein, wenn man tatsächlich mal eine Szene in Originalausstattung bekommt, so etwa bei Ryus Besuch in E.Hondas japanischem Bad, auch wenn die gesamte Sequenz derart mit Dampf dekoriert wurde, dass man im Grunde wieder gar nichts sieht, abgesehen vom nackten Honda-Hintern, der mit einem Handtuch gepeitscht wird.

Schaut in den Trailer

Der Rest des Films spielt sich hauptsächlich in nächtlichen Spelunken und Seitengassen mit Neonbeleuchtung ab, bis später die Arena des Turniers mit ihren neoklassizistischen Betonpfeilern jegliche kulturelle Vielfalt begräbt. Es scheint fast so, als habe man sich beim Szenenbild hauptsächlich darauf konzentriert, die Arcade-Optik der Spielhallen nachzustellen, in denen damals die Automaten standen, anstatt die Energie darauf zu verwenden, die Levels aus dem Spiel selbst nachzubauen, die gerade bei „Street Fighter“ für das Spielerlebnis mindestens ebenso prägend waren wie die Figuren selbst. Ein „Street Fighter“ mit Wochenmärkten in China, Waffenstützpunkten in den USA, orientalischen Tempeln, brasilianischen Dschungeln oder Industrieanlagen in der Sowjetunion hätte automatisch einen ganz anderen Appeal.

Chun Li in Street Fighter

Chun Li gibt den Lumpen Saures. ©2026 PARAMOUNT PICTURES, CAPCOM AND LEGENDARY. ALL RIGHTS RESERVED.

Dazu hätte es aber vermutlich eines anderen Plots bedurft. Die Pläne Bisons lesen sich wie von einem Superschurken aus einer Samstagvormittag-Zeichentrickserie der 90er geborgt: Es geht darum, den teilnehmenden Kämpfern mit einer ominösen Gerätschaft die Kampffähigkeiten abzuzapfen, um die eigene „Psychopower“ zu nähren, wobei Ryus „Hado“-Kräfte das Sahnestück bilden. Das lässt sich natürlich alles bequem unter Tage abhandeln. Shadaloo operiert nicht mehr als internationales Waffen- und Drogenkartell, sondern als bizarrer Geheimkult, der seinen Größenwahn vor der Welt versteckt. Was Bison angeht, hätte es sich angeboten, erstmals den übermächtigen Hünen mit markanten Gesichtsknochen auf die Leinwand zu bringen, den das Spiel vorgibt (wozu treibt sich denn John Cena gerade in Hollywood herum, wenn nicht dafür?), aber die Versuchung war wohl zu groß, erneut den armseligen Möchtegern-Diktator nach Lord-Helmchen-Art auszuspielen, dem die eigene Uniform zu groß ist.

Für David Dastmalchian („Late Night with the Devil“) ist es ungünstig, dass Raul Julia diesen bereits zur Perfektion getrieben hatte, so dass das gestammelte „Dienstag“-Zitat aus Dastmalchians Munde wie ein schüchternes Wimmern klingt, dem die Überzeugung und der Wahnsinn fehlt, der in den Glupschaugen Julias loderte. Blass bleiben auch die direkten Untergebenen, insbesondere Vega, dessen Besetzung mit Orville Peck, der als Künstler in der Öffentlichkeit genau wie seine Figur immer eine Maske trägt, der eigentliche Coup ist, während die psychopathischen Anlagen der Figur kaum ausgespielt werden.

Auch Mel Jarnson weiß mit Cammy nichts Besseres anzustellen als einen Catfight gegen Chun-Li anzustiften und ihre Dominanz gegenüber männlichen Gefangenen auszuleben, ohne je die latenten Ilsa-Anlagen an die Oberfläche befördern zu können, die in dieser Interpretation schlummern. Mit einem mutlosen Outfit, das am ehesten noch dem Torso einer Playmobil-Figur ähnelt, wird einem der frühesten Sexsymbole der Videospielgeschichte kaum Rechnung getragen, auch wenn ihre Inszenierung permanent mit diesem Status kokettiert. Hier bleibt Kylie Minogue alleine ihrer Ausstrahlung wegen klare Siegerin.

Ein Turnier mit Gedächtnislücken

Im Gegensatz zu den „Mortal Kombat“-Neuauflagen hat „Street Fighter“ zwar ein voll organisiertes Turnier zu bieten, die Freude darüber wird aber schnell im Keim erstickt, als sich herausstellt, dass es von den Machern lediglich als ironische Farce gedacht ist. Wer einen echten K.O.-Modus sucht, hält sich besser an die Klassiker um „Bloodsport“ & Co. In „Street Fighter“ werden auch mal einfach Runden durch den willkürlichen Schnitt unterschlagen (Die „Schlacht am Grünen Arm“ aus „Game of Thrones“ lässt grüßen) oder Gegner treten erst gar nicht an. Dennoch zieht das Tempo in dieser Phase endlich an und die Chance auf ein Wiedersehen mit all den liebgewonnenen Special Moves wächst. 50 Cent („Criminal Squad“) darf sich als Balrog glücklich schätzen, in eine der besseren Kampfchoreografien eingebunden worden zu sein, als er in einem Dreirundenkampf gegen Ken im Rampenlicht steht.

Ein unerwarteter Gewinner ist außerdem der vom indischen Kampfsportler Vidyut Jammwal verkörperte Dhalsim, dessen Verrenkungen der Film absolut organisch auf die Leinwand überträgt. Der Niederländer Olivier Richters überzeugt als Zangief zumindest mit Physis und Humor, beides spielt er in der ersten großen Brawl-Sequenz in einem Club süffisant aus. Jason Momoa („Supergirl“) ist einfach wieder Jason Momoa, vom Scheitel bis zur Augenbraue, diesmal in der Hulk-Ausgabe. Seinem viel zu künstlich wirkenden Blanka hätte es der Greifbarkeit wegen gut getan, nicht als animierter Marvelismus realisiert zu werden, sondern von einem grün angemalten Darsteller, der dazu bereit ist, sich komplett zum Affen zu machen.

Roman Reigns in Street Fighter

Roman Reigns bekommt als Akuma einen wuchtigen Auftritt spendiert. ©2026 PARAMOUNT PICTURES, CAPCOM AND LEGENDARY. ALL RIGHTS RESERVED.

Ein Meta-Gag des Films liegt übrigens darin, ausgerechnet einen gewissen „Joe“ im Turnierbaum recht weit voranschreiten zu lassen, eine Figur, die wohl selbst manchem Street-Fighter-Experten fremd sein dürfte, kommt sie doch lediglich im wenig erfolgreichen ersten Teil der Reihe als Prügelknabe vor. Der Australier Alexander Volkanovski legt ihn als eine Art dauergrinsender Heißluftballon mit großer Klappe und nichts dahinter an. Das gilt noch mehr für Ringsprecher Don Sauvage, einer eigentlich recht irrelevanten Randfigur, deren ausladende Screentime überrascht. Der Grund dürfte darin liegen, dass Eric André ein enger Vertrauter des Regisseurs ist. Die Figur selbst rechtfertigt ihre Präsenz jedenfalls kaum.

Aus diesem konfus geschnittenen Kuddelmuddel zerhackter Kämpfe mit und ohne langfristige Konsequenzen entsteht eine fiebrige Jeder-macht’s-mit-Jedem-Atmosphäre, die Guile (gespielt vom WWE-Superstar Cody Rhodes) entsprechend kommentiert, indem er ohne Unterlass die Körper sämtlicher Gegner bewundert. Ein gewisser Unterton der Vorlage (in der ein Zangief die „69“ mit einfach jedem praktizierte) wird damit durchaus getroffen, gleichwohl eben zu dem Preis, dass, weil einfach alles geht, nichts an dem Turnierverlauf irgendeinen Sinn ergibt. Ähnliches könnte man über den Soundtrack sagen, der mit seiner Grunge-Punk-Indie-HipHop-Mixtur im Grunde exakt den Zeitgeist der 90er trifft und dabei doch anachronistisch vorgeht, da nicht alle gespielten Stücke anno 1993, beziehungsweise 1987, bereits existierten.

„Street Fighter“ lässt reichlich Luft für einen zweiten Teil

Da passt letztlich auch der ruckelige Antiklimax ins Bild, mit dem die fliegenden Wechsel aus flapsiger Martial-Arts-Spaßveranstaltung und düsterer Rachegeschichte letztlich zum Stillstand gebracht werden, nicht ohne den Abspann des 94er-Animationsfilms mit einer schrägen Fahrgemeinschaft noch einmal ad absurdum zu führen. Die Hoffnung auf das Sequel ist bei dem Blick auf die freie Straße greifbar. Nur so lohnt sich ja überhaupt erst der Aufwand, denn bisher hat man so viel gesehen und doch irgendwie überhaupt nichts. Keine Frage: Dieser „Street Fighter“ hat die Craft. Dass er sie zielführend einsetzt, kann man dagegen nicht unbedingt behaupten.

4 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

„Street Fighter“ läuft seit dem 15. Oktober 2026 in den deutschen Kinos. Er kommt uncut von Paramount Pictures und hat eine Freigabe ab 12. Eine Veröffentlichung für den Heimkinomarkt auf DVD, Blu-ray und Ultra-HD Blu-ray ist bereits von LEONINE angekündigt, voraussichtlich für das erste Quartal 2027. Sonderausgaben sind zum Zeitpunkt des Kinostarts noch nicht gesichert, aber wahrscheinlich, immerhin gibt es im Ausland bereits Ankündigungen für zwei Steelbook-Varianten.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Ultra-HD Blu-ray/Blu Ray/DVD: Nein/Nein/Nein (ab Frühjahr 2027)

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