| Originaltitel: Lucky__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2026__ Regie: Jonathan van Tulleken, Jet Wilkinson und Greg Yaitanes__ Darsteller: Anya Taylor-Joy, Timothy Olyphant, Annette Bening, Aunjanue Ellis-Taylor, Clifton Collins Jr., Mo McRae, William Fichtner, Quinn Aune, Eric Lange, Drew Starkey, Matthew Rauch, Alanna Ubach, Dean Jagger, Jazmyn Simon, … |

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„How can someone so small cause so much trouble?“
Beginnen wir einfach mal mit einem Teil des Resümees: Statt einer mittelprächtig-soliden Mini-Serie mit sieben Folgen hätte „Lucky“ (2026) ohne Weiteres ein straffer, ordentlich zufrieden stellender rund 110-minütiger Crime-Thriller sein können. Lose auf dem gleichnamigen 2021er Roman Marissa Stapleys basierend, hatten die „Apple Studios“ eine Menge Geld in das Projekt investiert sowie eine ebenso ansprechende wie talentierte Cast&Crew vereinen können, die mich selbst deutlich mehr als die Inhaltsangabe dazu zu animieren vermochte, dem Release durchaus erwartungsvoll entgegenzusehen. Von Reese Witherspoon mitproduziert, fungierte Jonathan Tropper – u.a. bekannt für die „HBO“-Shows „Banshee“ und „Warrior“ – als Creator und Co-Showrunner, während Anya Taylor-Joy – welche seit Robert Egger’s „the VVitch: A New-England Folktale“ ja zu den interessantesten Vertreterinnen ihrer Zunftsgeneration gehört – die Hauptrolle bekleidet, in Gestalt Timothy Olyphants und William Fichtners zwei geschätzte, ausstrahlungsstarke Herren mit von der Partie sind, Annette Benning, Aunjanue Ellis-Taylor und Clifton Collins Jr. zentrale Antagonisten verkörpern sowie der Titel-Song „Horns of a Bull“ gar von Kult-Singer-Songwritern Fiona Apple beigesteuert wurde…
Dem gerade beschwingt in Las Vegas feiernden Ehepaar Lucky (Taylor-Joy) und Cary (Drew Starkey) war es just zuvor gelungen, $10 Millionen in Cash zu stehlen, die bis dato in einer Storage-Unit versteckt waren. Im Auftrag des mysteriös-gefährlichen „Strippenziehers“ Whittaker (Fichtner) hatte Cary’s Mutter Priscilla (Bening) – ihres Zeichens eine wohlsituierte, kürzlich erst nach einer Inhaftierung, im Kontext derer auch Lucky’s Vater John (Olyphant) erwischt und verurteilt worden war, aus dem Gefängnis entlassene kalifornische Kriminelle – das Vermögen „waschen“ sollen – doch nun befindet sich jenes in einem Koffer in der teuren Hotelsuite der Liebenden, die damit am nächsten Tag einen Jet gen Ausland zu boarden gedenken. Als Lucky am Morgen dann aber „verkatert“ allein im Bett erwacht, muss sie stracks entsetzt registrieren, dass Cary und die Dollar-Bündel verschwunden sind und sie offenbar KO-Tropfen untergemischt bekommen hatte. Hat er sie etwa hintergangen – oder wurde er verschleppt und sie betäubt? Noch ehe sie sich richtig mit diesen Fragen zu beschäftigen anfangen kann, gerät sie postwendend ins Visier der mit einem Team die Lobby betretenden FBI-Agentin Billie Rand (Ellis-Taylor) sowie von Priscilla’s „Enforcer“ Dutch (Collins Jr.)…
„Lucky“ ist am unterhaltsamsten, wenn unsere gewiefte Antiheldin in brenzligen Lagen auf ihre Erfahrungen als Trickbetrügerin und Diebin, auf das, was John ihr seit sie jung war alles beigebracht hat, sowie auf ihre Fähigkeit, Situationen geschwind erfassen zu können, zurückgreifen muss, um nicht geschnappt oder getötet zu werden. Das größte Setpiece der Start-Episode ist eins dieser Art – nämlich Lucky’s Bemühungen, es via Einfallsreichtum, Timing und Überzeugungskraft raus aus dem riesigen „Caesars Palace“ Komplex zu schaffen, ohne von ihren Verfolgern aufgegriffen zu werden – worauf es wenig später noch ein kleiner skaliertes, an sich aber grob ähnliches auf einem Truck-Parkplatz gibt, nachdem ein Bundesbeamter sie an einem Highway-Autohof in Richtung des Grand Canyons erkannt hatte. Beide Sequenzen entfalten sich energisch und machen Laune. Das Katz&Maus-Spiel zwischen ihr, Priscilla und ihren Leuten sowie den Gesetzeshütern durchzieht die Serie: Mal gelingt es den Baddies, sie in einen Kofferraum zu sperren, aus dem sie sich befreien muss, bevor der Wagen an sein Ziel gelangt, mal kann sie Dutch, mal Rand nur knapp entschlüpfen, mal deckt sie sich auf einem belebten Kindergeburtstag unbemerkt mit Geld, Schmuck und Kleidung ein…
Luciana (Lucky ist bloß ihr Spitzname) wuchs ohne Mutter auf, wurde von ihrem Dad schon früh „geschult“ sowie in dessen Gaunereien mit eingebunden – darunter bspw. in die Kunst des Abpassens des idealen Moments, um einen Raub zu begehen, oder als sie für ihn mal (ohne richtig schwimmen zu können) ins tiefe Ende eines Pools gesprungen ist, damit er dem Besitzer wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht eine Klage androhen kann (es sei denn, man vermag sich „anderweitig zu einigen“). So hatte sich John immerzu durchgeschlagen – und da Lucky sein Talent in solchen Dingen augenfällig geerbt hat, kam ihm ein Hinterfragen, ob das für seine Tochter wirklich „der rechte Pfad“ sei, nie ernsthaft in den Sinn. Zugleich drangen ihre Befürchtungen und Wünsche nicht zu ihm vor – weshalb es stets so weiter ging; allerdings in Form wachsender Größenordnungen (Risiko und potentieller Ertrag) – bis eines Tages schließlich „die Handschellen klickten“ und er (zusammen mit Priscilla) verhaftet wurde. Die zugehörigen Verstrickungen – u.a. des illegalen Geplanten und der Festnahme – betreffen alle Hauptfiguren der Geschehnisse auch in der Story-Gegenwart noch in verschiedenerlei Hinsichten. Spoiler vermeidend, verzichte ich an dieser Stelle auf ergänzende Ausführungen dazu…
Telefonisch steht John aus dem Gefängnis heraus mit Lucky in Kontakt – ihr Ratschläge gebend und sie ermutigend, Ruhe zu bewahren sowie auf ihre Instinkte und ihr Können zu vertrauen. Jene färbt und schneidet sich die Haare, stiehlt Cash, Klamotten und Autos, belügt eine Reihe freundlich-hilfsbereiter Personen, um voranzukommen – wie etwa eine mit ihren Enkelinnen in einem Haus in der Wüste wohnende Frau (Alanna Ubach) – und versucht simultan Antworten Schrägstrich Erklärungen aufzutun, wie nur sie sich dermaßen heftig in Cary täuschen konnte, als tatsächlich klar wird, dass er mit den Millionen abgehauen ist. Rückblenden beleuchten, wie alle Involvierten entweder verwandtschaftlich oder (wie im Falle Rands) nicht erst seit kurzem „dienstlich“ miteinander verbandelt sind und welche Entscheidungen und Ereignisse diesem Punkt vorausgegangen waren. Das Wagnis offerierte Lucky die Chance, mit dem Mann, den sie liebt, aus diesem prekären Treiben und Milieu auszusteigen, in und auf welches John sie von klein auf eingegliedert und ausgerichtet hatte. Und nun muss sie auf einmal um ihr Leben fürchten, rennen und kämpfen, leiden und sterben Unschuldige deswegen und wird sie selbst gar dazu gezwungen, (sich wehrend) jemanden zu töten…
Ist Lucky ein schlechter Mensch? In gewisser Weise ja – doch hält sich die Ambiguität dahingehend insgesamt in Grenzen, da ihr beileibe nicht jeder, den sie ausnutzt, unempathisch egal ist, sie sich im Verlauf durchaus reflektiert und sie von John so geprägt wurde. Bei letzterem hat sich der Hang, fortwährend den nächsten, dann hoffentlich „großen Coup“ anzustreben, überaus tief verinnerlicht – bis hin zu einem das Wohl seiner Tochter überschatten zu scheinenden Level. Dass selbst er nicht gerade unsympathisch rüberkommt, ist dem erneut mal wieder arg charismatischen Timothy Olyphant („Havoc“) zu verdanken – welcher die beste Performance des Ensembles abliefert; mit der Dynamik im Bereich der gedeihlich mehr Raum und Gewicht einnehmenden Beziehung zwischen John und Lucky zu den Highlights der Serie zählend (ihre Interaktionen und Erkenntnisse). Derweil hätten Lucky und Cary von zusätzlichen Flashbacks profitieren können, die sie gemeinsam vor jener Nacht in Vegas zeigen – einfach, um über „sie sind beide attraktiv und bewegten sich in denselben Kreisen“ hinaus darzubieten, in welchen Schritten sie zu einem Paar wurden und was sie eigentlich in ihm sieht, u.a. da er bei weitem nicht so smart oder interessant wie seine Partnerin ist…
Als Cary verbleibt Drew Starkey („Hellraiser“) ein wenig „blass“ – obgleich er keineswegs schwach spielt (z.B. bewältigt er die bedeutsame Szene, als Lucky ihn irgendwann aufspüren kann, anstandslos). Annette Bening („the Grifters“) portraitiert seine Mutter indes klasse: Priscilla ist eine einflussreiche, um ihren Sohn besorgte, „wenn’s ums Geschäft geht“ eiskalte Kriminelle, die selbst schwer unter Druck steht, das Geld für Whittaker zurückzubeschaffen. Mir gefiel’s, wie fein sich ihre Persönlichkeit aus einzelnen Facetten ihres Gebarens und Verhaltens ihm, Cary, Lucky, Rand und Dutch gegenüber ableiten lässt – sowie die Art, wie Bening die Rolle angelegt hat. Clifton Collins Jr. („the Bricklayer“) agiert glaubwürdig-souverän als Dutch, Priscilla’s loyaler „Mann für alles“ (mit ihr konversieren, Cary suchen, Lucky jagen, Unglückselige foltern etc.) – ebenso wie William Fichtner, der seit Steven Soderbergh’s „the Underneath“ (1995) einschüchternd-gefährliche Typen wie Whittaker bekanntlich ja glänzend beherrscht. Zudem sind die Leistungen Aunjanue Ellis-Taylors („King Richard“), Mo McRaes („Den of Thieves“) und Eric Langes („the Empty Man“) als FBI-Agenten grundsätzlich von wertiger Qualität – allerdings ist es schade, wie konventionell ihre Parts verfasst wurden…
Generell fügt sich die Geschichte aus diversen gängigen, nur bedingt variierten oder vertieften inhaltlichen Elementen (á la ein gestohlenes Vermögen, eine verbissene Ermittlerin, ausgefuchste Schwindler sowie noch üblere Verbrecher mit im Mix) zusammen – was ungünstigerweise auch Lucky mit einschließt. Die „emotionale Connection“ zu ihr ist nicht allzu kräftig, da jene primär dadurch generiert wird, dass wir sie beim Bewältigen heikler Situationen begleiten, statt weil wir sie menschlich inniger kennenlernen (erst zum Ende hin wird das besser). Wie vorteilhaft, dass Anya Taylor-Joy („the Gorge“) von Natur aus so faszinierend an- und zuzuschauen ist – in Sachen Aussehen und Können. Mimisch gewohnt versatil, überzeugt sie überdies beim Vermitteln von Toughness sowie einer geschmeidigen Leichtigkeit so mancher ihrer Handlungen und Moves – losgelöst dessen, dass einige Abfolgen Skript-technisch (wie nicht selten in diesem Genre) ein Stück weit „konstruiert“ anmuten. Mit jeder Frisur sowie sei es in einem Hoodie, Teenie-Shirt oder umwerfenden Designer-Kleid gehüllt, ist sie unentwegt ein stylisch-schicker Anblick – woran selbst ihre Blessuren nichts ändern. Zwinkernd amüsant daher, als sie an einer Stelle Handschellen-Hämatome mit einem breiten geklauten goldenen Armreif überdeckt…
Die Farbgebung, Ausstattung, Garderobe und Locations von „Lucky“ sind ansprechend und die Editing-Arbeit ist gleichermaßen kompetent wie die Bebilderung Doug Emmetts („Swiped“) und Yaron Orbachs („the Ward“). Untermalt von einem soliden Score Isabella Summers‘ („Dust Bunny“), wird’s über die sieben rund 45-minütigen Episoden hinweg nie störend langatmig – allerdings hätte man dies und jenes zugunsten eines strafferen Flows definitiv „komprimieren“ können, um das Momentum kontinuierlicher aufrecht zu erhalten. Nicht falsch verstehen: Ruhigere Passagen sind notwendig und im Vorliegenden mitunter stark geraten – doch entertaint einen die Serie am meisten, wenn sie „in Motion“ (also Lucky aktiv auf der Flucht) ist; wozu eine flotte Car-Chase-Sequenz (inklusive eines netten Crash-Stunts) gehört, deren Ausgang wiederum bestimmte Gefühle, Wandlungen und Motivationen auslöst. Hätten Tropper und sein Autoren-Team das alles fokussierter und/oder nuancierter (sowie mit einem nicht ganz so absehbaren Showdown) ausgestaltet, wäre locker mehr als nur ein „okayes“ Ergebnis drin gewesen. Übrigens gewinnt Lucky im Buch (nicht aber hier) einen massiven Lotto-Jackpot – kann bloß nicht das Ticket einlösen, da ja nach ihr gefahndet wird…
gute![]()
„Lucky“ ist weltweit bei Apple TV verfügbar.
Stefan Seidl

(© Apple TV)
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zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright des „Lucky“ Poster-/Promomotivs und der Pics: Apple Studios, Apple TV / Candle Media / Hello Sunshine / LadyKiller Prod. / Tropper Ink Productions__ Freigabe: TV-MA / ab 16__ DVD/BluRay/Stream: nein/nein/ja |





