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Weapons – Die Stunde des Verschwindens

Originaltitel: Weapons__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Zach Cregger__Darsteller: Julia Garner, Josh Brolin, Alden Ehrenreich, Benedict Wong, Austin Abrams, Cary Christopher, Amy Madigan, Whitmer Thomas, Callie Schuttera, Toby Huss, June Diane Raphael, Justin Long, Sara Paxton u.a.
Weapons - Die Stunde des Verschwindens

„Weapons“ ist eine Mischung aus Kleinstadtportrait und Horrorthriller

Mit „Barbarian“ hatte sich Regisseur und Drehbuchautor Zach Cregger als Horrorfilmer neu erfunden, musste sich jedoch in erster Linie mit Festivalscreenings und Streamingveröffentlichungen zufrieden geben, während sein Nachfolger „Weapons“ einen weiten Kinostart und ähnlich begeisterte Kritiken erhielt.

Es beginnt mit jener Stunde des Verschwindens, die in Deutschland auch den Untertitel des Films bildet. 2:17 Uhr in der Nacht, um genau zu sein, in der Kleinstadt Maybrook in Pennsylvania. 17 Kinder stehen um diese Zeit auf, verlassen ihre Elternhäuser und rennen mit ausgestreckten Armen in die Nacht. Dass man überhaupt so viel über diesen Akt weiß, liegt an Aufzeichnungen von Überwachungskameras, die einige der Kinder dabei gefilmt haben. Bei den Verschwundenen handelt es sich um Schüler aus der Klasse von Justine Gandy (Julia Garner) – alle Kinder bis Alex Lilly (Cary Christopher) sind weg. Eine Mädchenstimme erzählt das Ganze mit jener kindlichen Akzeptanz der Ereignisse, so als ob das Ganze zwar passiert sei, aber nichts unbedingt Außengewöhnliches.

Für die Erwachsenen der Stadt dagegen ist eine Tragödie, eine unerklärliche. Viele Eltern machen Justine verantwortlich, da ihr Unterricht der einzige gemeinsame Nenner ist, während sich die Lehrerin selbst keinen Reim auf die Geschehnisse machen kann und selbst nach Antworten sucht…

Schaut euch den Trailer zu „Weapons“ an

Im Kern könnte „Weapons“ einfach die Geschichte von Justines Recherchen sein, beginnt auch genau damit. Doch die Einblendung „Justine“ zu Beginn dessen deutet bereits an, dass dies nur eine Perspektive ist. Andere Personen und Blickwinkel bekommen ebenfalls ihre Kapitel: Archer Graff (Josh Brolin) ist Vater eines verschwundenen Jungen, macht Justine verantwortlich, verfolgt die Lehrerin seinerseits und sucht auf eigene Faust nach seinem Sohn. Weitere Hauptfiguren sind Alex, der Schuldirektor Andrew Marcus (Benedict Wong), der Polizist Paul Morgan (Alden Ehrenreich) und der Junkie Justin (Austin Abrams). All die Geschichten überschneiden sich, manche Szene erlebt man aus zwei Perspektiven – aber frisch durch das neue Wissen. Als Justin beispielsweise die Polizeistation aufsucht, da vermutet Paul einen Grund, das Publikum weiß allerdings, dass es einen anderen gibt. Dadurch vermeidet „Weapons“ auch in diesen Momenten Redundanzen, sondern legt durch diese Vielschichtigkeit seine Geschichte nach und nach offen.

Weapons - Die Stunde des Verschwindens

Archer Graff (Josh Brolin) will Antworten und seinen Sohn zurück

Diese ist in sich schlüssig, ohne überkonstruiert auf den großen Mindfuck oder das große Twist-O-Rama aus zu sein. „Weapons“ vertraut auf sein Drehbuch, ist in erster Linie Erzählkino, das mit immer weiteren Informationen zum Verschwinden der Kinder, mit (wenigen) falschen Fährten und zurückgehaltenen Infos (etwa wenn Justine betäubt wird, aber man nicht sieht, wer dies tut) Spannung aufbaut. Tatsächlich hält sich der Horror über weite Strecken zurück, anfangs ist „Weapons“ eher das Portrait einer Kleinstadt im Schockzustand. Mit seinen vielen Figuren, die alle ausreichend Background erhalten, erinnert „Weapons“ bisweilen an Stephen-King-Romane wie „Es“ oder „Brennen muss Salem“, die auch von ihrem lebendigen Mikrokosmos Kleinstadt zehrten, in den das Böse einfiel. Wovon „Weapons“ ebenfalls profitiert, ist die Vielschichtigkeit seiner Figuren. Justine ist unschuldig Leidtragende der Stunde des Verschwindens, ernsthaft an der Lösung des Falls und dem Wohl der Kinder interessiert. Doch sie bricht dafür Regeln, sie hat ein veritables Alkoholproblem und führt ihren Ex, den verheirateten Paul, in Versuchung. Umgekehrt ist Archer ein liebender, besorgter Vater, der seine Wut und Trauer wiederum an Justine herauslassen will.

Dass eine bestimmte Erscheinung clownesk geschminkt auftritt, mag auch eine Referenz an King und sein Opus Magnum „Es“ sein. Es mag aber auch unterstreichen, dass „Weapons“ eine gewisse subtile Komik innewohnt. Der Film ist nie offen lustig, nie auf Sprüche oder Slapstick ausgelegt, doch immer mal wieder spürt man ein leichtes Augenzwinkern. Manchmal ist es bittere Ironie, etwa bei einem Missverständnis zwischen Paul und Justin. Auch die Tatsache, dass das Finale etwas schrill ausfällt, nachdem der vorige Film doch eher durch Understatement glänzte, mag ein wenig augenzwinkernd sein. Ebenso interessant wie gelungen ist auch die Note, auf der „Weapons“ endet, wieder erzählt von der Mädchenstimme vom Anfang: Ein wenig offen, kein Friede-Freude-Eierkuchen-Abgang, aber auch kein gewollter Downer.

Weapons - Die Stunde des Verschwindens

Von der geschätzten Lehrerin zur eigenwillig beäugten Verdächtigen: Justine Gandy (Julia Garner)

Als Ensemblefilm braucht „Weapons“ natürlich auch das richtige Personal und kann auch da punkten. Josh Brolin („The Running Man“) ist der größte Name im Cast, ordnet sich als hemdsärmeliger, gepeinigter Familienvater aber gut in die Reihen ein. Julia Garner („Fantastic Four: First Steps“) meistert die Aufgabe, als erste Hauptfigur einzuführen, das vielleicht längste Kapitel zu bestreiten und ihre facettenreiche Rolle zu spielen. Als große Entdeckung darf Kinderdarsteller Cary Christopher („Mank“) gelten, der ausgesprochen souverän neben der Erwachsenen besteht. In weiteren größeren Rollen überzeugen Benedict Wong („Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“), Alden Ehrenreich („Solo: A Star Wars Story“), Austin Abrams („Scary Stories to Tell in the Dark“) und Amy Madigan („Antlers“), während einige bekanntere Leute für Bit-Parts vorbeischauen, etwa Sara Paxton („Soldier“) und Justin Long („Youth in Revolt“) als Eltern eines verschwundenen Kinds (beide auch schon in „Barbarian“ dabei), June Diane Raphael („Year One“) als Pauls Ehefrau oder Toby Huss („Copshop“) als Polizeichef.

„Weapons“ ist souveräner und runder als „Barbarian“, aber trotzdem kein stromlinienförmiges Horror-Einerlei. Ganz ohne Makel ist auch „Weapons“ allerdings nicht. Einige Einfällen wirken seltsam undurchdacht – etwa ein riesiges CGI-M16 mit einem „2:17“-Display, das in einer Szene am Himmel erscheint, was erzählerisch allerdings wenig Sinn macht. Zudem ist die Katze dann nach ca. zwei Dritteln aus dem Sack, was die Spannungskurve etwas runtergehen, wenn auch nicht komplett einbrechen lässt. Dann ist „Weapons“ eher straighter Horror, der aber immer noch durch die gewählte Erzählperspektive und die Inszenierung zu punkten weiß: Die Gewaltspitzen sitzen, ohne all zu voyeuristisch draufzuhalten, die Schocks sind gut gesetzt, ohne nur auf der billigen Jump-Scare-Klaviatur zu klimpern und es gelingen einige eindrucksvolle Szenen, auch wenn die eine oder andere die Glaubwürdigkeit arg strapaziert, etwa was das Kindswohl angeht.

Weapons - Die Stunde des Verschwindens

Alex Lilly (Cary Christopher) ist als einziges Kind aus seiner Klasse nicht verschwunden

„Barbarian“ war nicht immer rund, aber frischer Wind im Horrorgenre, doch vom Gesellenstück arbeitet sich Cregger jetzt zur Meisterprüfung vor und die ist mit „Weapons“ durchaus gelungen. Ein geschickt erzählter, aber nicht überkonstruierter Mix aus Kleinstadtportrait und Horror mit starken, facettenreich Figuren, leichtem Augenzwinkern und meist souveräner Inszenierung. Im letzten Drittel fällt „Weapons“ ab, nicht jeder Einfall trägt, aber ein starker Genrebeitrag abseits ausgetretener Formeln ist Cregger dennoch gelungen.

Starke:

„Weapons“ ist hierzulande bei Warner/Plaion auf DVD und Blu-Ray erschienen, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Auf der DVD befindet sich kein Bonusmaterial, auf der Blu-Ray gibt es drei Featurettes.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner/Plaion__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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