| Originaltitel: Miami Connection__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Woo-sang Park, Y.K. Kim__Darsteller: Y.K. Kim, Vincent Hirsch, Joseph Diamand, Maurice Smith, Angelo Janotti, Kathy Collier, William Ergle, Si Y Jo, Woo-sang Park, William P. Young, Joy Sharpe u.a. |

„American Streetfighter“, besser bekannt unter dem Originaltitel „Miami Connection“, ist ziemlich unglaublicher Action-Trash
„Miami Connection“ hat eine eigenwillige Produktions- und Rezeptionsgeschichte hinter sich. Von Taekwondoschulenbesitzer Y.K. Kim mit einer Million Dollar eigenen Geldes produziert wurde der Film anno 1987 verlacht, ging unter, auch wenn er in Deutschland als „American Streetfighter“ veröffentlicht wurde. Anno 2009 stieß das legendäre Kino Alamo Drafthouse auf den vergessenen Film, zeigte ihn vor johlendem Publikum und veröffentlichte ihn auf Blu-Ray, womit ein verspäteter Midnight-Madness-Kultfilm geboren war.
„Miami Connection“ besitzt das populäre Eighties-Thema Ninjas, das vor allem durch Cannon und deren Produktionen (u.a. „Ninja – Die Killermaschine“, dessen Sequel „Die Rückkehr der Ninja“ und die „American Fighter“-Reihe) zu einem Dauerbrenner in Kinos und vor allem Videotheken geworden war. Also gebietet Schurke Yashito (Si Y Jo) auch über eine Ninja-Armee, die gleich zu schon Beginn zwei Drogengangs dahinmetzelt, um deren Geschäft, Ware und Kohle zu übernehmen. Damit wird Yashito der Kingpin von Orlando, die Geschäftspartner sitzen in Miami, daher also die titelgebende Miami Connection, auch wenn der Film eben in Orlando spielt.
Die Helden sind die Band Dragon Sound, die Abend für Abend für begeistertes Publikum in einem Nachtclub sorgt. Die Mitglieder der Gruppe rund um Trainer Mark (Y.K. Kim) sind nicht nur musikalisch verbunden, sondern trainieren gemeinsam, wohnen in einer WG und gehen zusammen auf die Uni, obwohl sie vom Aussehen größtenteils zu alt dafür sind, vor allem Mark, der vielleicht als Senior-Student durchgehen würde. Der Clou des Ganzen ist, dass sie auf der Bühne nicht nur weichgespülten Eighties-Rock darbieten, sondern auch noch Kampfkunst-Moves vollführen. Anscheinend ist die Dragon-Sound-Mucke so einfach und belanglos, dass er gar nicht auffällt, wenn zwei Mitglieder die Instrumente für eine Martial-Arts-Performance beiseitelegen. Andrerseits sieht man vielen Dragon-Sound-Darstellern eh an, dass sie die Musikinstrumente, die sie da in ihre Patschehändchen halten, offensichtlich nie zu spielen gelernt haben.
Bassist John (Vincent Hirsch) bringt auch seine neue Flamme Jane (Kathy Collier) mit, die innerhalb von drei Auftritten von ein bisschen Mitklatschen auf der Bühne zur neuen Leadsängerin von Dragon Sound aufsteigt. Dummerweise ist deren Bruder Jeff (William Ergle) die rechte Hand von Yashito und will nicht, dass seine Schwester mit John rumschmust. Dummerweise, Part 2: Die Band, die wegen des Dragon-Sound-Erfolgs nicht mehr im Club auftreten darf, schmollt ganz dolle, will Rache und wendet sich natürlich auch direkt an Yashitos Gang, weshalb es zum handfesten Zoff kommt…
Schaut euch den Trailer zu „Miami Connection“ an
„Miami Connection“ ist einer jener Filme, bei denen das reingesteckte Herzblut der Beteiligten im diametralen Gegensatz zu deren filmemacherischen Fähigkeiten steckt. Der südkoreanische Hauptregisseur Woo-sang Park, hier mit dem Pseudonym Richard W. Park in den Credits aufgeführt, bringt es zwar auf einige Filme, von denen aber nur das gescheiterte Phillip-Rhee-Vehikel „Los Angeles Streetfighter“ zumindest unter regelmäßigen Videothekengängern ansatzweise bekannt ist. Der Rest der Belegschaft stammt größtenteils aus Y.K. Kims Taekwondoschule und hat vor und nach „Miami Connection“ keine Filme mehr gedreht, was angesichts des amateurhaften Schauspiels nun auch kein Wunder ist, denn hier geben sich hölzerne Steifheit und Grimassenkirmes fröhlich die Klinke in die Hand, als ob nichts dazwischen erlaubt sei. Manchmal wurde auch einfach Leute aus der Gegend engagiert, etwa eine Rockergang, die eine Rockergang spielt. Denn Yashito ist nicht nur Chef einer Ninjatruppe (die öfter mal auf Motorrädern unterwegs sind), sondern auch der Gang, was mit einer ausgiebigen Prollpartyszene im Rockerheim zelebriert wird. Dass die Rocker davor oder danach nie wieder auftauchen (selbst als Yashito seine Truppen fürs Finale sammelt), sagt schon alles über den Film: Hier wurde immer das abgedreht, was Darsteller, Produzent und Drehbuchautor Y.K. Kim gerade durch den Kopf ging oder was man gerade zur Verfügung hatte, egal ob daraus eine Geschichte wird.
So ist schon der Mainplot regelrecht bescheuert, etwa dass sich eine geschasste Rockband mit Ninjas verbündet oder dass die rechte Hand eines mörderischen Drogenbosses anscheinend hohe Standards an den Umgang seiner Schwester stellt. Aber dazwischen gibt es immer wieder vollkommen sinnbefreite Szenen, die einfach die alle paar Minuten betonte Freundschaft der Dragon-Sound-Jungs auszustellen sollen: Man fährt gemeinsam an den Strand, wo man rumhängt und die Single-Mitglieder der Crew begrenzt erfolgreich Mädels aufreißen wollen, oder man trainiert zusammen, wobei natürlich klar ist, dass Mark als Trainer die größte Kampfsau von allen ist. Und weil Taekwondo in der Sprache dieses Films das Nonplusultra ist, kloppen die Freizeit-Kampfkünstler auch ganze Horden von Ninjas, Gangstern und Schlägertypen zusammen, die ihnen immer wieder auflauern. Dass ausgerechnet das sonnige Orlando dann „The Warriors“-artige Gang-Zusammenrottungen aufbieten soll, ist eine der zahllosen Blödheiten dieses Trashfests. Ebenso panne sind die Texte von Dragon-Sound-Songs wie „Friends Forever“ oder „Against the Ninja“, die hier teilweise mehrfach vorgetragen werden, um das Ganze auf Spielfilmlänge zu bringen. Kostprobe gefällig? „Friends through eternity, loyalty, honesty / We’ll stay together through thick or thin / Friends forever, we’ll be together / We’re on top ‚cause we play to win“. Doch nicht nur die Texterei, auch die Outfits von Dragon Sound sind der Hammer, denn die Bandmitglieder scheinen mit traumwandlerischer Sicherheit stets die schlimmsten Modesünden der 1980er anzuziehen.
Die Strategie der Schurken besteht derweil darin Dragon Sound immer wieder zu überfallen, dabei auf die Fresse zu bekommen, die eigenen Reihen zu lichten und damit das eigene Geschäftsmodell zu gefährden. Oder sie entführen zur Abwechslung ein Dragon-Sound-Mitglied, um die Band zu erpressen, doch werden vom Rest aufgespürt und bekommen die Fresse. Und weil weder die dünne Geschichte noch die ganzen Füllszenen das Teil auf Spielfilmlänge aufblasen, gibt es noch einen Subplot um Jim (Maurice Smith), der erfährt, dass sein vermeintlich verstorbener Vater noch am Leben ist. Alle Mitglieder sind von Dragon Sound sind nämlich Waisen und als Jim von Papas Existenz erzählt, dann spielt Smith das unfreiwillig so, als habe er Angst deswegen aus der Band geworfen zu werden. Doch die Jungs freuen sich natürlich ganz dolle für ihn und werfen ihre knappen Ersparnisse zusammen, um ihm einen neuen Anzug für das Wiedersehen zu kaufen. Das mag angesichts der sonstigen Klamotten vielleicht angebracht erscheinen, macht aber eigentlich nur in der Welt von „Miami Connection“ Sinn, denn sollte dem Vater das Aussehen des Filius‘ beim herzigen Wiedersehen nicht vollkommen egal sein? Wenn Daddy dann auftaucht, dann handelt es sich um einen gleichaltrigen Schauspieler, denn man mit Graufärbung der Haare vollkommen unüberzeugend auf alt getrimmt hat. Auch für einen Lacher gut ist Y.K. Kims Botschaft für Weltfrieden durch Kampfsport, die am Ende des Films sogar explizit eingeblendet wird – nachdem die Dragon-Sound-Jungs all ihre Gegner zusammengeschlagen oder massakriert haben.
Immerhin: Hinlangen kann die Belegschaft schon einigermaßen gut, da hat das Taekwondo-Training sich ausgezahlt. Die zahlreichen Kloppereien mit und ohne Waffen sind nicht verkehrt, von der Choreographie sogar recht brauchbar – nur das inszenatorische Können der Regie hinkt da hinterher. Insofern sieht man dem Ganzen immer wieder an, dass es sich um gestellte Kloppereien von ein paar Kampfkunstenthusiasten handelt, die immerhin in regelmäßiger Abfolge kommen. Wenn man gerade keinen Grund für Zoff mit den Ninjas findet, dann hat eben der nette Imbissbesitzer-Onkel Stress mit der örtlichen Krawalljugend in einer Szene, die absolut nichts mit dem Rest des Films zu tun hat. Manchmal gehen ein paar Leute auch derber drauf, mit amateurhaft getricksten Metzeleffekten. Da das Finale nach einem Vertriebs-Screening in Cannes nicht gut ankam, trimmte Y.K. Kim es schnell auf mehr Happy End, was man dem Film in mehrerlei Hinsicht anmerkt. Zum einen am Storyverlauf, zum anderen an der Inszenierung. Weil weder Regisseur Woo-sang Park noch Yashito-Darsteller Si Y Jo zur Verfügung standen, drehte Kim das Finale kurzerhand selbst neu und stopfte den Kaukasier William Ergle anstelle des Asiaten Jo ins Ninjakostüm – was man angesichts der Körpergröße, der Augenpartie und anderer Details überdeutlich erkennt.
Seinen Ruf als Partykracher hat sich „Miami Connection“ jedenfalls redlich verdient und eignet sich hervorragend für ein Double Feature mit „Das Söldnerkommando“. Beides sind filmisch reichlich schludrige Trasher von Kampfkunst-Enthusiasten, die der Ansicht waren, dass sie ihr Können doch mal auf Zelluloid gebannt werden müssten, auch wenn ihnen Fähigkeiten in Sachen Schauspiel, Drehbuchschreiben und Inszenierung fehlten, was zu einem gerüttelt Maß unfreiwilliger Komik zwischen den Wemmsereien führte. Wo „Das Söldnerkommando“ sich dann für ultimative Prolligkeit mit dicken Eiern und Aggression entschied (unterstützt von einer entsprechenden deutschen Schnoddersynchro), so ist das Amüsante an „Miami Connection“ seine totale Weltfremdheit, die Aufs-Maul-Hauen mit Freundschaftsschwüren, Weltfriedensbotschaften und seifigem Eighties-Rock verbindet. Als ernstzunehmender Film natürlich krachend gescheitert, als unfreiwillig komische Partybombe dagegen zu empfehlen.
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„Miami Connection“ erschien in Deutschland bei New Vision als „American Streetfighter“ auf VHS, freigegeben ab 18 Jahren, und war im Fernsehen als „Schwarze Ninjas greifen an“ zu sehen. Auf DVD, Blu-Ray oder im Stream war er in Deutschland bisher nicht zu sehen. Inwieweit der Film hierzulande gekürzt war, ist nicht bekannt. In den USA gibt es ihn als Blu-Ray von Drafthouse Films mit Making of, entfallenen Szenen und alternativem Ende. 2022 veröffentlichte Vinegar Syndrome in den USA zudem eine Blu-Ray-/DVD-Kombo, auf der auch die ursprüngliche Version mit dem anderen Ende unter dem Titel „Escape from Miami“ im Bonusmaterial zu finden ist.
© Nils Bothmann (McClane)
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