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Karate Kid: Legends

„Karate Kid: Legends“ verbindet die durch „Cobra Kai“ wiedererstarkte Originalreihe mit dem Remake von 2010. Protagonist Ben Wang ist der Neuankömmling in New York, der die franchiseüblichen Probleme mit dem örtlichen Oberbully bekommt, als er mit dessen Ex-Freundin anbandelt. Irgendwann läuft alles auf das große Turnier hinaus, bei dem er von Jackie Chan und Ralph Macchio sowohl in Karate als auch in Kung Fu unterrichtet wird.

Originaltitel: Karate Kid: Legends__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Jonathan Entwistle__Darsteller: Ben Wang, Jackie Chan, Ralph Macchio, Sadie Stanley, Aramis Knight, Joshua Jackson, Ming-Na Wen, Wyatt Oleff, Tim Rozon, William Zabka u.a.
Karate Kid: Legends

In „Karate Kid: Legends“ trainiert Protagonist Ben Wang sowohl bei Jackie Chan als auch bei Ralph Macchio

Das „Karate Kid“-Remake von 2010 erfreute sich bei Fans begrenzter Beliebtheit, spielte aber das Neunfache seines Budgets ein, die Serie „Cobra Kai“ entzündete die Leidenschaft für die Reihe dann in ungeahntem Maße neu. Grund genug für Sony mit „Karate Kid: Legends“ beide Versionen der Karate-Kinder zu kreuzen.

Um die Verbindung herbeizuklöppeln, werden Szenen aus „Karate Kid II“ neu kontextualisiert, in denen Mr. Miyagi seinem Schüler Daniel LaRusso erklärt, dass ein Vorfahr dereinst beim Fischen abgetrieben wurde, in China landete und dort von Kung-Fu-Schülern aufgenommen wurde, womit die Disziplin Miyagi-Do ein Bonsai mit zwei Ästen wurde. Das spricht natürlich gleich an, warum in „Karate Kid“ von 2010 trotz des Titels Kung Fu praktiziert wurde, ehe es dann zu Mr. Han (Jackie Chan), dem Sensei aus jenem Film, geht. Der trainiert seinen Großneffen Li Fong (Ben Wang) in der Kampfkunst, was dessen Mutter (Ming-Na Wen) gar nicht gerne sieht. Aber die Streitereien sind eh insofern passé, als dass Dr. Fong einen neuen Job in New York antritt und mit Sohnemann aus Peking wegzieht.

Da herrschen dann die gewohnten „Karate Kid“-Verhältnisse, die seit dem Original von 1984 etabliert sind. Li ist der Neue, der nicht so recht Anschluss findet, aber schon bald ein nettes Mädel kennenlernt, in diesem Fall Mia (Sadie Stanley), die Tochter des Pizzabäckers und Ex-Boxers Victor (Joshua Jackson). Mia hat einen Arschloch-Ex-Freund, der der Star der örtlichen Kampfkunstszene ist, in einem Brutalo-Dojo trainiert und die Trennung nicht so wirklich akzeptieren will: Conor Day (Aramis Knight). Es kommt irgendwann zur ersten Schlägerei, in die Li im Gegensatz zu Daniel-san zwar nicht ohne Vorkenntnisse reingeht, aber das Blaue-Auge-Ergebnis ist in etwa das gleiche. Insofern „Karate Kid: Legends“ dann doch in erster Linie das nächste Reimagining für aktuelle Generationen, was mit einem Kinostart nur wenige Monate nach dem Serienende von „Cobra Kai“ allerdings nur begrenzt nötig oder neu wirkt.

In naher Zukunft steht auch das Five-Boroughs-Turnier an, das traditionell von Conor gewonnen wird, aber Li meldet sich nicht an, weil er seiner Mutter ja das mit dem Nicht-Kloppen versprochen hat. Aber trainiert Victor für einen Comeback-Kampf, denn der hat Schulden bei Conors zwielichtigem Sensei und braucht dringend Kohle…

Schaut euch den Trailer zu „Karate Kid: Legends“ an

Nach dem ausladenden, 140 Minuten langen Remake ist „Karate Kid: Legends“ wieder eine Übung in Reduktion auf den guten alten 90-Minüter, was immerhin für ein ganz flottes Filmerlebnis sorgt. Allerdings scheint das entsprechende Memo nicht bei Drehbuchautor Rob Lieber („Gänsehaut 2“) oder den Leuten, die für die finale Schnittfassung verantwortlich waren, so richtig angekommen zu sein, denn „Karate Kid: Legends“ packt noch eine Vielzahl von Subplots in den Film rein. Es geht nicht nur um den Kampf um Mias Gunst und gegen den Schulbully, nein, das Nicht-Kämpfen hat den tragischen Hintergrund um Lis gemeuchelten Bruder, da sind noch Victors Geldsorgen und alles, was daran hängt, außerdem muss Li für die unvermeidliche Teilnahme am Turnier dann gleich bei zwei Meistern mit verschiedenen Stilen trainieren, nämlich Han und dem fürs Schlussdrittel aktivierten Daniel (Ralph Macchio). Erwartungsgemäß fällt dabei viel hinten runter. Conors Sensei O’Shea (Tim Rozon) ist nominell eine John-Kreese-Figur, kommt aber nie im Film an, weshalb seine Bosheiten (vor allem bei Victors Comeback-Fight) in der Luft hängen und der ganze Handlungsstrang mit den Schulden ab der Hälfte Pause macht. Auch das Schicksal des toten Bruders wird aufgenommen und fallengelassen wie es dem Film gerade beliebt, aber zum Finale steht Mutti dann doch in Sohnemanns Ringecke und feuert ihn an.

Karate Kid: Legends

Li Fong (Ben Wang) muss sich als Neuling in New York behaupten

Erfreulich dagegen ist die Romanze zwischen der patenten Mia und New-York-Neuling Li, die „Karate Kid: Legends“ mit genug Behutsamkeit und Geduld erzählt. Regisseur Jonathan Entwistle war als Creator und alleiniger Regisseur der von Kritikern geliebten, aus Produktionsgründen aber nach nur einer Staffel eingestellten Serie „I Am Not Okay With This“ wohl der richtige Mann für Teenager-Sensibilitäten. Natürlich kommt „Karate Kid: Legends“ nicht ohne gewisse Teen-Klischees aus, aber das ist gewissermaßen Franchise-Trademark von „Karate Kid“. Manches ist vielleicht nicht ganz überzeugend gemacht (etwa als Li eine vermeintliche Wiederannäherung von Mia und Conor beobachtet), aber die Szenen, in denen Mia ihrem neuen Freund ihr New York beim Rollerfahren zeigt, die wirken wie ein zeitgemäßes Teen-Romanzen-Update. Conor hingegen bleibt dann ein sehr eindimensionaler Schlägertyp, der erst gegen Ende eine gewisse Johnny-Lawrence-Reformierbarkeit zeigt, aber wirkt noch weniger nuanciert als sein Vorbild aus dem Urfilm, bei dem immerhin der schlechte Einfluss durch seinen Sensei angedeutet wurde. So mag Conor zwar gute Noten im Hinlangen und Böse-Gucken bekommen, als Gegenpart wirkt er doch unterentwickelt.

Immerhin ist „Karate Kid: Legends“ dann der Teil der Reihe, in dem beide Hauptkontrahenten überzeugend Martial Arts beherrschen, verabreicht die Action aber eher homöopathisch. Eine kurze Schulhofschlägerei hier, eine Wemmserei mit Geldeintreibern da, die meisten Five-Boroughs-Fights als Montage im Schnelldurchlauf – nur im Finale liefert „Karate Kid: Legends“ dann wirklich ausladend ab. Die Choreographie der Fights ist durchaus gelungen, gerade der Showdown punktet als Höhepunkt des Films. Manchmal hat die Inszenierung ganz putzige Ideen (etwa die Einblendung von Punkten bei Treffern im „Scott Pilgrim“- bzw. Videospiel-Style bei der Five-Boroughs-Montage), hin und wieder aber auch grobe Schnitzer (etwa ein überdeutlicher Achsensprung in der Geldeintreiber-Schlägerei). Und wenn die Sensei-Darsteller, die entweder nie gut in Martial Arts waren (Macchio) oder inzwischen über 70 Jahre alt sind (Chan), noch ein paar Schläger in die Schranken weisen müssen, dann arbeitet der Schnitt von Dana E. Glauberman („Ghostbusters: Legacy“) und Colby Parker jr. („Greenland 2“) wesentlich härter als die beiden Darsteller.

Karate Kid: Legends

Mr. Han (Jackie Chan) und Daniel LaRusso (Ralph Macchio) trainieren Li sowohl in Kung Fu als auch in Karate

Nun war „Karate Kid“ nie eine reine Actionfranchise, sondern bezog seinen Charme auch immer aus seiner Lehrer-Schüler-Story. „Karate Kid: Legends“ hat da einige nette Ideen, etwa wenn Li anfangs als Mentor auftritt, um Victor fit zu bekommen und dabei auf das bewährte „Karate Kid“-Mittel des ungewöhnlichen Alltagstrainings zurückgreift (hier vor allem beim Pizzabacken). Wenn Li mit Han und Daniel dann noch zwei Meister im Schlussdrittel bekommt, mit denen er in einem Dachgarten trainiert und die sich nicht immer einig sind, dann kann „Karate Kid: Legends“ ein paar nette Gags auffahren, etwa wenn die beiden sich über das richtige Prinzip der Kraftausnutzung streiten und Li dabei immer wieder zu Boden klöppeln. Die Verweise auf die Vorgängerfilme und -serie sind dezent, aber immer wieder vorhanden, weniger als direktes Zitat, sondern als Variation und Wiederholung von bekannten Formeln und Strukturen. So schafft „Karate Kid: Legends“ immerhin den Spagat zwischen Nostalgiker-Bedienung und dem Potential für neue Zielgruppen, wobei die Nostalgiker wohl mehr Mehrwert aus dem selbsternannten Legendentreffen ziehen werden.

Darstellerisch ist „Karate Kid: Legends“ dann ein Auf und Ab. Ben Wang („The Long Walk“) hat körperlich mehr drauf als seine Vorgänger, ist in Sachen Charisma und Schauspiel dann allerdings nicht unbedingt ein leuchtender Stern, weshalb er als Protagonist so mittel überzeugt. Ralph Macchio („The Outsiders“) und Jackie Chan („Shadow Chase“) als zugkräftige Namen spulen ihre Mentorenparts routiniert ab, wobei Mitproduzent Macchio mehr Elan zeigt als die Hongkong-Legende. Ming-Na Wen („Agents of S.H.I.E.L.D.“) ist okay als forsche Mutter, Wyatt Olef („Es – Kapitel 2“) gibt als Tutor von Li den üblichen Nerd-Sidekick. Aramis Knight („Into the Badlands“) und Tim Rozon („Screamers: The Hunting“) ziehen fiese Fressen, sind als Bösewichte aber mit dem Wenigen gestraft, was das Drehbuch ihnen gibt. Das erste darstellerische Highlight ist dann Sadie Stanley („The Sleepover“) als erfreulich patentes Love Interest mit natürlichem Charme und Girl-Next-Door-Attitüde. Das zweite ist Joshua Jackson („Fringe“) in der Rolle ihres Vaters. Nominell hat er weniger Bewandtnis für den Plot als andere, aber als gleichzeitiger Schüler (Kampfsport) und Mentor (Lebensdinge) des Helden etabliert er sich als heimliches Herz des Films, mit Charme und Selbstironie. Und gerade dann, wenn man sich über weitestgehende „Cobra Kai“-Missachtung ärgern möchte, dann schaut William Zabka („Shootfighter“) für einen Gastauftritt als Johnny Lawrence vorbei und klaut für einen kurzen Moment den Film.

„Karate Kid: Legends“ verlässt sich sehr auf die Strahlkraft seiner Vorgänger, deren Rezept er etwas variiert und dezent modernisiert, aber am Ende des Tages alten Wein in neuen Schläuchen serviert. Die Teen-Romanze, die vorhandene Action und die Trainingsszenen punkten dann in gewohnter „Karate Kid“-Manier, doch dem stehen blasse Schurken und die Fehlentscheidung einen 90-Minüter mit Handlungssträngen zu überfrachten gegenüber. Das ist etwas schmissiger als das überlange, mit Jaden Smith gestrafte Remake, aber so wirkliche Begeisterung löst das routinierte Schema-F-Ergebnis mit ein paar Schwächen auch nicht aus.

Starke:

„Karate Kid: Legends“ ist in Deutschland bei Sony/Plaion Pictures auf DVD und Blu-Ray erschienen, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es Featurettes und zusätzliche Szenen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony/Plaion Pictures__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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