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Shootfighter

Originaltitel: Shootfighter: Fight to the Death__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Patrick Allen, Robert Ginty__Darsteller: Bolo Yeung, Maryam d’Abo, William Zabka, Michael Bernardo, Sigal Diamant, Martin Kove, Edward Albert, James Pax, Lang Yung, Sagiv Diamant u.a.
Shootfighter

Bolo Yeung mal lammfromm in dem brutalen Klopperstreifen “Shootfighter”.

Mr. Lee will bei einem Shootfighting-Turnier in Hongkong zeigen, wie er sich eine moderne, neue Variante dieser Kampfsportveranstaltung vorstellt. Dazu will er das Schaulaufen von Kämpfern der verschiedensten Kampfstile um ordentlich Brutalität anreichern. Einen Vorgeschmack gibt sein Kampf im Halbfinale des Turniers, bei dem er seinem Gegner mal eben die Kehle zerfetzt. Sofort wird Mr. Lee von dem Turnier ausgeschlossen. Was ihn richtig sauer macht.

So sauer, dass er diese Schmach der Disqualifikation nie vergisst. In Mexiko zieht er daraufhin eine eigene Liga hoch, bei der Todesfälle bei den Turnieren keine Ausnahme darstellen. Was noch dadurch befeuert wird, dass hier auch Hieb- und Stichwaffen zum Einsatz kommen dürfen. Mit einer hohen Summe lockt Mr. Lee auch die beiden Amerikaner Ruben und Nick nach Mexiko. Vor allem Ruben verfällt dem Lockruf des Geldes nur zu gerne, muss er doch augenblicklich gewaltige finanzielle Probleme mit seiner Freundin Cheryl ausstehen.

Doch Mr. Lee sind die beiden jungen Kerle gar nicht wichtig. Er will eigentlich an ihren Lehrer herankommen. Shingo, ein Meister des Shootfightings, der allerdings immer auf die althergebrachten Regeln pochte und dies noch immer macht. Mr. Lee will ihm ein für allemal beweisen, dass sein Shootfighting das bessere ist…

Also zumindest vermutet man das, denn aus dem Film heraus wird niemals so wirklich klar, warum Mr. Lee eigentlich so sauer auf Shingo ist. Viel wird angedeutet. Shingo könnte Mr. Lees Arm zertrümmert haben, den der aber erstaunlich vielfältig einzusetzen weiß und dadurch nie behindert wirkt. Shingo könnte am Ausschluss Mr. Lees aus der althergebrachten Shootfighting-Liga mitverantwortlich sein. Und er scheint der ungeschlagene Meister der alten Variante zu sein, weswegen Mr. Lee ihm eine Lektion erteilen will. Aus dieser Gemengelage kann man sich dann gut und gerne den Grund heraussuchen, der für einen persönlich am besten funktioniert.

„Shootfighter“ fokussiert derweil viel mehr auf Ruben (William Zabka) und Nick (Michael Bernardo „Tigerkralle“). Wie sie den Verlockungen des regellosen Shootfightings erliegen, sich Ruhm und Geld versprechen und sich in dem harten Wettkampf auch in ihrem Moralempfinden krass verändern. Da die beiden Helden ausreichend sympathisch gezeichnet werden, folgt man ihnen auch gerne durch die Handlung und freut sich über die alsbald regelmäßig gezündeten Martial-Arts-Fights.

Von denen hat „Shootfighter“ wirklich eine ganze Wagenladung zu bieten. Prinzipiell versucht man dabei auch eine große Spannbreite an verschiedenen Stilen abzubilden, übertreibt es hier und da mit der Exotik aber auch etwas. Erwähnt sei dabei der unfreiwillig extrem lustige Fight des Boa-Mannes. Davon abgesehen wird durch die vielen Stile für ordentlich Abwechslung in den Fights gesorgt. Die zweite Hälfte des Filmes gewinnt dann durch den Einsatz diverser Waffen nochmal an Vielfalt hinzu und langweilt den Zuschauer nicht mit Wiederholungen.

Inszenatorisch und von der Choreografie her sind die Fights ordentlich umgesetzt, auch wenn das letzte Quäntchen Spektakel irgendwie immer fehlt. Dieses will der Film durch seine Brutalität ausgleichen. Und dahingehend hat „Shootfighter“ ein paar derbe Momente in petto: Zerfetzte Kehlen, herausgerissene Organe, gebrochene Arme, aufgeschlitzte Kehlen,… da juchzt das Splatterherz ab und an gar laut. Und auch wenn die Gewalt teils sehr aufgesetzt wirkt, sorgt sie dennoch für eine gewisse Intensität in den ansonsten leider etwas spannungslosen Fights.

Was vor allem daran liegt, dass Ruben und Nick kein wirklich mieser Endgegner entgegengeworfen wird. Zwar funkeln ein paar der Fighter unsere Helden immer mal böse an, letzten Endes entpuppen sich aber alle flott als Fallobst. Und Mr. Lee will ja eh nur gegen Shingo ran…

Und da haben wir eine echte Überraschung zu vermelden. Denn Shingo, definitiv heimlicher Held der Chose, wird gegeben von Bolo Yeung („Bloodsport“). Sonst ja eher der fiese Lump, darf er sich hier weitgehend nonverbal durch die Handlung lächeln und mit wenig überzeugenden Moves den großen Shootfighter-Guru geben. Martin Kove („Tapped Out“) als Mr. Lee hat gleich noch weniger Überzeugungskraft in seinen Martial-Arts-Szenen, amüsiert als fies guckender Thomas-Gottschalk-Klon aber ziemlich. Interessant ist freilich auch, dass er hier wieder mit William Zabka zusammenspielt, den er in „Karate Kid“ ja noch zum Fieswicht erzogen hatte.

Dass „Shootfighter“ nicht viel kosten durfte, sieht man an diversen preisgünstigen Settings. Manche Räume sind mit den zu damaligen Zeiten gerne zum Einsatz gekommenen Pappkartons bis unter die Decke vorgestellt. So konnte man Möbel und Wandschmuck sparen. Doch auch die Fighting-Arenen sind eher billiger Natur. Was aber freilich auch zum transportierten Straßenkampf-Ambiente des Shootfightings passt. Abseits der Action wirkt „Shootfighter“ btw. selbst für sein Entstehungsjahr etwas altbacken, was nicht nur an Klischee-Settings wie der Billardbar oder schreiend hässlichen Föhnfrisuren liegt.

Was am Ende bleibt, ist einer der härteren amerikanischen Martial-Arts-Streifen, der handlungstechnisch nicht sonderlich viel Sinn macht, dies aber durch derbe Fights am Fließband wieder auszugleichen versteht. Leider generiert er aus sich heraus kaum Spannung, der Turnieransatz wird arg inkonsequent verfolgt und die erzählerische Klammer rund um die Fehde zwischen Bolo Yeung und Martin Kove bremst den Film eher, als dass sie ihm hilft. Und obwohl die beiden Helden gut zu gefallen wissen und sowohl Zabka als auch Bernardo ein paar hübsche Moves zeigen, fightet man letzten Endes auf dem heimischen Sofa niemals mit. Schade…

Das Label Nameless Media hat dem Film im Juli 2016 eine tolle Neuauflage im Mediabook beschert. Dieses kommt mit vier Datenträgern. Zwei Blu-rays und zwei DVDs. Die Blu-rays transportieren jeweils einen der beiden „Shootfighter“-Filme ungeschnitten und in starker Bildqualität (bei Teil 1 fallen die eingefügten Unrated-Szenen qualitätsmäßig deutlich ab). Eine der DVDs beinhaltet sowohl Teil 1 als auch Teil 2 und die andere DVD hat die Extras (unter anderem Interviews mit Bolo Yeung) an Bord. Wer es spektakulärer mag, kann sich das Mediabook mit 3D-Büste von Bolo Yeung ordern. Auch eine Variante mit einem T-Shirt gibt es…

PS.: Bei der deutschen Fassung von Teil I fällt auf, dass bei der Synchronfassung so gut wie alle Schreie, Stöhner und Grunzer der Fighter getilgt wurden. Was aufgrund des zugehörigen Gesichtsfaschings der Kämpfer sehr seltsam wirkt. Mangels Vergleichsmöglichkeit kann ich leider nicht sagen, ob davon alle bisherigen Synchronfassungen betroffen waren. Die englische Sprachfassung enthält definitiv diese Geräuschkulisse.

In diesem Sinne:
freeman

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