| Originaltitel: Thrash__Herstellungsland: Australien, USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Tommy Wirkola__Darsteller: Phoebe Dynevor, Djimon Hounsou, Costa D’Angelo, Matt Nable, Whitney Peak, Alyla Browne, Stacy Clausen, Elijah Ungvary, Andrew Lees, Amy Mathews, Gemma Dart, Dante Ubaldi, Jon Prasida, Sian Luxford, Sami Afuni, Akosia Sabet, Chai Hansen u.a. |

Das Poster von „Thrash“.
Surfin‘ in the Streets
Erst macht das rote „N“ Ta-duuum, dann geht eine ganze Stadt mit Haien baden. Déjà-Vu, anyone? Es ist schließlich noch keine zwei Jahre her, da bombten Xavier Gens‘ Makohaie bei Netflix ganz Paris zurück ins Paläozoikum. Jetzt wiederholt sich das Spiel, auch wenn es diesmal Tommy Wirkolas Bullenhaie sind, die eine australische Küstenstadt plündern. Ändert aber nix an den harten Fakten. Im Konsumentenhirn bleiben vermutlich nur die Hashtags #Haie und #StadtunterWasser hängen, was wohl der ausschlaggebende Grund gewesen sein dürfte, warum sich ausgerechnet Netflix die Vertriebsrechte für die Sony-Produktion mit dem überaus schmatzigen Titel „Thrash“ gesichert hat, der onomatopoetisch für gleich zwei Gefahrenherde steht: Die blitzschnell aus dem Hinterhalt attackierenden Fische und die Wassermassen, die mit Wucht die Deiche sprengen.
Im Nachhall all der Katastrophen, die Katrina, Ike, Sandy, Harvey und andere in den vergangenen Jahren in den USA verursacht haben, lässt Wirkola den Tierhorror zunächst außen vor und zeichnet im Stil der Katastrophenfilme der 90er Jahre ein Szenario mit den düsteren Schatten eines bevorstehenden Unheils. Es regnet ohne Gnade, Warnungen verbreiten sich von Nachbar zu Nachbar sowie über die gängigen Nachrichtenkanäle und die beschworene Stimmung fühlt sich durchaus unheimlich an; sicher auch, weil sie nicht nur nach Vorbild des herkömmlichen Ökothrillers mit der Rache der Natur beladen ist, sondern weil sie darüber hinaus an Evakuierungen in aktuellen Kriegszeiten erinnert. Der norwegische Regisseur weiß den Regen wie einen eigenen diabolischen Charakter zu inszenieren, der an allen Fronten seine Finger im Spiel hat.
Subplots in mundgerechten Häppchen
Nebenbei werden nach und nach die eigentlichen Charaktere in mehreren isolierten Handlungssträngen eingeführt, was bereits früh darauf schließen lässt, dass das Drehbuch später episodische Abzweigungen nehmen wird, um möglichst viele Gefahrenherde per Parallelmontage auf höchster Stufe gären zu lassen. Phoebe Dynevor sticht zunächst heraus als Hochschwangere, die es nicht nur des Wetters wegen ins falsche Nest verschlagen hat. Ergänzt wird sie durch Whitney Peak, deren Figur aus dramaturgischen Gründen an Agoraphobie leidet, die sie daran hindert, das Haus zu verlassen.
Dazu kommt ein Geschwistertrio, das unter seinen Stiefeltern leidet, die mit Geist und Seele den amerikanischen Protektionismus verkörpern (insbesondere jenen der eigenen Haut) und dabei nicht eben auf das Wohl ihrer Kinder bedacht sind. Und was wäre ein Haifilm ohne den Haiexperten, der vom einzigen großen Namen im Cast gespielt wird, Dijmon Hounsou. Sein nüchterner Meeresforscher wiederum wird ausgerechnet mit einem Nachrichtenteam in ein Boot gesetzt, wodurch ein Kanal entsteht, um neben den Botschaften zu Umweltschutz und Politik einen guten Schlag Kritik an der wissenschaftsfeindlichen Ignoranz der Medien unterzubringen, die ihre ganz eigene Realität im Namen der Quote erschaffen. Der TV-Reporter ist entsprechend einer der ersten, die man von den Haien zerfetzt sehen möchte.
Kein Zweifel, in der Ruhe vor dem Sturm, aber auch noch während dessen dramatischem Ausbruch, liefert „Thrash“ voll nach Maß. Anstatt mit übertriebenen Kaventsmännern zu prahlen, als wäre Dagon persönlich vom Zehnmeterbrett gehüpft, setzt Wirkola bei der Anatomie der Zerstörung auf die kontinuierliche Wucht sich anhäufender Masse. In weitestgehend realistisch getricksten, jedenfalls nie nach übertriebenem Bombast-Kino der Emmerich-Schule aussehenden Effektshots wird man Zeuge, wie das Wasser Meter für Meter die Grenzen versetzt. Am Ende schwimmt man in einer Suppe, wie es sie zumindest in dieser Konsequenz seit „Hard Rain“ (1998) nicht mehr gegeben hat. Das Produktionsdesign muss dabei nicht immer seine Künstlichkeit verbergen, denn die trägt immerhin dazu bei, dass dem nicht unrealistischen Grundszenario ein surrealer Effekt beigemischt wird, wie er wohl auch von den Opfern einer echten Flutkatastrophe empfunden werden muss.
Ebenso gilt es bei einem Film wie diesem, gegenüber dem Umgang mit den Grenzen der Logik und der Wahrscheinlichkeit gegenüber Milde walten zu lassen. Natürlich schneidert sich das Skript ein paar Zufälle zurecht; ein Musterbeispiel für Plot Convenience ist insbesondere der Metzgerei-Tanklaster voller Tierblut, der rein zufällig bei übelstem Mistwetter durch die Stadt gurkt, damit er schlussendlich als Köder für die Meeresbewohner fungieren kann. Auch physikalisch oder bezüglich der Kausalität lässt sich vieles im Aufbau, aber auch im Affekt des Moments nicht schlüssig erklären.
Schwimmen auf eigene Gefahr
Der Zweck heiligt jedoch die Mittel, denn letztlich steht „Thrash“ mit einem einschüchternden Szenario da, das insbesondere von der erfrischenden Darstellung der schwimmenden Bestien profitiert. Wirkola kombiniert die Qualitäten der beiden Alexandra-Aja-Ausflüge ins Tierhorror-Fach, „Crawl“ (2019) und „Piranha 3D“ (2010), indem er die Wasseroberfläche zu einer Art „The Floor is Lava“ umgestaltet, bei der selbst geringster Kontakt oftmals schon tödlich sein kann.
Beim Einsatz der Bullenhaie wird von der Size-Matters-Philosophie der „Meg“-Filme abgewichen und vielmehr das Rudelverhalten betont. Übertrieben blutig wird es nicht, aber die aufdringliche Art der Tiere, ihrer Beute auf die Pelle zu rücken, sorgt für neue Impulse im Fach, die Wirkola mit inszenatorischen Kniffen noch zu intensivieren weiß, wenn etwa die eher zum Standardrepertoire gehörigen Unterwasser-CGI-Shots und Blitzattacken im aufgewühlten Wasser mit originellen Abwandlungen ergänzt werden, zu denen unter anderem eine Stalker-Einstellung gehört, bei der die Kamera sich an die Rückenflosse eines Hais hängt und seinen Schwimmbahnen folgt, wodurch nebenbei auch effektiv die Räume der Sets ausgenutzt werden.
Gute Ansätze im Keim erstickt
Es kommt allerdings unweigerlich der Punkt, da beginnt der bis dahin einigermaßen ausgewogene Mix aus Katastrophenfilm-Realismus und B-Movie-Entertainment ins Saure zu kippen. Das beginnt bereits mit gewissen Bequemlichkeiten im Schnitt, wenn zum Beispiel eine Rettungsaktion auf wackligem Untergrund zum halsbrecherischen Spießrutenlauf ausgeschmückt wird, nur um beim Weg zurück (diesmal mit einer immer noch geschwächten zweiten Person!) mit einem einfachen Cut zu suggerieren, dass die gleiche Bahn rückwärts nur ein Spaziergang war.
Darüber hinaus möchten sich die mühsam vorbereiteten Subplots nicht so recht ergänzen. Die Möglichkeit der Parallelmontage wird zwar genutzt, verpufft aber zum Zwecke der Spannungssteigerung wirkungslos; auch sonst scheinen die Schicksale der einzelnen Gruppen auf kaum einer Ebene wirklich miteinander verknüpft zu sein, nicht einmal auf meta-sozialer Ebene. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass der Ton der Erzählung schwankt. Schwarzer Humor begleitet etwa die Emanzipationsversuche der drei Geschwister von ihren Erziehungsberechtigten im Angesicht einer Ausnahmesituation, während man sich bei der tickenden Zeitbombe im Bauch von Phoebe Dynevor wohl zum Ziel gesetzt hat, das ungünstige Timing der Extrem-Geburten aus Filmen wie „A Quiet Place“ (2018), „Nirgendwo“ (2023) oder „Eden“ (2024) nochmals zu toppen, was zum Ende hin in zu einer Art American Football im Wasser ausartet, mit absurden Tacklings, die nicht nur jeder Wahrscheinlichkeit spotten, sondern auch den beklemmenden, weil bodenständigen Haiangriffen, die es zur Filmmitte noch zu sehen gibt.
So bekommt man das Gefühl, dass Wirkola nie so recht weiß, wie er die Saat ernten soll, die er ausgelegt hat. Wie man zum Beispiel effektiv das Karma für sich arbeiten lässt, um hassenswerte Figuren heimzusuchen, das haben andere Filme dieser Art mit einem wesentlich besseren Gespür für Zuschauerbefriedigung bewerkstelligt bekommen. Auch ein als Sonderüberraschung angeteaserter Endboss schwimmt etwa die meiste Zeit lieber träge am Grund entlang, als entscheidend am Geschehen teilzunehmen.
Große Haie, kleine Fische: „Thrash“ bietet Licht und Schatten
Da passt es irgendwo ins Bild, dass die Gefahr irgendwann auf einmal vorüber ist, ohne überhaupt noch eine Deus-Ex-Machina-Erklärung aus dem Hut zu zaubern – es sei denn, man möchte die Netflix-Kategorie „Filme unter 90 Minuten“ als „Deus Ex Machina“ bezeichnen. Die unsaubere Versiegelung der geöffneten Baustellen ist vielleicht auch ein Indiz dafür, dass Filmemacher es verlernt zu haben scheinen, simple Filmkonzepte stringent und fokussiert auf die Leinwand zu bringen. „Thrash“ macht in der Anlage einiges richtig, verliert dann aber zunehmend die Kontrolle über einen Stoff, dessen Beherrschung normalerweise kein Hexenwerk sein dürfte. Wenn man sich bei einem solchen Film 20-30 Minuten mehr wünscht, damit die ganz groben Kanten noch ausgebessert werden können, dann liegt irgendwo etwas im Argen.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Thrash“
Ursprünglich war bereits 2024 ein Kinostart geplant, damals noch unter dem Titel „Beneath the Storm“. Nach zwei Verschiebungen (zuerst August 2025, dann Juli 2026) mitsamt Umbenennung in „Shiver“ entschied Sony Pictures schließlich, den Kinostart komplett zu streichen und die Vertriebsrechte an Netflix zu verkaufen. Dort ist er weltweit seit dem 10. April 2026 abrufbar. Ob es trotzdem noch zu einer physischen Auswertung auf DVD und Blu-ray kommen wird, ist aktuell nicht bekannt.
Sascha Ganser (Vince)
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