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Betty’s Revenge

Originaltitel: Betty’s Revenge__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2026__ Regie: Brett Bentman__ Darsteller: Emma Claire Dykes, Hannah Fierman, Faith McKinstry, Samuel J. Bennett, …

Betty's Revenge

Zum Trailer (engl. OV) geht’s hier!

Seit dem 01. Januar 2026 befindet sich nun auch die berühmte Zeichentrick-Figur Betty Boop des Cartoonisten Max Fleischer in der „Public Domain“ – allerdings erst einmal bloß die spezifische Version jener aus dem 1930er „Talkartoon“-Kurzfilm „Dizzy Dishes“, welche sich durchaus von der heutzutage gemeinhin bekannten Gestaltung des Charakters unterscheidet. Damals war sie noch ein anthropomorpher Hund (mit langen Ohren und schwarzer Knopfnase), der ursprünglich als weibliches Pendant Schrägstrich Love Interest für Bimbo, the Pup gedacht war – bevor sie in den folgenden Jahren eine vollständige „Vermenschlichung“ erfuhr sowie im Zuge dessen zu einem ikonischen Sex-Symbol (mit gewissen feministischen Ansätzen) avancierte…

Im Falle Miss Boops dauerte es schließlich keine sieben Wochen nach dem oben genannten Datum, bis ein betreffender Sploitation-Horror-Streifen veröffentlicht wurde: Ein inzwischen leider üblich gewordenes Vorgehen – siehe u.a. „Winnie the Pooh: Blood and Honey“, „Screamboat“ sowie „Popeye: The Slayer Man“ – aus dem jedoch noch nie ein vernünftig zufrieden stellendes Ergebnis hervorgegangen ist (nebenbei erwähnt: ich selbst hatte mich an der Entstehung von Taylor Morden’s „Bampire“ beteiligt). „Betty’s Revenge“ betitelt sowie von einem Herrn namens Brett Bentman (Autor und Regisseur) realisiert, steht hinter dem Werk überdies die einschlägig vertraute Low-Budget-Vertriebsfirma „ITN Distribution“…

Im Rahmen eines Kurses über „Urban Legends“ beschäftigen sich die College-Studenten Jenna (Emma Claire Dykes), Miles (Samuel J. Bennett) und Kara (Faith McKinstry) gerade mit der mysteriösen Geschichte rund um einen früher mal niedergebrannten Cabaret-Nachtclub ein paar Stunden Autofahrt von ihrer Heimatstadt entfernt. Nachdem Jenna mit einer Person Kontakt aufgenommen hatte, die angibt, ihnen „aus erster Hand“ etwas über das Geschehene berichten zu können, finden sie an der angegebenen Adresse ein geräumiges, abgeschieden gelegenes Haus vor, in welchem die Frau wohnt, die seinerzeit die Besitzerin des zerstörten Etablissements war. Auf Anhieb registrieren sie einen unangenehmen Geruch sowie „unbehaglichen Vibe“…

Als sie daraufhin ihre Gastgeberin kennenlernen, verbessert sich dieser Eindruck kein Stück: Eingangs wirkt Betty (Hannah Fierman) scheu – lässt das Trio bspw. des Öfteren allein – spricht mit einer piepsig-hohen Stimme – ohne an sich aber allzu redselig zu sein – und mutet von ihrem Auftreten her bisweilen „dissoziiert“ an. Statt frei zu erzählen oder Fragen zu beantworten, überlässt sie Jenna ein Tagebuch, in dem sie ihre Erlebnisse im „Dizzy Dishes“ (ja, so hieß der Laden) niedergeschrieben hat, die häufig belastender, nicht sehr schöner Natur waren. Mit einer Sturmfront draußen aufziehend, gedenken sie schon bald lieber wieder aufzubrechen – wobei sie dann aber plötzlich damit konfrontiert werden, dass ihr Wagen „spurlos verschwunden“ ist…

Ohne den Abspann mitzurechnen, endet „Betty’s Revenge“ noch vor Erreichen der 70-Minuten-Marke – doch anstelle einer straffen inhaltlichen Entfaltung (samt zügigem Pacing) weist das Gebotene selbst so noch diverse „Filler“-Passagen auf, die man locker hätte „komprimieren“ oder gar komplett entfernen können. Genau genommen wäre es mit Sicherheit möglich gewesen, aus dem Ganzen einen echt brauchbaren rund halbstündigen „Short“ zu kreieren – der seinerseits mit zwei bis drei ähnlich gelagerten Werken außerdem hin zu einem potentiell netten Anthology-B-Movie hätte kombiniert werden können. Oberflächlich und schlicht verfasst, vermag einen weder die Story noch ihre Umsetzung im gewünschten, nötigen Maße bei Laune zu halten…

Schade ist, dass man nicht mehr aus dem Titel-Part herauszuholen imstande war. Ein guter Ansatz dafür existierte zwar – allerdings wurde er schlichtweg nicht genügend „vertieft“. Wie sie von Männern in dem Club (dem Milieu, der Branche) behandelt wurde – bis hin zu jener fatalen Nacht des Feuers – hat sie traumatisiert sowie mit Wut erfüllt: Ein tragisches Schicksal, aus welchem ihr Antrieb, ihr Motiv für ihre gegenwärtigen Taten erkeimt ist. Sexismus und Benachteiligung. By the Way: Weil sich Fleischer bei Betty Boop (augenfällig) von dem Aussehen und Auftritts-Stil Helen Kanes „hat inspirieren lassen“, hatte jene Performerin ihn übrigens 1932 verklagt – den Prozess unverständlicherweise jedoch verloren…

Konträr zur klassischen „show, don’t tell“-Devise gibt es im Vorliegenden keine das damals im „Dizzy Dishes“ Vorgefallene aufzeigende Flashbacks – bis auf zwei flüchtige Einstellungen, bei denen ich mir wiederum nicht schlüssig darüber bin, ob für sie auf CGIs oder AI-generierte Images zurückgegriffen wurde – sondern liest Jenna die entsprechenden Schilderungen Bettys aus deren Journal meist einfach nur laut vor: Zweifellos ein Resultat der geringen finanziellen Mittel der Produktion – somit aber nunmal weit minder interessant; nicht nur da die Formulierungen der Zeilen nicht unbedingt „Kopfkino-anregender Beschaffenheit“ sind. In den Bereichen Charakter-Zeichnungen und Plot-Entwicklungen hat „Betty’s Revenge“ nicht gerade viel zu bieten…

Über Jenna, Miles und Kara erfährt man nicht mehr als ein Minimum. Überwiegend bewegen sie sich arm an Hast im Haus umher und diskutieren über den Grad der Notwendigkeit, dort besser früher als später zu verschwinden. Dabei kommen einzelne individuelle Eigenschaften von ihnen hervor – á la Jenna’s Rationalität und Empathievermögen sowie Kara’s anwachsende ängstliche Emotionalität. Die ihnen gegebenen Dialoge sind von keiner hochwertigen Qualität und wie jene von ihnen vorgetragen werden, ist nicht selten mit „hölzern“ sehr treffend zu beschreiben. In Verbindung damit, dass sie per se keineswegs „talentlos“ zu sein scheinen, habe ich angesichts dessen den Verdacht, dass auch die Schauspieler-Führung Bentmans recht mangelhaft war…

Von daher will ich Samuel J. Bennett („Apple Juice with no Ice“) sowie die beiden Hübschen Emma Claire Dykes („Secret Life of a Sorority Girl“) und Faith McKinstry („Kill Trip“) – allesamt relative Newcomer im Business – mal nicht übermäßig negativ an den Pranger stellen – und schon gar nicht Hannah Fierman („St. Agatha“) als deren Antagonistin Betty – Genre-Freunden natürlich primär als Lily aus „V/H/S“ und „Siren“ bekannt – welche merklich das Beste aus der Rolle und Materie zu machen versucht hat und ihrer Figur in bestimmten Momenten ergiebig BB’s typische Manierismen sowie die zu der Story hier passende verstörte Ausstrahlung verleihen konnte. In einem „beseelteren Drumherum“ eingebettet, hätte sie gewiss aber stärker glänzen können…

Diese Version des einst beschwingt-kecken „Flapper Girls“ wird einem als psychisch geschunden, irre sowie (um sich innerhalb der zugehörigen „Gemeinfreiheit“-Vorgabe zu bewegen) als „half Woman, half something else“ präsentiert (wobei die Hunde-Ohren zum Glück fast mit großen Ohrringen verwechselbar sind). Erquickender wäre es gewesen, hätte man „Betty’s Revenge“ alles in allem campy-überzogener angelegt – denn mit einem Ernstnehmen der Geschichte eh kaum drin, hätte eine innigere Ausrichtung darauf den u.a. an einem trägen Tempo sowie arg wenig von Reiz krankenden Verlauf eventuell noch ein Stück weit „beleben“ können. Das Erschaffen eines überzeugenden Ergebnisses war im Prinzip aber schon dank des Verantwortlichen zum Scheitern verurteilt…

Seit 2014 hat Brett Bentman rund 70(!) Low-Budget-Streifen ersonnen und abgedreht – solche wie „Rumpelstiltskin“, „Mafianado“, „Minnie’s Midnight Massacre“ und „Lone Star Shark“: Quantität statt Können. Er und sein Kameramann Anthony Gutierrez („Animal among us“) – mit dem er in der Vergangenheit bereits häufiger kollaborierte – lassen jegliches Gespür für Suspense, Atmosphäre und Kreativität vermissen. Inszenatorisch und optisch jeweils eintönig „simpel-steril“, sehen die (immerhin bloß punktuell-spärlich verwendeten) CGIs billig aus – eben weil sie es sind – und leiden auch die Practical-Effects an der offensichtlichen Geld-Knappheit. Amüsant: Eine mit Kunstblut beschmierte Augenklappe als „Ersatz“ für gutes Auge-raus-Make-up…

Dazu u.a. noch zentrale Gewaltakte mit off-Screen-Violence (buh!) sowie überflüssige Clips aus dem 1930er „Short“. Um zumindest mit einem Opfer mehr aufzuwarten – schließlich sind die in Gefahr geratenden Kids ja nur zu dritt – wird übrigens in Gestalt eines Prologs (mit einer Polizistin) eröffnet – welcher jedoch so unnötig ist wie eine Rückblende im finalen Drittel sowie obendrein stracks eine Reihe an Logik-Schwächen zutage fördert, die im Folgenden zudem um verschiedene Unklarheiten und Unglaubwürdigkeiten ergänzt werden: So z.B. ist das für den Shoot gemietete Haus zwar schick – passt aber null zu Betty sowie der Sache mit dem abgebrannten Club. Kurzum: Ein weiterer Public-Domain-Sploitation-Flick, den ich zu meiden rate…

7 von 10

Während „Betty’s Revenge“ derzeit in seiner englischen Originalfassung auf dem „ITN Distribution“-YouTube-Kanal frei verfügbar ist, sind mir bis heute (04/2026) indes noch keine Veröffentlichungspläne konkret für Deutschland bekannt…

Stefan Seidl

Betty's Revenge

(© B22 Films & ITN Distribution)

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Copyright des „Betty’s Revenge“ Postermotivs und der Screenshots: B22 Films / ITN Distribution__ Freigabe der amerikanischen VÖ: Not Rated__ DVD/BluRay/VOD: nein/nein/ja

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Categorised in: Horror, the Horror Pit

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