| Originaltitel: Vampires of the Velvet Lounge__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Adam Sherman__Darsteller: Mena Suvari, Dichen Lachman, Sarah Dumont, Timothy V. Murphy, Stephen Dorff, Tom Berenger, Lochlyn Munro, Tyrese Gibson, Rosa Salazar, Mark Boone, India Eisley u.a. |

„Vampires of the Velvet Lounge“ wartet mit zahlreichen B-Stars auf.
Der Horrorfilm „Vampires of the Velvet Lounge“ stellt uns zunächst die 1560 geborene, berühmt-berüchtigte Elisabeth Bathory mittels Texteinblendungen vor. Nach dem Tod ihres Mannes sei die ungarische Adlige demnach immer seltsamer geworden und habe den Wunsch nach ewiger Jugend gehegt. Um diese zu erreichen, badete sie angeblich im Blut junger Frauen.
Zwar landete die Gräfin als Mörderin vor Gericht, sei aber nie verurteilt worden. Stattdessen verhängte man einen Hausarrest und sperrte sie in einem Turm ein, in dem sie 1614 verstarb. Über ihren Tod hinaus, da ist sich der Text sicher, hätten sich Wahrheit und Mythos in den Erzählungen immer mehr vermischt und aus der Serienmörderin sei über die Jahrhunderte eine Art vampirähnliches Wesen geworden.
Diesen bunten Mythenmix nimmt „Vampires of the Velvet Lounge“ freilich nur zu gerne auf und präsentiert uns in der Jetztzeit eine quicklebendige Elisabeth. Die hat verschiedene andere Vampire um sich geschart und gemeinsam mit ihnen verführt sie notgeile Trottel und labt sich an deren Blut. Gehen ihr sexy Damen in die Falle, badet sie wie gewohnt in deren Lebenssaft.
Freilich macht man sich mit so einem Verhalten auch Feinde. Eine geheimnisvolle Organisation jagt Elisabeth. Deren stärkste Waffe ist die Söldnerin Cora. Die hat sich mit ihrem Sidekick Alexis bereits ganz nah an Elisabeth herangepirscht und will ihr den Garaus machen.
Zielloser Horror mit Tom Berenger
Das Drehbuch zu „Vampires of the Velvet Lounge“ hat ein paar coole Takes in Bezug auf das Thema Vampirismus. Der Interessanteste: Die Vampire der Jetztzeit nutzen Dating Apps, um eine stete Versorgung mit frischem Blut sicherzustellen. Mittels der Apps und integrierten Videotelefonie-Lösungen werden Lüstlinge geködert, angelockt und hernach ausgesaugt und gekillt. Wieso die Apps die Vampire aufzeichnen können, sind diese doch normalerweise unsichtbar für Spiegel und Kameras? Nun, KI und Social Media stünden laut Elisabeth mit dem Teufel im Bunde – entsprechend könnten sie auch Vampire aufzeichnen. Klasse!
Der Rest des Drehbuches hingegen mutet wie heil- und vor allem zielloses Chaos an. Prinzipiell erzählt der Film von Regisseur und Drehbuchautor Adam Sherman („Happiness Runs“) eine simple Story: Elisabeth Bathory killt Menschen, Cora hat da etwas dagegen. Anscheinend hat das aber Sherman keiner gesagt. Und so überflutet der seinen Film mit zahllosen Episoden, die zum Teil gar keinen Sinn für den Film haben und mit diversen pseudocoolen Dialogen überfrachtet sind.
So sind wir beispielsweise in aller Ausführlichkeit dabei, wie Elisabeth und Co. ihrem Modus Operandi folgend, drei Lüstlinge anlocken und ausschalten. Genau das haben wir aber schon im Prolog ausführlich erlebt. Neues kann der Film hier nicht hinzufügen. Um sich nicht zu sehr zu wiederholen, wird einer der drei dann auch noch in etwas Besonderes verwandelt.

Mena Suvari gibt Elisabeth Bathory.
Das gibt Stephen Dorff („Blade“) zwar die Möglichkeit zum manischen und witzigen Overacting, zerdehnt den ohnehin zu langen Film aber einfach nur. Und irgendwann hat eine Kumpanin von Elisabeth aus dem Nichts heraus plötzlich keine Lust mehr zu leben. Das endet in einem nett anzusehenden Finish dieser Episode, bremst das Tempo des Filmes aber einfach nur aus.
Derweil wird Jägerin Cora permanent in den Hintergrund gerückt. Dass ihr die ihr von ihrer Organisation befohlene Tatenlosigkeit nicht gefällt, erklärt sie uns in schmierigen Off-Kommentaren immer wieder. Der Film selbst findet da aber bereits längst ohne sie statt. Sogar Sidekick Alexis bekommt eine ausführliche eigene Episode ab, bevor Cora dann tatsächlich mal zur Tat schreiten darf. Warum Cora so sauer auf Elisabeth ist, wieso sie allgemein gegen Vampire zu Felde zieht und was sie eigentlich antreibt, geht in dem ganzen episodischen Wirrwarr total unter.
Was aber auch nicht wirklich schlimm ist, denn Cora-Darstellerin Dichen Lachmann („The Bridge“) spielt so ausdruckslos und gelangweilt, dass man als Zuschauer froh ist, wenn sie nicht auf dem Screen zu sehen ist. Da machen ihre Co-Darsteller schon mehr Spaß. Vor allem Rosa Salazar („Alita“) macht als Coras Sidekick Alexis alles richtig und hat mit ihrer Episode die beste im ganzen Film abbekommen. Sie ist einfach zu hinreißend, wenn sie im Setting eines herrlich atmosphärischen Friedhofes im knallig roten Kleid mit Leder-Corsage gegen einen Fieswicht loslegen darf.

India Eisley gibt einen sexy Gothic-Vampir.
Auch das Vampirtrio aus Mena Suvari („Hunt Club“) als Elisabeth, Sarah Dumont („Bad Asses“) als Helena und India Eisley („Kite“) als Joan macht viel Spaß. Und die Damen haben Lust am Überdrehen. Vor allem Mena Suvari genießt ihre Rolle sichtlich. Rund um India Eisley versucht der Film wie bereits erwähnt auch mal dramatischer zu werden, scheitert hier aber kräftig durch.
Stephen Dorff dreht ebenfalls richtig auf. Seine Begleiter werden von Tyrese Gibson („The System“) und Lochlyn Munro („Clear Cut“) auch ordentlich mit Leben erfüllt. Timothy V. Murphy („Guns Up“) ist im Prolog am Start, ohne sonderlichen Eindruck zu hinterlassen. Mark Boone („Sons of Anarchy“) sorgt als „Diener“ von Elisabeth für zahlreiche deftig blutige Momente. Und Tom Berenger („As Good as Dead“) kommt als Chef von Cora nie so recht im Film an. Bei seinem letzten Auftritt sieht er zudem aus, als habe man ihn hier in seine War Gear hineingeschossen – unwürdig.
Sobald „Vampires of the Velvet Lounge“ Action macht, präsentiert er seine stärksten Szenen. Denn die haben richtig Druck und wurden ordentlich choreographiert. Highlights bilden die bereits erwähnte Actionszene um Rosa Salazar und ein aus dem Nichts kommendes Gemetzel im „Biergarten“ eines italienischen Restaurants.

Stephen Dorff in seinem ersten Vampirfilm seit „Blade“.
In der Action spritzt das Blut kübelweise über den Screen. Das schaut immer dann gut aus, wenn die Effekte handmade umgesetzt wurden. Was erstaunlich oft der Fall ist. Vor allem Mark Boones Charakter hantiert in seinen Szenen gerne mit einer überdimensionalen Heckenschere und trennt verschiedene Köpfe von den Hälsen. Das ist teils echt übel anzuschauen. Auch mancher Kehlenschnitt und -biss schlotzt schon beachtlich.
Doch es gibt immer wieder auch digitale Blut-Intermezzos, die meines Erachtens nicht so richtig funktionieren – auch weil sie eben zu offensichtlich aus dem Rechner stammen und aus der Immersion reißen. Allerdings gibt es auch ein tolles Gegenbeispiel: Aktuell platzen in Horrorfilmen ja gerne mal Menschlein blutigst. „Vampires of the Velvet Lounge“ hat die Eier, dies auch mit einem niedrigen Budget zu wagen. Und es schaut richtig gut aus! Gut schauen im Übrigen auch die Tricks um die „grüne Fee“ dieses überlangen Werbeclips für Absinth aus.
Was im Übrigen auch für den Film gilt. Der transportiert eine immer mal wieder artifizielle Optik, setzt auf harte Kontraste und badet in knalligen Komplementärfarben. Die Schauplätze funktionieren, manche Settings sind richtig stark und auch der Auftrieb an Statisten sorgt für lebendige Bilder. Und wenn „Vampires of the Velvet Lounge“ morbid oder gothic sein will, klappt auch das erstaunlich gut. Leider gerät der Score arg egal. Einzig das zweimal stark platzierte „A Girl Like You“ von Edwyn Collins hallt lange nach.
„Vampires of the Velvet Lounge“ findet keinen roten Faden
Es gibt Einzelszenen in „Vampires of the Velvet Lounge“, die richtig gut funktionieren. Und dank derer man den Film gerne deutlich besser bewerten würde wollen. Aber dem Film fehlt einfach eine klare Linie. Vieles wirkt planlos in den Film geschmissen und nicht zu Ende gedacht. Ein wirklich eindrückliches Beispiel dafür ist auch der finale „Schlussgag“, der keinerlei Sinn macht. Was bleibt, ist eine erstaunlich namhafte Besetzung, viel Geschmodder mit dem roten Lebenssaft, eine insgesamt passige technische Umsetzung und ordentlich inszenierte Action. Spannung, ein gutes Timing, starke Schauspielleistungen, eine packende Atmosphäre, kurzweilige Unterhaltung und eine sinnige Geschichte hingegen sucht man hier vergebens.
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Der Film erschien am 24. September 2026 von Black Hill Pictures / PLAION Pictures auf Blu-ray und DVD. Die Synchronisation wirkt bei einigen Figuren leider wenig passend. Tom Berenger etwa klingt wie Samuel L. Jackson. Ihr könnt den Film auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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