| Originaltitel: Vampires of the Velvet Lounge__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Adam Sherman__Darsteller: Mena Suvari, Dichen Lachman, India Eisley, Sarah Dumont, Rosa Salazar, Stephen Dorff, Tyrese Gibson, Tom Berenger, Timothy V. Murphy, Lochlyn Munro, Mark Boone Junior, Sherman Augustus, Patrick Roper, Josh Diogo, … |

Zum Trailer (engl. OV) geht’s hier!
Anbei eine zweite Meinung zum Film – mit Freeman’s Review (samt Link zum dt. Trailer) nun ein Stück weiter unten zu finden…
Bei „Vampires of the Velvet Lounge“ (2026) handelt es sich um eine pulpy-campy-bloody Horror-Comedy von Adam Sherman (u.a. „Dead Doll“, „Happiness runs“ und „She’s just a Shadow“), welche eine durchaus stattliche B-Movie-Besetzung aufzubieten vermag – darunter Mena Suvari, Dichen Lachman, Rosa Salazar, Stephen Dorff, Tyrese Gibson, Lochlyn Munro, Tom Berenger, Timothy V. Murphy, Mark Boone Junior und – my personal Favorite – India Eisley.
Eröffnet wird mit vier Text-Tafeln, die einem einige Infos zu der (realen) ungarischen Gräfin Elizabeth Báthory (1560-1614) präsentieren: Infolge des Ablebens ihres Gemahls (in 1604) kamen damals zunehmend konkretere Gerüchte auf, dass jene regelmäßig Bauernmädchen, Bedienstete sowie gar Töchter des niederen Adels auf ihre Anwesen locken und dort foltern und ermorden würde – wofür sie 1611 schließlich auch verurteilt wurde – während Legenden obendrein besagen, dass sie nach dem Feststellen eines entsprechenden Effekts auf ihre Haut gezielt jüngere Frauen getötet habe, um in deren Blut zu baden sowie auf diesem Wege ein jugendlich-attraktives Äußeres zu bewahren…
In Sherman’s Film war Elizabeth (Suvari) nicht im Alter von 54 im Rahmen der ihr verordneten Isolationshaft auf ihrer Burg verstorben – sondern in Wahrheit eine Vampirin, die dem Ganzen zu entkommen vermochte sowie in der heutigen Gegenwart inzwischen in Savannah, Georgia ansässig ist, wo sie gemeinsam mit ihren Artgenossinnen Joan (Eisley) und Helena (Sarah Dumont) eine schicke Absinth-Lounge in der Altstadt betreibt.
Eine der Methoden, wie sich das hübsche Trio ihre Opfer Schrägstrich Nahrung verschafft, ist modernes Online-Dating: Primär haben sie Männer im Visier, die es sich leisten können, für die Aussicht auf Spaß teils mehrere hundert Meilen anzureisen, sowie dabei über diese Trips in ihrem Umfeld oft Diskretion bewahren – was natürlich hilfreich ist, wenn sie daraufhin dann „spurlos verschwinden“. Einer dieser Herren ist Eric (Murphy) – welcher von Elizabeth noch vor der Videoclip-esken, stolze zweieinhalb Minuten langen, mit Anna Calvi’s Song „Ain’t no Grave“ unterlegten sowie ein wenig ans kultige Intro von „Buffy the Vampire Slayer“ erinnernden Opening-Credits-Sequenz „gerissen“ wird…
Den Blutsaugern befindet sich allerdings eine spezielle Organisation dicht auf den Fersen: Im Auftrag Alberts (Berenger) sind die Söldnerin Cora (Lachman) und ihre Partnerin Alexis (Salazar) bereits nahebei in Position. Mit den nötigen Beweisen beisammen, wird aktuell noch abgewogen, ob man den „Zugriff“ nicht lieber bis nach einer anstehenden Mondfinsternis aufschieben sollte – da unklar ist, ob bzw. ggf. wie sich jene eventuell auf die Kräfte ihrer Gegner auswirken könnte.
Unterdessen lässt sich Joan immer stärker anmerken, dass sie sich danach zurücksehnt, ein Mensch zu sein – etwa die Sonne sehen und bestimmte Gefühle empfinden zu können. Dies resultiert in einem Verhalten, über das sich Elizabeth anwachsend Gedanken macht: Unbedachtes Gebaren könnte nämlich u.a. gefährden, wie gut sie sich vor Ort eingerichtet haben – und so hofft sie einfach, dass das bloß eine bald überwundene „Phase“ bei ihr ist. Vielleicht offerieren ihr die Anwälte Randall (Dorff), Luke (Gibson) und Malcolm (Munro) – welche die Ladys just „frisch an der Angel“ haben – diesbezüglich ja genügend Zeitvertreib und Abwechslung…
„Vampires of the Velvet Lounge“ hätte ein solides Genre-Vergnügen werden können – selbst ohne mehr Geld für bessere Effekte oder aufwändigere Setpieces. Die Basis dafür war evident vorhanden: Eine zweckdienliche, mit einer Fülle der zugehörigen „Zutaten“ (plus zumindest einer individuell-reizvollen Idee) aufwartende Story, kompetente Akteure sowie ein stilistisches Konzept, bei dem man sich augenscheinlich einen Zacken an Robert Rodriguez‘ „Sin City“ orientiert hat.
Die maßgebliche Schuld am letztendlichen Scheitern des Unterfangens liegt meines Erachtens eindeutig bei Sherman – dessen Skript einige nachbessernde Rewrites (eines anderen) gebraucht hätte und welcher überdies ebenfalls nicht die beste Wahl für die Regie war. Im übertragenen Sinne kann man es sich ein Stück weit wie folgt ausmalen: Anstelle einer Kreuzung aus „From Dusk till Dawn“ und der genannten Frank Miller Adaption mutet das Abgelieferte eher wie eine aus „the Spirit“ und „Bordello of Blood“ an – wobei jener „Tales from the Crypt“ Beitrag (oder bspw. auch „Modern Vampires“) diesem Streifen hier aber noch überlegen ist…
Punktuell steuert ein Film-Noir-inspiriertes Voiceover Coras ein paar zusätzliche inhaltliche Preisgaben (vor allem über sie selbst) bei – doch klingt das stoisch-monoton Gesprochene irritierend kratzig-heiser und sind die Dialoge generell (gerade in der Einstiegs-Phase) arg Exposition-lastig; siehe dahingehend nur mal eine Konversation der Vampir-Damen, in der sie rege ihre persönlichen Vorlieben sowie seit wievielen Jahren sie eigentlich schon zusammen unterwegs sind thematisieren. Subtext oder Beherzigen der Show-don’t-tell-Devise: Fehlanzeige. Dass Elizabeth Gräfin Báthory ist, hat übrigens keine echte Relevanz für die erzählte Geschichte über eine (in Verbindung mit ihr ja förmlich obligatorische) Baden-in-Blut-Szene hinaus – welche (unzurückhaltend over-the-Top) mit zu den spärlichen Highlights des Werks gehört: Ihr Handlanger Chuck (Boone Junior) enthauptet dabei drei kopfüber aufgehängte Mädels mit einer massiven Heckenschere – mit ihr sich darunter in einer Wanne fläzend. Zwar exzessiver als in „Hostel: Part 2“, ist das Gebotene zugleich jedoch weit minder gritty, düster und unangenehm – sowie frei von Nudity…
Mena Suvari („Domino“) wäre gewiss nicht in meiner Wunsch-Top-10 für die Rolle gelandet – allerdings verkörpert sie Báthory eine zum anvisierten „Ton“ der Materie einträglich passende Spielfreude aufweisend, so dass ich mit ihrer Performance alles in allem zufrieden war. Nicht nur bei Elizabeth hätte man im Bereich der Charakter-Zeichnung aber noch eine Menge mehr herausholen können.
Im Prinzip die einzige mit einem vernünftig ausgearbeiteten Arc ist Joan: Während Alkohol bei diesen Vampiren keine Wirkung hervorruft und die Lust auf Sex bei ihnen ebenso „erloschen“ ist wie Fähigkeit, jemanden lieben zu können, bildet Joan da eine Ausnahme bzw. Anomalie – was sie mit belastenden „Sehnsüchten nach früher“ ringen lässt, als sie noch nicht auf das Trinken von Blut angewiesen sowie ihre Existenz nicht rein auf die nächtlichen Stunden limitiert war. Sich häufig einfach (Insekten snackend) halb in der Erde des Kellerbodens eingegraben am wohlsten fühlend, ist ihr innerer Konflikt mit Unberechenbarkeit und Emotionalität verknüpft – mal grüblerisch-wehmütig, mal unbekümmert-impulsiv…
Aus den Reihen des Ensembles erzeugt India Eisley („American Outlaws“) den memorabelsten Eindruck. Im Vorhinein war ich fest davon ausgegangen, dass Dichen Lachman das für sich verbuchen können würde – schließlich hatte sie zuvor ja u.a. bereits in der Serie „Altered Carbon“ zur Schau gestellt, Figuren in der Art ihrer vorliegenden prächtig zu beherrschen. Leider hat ihre gewohnte Screen-Presence keine Chance gegen eine Vorlage, welche die Jägerin enttäuschend zurückhaltend in genau der Funktion ins Geschehen eingebunden sowie ihr zudem überwiegend banale Kundtuungen zugeschrieben hat, so dass Cora insgesamt relativ uncharismatisch und eindimensional rüberkommt.
Erst zum Ende hin gibt’s etwas Action mit ihrer Beteiligung: Too little, too late. Obendrein verbleibt es rein angedeutet, dass sie wahrscheinlich lesbisch ist. In der Hinsicht hätte man dem Teamup mit Alexis eine interessante Facette verleihen können – denn jene mag Männer, läuft im Apartment meist bloß in Unterwäsche herum, ist auf Fitness bedacht und versucht sich auch mal an solchen Dingen, wie im Handstand vor der Webcam zu twerken…
Mit diesem Faktor zwischen ihnen nicht konkret dargelegt, geschweige denn vertieft, erschien mir Alexis tendenziell sexualisiert – obgleich ohne im Zuge dessen irgendwie ein Feeling von „Sexiness“ heraufzubeschwören. So wie Lachman, muss man Rosa Salazar („Play Dirty“) ernüchtert der Sparte verschenkt zuordnen – durchaus anständig arrangierter Konfrontationen mit zwei Vampiren auf einem Friedhof zum Trotz. Einen davon hatte sie via Online-Dating kennengelernt – was aufgrund des Timings sowie da ihr und Cora bewusst ist, dass Elizabeth und Co. exakt so ihre Opfer anlocken, klar Leichtsinnigkeit markiert. Ja, im Vorfeld wurde etabliert, dass ihre Einsamkeit ihr zu schaffen macht – aber dennoch.
An sich wirkt die Integration moderner Partnervermittlung (plus ein bis zwei Sätze zu AI) ein wenig „holprig“ geartet – und ist außerdem von keiner so hohen Wichtigkeit, dass man dem Film die Tagline Swipe right, die tonight! hätte zuschreiben müssen. Verschiedene Parteien videochatten miteinander – neben Elizabeth und Cora (letztere dabei „undercover“ tätig) so z.B. noch das Anwalts-Trio mit den verführerischen Ladys…
Zugunsten eines strafferen Flows hätte man ein Gespräch Malcolms, Lukes und Randalls in einem Club vom Umfang her ruhig verkürzen können – doch bringt das daran anknüpfende Zusammentreffen mit Elizabeth und Joan immerhin einen Schub Schwung in die Bude: Ausgelassen-überschwänglich-berauscht bricht die Gruppe in einem Cabrio auf – im Laufe der wilden Fahrt u.a. Joan Randall dazu animiert, sie anzuzünden und das „auf Social Media“ zu posten, sowie einer unter den Wagen stürzt und sein Körper grotesk im Radkasten um die Achse gewickelt wird.
Diese Passage ist eine derer, die zeigt, wie absurd-trashy-crazy der Streifen (nicht allein auf einzelne Momente beschränkt) hätte sein können. Exakt das hatte Stephen Dorff („Divinity“) bei seinem Herangehen augenfällig begriffen und zieht hier eine ungehemmt campy Show ab – besonders nachdem er zu Ramsey, the Devil wird – wohingegen Tyrese Gibson („Dangerous“) einen aktuell voll in einer ihn belastenden Scheidung steckenden Familienvater spielt sowie man Lochlyn Munro („Thieves Highway“) für seinen Part wohl keine spezielle Persönlichkeit vorgegeben hatte…
Überdies treten noch vertraute Gesichter wie Mark Boone Junior („Memento“), Sarah Dumont („Scouts Guide to the Zombie Apocalypse“), Timothy V. Murphy („Above and Below“) und Tom Berenger („Fear City“) in Erscheinung – jeweils okay, aber nicht weiter der Rede wert agierend (den 75-jährigen Berenger in voller taktischer S.W.A.T.-Montur aufkreuzen zu sehen, empfand ich allerdings als unfreiwillig komisch). Mit seinen oberflächlich gestrickten, keine ergiebige Connection zu einem aufbauen könnenden Protagonisten, die clunky Mono- und Dialoge vortragen sowie in Sachen Ausstrahlung bloß begrenzt ein ersprießlich-ausgeprägtes Level erreichen, bewegt sich das Werk in der Beziehung in der Masse ähnlicher direct-to-Video- und Streaming-Produktionen. Zu den Fähigkeiten der Vampire gehört es, gedanklich in die Köpfe der Menschen eindringen zu können – bspw. um so mit ihnen (über Entfernungen hinweg) zu kommunizieren, sie zu manipulieren oder in ihren Bann zu ziehen – während sie in komplett verwandelter Form große Fledermaus-Flügel besitzen sowie zu fliegen in der Lage sind…
Eingangs hatte ich ja zumindest eine individuell-reizvolle Idee erwähnt: Der bevorzugte Drink der drei Damen ist Absinth, welchen sie ihren potentiellen Opfern gern einschenken – worauf jene sie dann stets in Gestalt der ikonischen leuchtend-grünen „Absinth-Feen“ erblicken. Nice. Generell gefiel mir der mit Songs wie „Bela Lugosi’s Dead“ (Bauhaus) und „A Girl like you“ (Edwyn Collins) sowie Musik von Sparks & Shadows („Imaginary“) und Bear McCreary („Happy Death Day 2U“) unterlegte Look – mit intensiven Farben, kreativen Kostümen, Accessoires und Make-up-Arbeiten, der schicken Lounge sowie einigen atmosphärischen Locations und coolen Shots David Newberts („Willy’s Wonderland“). Fraglos weisen die CGIs und Green-Screen-Kompositionen keine Referenz-Qualität auf – doch fügt sich das alles (von der „Künstlichkeit“ und so her) homogen zusammen, so dass man den Verantwortlichen das nicht ernsthaft ankreiden muss. Dazu passt auch das Comic-haft exzessive Ausmaß an Splatter und Gore: Positiv zu registrieren – allerdings ebenfalls seitens der gewichtig-schwachen Eigenschaften des Werks überschattet werdend…
Fazit:
„Vampires of the Velvet Lounge“ hätte ein stylish-spaßig-gewalttätiges B-Movie (mit literweise Blut sowie der Aufgabe gewachsenen Darstellern) werden können. Leider aber ist es Skript-Autor und Regisseur Adam Sherman nicht gelungen, die betreffenden Elemente inspiriert und effektiv miteinander zu verbinden sowie daraus ein Ergebnis zu kreieren, das nicht so enttäuschend unbeholfen, unamüsant und unaufregend daherkommt wie das vorliegende…
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Stefan Seidl

(© Storyoscopic Films, Strand Releasing, Quiver Distribution, Black Hills & Plaion Pictures)
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Freeman gefiel „Vampires of the Velvet Lounge“ dagegen ein wenig besser:

„Vampires of the Velvet Lounge“ wartet mit zahlreichen B-Stars auf.
Der Horrorfilm „Vampires of the Velvet Lounge“ stellt uns zunächst die 1560 geborene, berühmt-berüchtigte Elisabeth Bathory mittels Texteinblendungen vor. Nach dem Tod ihres Mannes sei die ungarische Adlige demnach immer seltsamer geworden und habe den Wunsch nach ewiger Jugend gehegt. Um diese zu erreichen, badete sie angeblich im Blut junger Frauen.
Zwar landete die Gräfin als Mörderin vor Gericht, sei aber nie verurteilt worden. Stattdessen verhängte man einen Hausarrest und sperrte sie in einem Turm ein, in dem sie 1614 verstarb. Über ihren Tod hinaus, da ist sich der Text sicher, hätten sich Wahrheit und Mythos in den Erzählungen immer mehr vermischt und aus der Serienmörderin sei über die Jahrhunderte eine Art vampirähnliches Wesen geworden.
Diesen bunten Mythenmix nimmt „Vampires of the Velvet Lounge“ freilich nur zu gerne auf und präsentiert uns in der Jetztzeit eine quicklebendige Elisabeth. Die hat verschiedene andere Vampire um sich geschart und gemeinsam mit ihnen verführt sie notgeile Trottel und labt sich an deren Blut. Gehen ihr sexy Damen in die Falle, badet sie wie gewohnt in deren Lebenssaft.
Freilich macht man sich mit so einem Verhalten auch Feinde. Eine geheimnisvolle Organisation jagt Elisabeth. Deren stärkste Waffe ist die Söldnerin Cora. Die hat sich mit ihrem Sidekick Alexis bereits ganz nah an Elisabeth herangepirscht und will ihr den Garaus machen.
Zielloser Horror mit Tom Berenger
Das Drehbuch zu „Vampires of the Velvet Lounge“ hat ein paar coole Takes in Bezug auf das Thema Vampirismus. Der Interessanteste: Die Vampire der Jetztzeit nutzen Dating Apps, um eine stete Versorgung mit frischem Blut sicherzustellen. Mittels der Apps und integrierten Videotelefonie-Lösungen werden Lüstlinge geködert, angelockt und hernach ausgesaugt und gekillt. Wieso die Apps die Vampire aufzeichnen können, sind diese doch normalerweise unsichtbar für Spiegel und Kameras? Nun, KI und Social Media stünden laut Elisabeth mit dem Teufel im Bunde – entsprechend könnten sie auch Vampire aufzeichnen. Klasse!
Der Rest des Drehbuches hingegen mutet wie heil- und vor allem zielloses Chaos an. Prinzipiell erzählt der Film von Regisseur und Drehbuchautor Adam Sherman („Happiness Runs“) eine simple Story: Elisabeth Bathory killt Menschen, Cora hat da etwas dagegen. Anscheinend hat das aber Sherman keiner gesagt. Und so überflutet der seinen Film mit zahllosen Episoden, die zum Teil gar keinen Sinn für den Film haben und mit diversen pseudocoolen Dialogen überfrachtet sind.
So sind wir beispielsweise in aller Ausführlichkeit dabei, wie Elisabeth und Co. ihrem Modus Operandi folgend, drei Lüstlinge anlocken und ausschalten. Genau das haben wir aber schon im Prolog ausführlich erlebt. Neues kann der Film hier nicht hinzufügen. Um sich nicht zu sehr zu wiederholen, wird einer der drei dann auch noch in etwas Besonderes verwandelt.

Mena Suvari gibt Elisabeth Bathory.
Das gibt Stephen Dorff („Blade“) zwar die Möglichkeit zum manischen und witzigen Overacting, zerdehnt den ohnehin zu langen Film aber einfach nur. Und irgendwann hat eine Kumpanin von Elisabeth aus dem Nichts heraus plötzlich keine Lust mehr zu leben. Das endet in einem nett anzusehenden Finish dieser Episode, bremst das Tempo des Filmes aber einfach nur aus.
Derweil wird Jägerin Cora permanent in den Hintergrund gerückt. Dass ihr die ihr von ihrer Organisation befohlene Tatenlosigkeit nicht gefällt, erklärt sie uns in schmierigen Off-Kommentaren immer wieder. Der Film selbst findet da aber bereits längst ohne sie statt. Sogar Sidekick Alexis bekommt eine ausführliche eigene Episode ab, bevor Cora dann tatsächlich mal zur Tat schreiten darf. Warum Cora so sauer auf Elisabeth ist, wieso sie allgemein gegen Vampire zu Felde zieht und was sie eigentlich antreibt, geht in dem ganzen episodischen Wirrwarr total unter.
Was aber auch nicht wirklich schlimm ist, denn Cora-Darstellerin Dichen Lachmann („The Bridge“) spielt so ausdruckslos und gelangweilt, dass man als Zuschauer froh ist, wenn sie nicht auf dem Screen zu sehen ist. Da machen ihre Co-Darsteller schon mehr Spaß. Vor allem Rosa Salazar („Alita“) macht als Coras Sidekick Alexis alles richtig und hat mit ihrer Episode die beste im ganzen Film abbekommen. Sie ist einfach zu hinreißend, wenn sie im Setting eines herrlich atmosphärischen Friedhofes im knallig roten Kleid mit Leder-Corsage gegen einen Fieswicht loslegen darf.

India Eisley gibt einen sexy Gothic-Vampir.
Auch das Vampirtrio aus Mena Suvari („Hunt Club“) als Elisabeth, Sarah Dumont („Bad Asses“) als Helena und India Eisley („Kite“) als Joan macht viel Spaß. Und die Damen haben Lust am Überdrehen. Vor allem Mena Suvari genießt ihre Rolle sichtlich. Rund um India Eisley versucht der Film wie bereits erwähnt auch mal dramatischer zu werden, scheitert hier aber kräftig durch.
Stephen Dorff dreht ebenfalls richtig auf. Seine Begleiter werden von Tyrese Gibson („The System“) und Lochlyn Munro („Clear Cut“) auch ordentlich mit Leben erfüllt. Timothy V. Murphy („Guns Up“) ist im Prolog am Start, ohne sonderlichen Eindruck zu hinterlassen. Mark Boone („Sons of Anarchy“) sorgt als „Diener“ von Elisabeth für zahlreiche deftig blutige Momente. Und Tom Berenger („As Good as Dead“) kommt als Chef von Cora nie so recht im Film an. Bei seinem letzten Auftritt sieht er zudem aus, als habe man ihn hier in seine War Gear hineingeschossen – unwürdig.
Sobald „Vampires of the Velvet Lounge“ Action macht, präsentiert er seine stärksten Szenen. Denn die haben richtig Druck und wurden ordentlich choreographiert. Highlights bilden die bereits erwähnte Actionszene um Rosa Salazar und ein aus dem Nichts kommendes Gemetzel im „Biergarten“ eines italienischen Restaurants.

Stephen Dorff in seinem ersten Vampirfilm seit „Blade“.
In der Action spritzt das Blut kübelweise über den Screen. Das schaut immer dann gut aus, wenn die Effekte handmade umgesetzt wurden. Was erstaunlich oft der Fall ist. Vor allem Mark Boones Charakter hantiert in seinen Szenen gerne mit einer überdimensionalen Heckenschere und trennt verschiedene Köpfe von den Hälsen. Das ist teils echt übel anzuschauen. Auch mancher Kehlenschnitt und -biss schlotzt schon beachtlich.
Doch es gibt immer wieder auch digitale Blut-Intermezzos, die meines Erachtens nicht so richtig funktionieren – auch weil sie eben zu offensichtlich aus dem Rechner stammen und aus der Immersion reißen. Allerdings gibt es auch ein tolles Gegenbeispiel: Aktuell platzen in Horrorfilmen ja gerne mal Menschlein blutigst. „Vampires of the Velvet Lounge“ hat die Eier, dies auch mit einem niedrigen Budget zu wagen. Und es schaut richtig gut aus! Gut schauen im Übrigen auch die Tricks um die „grüne Fee“ dieses überlangen Werbeclips für Absinth aus.
Was im Übrigen auch für den Film gilt. Der transportiert eine immer mal wieder artifizielle Optik, setzt auf harte Kontraste und badet in knalligen Komplementärfarben. Die Schauplätze funktionieren, manche Settings sind richtig stark und auch der Auftrieb an Statisten sorgt für lebendige Bilder. Und wenn „Vampires of the Velvet Lounge“ morbid oder gothic sein will, klappt auch das erstaunlich gut. Leider gerät der Score arg egal. Einzig das zweimal stark platzierte „A Girl Like You“ von Edwyn Collins hallt lange nach.
„Vampires of the Velvet Lounge“ findet keinen roten Faden
Es gibt Einzelszenen in „Vampires of the Velvet Lounge“, die richtig gut funktionieren. Und dank derer man den Film gerne deutlich besser bewerten würde wollen. Aber dem Film fehlt einfach eine klare Linie. Vieles wirkt planlos in den Film geschmissen und nicht zu Ende gedacht. Ein wirklich eindrückliches Beispiel dafür ist auch der finale „Schlussgag“, der keinerlei Sinn macht. Was bleibt, ist eine erstaunlich namhafte Besetzung, viel Geschmodder mit dem roten Lebenssaft, eine insgesamt passige technische Umsetzung und ordentlich inszenierte Action. Spannung, ein gutes Timing, starke Schauspielleistungen, eine packende Atmosphäre, kurzweilige Unterhaltung und eine sinnige Geschichte hingegen sucht man hier vergebens.
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Der Film erschien am 24. September 2026 von Black Hill Pictures / PLAION Pictures auf Blu-ray und DVD. Die Synchronisation wirkt bei einigen Figuren leider wenig passend. Tom Berenger etwa klingt wie Samuel L. Jackson. Ihr könnt den Film auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Black Hill Pictures / PLAION Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja |





