| Originaltitel: Poltergeist II: The Other Side__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Brian Gibson__Darsteller: JoBeth Williams, Craig T. Nelson, Heather O’Rourke, Oliver Robins, Zelda Rubinstein, Will Sampson, Julian Beck, Geraldine Fitzgerald, John P. Whitecloud, Noble Craig, Susan Peretz, Helen Boll, Kelly Jean Peters, Jaclyn-Rose Lester, Robert Lesser, Jamie Abbott, Ann Louise Bardach u.a. |


„Poltergeist II“ erscheint als 82. Ausgabe der „Limited Collector’s Edition“.
Nachdem das Haus der Freelings sich wie ein zerfallender Zauberwürfel in seine Bestandteile aufgelöst hatte und die Geschichte der optischen Spezialeffekte Hollywoods wieder um einen Höhepunkt reicher war, blickten jegliche Fortsetzungspläne wortwörtlich auf ein Trümmerfeld. Der Schlussakkord von „Poltergeist“, einem der großen Höhepunkte Spielberg’scher Filmmagie, hatte nichts mehr übrig gelassen, worin man noch länger hätte spuken können, bloß leeren Baugrund. Das Fertighaus war unter dem gewaltigen Druck alten amerikanischen Bodens zerrissen worden wie ein Papierzelt, die Neubesiedelung von Ureinwohnerland gescheitert, Spielberg hatte seinen Punkt gemacht und die Familie im Kern seiner Geschichte zwar wie üblich verschont, sie drohte aber bis ans Ende ihrer Tage obdachlos zu bleiben.
Der enorme Kassenerfolg drängte zwar regelrecht zu einer Fortführung, es dauerte aber doch ganze vier Jahre, bis sich die Gesetze des Marktes endlich durchsetzten. Die Gründe dafür waren vielfältig. Spielberg war in der Zwischenzeit stark ausgelastet; zwischen dem ersten und zweiten „Poltergeist“ erschienen über Amblin Entertainment neun Filme, fast durchgehend Klassiker. Spielberg selbst war als Regisseur währenddessen an vier Filmen beteiligt. Ohnehin galt es, eine weitere Debatte um seine Einflussnahme zu vermeiden, wurde doch gemunkelt, „Poltergeist“-Regisseur Tobe Hooper sei lediglich ein Handlanger gewiesen und Spielberg habe im Laufe der Dreharbeiten jegliche kreative Kontrolle übernommen.
Als Konsequenz dessen zog sich Spielberg schließlich vollständig zurück und überließ anderen Entscheidungsträgern das Feld. Auch die Drehbuchautoren Mark Victor und Michael Grais, die sich zwischenzeitlich ebenfalls um andere Projekte kümmerten, mussten den Faden also ohne seine Unterstützung wieder aufnehmen. Der eigentlich sehr runde Abschluss des ersten Films war dabei nur eine der Herausforderungen; eine weitere lag darin, dass Dominique Dunne, die Darstellerin von Tochter Dana, wenige Monate nach Kinostart von ihrem Ex-Freund bei einer Auseinandersetzung getötet wurde. Es war der Auftakt für eine als „Poltergeist-Fluch“ bekannte Serie von insgesamt vier Todesfällen, von denen die Darstellerriege der Trilogie nach und nach heimgesucht wurde.

Carol Anne (Heather O’Rourke) droht den Händen ihrer Mutter entrissen zu werden.
Im Rahmen dieser essenziellen Einschnitte ist es bemerkenswert, wie intensiv „Poltergeist II – Die andere Seite“ vier Jahre später alles daran setzt, den Schein der Kontinuität zu wahren. Mit Sicherheit hätte man zur Not auch eine andere amerikanische Familie gefunden, der man die dunklen Mächte hätte aufhalsen können, doch die Autoren machen einfach weiter, als sei nichts geschehen. Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Oliver Robins und Heather O’Rourke kehren in ihren Rollen zurück, auch Zelda Rubinstein, die das Medium Tangina Barrons in das Franchise gebracht hatte, ist wieder mit von der Partie.
Über Dunnes Rolle wird indes der Mantel des Schweigens gelegt. In einer längeren Fassung vor dem finalen Schnitt soll eine Szene enthalten gewesen sein, in der ihre Abwesenheit mit ihrem Besuch auf dem College erklärt wird; stattdessen macht es in der fertigen Fassung den Anschein, als habe sie nie existiert. Eine Neubesetzung stand nicht zur Debatte, denn die oberste Priorität lag darin, das Bekannte und Etablierte in keiner Weise zu verändern.
Wie so viele Sequels, die den Raum des Originals zwangsläufig expandieren müssen, behilft sich auch dieses damit, tiefer in die Mythologie einzutauchen. Es ist ein logischer Schritt, der hier durch den indianischen Bezug automatisch zu Überschneidungen mit einer ganzen Welle von Western, aber durchaus auch Horrorfilmen führt. Aus „Shadow of the Hawk“ (1976), „The Manitou“ (1978), „Amityville Horror“ (1979) oder „Wolfen“ (1981) stammen die entsprechenden folkloristischen Anleihen.
Entsprechend vertraut wirken die esoterischen Kompositionen zu Beginn, wenn die Weite der amerikanischen Prärie samt Sternenhimmel in einen Kontrast gesetzt wird zu den Bildern verstreuter menschlicher Skelette in einem unterirdischen Tunnel. In Will Sampson, der in „Der Weiße Büffel“ (1977) schon mal eine Art Dämon auf Indianerland gejagt hatte, findet das Drehbuch seinen Fremdenführer, und aus dem unkontrollierten Chaos, das im ersten Teil noch eine Gewittergewolke fehlgeschlagener Kommunikation zwischen dieser und der anderen Seite entfesselt hatte, wird ein kuratierter Museumsbesuch mit Anschnallpflicht. So weit, so mutlos.

Mit Reverend Kane (Julian Beck) kommt der Regen… und die Gänsehaut.
Es ist schließlich der Performancekünstler Julian Beck, der den mythologischen Ansatz auf die Probe stellt. Bereits schwer von Magenkrebs gezeichnet, wird der Darsteller mit seinem knochigen Gesicht, aus dem riesige Augen und ein gewaltiges Gebiss wie die Fixpunkte an einem Totenschädel herausragen, zur Materialisierung nicht nur des Poltergeists, sondern der gesamten Fortsetzung. Es gehört gemeinhin zu den schlechteren Ideen, einer körperlosen Entität aus der Verlegenheit heraus ein Gesicht zu geben, doch wenn man sich diesen Totengräber so anschaut, der ein wenig wie eine nochmalige Übertreibung von Angus Scrimms „Tall Man“ aus „Das Böse“ (1979) auf der Leinwand wirkt, dann weiß man, dieser Film hat unerwartet seinen Joker gefunden.
Tatsächlich nimmt er schon bei seinem ersten Auftritt in der Stadt das gesamte Bild ein, spätestens aber an der Schwelle zur Haustür, als er mit Familienvater Steve um den Zugang zum Haus verhandelt. Dort erzeugt er eine Aura, bedrohlich genug, dass einem glatt die Nackenhaare zu Berge stehen können. Die Raffinesse, mit der da eine Freund-Feind-Konstellation mit dem Indianer und den Reverend als gegensätzliche Pole aufgebaut wird, die Familie als Spielball zwischendrin, hätte man dem Handlungsverlauf bei den eher einfallslosen Grundlagen kaum mehr zugetraut.

Die Kettensäge könnte glatt John Travolta in „Saturday Night Fever“ Konkurrenz machen.
Und der Film weiß um seine Stärke, setzt er sie doch bald dazu ein, der Marke „Poltergeist“ in Hinblick auf die Effektarbeit gerecht zu werden. Die Kettensägen tanzen wie in „Tanz der Teufel“ (1981), eine Zahnspange mutiert zur „Teenage Angst“ wie in einem Freddy-Krueger-Alptraum und ein elementarer Endboss sorgt für das große Spektakel, obgleich die gewaltige Skulptur bestehend aus Sehnen, Köpfen und Wülsten durch das suboptimale visuelle Compositing an Wirkung verliert. Derweil spiegelt sich Becks verstörendes Antlitz auf allerlei Manifestationen des Bösen, die von niemand Geringerem als H.R. Giger erdacht wurden. Selbst aus den absurdesten Deformationen, eine krabbelnde Baby-Kreatur mit Xenomorph-Rippen und unverkennbarem Giger-Einschlag sei da herausgehoben, lässt sich das Totengrinsen noch identifizieren, so dass sich das geisterhafte Gefüge aus Jahrtausenden amerikanischer Menschheitsgeschichte diesmal auf eine einzelne Visage, eine Art grimmige Variante eines Smileys, reduzieren lässt.
So sehr sich die Effektkünstler jedoch bemühen, dem Original Rechnung zu tragen, es womöglich zu übertreffen: Der Biss, mit dem sich die Zeichen von außerhalb damals im Diesseits verhakten, ist diesmal eben nicht mehr ganz so fest. Bei aller Mühe im Creature Design fehlt der direkte Griff in den Kopf des Zuschauers, um die Alpträume hervorzuholen und auf der Leinwand abzubilden. Das Skript behilft sich später mit psychologischen Tricks, indem es die Besessenheitsroutine aus der Trickkiste zieht und den Beschützer zur Bedrohung umprogrammiert (als Vorlage dient erneut „Amityville Horror“, garniert mit einer Spur „The Shining“), damit werden aber lediglich Allgemeinplätze aufgewärmt, auch wenn sie prinzipiell gut zur behandelten Thematik passen.

Wenn die Kosten für die Zahnspange des Kindes das Budget sprengen.
Was fehlt, ist dieses spezielle Spielberg-Gefühl, auch wenn „Poltergeist II“ augenscheinlich versucht, gerade dieses über die Kombination aus bildgewaltigem Family Entertainment und übernatürlichem Grusel samt entsprechendem Jerry-Goldsmith-Bombast auf der Musikspur zu rekonstruieren. Humorspitzen lockern den Ton regelmäßig auf (einmal wirft der Vater gegenüber dem Indianer auf seiner Terrasse ein, er könne ihm nicht trauen, da er ja auch aus dem Irrenhaus ausgebrochen sein könnte, was in Hinblick auf Will Sampsons Mitwirken an „Einer flog übers Kuckucksnest“ wohl eine nicht ganz unbegründete Annahme darstellt), um ihn anschließend mit Höllenbildern zu brechen, ganz so, wie es der Erschaffer der Schablone selbst getan hätte. Aber ein Brian Gibson operiert als Regisseur nun mal nicht in derselben Liga, und schon der Stoff lässt Zweifel aufkommen, ob sich Spielberg, der nur wenige Fortsetzungen gedreht hat und noch weniger Franchises aus der Hand gegeben hat, selbst mit freiem Terminkalender auf dieses Projekt eingelassen hätte.
Und doch findet „Poltergeist II“ irgendwie seinen Weg. Konzipiert, um nahtlos aus dem ersten Teil hervorzugehen, mitsamt aller Subtexte bezüglich des Abgesangs auf den amerikanischen Suburbia-Traum, bleibt die Familiensaga auf Kurs und wird mit einem neuen Kapitel angereichert, das einer Geisterbahnfahrt voller kruder Effekte gleicht. Die mögen zwar durchschaubar sein wie die Pappaufsteller einer Kirmesattraktion, aber tief im Inneren bewegen sie etwas dadurch, dass sie doch irgendwie etwas Wahrhaftiges verströmen – nicht zuletzt durch den schauerlichen Anblick in das Antlitz von Reverend Henry Kane.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Poltergeist II – Die andere Seite“
Limited Collector’s Edition #82
Was tun, wenn es im heimischen Medienregal spukt? Einfach mal mit dem Besen durchkehren? Oder gar die Protonenstrahler draufhalten? Das könnten effektive Methoden sein, wenn auf einmal die Blu-ray-Hüllen wie von Geisterhand aus der Reihe tanzen, aber vielleicht schaut man zuerst mal einfach unter „P“ nach, ob sich da ein „Poltergeist“ der Stärke II eingenistet hat.
Derer dürften sich auf jeden Fall einige Exemplare in deutschen Wohnzimmern befinden. MGM reagierte damals umgehend und veröffentlichte „Poltergeist II“ noch im gleichen Jahr wie Warner den Vorgänger, nämlich im Dezember 2000, als das Medium gerade erst so richtig Fahrt aufnahm. Die DVD hatte zwar abgesehen vom Trailer keine Extras zu bieten, dafür aber im Gegensatz zur Videokassette das Bild im korrekten Widescreen-Format und fünf verschiedene Sprachen bei noch mehr Untertiteln. 2010 folgte dann die Blu-ray, offensichtlich eine Weltdisc, die vermutlich in hoher Auflage produziert wurde und ganze 10 Sprachen zu bieten hatte.
Seither hat sich auf dem Markt viel getan. 2K, 4K, Dolby Vision… die Möglichkeiten, das Optimum aus dem Quellmaterial zu holen, sind gewachsen und nicht nur die großen Klassiker profitieren von aufwändigen Neurestaurationen, mit denen alte Fassungen regelmäßig getoppt werden. Wer da am Ball bleiben will und von seinem Lieblingsfilm immer die beste Fassung haben möchte, kommt um Mehrfachkäufe nicht herum.
„Poltergeist II“ ist dafür ein gutes Beispiel. Als Wicked Vision mit den Vorbereitungen für die Neuauflage begann, lag der Fokus darauf, die ausbaufähige Bild- und Tonqualität der alten MGM-Scheibe zu übertreffen. Eine Ultra-HD-Veröffentlichung stand zu dem Zeitpunkt noch nicht zur Debatte. Also wurde der Streifen für September 2024 in einer restaurierten 2K-Fassung mit Bonusmaterial und allem drum und dran angekündigt. Noch bevor es zu der Veröffentlichung kam, plante Shout Factory in den USA aber eine 4K-UHD, die sogar noch einen Monat vorher, im August 2024 nämlich, auf den Markt kam.
Aus deutscher Sicht ergab sich dadurch eine kaufmännische Zwickmühle; schließlich war die Vorproduktion der Blu-ray bereits angerollt, vorenthalten wollte man der hiesigen Käuferschaft die UHD allerdings nicht. Man fand einen Kompromiss, indem man die UHD als Zweitauflage nach Ablauf einer Sperrfrist im Februar 2026 nachreichte und den Käufern der Blu-ray-Erstauflage die Möglichkeit gab, die Einzel-Disc in einer Papp-Stecktasche in Form eines Upgrades vergünstigt nachzukaufen. Dieses Vorgehen wurde fairerweise noch vor Verkaufsstart kommuniziert, auch wenn seinerzeit aufgrund gewisser Auflagen noch nicht klar war, ob bzw. wann man die 4K-Rechte würde übernehmen können.
Die Verpackung

Erste Auflage: Die Blu-ray-DVD-Mediabooks.
Durch diese kurzfristigen Änderungen der Umstände kam es also schließlich dazu, dass ganze sechs Mediabook-Cover auf dem Markt landeten, jeweils drei für das Blu-ray+DVD-Set und drei weitere für das nachgereichte UHD+Blu-ray-Set. Die Erstauflage startete mit dem in schwarz gehaltenen, auf 444 Stück limitierten Cover A, auf dem eine stilisierte Fotografie von Heather O’Rourke zu sehen ist, wie sie im Nachthemd auf einem Teppich sitzt und über ihr Spielzeugtelefon Kontakt zur anderen Seite zu beschwören versucht. Durch die Überbeleuchtung der Konturen im Kontrast zu dem tiefen Schwarz außerhalb des Lichtkegels entsteht genau diese wohlig-unheimliche Stimmung, die der Film in einigen Szenen auszustrahlen weiß. Der Filmtitel mit deutschem Zusatz „Die andere Seite“ ist oben zentral in dicken Großbuchstaben untergebracht, inklusive römischer „II“.
Den gleichen Schriftzug nutzt Cover B (666 Stück), hier aber am unteren Rand und mit englischem Zusatz „The Other Side“. Diesmal handelt es sich um eine Zeichnung. Wieder ist es Heather O’Rourke, die im Mittelpunkt des Bildes steht, perspektivisch so arrangiert, dass das pinke Telefon direkt in der vordersten Bildebene zu sehen ist. Hinter ihr grüßt der Reverend recht (un)freundlich mit erhobener Hand zum Gruß (bzw. Griff). Umhüllt ist alles von diesem ektoplasmischen Schleier, der so charakteristisch für die Franchise ist. Das Drumherum ist erneut in tiefes Schwarz getaucht.
Das zunächst auf 111 Einheiten limitierte Cover C sollte ursprünglich nur im Wicked-Vision-Shop verkauft werden, später entschied man sich aber dazu, ein paar zusätzliche Exemplare an die Händler auszuliefern. Bei dem Motiv handelt es sich um eine Art Promotion-Foto, auf dem die Familie gemeinsam mit dem Medium versucht, die bösen Mächte in nebulöser Umgebung mit einer Gaslampe fernzuhalten. Das Motiv klingt konzeptionell wenig aufregend, macht aber aufgrund der klassischen Posen wie aus einem 40er-Jahre-Gruselfilm und der geisterhaften Beleuchtung durchaus einiges her.
Um die Käufer dennoch dazu verleiten, die Artikel möglichst im hauseigenen Shop zu erwerben, wurden je nach Cover 5-10 Art Cards und beim Kauf eines Full Sets zusätzlich noch zwei Poster gratis beigelegt. Wer voll aufs Ganze gehen wollte, packte noch die beiden Mediabooks des parallel erschienenen dritten Teils dazu und kam so auf 20 Art Cards und 4 Poster – auch wenn sich immer die Frage stellt, was man mit den doppelten und dreifachen Ausgaben desselben Films letztlich anstellen soll, außer, Freunden und Familie eine Freude damit zu machen.
Gegenstand dieser Besprechung ist nun aber die Zweitauflage mit 4K-Disc, bei der die DVD der Erstauflage nicht mehr an Bord ist und die Blu-ray zum Zweitmedium degradiert wurde. Live und in Farbe liegt Cover F zur Ansicht vor. Das Booklet weist seltsamerweise lediglich auf die Künstler von Cover B (Zachary Jackson Brown) und Cover D (Sam Coyne) hin, nicht auf denjenigen, der das vorliegende Motiv erstellt hat, es müsste aber schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir es hier nicht mit einem Werk von Ralf Krause zu tun hätten.
Die stets an Graffiti-Art erinnernde Plastizität der Objekte und das Blau-Lila sind einfach zu verräterisch. Der mutmaßliche Krause möchte ebenfalls nicht auf das ikonische blonde Mädchen mit dem Telefonhörer verzichten, doch um sie herum gesellen sich noch allerhand Zombiefratzen sowie ein Bündel Skelette. Die Leuchtpunkte am Himmel und das Haus im Hintergrund rekonstruieren ein gewisses Spielberg-Flair, man möchte beinahe an „Die Unheimliche Begegnung der dritten Art“ denken. So gesehen kann man wohl sagen: Job erfüllt. Das Hochglanz-Finish der Verpackung passt natürlich wie immer gut zu Krauses blumigem Stil.

Zweite Auflage: Die UHD-und-Blu-ray-Mediabooks.
Das schönere Artwork, wahrscheinlich dasjenige mit dem größten Wow-Effekt von allen, findet man aber bei Cover D. Nicht anders als bei Krause haben wir es hier zwar wieder „nur“ mit einer handelsüblichen Collage zu tun, die ist aber mit ihren Regen- und Blitz-Effekten, ihren andersweltlichen Kulissen und den detailverliebten, erdig-ledrig kolorierten Strukturen eine Klasse für sich. Zudem setzt sie mit Julian Beck im Zentrum klare Prioritäten, die vom Carol-Anne-Standard der anderen Cover abweichen.
Für Cover E hat man einfach noch einmal die minimalistische A-Version wiederverwendet, mit der Abwandlung allerdings, dass das Motiv in kleinerer Form, d.h. mit mehr Schwarzfläche, abgedruckt ist, um den Lichtkegel um das telefonierende Mädchen noch kleiner und die Dunkelheit um sie herum noch größer wirken zu lassen. Experiment soweit erstmal gelungen, die Szene sieht nun zumindest noch etwas bedrückender aus, auch wenn nun das Gefühl da ist, dass in der oberen linken Ecke etwas fehlt.
Der Innendruck des vorliegenden Mediabooks ist mit einer ganz in monochromem Blau-Schwarz gehaltenen Poltergeist-Attacke ausgekleidet. Auf dem Frontcover des Booklets begegnet uns das hübsche Promo-Foto von Mediabook C wieder, auf dem Backcover eine Giger’sche Alptraumkreatur.
Das Booklet
Was Autor Christoph N. Kellerbach angeht, so bietet ihm „Poltergeist II“ jedenfalls eine Menge Ausgangsmaterial zum Schreiben an, was man nicht zuletzt an der halben Seite gefüllt mit unterschiedlichen Quellen ablesen kann, die nun zu einer Art Produktionstagebuch verdichtet werden. Der Spielberg’sche Einfluss wird als kritische Komponente beim Übergang vom ersten zum zweiten Teil herausgearbeitet, dann kommen die üblichen Schritte in der Besetzung der Posten vor und hinter der Kamera, die oft etwas damit zu tun haben, wer wann zur Verfügung stand und wer in welchem Bereich Talent zeigte, aber auch, wie aufgrund gewisser Umstände vor Ort getroffene Entscheidungen noch einmal überarbeitet wurden. Insgesamt vermeidet Kellerbach schon seiner dramaturgischen Struktur wegen eine allzu starke Fokussierung auf die Legenden, die sich um die Trilogie stricken, sondern orientiert sich letztlich immer noch an den harten Fakten, die gerne mit Querverweisen untermauert werden.
Die Menüs
Bevor es mit dem Hauptfilm losgeht, wird man schon bei der Menüführung ideal eingestimmt. Die humoristisch abgewandelten Rechtehinweise, die jeweils thematisch an den präsentierten Film angepasst sind, gelten ja ohnehin bereits als Standard bei Wicked Vision, diesmal wurde allerdings noch eine kleine Animation auf den Hintergrund gelegt: Man sieht dort, wie sich eine skelettartige Silhouette gegen eine weiße Fläche drückt. Die Assoziationen sind sofort beim berühmten Poster der Peter-Jackson-Horrorkomödie „The Frighteners“, aber zu einem Poltergeist passt der Buh-Effekt natürlich ebenfalls ganz ausgezeichnet. Das nun folgende Menü ist mit Goldsmiths beunruhigender Lullaby-Schlafmusik atmosphärisch gut eingepegelt, und dann kann’s auch schon losgehen.
Das Bild
Wie bereits zu Anfang erwähnt, nutzte die MGM-Blu-ray von 2010 noch ein altes Master, das so einige Probleme aufwies, seien es nun die verwaschenen Farben, die teilweise im verfälschten Farbspektrum unterwegs waren, der flache Kontrast oder eine gewisse Detailarmut. Schon die auf einer 2K-Restauration basierende Blu-ray in diesem neuen Set korrigiert die meisten dieser Mängel. Das Bild wirkt nun scharf und detailreich und die für die Stimmung so wichtigen Farben entfalten ihre Strahlkraft in der beabsichtigten Wirkung.
Erst die 4K-UHD kitzelt aber wirklich das Beste aus dem Material. Dank des Dolby Vision leuchten die Farben nun regelrecht und in den diffusen Szenen im Dunkeln oder im Zwischenreich mit all seinen Farbverläufen werden selbst kleinste Objekte plastisch aufbereitet. Sogar die bei Tage spielenden Szenen bekommen etwas angenehm Übernatürliches. Man kann durchaus behaupten, dass „Poltergeist II“ auch des Bildes wegen an Intensität gewinnt, weil nun die im Material verborgenen Stärken besser hervorgehoben werden.
Der Ton
Auch der Ton der alten Disc war problembehaftet, unter anderem, weil die Dialoge blechern klangen und die suboptimale Abmischung Details auf dem Center versumpfen ließ. So wurden also auch die Tonspuren vollständig überarbeitet. Schon beim Blick auf die Audio-Optionen im entsprechenden Menü werden die enzyklopädischen Ansprüche deutlich. Entgegen der MGM-Scheibe, die nur die nachträglich erzeugten 5.1-Abmischungen an Bord hatte, bietet diese neue Fassung für Deutsch und Englisch neben der 5.1-Spur auch die originale Stereo-Spur, wie sie damals für die Kinoaufführung verwendet wurde.
Alle vier Audio-Optionen werden im gewohnten DTS HD-Master Audio-Format präsentiert. Eine falsche Entscheidung kann man eigentlich kaum treffen: Sowohl Synchro als auch Originalton bieten eine hochgradig dynamische Abmischung mit kristallklaren Dialogen, mächtigen Soundeffekten in den SFX-Szenen und einem Score, der das Wohnzimmer zum Kokon macht. Selbst in der Stereo-Ausgabe wird eine Illusion von Dreidimensionalität erzeugt. „Poltergeist II“ ist eben illusionistisches Effektkino bis in die Tonspur hinein, was diese Bearbeitung auf den Punkt zu betonen weiß.
Die Audiokommentare
Zu den ohnehin bereits vielfältigen Tonoptionen gesellen sich noch zwei zusätzliche, da noch zwei ältere Audiokommentare aus dem Jahr 2017 übernommen werden konnten, die damals für eine amerikanische Blu-ray aufgezeichnet wurden. Der erste ist ein Gespräch zwischen dem Making-Of-Spezialisten Michael Felsher und dem Co-Autoren und Produzenten Michael Grais. Nicht immer hat man das Glück, dass ehemalige Beteiligte vor dem Mikrofon kein Blatt vor den Mund nehmen; schließlich möchte man es sich vielleicht nicht mit früheren Weggefährten verscherzen. Bei Grais hat man aber tatsächlich das Gefühl, dass er nichts ausspart.
Offensichtlich ist er nicht mit allem zufrieden, was sich während der Produktion ereignet hat, indirekt stellt er auch mal die Arbeitsmethoden des Regisseurs in Frage oder zweifelt an den Entscheidungen von oben. Die Stimmung wird dadurch zwischendurch auch mal richtig grummelig. Anschließend heitert sie sich aber auch wieder auf, denn wenn Lob angebracht ist, spart er nicht damit, etwa, was Heather O’Rourke angeht, die ihm zufolge die professionellste Darstellerin am Set gewesen ist. Zur Produktionsgeschichte des Films sind gerade aufgrund der kritischen Betrachtung jedenfalls einige wertvolle Insider-Informationen zu holen.
David Furtney ist der Betreiber der Internetseite poltergeistiii.com und liefert als Alleinstreiter einen zweiten Kommentar ab, der allerdings dann doch wenig erquicklich ausfällt. Es werden zwar durchaus ein paar interessante Informationen zu den Produktionshintergründen geliefert, die sich vermutlich irgendwann im Rahmen der Arbeit für die Online-Präsenz gesammelt haben, oftmals beschreibt Furtney aber auch einfach nur das Offensichtliche. Darüber hinaus streut er recht viele kleine Pausen ein, und zu allem Überfluss ist auch die Audioqualität nicht ganz ideal, zumal die relativ dumpfe Stimme regelmäßig von den krachenden Soundeffekten und Score-Einschüben des Hauptfilms übertönt wird.
Die Extras: Ultra-HD Blu-ray
Die Kommentare sind auf beiden Medien über dem Hauptfilm auswählbar, darüber hinaus wurden die meisten Extras aber wie üblich exklusiv auf die Blu-ray verlagert. Lediglich der deutsche und englische Trailer gehört zum Basispaket der ansonsten eher technisch relevanten Hauptdisc, sowie zusätzlich noch die Bildergalerie, die es allerdings in sich hat. Fast 29 Minuten bringt die nämlich auf den Tacho, so dass sich der Soundtrack schon ziemlich strecken muss, um sich bei der musikalischen Begleitung nicht zu wiederholen. Es ist ein wahres Sammelsurium von Originalpostern und neuen Artworks, Aushangbildern und Behind-the-Scenes-Fotos, Pressematerial und Mediencovern zu erwarten, zusammengestellt aus aller Welt.
Die Extras: Blu-ray
Die Blu-ray hat darüber hinaus sogar noch eine zweite Galerie zu bieten. Die läuft gut 10 Minuten und dreht sich um nichts Geringeres als das Drehbuch, beziehungsweise genauer gesagt den vierten überarbeiteten Entwurf aus dem April 1985. Diese Fassung soll laut vorangestellter Texttafel besonders nah an den gefilmten Szenen sein; die blauen Seiten seien einen Monat später noch einmal überarbeitet worden.
Auch in Sachen Trailer hat die Blu-ray mehr im Gepäck als die UHD. So gibt es den deutschen Teaser, dann den deutschen Trailer in gleich dreifacher Ausführung (Scope, Widescreen, 8mm), dazu den englischen Trailer und eine Zusammenstellung englischer TV-Spots. Als Krönung bekommt man noch den „Trailer from Hell“ mit Mick Garris, der sich allerdings auf den ersten „Poltergeist“ bezieht. Garris hatte damals wohl Öffentlichkeitsarbeit für diesen und einen weiteren Teil betrieben; hier beschreibt er nun die Wirkung, die die praktischen Spezialeffekte erzeugen, als sie zu dem ambitionierten Ziel ansetzen, selbst bei der breiten „PG“-Zielgruppe nach den spezifischen Ängsten zu greifen, die den meisten von uns innewohnen.
Mit der Shout-Lizenz landete außerdem noch eine ganze Reihe interessanter Featurettes auf der Disc. Die erste dreht sich um Robbie-Darsteller Oliver Robins, der in „Robbie’s Return“ (15 Min.) schildert, wie unsicher er als unerfahrener Darsteller, der bloß eine einzige TV-Werbung im Lebenslauf stehen hatte, während der Dreharbeiten war, und wie JoBeth Williams ihm dabei half, die Abläufe am Set zu verstehen – ganz wie eine echte Mutter. Weiter geht er unter anderem auf seine gute Beziehung zu seiner Filmschwester Heather O’Rourke ein. Außerdem erinnert er daran, dass Dreharbeiten, so schmerzhaft und unangenehm sie manchmal auch sein können, letztlich flüchtig sind, ganz im Gegensatz zum dadurch entstehenden Film, der für die Ewigkeit gemacht ist.

Robbie-Darsteller Oliver Robins ist in einem neuen Interview zu sehen.
In „The Spirit World“ (22 Min.) gehen die FX-Designer Steve Johnson, Richard Edlund und Screaming Mad George auf das komplizierte Zusammenspiel der unterschiedlichen visuellen und praktischen Effekte ein. Bei der Bandbreite an unterschiedlichen Effektszenen weiß man ja eigentlich gar nicht, worüber man am liebsten etwas hören möchte, aber die Verantwortlichen haben sich schnell auf einen Kandidaten geeinigt: Die sogenannte „Vomit Creature“, das Wesen also, das von Craig T. Nelson per Alkohol aufgenommen und dann erbrochen wird.
Denn dieses wird aufgrund der hochgradig komplexen Abläufe einhellig als ihr Meisterwerk deklariert. Auch von außen muss man sagen: Da ist was dran. Der gesamte Mittelteil der Featurette schildert daher im Detail, wie jeder einzelne Schritt konzipiert und realisiert wurde. Es ist links und rechts trotzdem noch Zeit, um weitere Effektshots zu erläutern und vor allem H.R. Giger zu huldigen; Johnson beteuert sogar, ihm sei beinahe einer abgegangen, als ihm Gigers Entwurf für die finale Kreatur präsentiert wurde. Ist doch schön, wenn die Mitarbeiter derart enthusiastisch bei der Sache sind.
In „Ghosts of Giger“ (21 Min.) geht die Giger-Würdigung sogar noch weiter. Das gleiche Team vertieft seine Gedanken über den Schweizer Künstler und rollt dabei nicht nur die Abläufe der Zusammenarbeit an „Poltergeist II“ auf, sondern reflektiert auch Gigers Philosophie, die auch darin gelegen habe, die eigenen Ideen immer möglichst schnell und radikal zu Papier zu bringen, damit das fertige Ergebnis möglichst nah am ursprünglichen Gedanken liege.
Wenn Giger am Set war, was bei dem heimatverbundenen Menschen, der seine Katze nicht allzu lange zu Hause allein lassen wollte, nicht immer selbstverständlich war, konnte er entsprechend immer wertvolle Perspektiven aus Sicht von ihm selbst als Künstler und aus Sicht des Publikums liefern. Allerdings, so lautet ein Einwurf, habe Giger die Funktionsweisen im Filmgeschäft wohl nie hundertprozentig verstanden, was oftmals zu unterschiedlichen Erwartungshaltungen geführt habe. Dennoch steht für alle Beteiligten außer Frage, dass er mit seinen exzentrischen Kreationen das Geschäft nachhaltig geprägt hat.
„They’re Back“ (6 Min.) ist ein kleines Making Of aus der Entstehungszeit, das hauptsächlich von kleinen Interview-Ausschnitten mit Brian Gibson (Director), Freddie Fields (Executive Producer), JoBeth Williams (Darstellerin), Mark Victor / Michael Grais (beide Writer / Producer) und Richard Edlund (Visual Effects Producer) lebt. Auch H.R. Giger ist wieder mit von der Partie. Erneut ist ein Hang zur Betonung der Spezialeffekte zu erkennen, was wenig verwundert, da es sich schließlich um ein Werbe-Making-Of handelt und die Effekte wohl das größte Verkaufsargument des Films darstellen. Die tiefen Einblicke in die Realisierung der Effekte in diesem Rahmen mittels B-Roll-Aufnahmen ist aber nicht nur in Bezug auf die Promotion, sondern auch rein technisch sehr interessant.
Auch „Monster Shop“ führt in straffen 3 Minuten noch einmal hinter die Kulissen. Im Wesentlichen handelt es sich um erweitertes, unbearbeitetes Material der Aufnahmen aus dem Making Of. Unter anderem bekommt man man auch mal Noble Craig ohne Maske zu sehen, den Vietnam-Veteranen, der im Krieg beide Beine, einen Arm und die Sehkraft auf einem Auge verlor und später in einigen Filmen auftrat, etwa „Sssssssnake Kobra“, „Big Trouble in Little China“ oder eben in „Poltergeist II“ als „Vomit Creature“.
Das gleiche trifft auf „Ghost Makers“ (6 Min.) zu: Noch mehr Interviews, noch mehr alternatives Hinter-den-Kulissen-Material, alles, um die Effektkunst zu zelebrieren. Hier wiederholen sich die Ausschnitte aber zum Teil bereits, gerade in Bezug auf Gigers Arbeit.
Für etwas Abwechslung sorgt zum Abschluss noch einmal die „Grimmlife Collective Special Location Tour“ (9 Min.). Die Betreiber des gleichnamigen Kanals, Michael und Jessica Kolence, sind uns bereits auf der Blu-ray von „Tagebuch eines Mörders“ über den Weg gelaufen. Diesmal besuchen sie das „Encino Town Center“ Einkaufszentrum im Stadtteil Encino in Los Angeles, in dem Carol Anne zum ersten Mal auf Reverend Kane stößt. Weitere Orte werden nicht besucht, dafür wird der eine Schauplatz aber auf Herz und Nieren geprüft und Kameraperspektiven aus dem Film nachgestellt. Da sich das Einkaufszentrum seit den 80ern stark verändert hat, entpuppt sich der Direktvergleich für die Macher des Videos durchaus als Herausforderung.

Das „Grimm Collective“ besucht einen Schauplatz aus dem Film.
Das wäre soweit alles zu den Extras, es sei denn, man sucht gerne Ostereier. In dem Fall sollte man sich noch ein wenig länger im Disc-Menü umsehen, denn es gibt durchaus noch ein paar nette Zusatzfeatures zu entdecken. Wer Hilfe braucht, kann auf die zweite Seite dieses Artikels gehen und findet ein paar Hinweise zum Inhalt und Fundort.
Fazit
Selbst ohne Osterei ist zur 4K-UHD-Premiere von „Poltergeist II“ wohl zu sagen: Was lange währt, wird endlich gut. Mit der 4K-Scheibe ist die Veröffentlichung nun endgültig rund. Chronologisch ist die Arbeit an dem Projekt ein wenig ungünstig verlaufen, letztlich fand man aber einen guten Kompromiss, der die meisten Käufer wohl zufriedenstellen dürfte. Abgesehen von der überzeugenden technischen Seite ist auch die Ausstattung wieder ziemlich üppig ausgefallen, so dass man nun wohl einen Haken an diesen Film machen kann.
Sascha Ganser (Vince)
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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
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