| Originaltitel: The End of Oak Street__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: David Robert Mitchell__Darsteller: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery, Jordan Alexa Davis, P.J. Byrne, Hudson Meek, Anne Gee Byrd, Emily Kuroda, Simms May u.a. |

In „The End of Oak Street“ von David Robert Mitchell machen Dinosaurier die Vorstadt unsicher
Mit seinem Zweitling, dem Elevated-Horror-Hit „It Follows“, hatte David Robert Mitchell auf sich aufmerksam gemacht, mit dem verquasten Folgefilm „Under the Silver Lake“ dagegen das Publikum eher verschreckt. Nach acht Jahren Sendepause meldet er sich überraschend mit Blockbusterkino in Form von „The End of Oak Street“ zurück.
Waren die vorigen Filme zeitlich schwer einzuordnen (man denke an den Clash von Smartphones und Seventies-Flair in „It Follows“), so kann man sich bei „The End of Oak Street“ schnell sicher sein, dass der Film Ende der 1970er, Anfang der 1980er spielt (das genaue Jahr, 1982, wird erst später genannt). Handlungsort ist die titelgebende Straße in einem amerikanischen Suburb, wo auch die vierköpfige Familie Platt wohnt. Vater Greg (Ewan McGregor) verdient Geld als Pizzabote hinzu, ist dadurch aber fast nie da, was zu Knatsch mit Mutter Denise (Anne Hathaway) führt, die neben dem Hausfrauendasein an einem Roman arbeitet.
Hinzu kommen Tochter Audrey (Maisy Stella) und Sohn Brian (Christian Conway), der sich dolle um den obligatorischen Familienhund Starbuck kümmert. Das Geld ist offensichtlich knapp, wie man beim Gespräch über Audreys Collegepläne merkt, aber fürs Häuschen im Vorort reicht es. Es ist jene Art von Eighties-Americana, die seit einer Weile wieder in ist, vor allem durch den Serienerfolg „Stranger Things“ befeuert, mit dem „The End of Oak Street“ Steven Spielberg als eines der offensichtlichen Vorbilder teilt.
So könnten auch die seltsamen Vorkommnisse, die sich bald in der Oak Street ereignen, auch gut aus einem Spielberg-Werk sein: Nachts sind seltsame Blitze zu sehen, im Garten einer Bekannten wächst eine eigentlich ausgestorbene Pflanze, Nachbar Mel Jacobs (P.J. Byrne) findet in seinem Garten einen riesigen Dunghaufen. Natürlich ahnt das Publikum durch Poster und Werbekampagne schon, dass dies auf eine Begegnung mit Dinos hinausläuft, doch „The End of Oak Street“ strapaziert die Was-geht-hier-vor-Phase nicht zu sehr, zeigt aber dennoch glaubwürdig, wie die Figuren damit umgehen, etwa durch Recherche in der örtlichen Bücherei, ohne dabei zu gehetzt zu wirken. Doch nach einem nächtlichen Leuchten fällt der Strom aus, wonach sich die Familie Platt im Wohnzimmer sammelt, ohne an mehr als eine durchtrennte Leitung zu denken.
Am nächsten Morgen frühstückt man zusammen, Greg sucht nach dem entlaufenen Starbuck, die Nachbarn wollen zur Arbeit. Doch dann müssen die Menschen aus der Oak Street feststellen, dass sie ihre Nachbarschaft nun mit Dinosauriern teilen. Und für viele von denen sind Menschen bloß Futter…
Schaut euch den Trailer zu „The End of Oak Street“ an
Dass Dinosaurier theoretisch immer noch ziehen wie Bolle, das bewies die „Jurassic World“-Reihe, mit drei von vier Filmen im Mehr-als-eine-Milliarde-Einspiel-Club, auch wenn andere Dinofilme wie „65“ oder „Primitive War“ an der Kasse floppten. Die Keimzelle für den Saurierhype im Kino legte natürlich „Jurassic Park“, weshalb es wohl passend ist, dass sich „The End of Oak Street“ durch und durch wie eine Spielberg-Pastiche anfühlt – Produzent J.J. Abrams hatte mit „Super 8“ ja auch schon eine Spielberg-Hommage als Regisseur verantwortet. „The End of Oak Street“ beginnt mit einer Vorstadt, die an „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „E.T.“ und „Poltergeist“ erinnert.
Auch die Familienprobleme sind klassischer Spielberg, denn die Ehe der Platts ist geschädigt. Daddy ist zwar insgesamt noch da, arbeitsbedingt aber auch andauernd fort. Papa kippt heimlich den Whiskey in der Garage, Mama verarbeitet die Probleme in ihrem Roman und die Kiddies haben so eine Angst, dass sich die Eltern sich trennen, dass sie das Wort „Scheidung“ noch nicht mal untereinander aussprechen wollen. Insofern verlegt sich Mitchell auch in erster Linie auf das Kopieren des großen Vorbilds, mit wenigen eigenen Akzenten: Dass man Dinos onscreen auch mal beim Kacken oder beim Poppen sieht, das gab es bisher in keinem „Jurassic“-Film.

Die Platt-Familie aus Mutter Denise (Anne Hathaway), Vater Greg (Ewan McGregor), Tochter Audrey (Maisy Stella) und Sohn Brian (Christian Convery)
Dafür gibt „The End of Oak Street“ dem Publikum das, was „Jurassic World: Dominion“ zwar versprochen, aber nur bedingt gehalten hatte: Saurier mitten in der Welt der Menschen. Oder andersrum, denn nach kurzer Einführung finden die Figuren hinaus, dass Teile des Vororts in die Urzeit gebeamt wurden. Im Gegensatz zum Christopher-Nolan-befeuerten Erklärbärmodus des modernen Blockbusterkinos liefert Mitchell, der auch das Drehbuch schrieb, bis zum Ende keine Erklärung ab – der Film hat sie auch nicht nötig. Dafür weiß der Regisseur, wie er die Begegnungen von Mensch und Dino effektiv inszenieren kann, wenn Raptoren Jagd auf Vorstädter machen, riesige Stachelschildkröten die Straße versperren oder der unvermeidliche T-Rex die Pratt-Familie wegschnabulieren will.
Nachbarn und Unbekannte sind in der Regel nur da, um die Gefahrenlage zu demonstrieren und draufzugehen, auch wenn sich „The End of Oak Street“ hin und wieder eine Überraschung erlaubt. So folgt auf einen cheesy erscheinenden Moment direkt der effektivste Schock des ganzen Films. Im Blockbusterrahmen ist das ähnlich ruppig wie dereinst der erste „Jurassic Park“. Mitchell erzählt ökonomisch (ein Foto von Denise mit Flinte an der Wand erläutert wortlos den Grund ihrer Schießkünste) und weiß die Umgebung kreativ zu nutzen, wenn Riesenschlangen sich im Pool befinden, Autos Sicherheit vor vielem (aber nicht allem) Getier bieten oder man die eigene Bude möglichst dinosicher verbarrikadiert – was dann allerdings wenig bringt, wenn Sohnemann sich für die obligatorische Suche nach dem Familienköter aus dem Haus schleicht.
Denn sonderlich originell ist „The End of Oak Street“ bei alledem nicht, höchstens ansatzweise in der Kombination bekannter Versatzstücke. In erster Linie spielt Mitchell damit, wo Dinos gerade auftauchen und in welche Situationen er seine Protagonisten bringen kann. Meist ist das gut inszeniert, aus manchem Set Piece (wie der Riesenschlange im Haus) hätte Mitchell noch mehr machen können, und auf die Dauer wiederholt es sich. So ist das Finale zwar durchaus spannend und effektiv gemacht, wirkt aber nicht größer oder spektakulärer als andere Set Pieces. Immerhin kommt es mal ohne T-Rex oder Raptoren aus, wie es sonst in den meisten Dinofilmen üblich ist, da hatte Spielberg 1993 den Standard gesetzt.

Die Nachbarschaft hat sich mächtig verändert: Mehr Saurier, weniger Menschen
Und „The End of Oak Street“ ist nicht nur im Guten Spielberg-Pastiche, sondern auch im Schlechten. Die Geschichte der kaputten Ehe wird bisweilen etwas plump eingeflochten, da die Familienprobleme angesichts der Bedrohung für Leib und Leben doch eher nichtig erscheinen sollten. Und das Friede-Freude-Eierkuchen-Ende erinnert leider auch an Spielberg-Ausrutscher wie den missratenen „Krieg der Welten“-Schluss. Denn „The End of Oak Street“ scheint auf den letzten Metern Angst vor der eigenen Courage zu bekommen und federt manches aus dem vorigen Film wieder ab. Und natürlich ist der tapfere Familienflohteppich Starbuck vorm Gefressenwerden gefeit (Katzen haben in diesem Film weniger Glück).
Mit Anne Hathaway („Colossal“) und Ewan McGregor („Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“) hat Mitchell dann auch zwei engagierte, namhafte Stars in den Hauptrollen. Hathaway überzeugt als patente Mutter, McGregor als kriselnder, aber liebender Vater, die beide ihre kleinen Geheimnisse mit sich rumschleppen, welche die Ehe nicht einfacher machen. Es sind runde Performances mit einigen Facetten. Maisy Stella („My Old Ass“) und Christian Convery („Cocaine Bear“) sind erfreulich am gängigen Schönheitswahn in Hollywood vorbei gecastet, wirken sehr natürlich und schultern die Rollen der jüngeren Platt-Generation überzeugend. Der Rest hat wenig zu tun, allenfalls P.J. Byrne („Shazam! Fury of the Gods“) als ebenso genervter wie nerviger Nachbar und Jordan Alexa Davis („Verschwiegen“) als Girl Next Door haben etwas größere Rollen, aber die wahren Stars sind hier eh die Urzeitbiester.

Hammer und Gewehr sind nützliche Werkzeuge im Überlebenskampf
„The End of Oak Street“ ist kein origineller Film, sondern eine überdeutliche Spielberg-Hommage, aber meist sauber gemacht. Das Dinosaurier-in-der-Vorstadt-Setting wird für oft effektiv inszenierte, sich bisweilen etwas wiederholende Set Pieces genutzt, die Hauptdarsteller machen einen guten Job und nach der Exposition legt das rund 100-minütige Spektakel ein gutes Tempo vor, anstatt alles künstlich zu zerdehnen. Dass der mutlose Schluss das Ganze etwas runterzieht, ist schade, aber sonst ist „The End of Oak Street“ schon eine recht unterhaltsame Blockbuster-Krawallkiste.
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Warner bringt „The End of Oak Street” am 13. August 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 13.8.2026 in den deutschen Kinos |





