| Originaltitel: Lucifer__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016-2021__Creator: Tom Kapinos__Regie: Len Wiseman, Nathan Hope, Greg Beeman, Mark Tonderai, Matt Earl Beesley u.a.__Regie: Joe Henderson, Jerry Bruckheimer, Len Wiseman u.a.__Darsteller: Tom Ellis, Lauren German, Kevin Alejandro, D.B. Woodside, Lesley-Ann Brandt, Rachael Harris, Aimee Garcia, Scarlett Estevez, Tricia Helfer, Tom Welling, Inbar Lavi, Brianna Hildebrand, Kevin Rankin, Dez Cuchiara, Graham McTavish, Dennis Haysbert, Rebecca De Mornay, Lochlyn Munro, Charlyne Yi, Mark Dacascos, Charisma Carpenter u.a. |

Jerry Bruckheimer gehört zu den Produzenten von „Lucifer“ mit Tom Ellis und Lauren German, in der Mark Dacascos einen Gastauftritt hat.
„Lucifer“ hat eine bisweilen kuriose Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte hinter sich: Basierend auf einem DC-Comic von Neil Gaiman, Mike Dringenberg und Sam Keith, vom DC-Standard-Partner Warner Bros. Television produziert, aber erst auf Fox ausgestrahlt. Nach drei Seasons dort abgesetzt, von Netflix gerettet und für weitere drei Seasons produziert, in Deutschland aufgrund von Verträgen eine ganze Weile nur exklusiv bei Amazon zu sehen.
Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer („F1 – Der Film“) hatte durchaus Erfahrung mit Police Procedurals, allerdings eher der technisch orientierten „CSI“-Seite. „Lucifer“ hingegen fällt in die zur Entstehungszeit schwer angesagte Buddy-Cop-Schiene mit tougher weiblicher Polizistin und ungewöhnlichem Consultant an der Seite – man denke an „Psych“, „The Mentalist“ und „Castle“. Wobei „Lucifer“ noch eine Schippe drauflegt, denn der männliche Part ist niemand geringeres als der Teufel höchstselbst. Der gefallene Engel Lucifer Morningstar (Tom Ellis) nimmt seit einigen Jahren Urlaub auf der Erde von seinem Job als Chef der Hölle, betreibt den Nachtclub Lux und gewährt Menschen Gefallen. Als eine Sängerin, deren Karriere er startete, ermordet wird, trifft er auf die Polizistin Chloe Decker (Lauren German), die ihn sofort fasziniert. Mit ihr zusammen löst er diesen Fall und bietet sich danach als Consultant an, was die Polizeichefin – nicht zuletzt dank Lucifers Ausstrahlung, die nicht von dieser Welt ist – dankend annimmt. Von da an lösen der Teufel und seine Partnerin wider Willen Fälle in Los Angeles.
Serientypisch gibt es natürlich noch ein ganzes Ensemble wichtiger Nebenfiguren. Lucifer hat die Dämonin Mazikeen (Lesley Ann-Brandt) mit ihrer Vorliebe für Gewalt und Action an seiner Seite, sein Engelsbruder Amenadiel (D.B. Woodside) will ihn zurück in seine zugedachte Rolle drängen und Lucifers Erdenurlaub beenden. Bei der Polizei arbeitet Chloes Ex-Mann Dan Espinoza (Kevin Alejandro), den Lucifer stets freudig als „Detective Douche“ tituliert, ab Season 2 kommt die quirlig-nerdige Forensikexpertin Ella Lopez (Aimee Garcia) hinzu. Außerdem stößt Lucifer schon in der Pilotfolge auf die Psychologin Linda Martin (Rachael Harris), die ihm bei der Behandlung seiner überirdischen Daddy Issues helfen darf. Für einen Teil der Serie kommt auch die windige Anwältin Charlotte Richards (Tricia Helfer) hinzu, deren Körper anfangs als Wirt für Lucifers Mutter dient.
Schaut euch den Trailer zu „Lucifer“ an
„Lucifer“ startet als Police Procedural in der Tradition der genannten Vorbildserien, mit den üblichen Reibungen: Lucifer ignoriert sämtliche Regeln und Vorgaben, erzielt aber dennoch Resultate, was seine Partnerin in den Wahnsinn treibt, die wiederum der kühle Kopfmensch ist. Zwischen den beiden gibt es eine Screwball-Dynamik, sodass die Frage lautet, wann sie denn wohl ein Paar werden. Dieses Rezept wird dann um ein paar teuflische Eigenheiten angedeutet: Lucifer lügt Chloe nie an (auch wenn diese seine Geschichte und seine überirdische Herkunft nicht glaubt), kann Menschen zum Offenbaren ihrer geheimsten Begierden bringen und besitzt eine ungeheure Anziehungskraft auf Frauen sowie überirdische Stärke. Dass er in Chloes Gegenwart verwundbar wird und seine Fähigkeiten bei ihr nicht wirken, ist ein Mysterium, welches die Serie nach und nach erkundet, während sie in den ersten drei bis vier Seasons recht klassische Proceduralkost mit einigen durchgehenden Handlungssträngen im Hintergrund ist.
Viele der Fälle spiegeln natürlich gerade Lucifers aktuelle Probleme wider, denn der selbstbezogene Satansbraten mit dem Feingefühl einer Dampframme hat kein einfaches Verhältnis zu seiner Familie, seinen dämonischen Heerschaaren oder den Menschen um sich – und sieht die Schuld selten bis nie bei sich. Gleichzeitig führen die Fälle in unterschiedliche Milieus, darunter Profisport, Hollywood, satanische Kulte oder Irrenanstalten. Manchmal muss Lucifer mit anderen Partnern wie Dan zusammenarbeiten, manchmal entscheidet er sich bei einem Fall dafür eine therapeutische Maßnahme anzuwenden, etwa als Wohltäter aufzutreten oder Chloes rationale Denke zu imitieren. In einer Folge könnte der Täter zum großen Kreis von Lucifers früheren Sexpartnern gehören, in einer anderen ist Ellas Bruder der Hauptverdächtige. Und im späteren Verlauf gibt es kleine Experimente, die aber schon in anderen Serien durchgespielt wurden, wie eine Musical-Folge oder eine Film-Noir-Folge. Das ist vielleicht nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades, sorgt aber für kurzweilig-amüsante Proceduralkost, welche die gängigen Formeln befolgt, mehr damit spielt als etwa „Bones“ (welches Lucifer als seine Lieblingsserie bezeichnet) und weniger als das kreative „Psych“. In Woche für Woche gibt es einen oder mehrere nette Einfälle, dazu recht schlagfertige Dialoge und immer ein paar Brocken zur Hintergrundgeschichte von Chloe, Lucifer und Co.
Im Hintergrund laufen diverse übergreifende Handlungsstränge um die Himmel-und-Hölle-Mystik, Paarfindungen und charakterliche Weiterentwicklungen. Dan, anfangs eher eine Witzfigur und ein Punching Bag, wird beispielsweise zu einem relativ runden, mehrschichtigen Charakter. Doch je weiter die Serie fortschreitet, desto mehr haben Creator Tom Kapinos („Californication“) und sein Team offensichtlich die Idee, dass der Himmel-und-Hölle-Mumbojumbo doch wesentlich interessanter als das ursprüngliche Procedural-Format sind. Die Fälle treten immer mehr in den Hintergrund, der andere Kram wird immer weiter nach vorne geholt und keine Entwicklung ist mehr zu absurd: Der Auftritt Gottes als Figur, Zeitreisen (inklusive der entsprechenden Paradoxa), eine mögliche Apokalypse – alles drin. Leider klafft die Lücke zwischen der Gravitas, die „Lucifer“ vermitteln will, und der tatsächlichen Präzision immer eklatanter, während auch die Charakterzeichnung immer mehr nachlässt: Manche Entwicklungen passieren sprunghaft und sind zwei Folgen später wieder passé. In der letzten, glücklicherweise nur zehn Folgen langen Staffel merkt man dies besonders, wenn Lucifer und Chloe offiziell gar nicht mehr fürs LAPD arbeiten, immer noch gelegentlich in Fälle reinschnuppern, die aber eher pflichtschuldig eingebaut sind. Viele Handlungsstränge werden angefangen, dann aber halbherzig fallen gelassen, etwa Amendadiels Phase als Rookie beim LAPD oder Chloes Suchtgeschichte nach Genuss überirdischer Kräfte.
Der Wechsel zu Netflix bedeutet außerdem, dass die späteren Folgen nicht mehr an Sendeschemata gebunden sind und eher 50 bis 60 Minuten dauern anstatt der fernsehüblichen 40 Minuten, was der Serie allerdings auch nur bedingt guttut: Oft fühlen sich die Folgen zu gedehnt an, wo man im Fernsehen verdichtet hätte. Anstatt von mehr Bedeutung bringt die zusätzliche Sendezeit eher mehr Belanglosigkeit, was gerade in der letzten Staffel einige Passagen zu einem echt harten Brot macht. Auch das Ende ist mehr als gewöhnungsbedürftig, auch wenn die letzten 20 Minuten der Schlussfolge dann wieder einigermaßen gelungen sind – innerhalb des Rahmens, den die Geschichte vorgibt. Denn auch hier wird „Lucifer“ von einer kleinen Fun-Serie zu einer, die Schwere und Bedeutung haben möchte, dies aber nur bedingt einlösen kann. Auch die Visualisierung von Himmel und Hölle trägt dazu nicht wirklich bei, denn die Bilder sind nur bedingt kreativ und müssen mit Effekten im TV-Standard-Budgetrahmen auskommen, da sollte man trotz Bruckheimer-Beteiligung keine Serie im Blockbusterformat erwarten. Die gelegentlichen Actionszenen, etwa eine Massenprügelei der Hauptfiguren gegen abtrünnige Dämonen in Menschenkörpern, sind durchaus brauchbar choreographiert, aber auch nicht herausragend.
Optisch macht „Lucifer“ dennoch durchaus was her, verpflichtete man für die Pilotfolge, die den Look und den Stil festlegt, doch den kinoerfahrenen Len Wiseman („Ballerina“), der in den ersten drei Staffeln auch als Executive Producer fungierte. So ist „Lucifer“ meistens slickes Großtstadt-Police-Procedural, dessen glitzernde Oberfläche auch gut zu seiner Hauptfigur passt. Lucifer ist narzisstisch, partysüchtig und für jedes Vergnügen offen, denn als Kreaturen des Begehrens poppen er und Mazikeen gerne rum, mit Partnern egal welchen Geschlechts. Die eher konservative Chloe bezeichnet ihren Partner daher auch mal als „man whore“. Im Verlauf der Serie wird Lucifer zahmer, Mazikeen irgendwann auch, was aber tatsächlich im Dienst des Storytellings steht: Lucifers Begehren für Chloe wird immer mehr zu Gefühlen, zu denen er sich eigentlich gar nicht imstande fühlte. Seine süffisante Art und sein Hang zu pointierten Beleidigungen bleiben zum Glück fast ungemindert stehen, sodass „Lucifer“ immerhin fast durchweg mit Wortwitz und Schlagfertigkeit glänzen kann, auch wenn der Humor sich gelegentlich verzetteln kann (etwa die Geisterauftritte einer bestimmten Figur).
Der Brite Tom Ellis („The Thursday Murder Club“), vorher nicht groß aufgefallen, verkörpert die Hauptfigur dann auch mit angemessen teuflischem Charme und kann durchweg überzeugen. Lauren German hatte schon durch Rollen in Filmen wie „Hostel 2“ und „The Divide“ im Vorfeld eine gewissen Bekanntheit erlangt, vor allem unter Horrorfans. Viele Facetten ihrer Figur, etwa die kühle Polizistin oder die fürsorgliche Mutter, kann sie gut verkörpern, nur die große Liebe, die irgendwann doch zu Lucifer entflammt, die kauft man ihr leider nur so semi ab. Lesley Ann-Brandt („Horror Noire“), D.B. Woodside („Romeo Must Die“), Kevin Alejandro („Strange Wilderness“), Aimee Garcia („RoboCop“) und Rachael Harris („Unfrosted: The Pop-Tart Story“) sind in den wichtigsten Nebenrollen stark gecastet und können darin hervorragend glänzen. Tricia Helfer („Primitive War“) als Anwältin bzw. Mutter aller Schöpfung, Tom Welling („Draft Day“) als Vorgesetzter mit Geheimnis, Brianna Hildebrand („Osiris“) als mysteriöser Teenager-Engel mit Rachewunsch, Inbar Lavi („The Last Witch Hunter“) als biblische Eva und Dennis Haysbert („Sniper: G.R.I.T.“) als Verkörperung Gottes sind die wichtigsten wiederkehrenden Nebendarsteller, hin und wieder gibt es Gastrollen, etwa von B-Actionstar Mark Dacascos („Of Muses and Monsters“) als fiktivem B-Actionstar oder von Charlyne Yi („Always Be My Maybe“) als (gar nicht mal so) imaginäre Kindheitsfreundin Ellas.
Was als vergnügliches Police Procedural mit übernatürlichem Einschlag anfängt, wird im weiteren Serienverlauf leider immer mehr zur prätentiösen Fantasyserie, deren Ambitionen höher sind als das Niveau der Umsetzung. Die Fälle treten irgendwann komplett in den Hintergrund, die Figurenentwicklung wird nach vorne gesetzt, hakt aber oft schreiberisch. Der Wortwitz und der Charme der Hauptfiguren bleibt immerhin durchweg erhalten, vergnüglich ist das gerade zu Beginn schon ziemlich, aber spätestens nach Staffel 4 macht sich ein deutlicher Qualitätsabfall bemerkbar. „Lucifer“ ist eine der Serien, bei der weniger vielleicht tatsächlich mehr gewesen wäre, denn als Polizeiserie mit Comedyfaktor funktioniert das Ganze doch am besten.
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In der Folge „Weaponizer“ (Staffel 2, Folge 5) hat Mark Dacascos („Run & Gun“) eine durchaus augenzwinkernde Nebenrolle. Der Actionstar, der trotz Rollen in „Crying Freeman“ und „Pakt der Wölfe“ nie ganz groß rauskam, spielt einen Actionstar, der nie ganz groß rauskam. Als Kimo Vanzandt ist er der große Rivale des Actionstars Wesley Cabot, der zu Beginn der Folge ermordet aufgefunden wird. Da er außerdem mit Jamie Lee Adrienne (Charisma Carpenter), der Ex-Frau des Toten, zusammen ist, landet er natürlich ganz schnell oben auf der Verdächtigenliste. Die fiktive Actionreihen „Body Bags“ und „Weaponizer“ – letztere gibt der Folge den Titel – erinnern an B-Actionreihen wie „Bloodfist“ denn an große Actionfranchises. „Body Bags“ begeistert nicht nur Lucifer, sondern auch Dan, sodass die beiden Streithähne urplötzlich eine Gemeinsamkeit entdecken. Kimos Karriereverlauf, der sich mittlerweile ein Zubrot durch Convention-Auftritte verdient, erinnert an viele andere Genrestars aus der zweiten Reihe, darunter auch der reale Dacascos. Von dessen körperlichen Fähigkeiten bekommt in dieser Folge nichts zu sehen, als Nebendarsteller macht er sich aber gut und sorgt gemeinsam mit Charisma Carpenter („The Expendables“) und Komiker Phil LaMarr („Bud und Doyle“) für einen gehobenen Gaststarfaktor in dieser Folge. In den übergreifenden Handlungssträngen geht es um den Engel Uriel, der Muster voraussehen kann, das kosmische Gleichgewicht wieder herstellen will und verlangt, dass die Mutter der Schöpfung die Erde wieder verlässt. In einer kleinen Anspielung liest Chloe ihrer Tochter Trixie (Scarlett Estevez) aus dem Kinderbuch „Coraline“ vor, das ebenfalls von „Lucifer“-Vorlagenautor Neil Gaiman stammt.
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„Lucifer“ war in Deutschland erst exklusiv bei Amazon Prime zu sehen, mittlerweile ist die Serie im Netflix-Programm gelandet und kostenpflichtig bei anderen Anbietern zu haben. Außerdem wurde sie von Warner auf DVD veröffentlicht, wobei die ersten beiden Staffeln ab 12 Jahren freigegeben sind, die späteren Staffeln ab 16 Jahren. Als Bonusmaterial gibt es entfallene Szenen und Featurettes.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12 (Staffel 1 + 2) / ab 16 (Staffel 4-6)__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja |






