| Originaltitel: Bones__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2005-2017__Creator: Hart Hanson__Regie: Ian Toynton, Dwight H. Little, Jeannot Szwarc, Kevin Hooks, Greg Yaitanes u.a.__Darsteller: Emily Deschanel, David Boreanaz, Michaela Conlin, T.J. Thyne, Tamara Taylor, John Francis Daley, Eric Millegan, John Boyd, Patricia Belcher, Michael Grant Terry, Eugene Byrd, Carla Gallo, Pej Vahdat, Sunnie Pelant, Ryan O’Neal, Jonathan Adams, Joel David Moore u.a. |

„Bones“ bietet Police-Procedural-Kost mit Emily Deschanel und David Boreanaz in den Hauptrollen, inszeniert von Regisseuren wie Dwight H. Little
Um die Jahrtausendwende läuteten Formate wie „Die Sopranos“, „24“ oder „The Wire“ das zunehmend komplexe, folgenübergreifende Erzählen im Serienbereich ein, doch zumindest ein Format blieb seiner Folge-der-Woche-Struktur weitestgehend treu, nämlich das Police Procedural, in Form von Serien wie dem Dauerbrenner „C.S.I.“, der Crime-Comedy „Psych“ oder eben der Forensiker-Serie „Bones“.
Bones, das ist auch der Spitzname der forensischen Anthropologin Temperance Brennan (Emily Deschanel), deren Figur auf Kathy Reichs basiert, welche ebenjenen Job in der Realität ausübt und seit 1997 Kriminalromane um die Figur Temperance Brennan veröffentlicht. Die Serien-Brennan ist ebenfalls erfolgreiche Krimiautorin, sieht dies aber nur als Nebenjob, da ihre Arbeit für das Jefferson Institute für sie immer die hauptsächliche Berufung bleibt. Das FBI möchte gern auf ihre Kenntnisse zurückgreifen, weshalb Agent Seeley Booth (David Boreanaz) als Kontaktmann fungiert. Bones soll bei Fällen helfen, in denen nur noch Knochen, stark verweste Leichen oder ähnlich deformierte Überreste von den Opfern zur Verfügung stehen. Mit zum Team gehören außerdem sarkastische Jack Hodgins (T.J. Thyne), Spezialgebiet Käfer, Schleim und Sporen, die computerversierte Künstlerin Angela Montenegro (Michaela Conlin), zuständig für Gesichts- und sonstige Rekonstruktionen, und Zack Addy (Eric Millegan), Brennans anfänglicher Doktorand und Assistent.
Während andere Police Procedural der 2000er etwas mehr folgen- und staffelübergreifende Plots integrierten (etwa die Jagd auf Red John in „The Mentalist“), da bleibt „Bones“ stark bei seiner Fall-der-Woche-Struktur, mit nur gelegentlichen Handlungssträngen, die darüber hinausgehen, etwa wenn es um das Verschwinden von Brennans Eltern, als sie ein Kind war, geht oder als sie einen Serienkiller jagen, der seine Opfer lebendig begräbt. Doch meist sind dies nur ein oder zwei Folgen pro Staffel, was auch daran liegen mag, dass Seasons 3 großes Pech mit einem größeren Handlungsstrang hatte. Darin ging es um den Serienkiller Gormogon, dessen Enttarnung eine schockierende Überraschung bereithält. Leider war es genau jene Staffel, die wegen des damaligen Autorenstreiks gestaucht und schnell zu Ende gebracht werden musste, was man dem Ganzen leider anmerkt.
Schaut euch den Trailer zu „Bones“ an
Dementsprechend setzen die meisten Folgen auf den Fall der Woche und laufen fast ritualisiert ab: Anfangs finden Zivilisten menschliche Überreste, Booth und Brennan werden hinzugezogen, anschließend folgt die übliche Melange aus Analysen, Tatortbegehungen, Verhören und neuen Erkenntnissen, ehe der Täter dann am Ende der Folge gestellt wird. Manchmal spielt „Bones“ ein bisschen mit der Formel, etwa wenn eine Folge aus der Perspektive eines abgetrennten Kopfes erzählt wird, doch das sind eher kosmetische Veränderungen als große Experimente. „Bones“ will also keine bahnbrechende Serienkost sein, sondern lebt eher vom Reiz des Vertrauten, vom fast rituellen Ablauf jeder Folge – das aber erfreulich unterhaltsam über stolze zwölf Staffeln hinweg, das muss man erstmal schaffen.
„Bones“ setzt natürlich auf jenen Technik- und Forensik-Boom im Police Procedural, der auch durch die zahlreichen „C.S.I.“-Serien kräftig befeuert wurde: Zwar sind auch Seeleys Instinkt und seine Schießkünste wichtig, vor allem aber die harten Fakten und die Wissenschaft. Ein kleines, zuvor übersehenes Detail an einem Knochen kann der Schlüssel zum Fall sein, wobei sich „Bones“ um wissenschaftliche Akkuratesse bemüht, aber die Erzählung dann doch immer voran stellt. Für Creator Hart Hanson („The Finder“) war „Bones“ das Schmuckstück in seiner Filmographie, für die Umsetzung der einzelnen Episoden wurden TV-Routiniers, oft mit Kinoerfahrung, wie Dwight H. Little („Rapid Fire“), Jeannot Szwarc („Der weiße Hai 2“), Kevin Hooks („Passagier 57“) oder Greg Yaitanes („Cypher“) angefragt. Die sorgen dann für einen brauchen, kontemporären High-Tech-Look und haushalten gut mit dem TV-Budget, auch wenn man gelegentlichen CGI-Spektakelszenen die Herkunft im Network-TV ansieht.
Was aber neben den routinierten, oft spannenden Einzelfällen zum Dranbleiben animiert, das sind die Figuren. Bei Booth und Brennan ist – wie so oft bei Polizeiserien mit gemischtem Doppel – die Frage da, ob und in welcher Staffel sie einander kriegen, weil die Wortgefechte und die Funken fliegen. Brennan ist die streng logische Pragmatikerin, die auch Zwischenmenschliches aus diesem Winkel betrachtet. Booth ist der impulsive Typ, geschieden, mit einem Sohn aus erster Ehe, gezeichnet von seinen Kriegserfahrungen. Zwei gegensätzliche Figuren mit Reibungsfläche also. Hinzu kommen die lebenslustige Angela, der sarkastische, verschwörungsgläubige Hodgins und der sozial unbeholfene Zack, später noch Figuren wie die neue, schlagfertige Chefin Camille Saroyan (Tamara Taylor) und der jungenhafte, nerdige Psychiater Lance Sweets (John Francis Daley). Letzterer ist natürlich noch eine besondere Ergänzung des Teams, da Bones Psychologie für eine Nicht-Wissenschaft hält. Hinzu kommt späterer ein ganzer Reigen von rotierenden Doktoranden mit amüsanten Eigenheiten und Macken, die immer mal wieder für Einzelfolgen vorbeischauen.
Über die zwölf Staffeln hinweg finden sich also Paare, manche trennen sich wieder, Kinder werden geboren oder adoptiert, einige Figuren scheiden durch Versetzung oder Tod aus der Serie aus. Nebenhandlungen, die als Bonus für diejenigen fungieren, die alle Folgen gucken, aber auch den Gelegenheitsgucker nicht überfordern – auch „Bones“ dreht die Uhr nach jeder Folge nicht immer komplett auf Anfang zurück. Gleichzeitig arbeiten diese Subplots die Figuren mehr aus, geben ihnen ein Leben außerhalb des Labors und machen die Serie so lebendiger und interessanter. Es sind Charaktere, denen man gern folgt, deren Interaktionen die Serie bereichern – etwa die sarkastischen Sprüche von Hodgins oder die zahlreichen, oft pointiert geschriebenen Wortgefechte zwischen einzelnen Teammitgliedern.
Je nach Fall und Folge stehen einzelne Figuren mehr im Fokus, man schickt sie in verschiedene Milieus. Booth und Brennan ermitteln undercover als Artisten in einem Zirkus, Angela ist in einen Fall besonders involviert, als das Opfer ihr Lover ist, Sweets kann seine Liebe für Death Metal ausleben, als im entsprechenden Milieu ermittelt wird usw. Auch das sorgt für kleine Variationen in der festen Formel, verbindet Charakterzeichnung und den Fall der Woche. Und funktioniert meist ziemlich gut, wenn auch nicht immer – als etwa eine bestimmte Figur aus der Serie herausgeschrieben werden muss, wirkt dies übereilt, das „Kriegen sie sich oder nicht?“ von Booth und Brennan wird bisweilen überreizt, aber insgesamt gelingt „Bones“ dies ziemlich gut.
Was nicht zuletzt an der Besetzung liegt. David Boreanaz durfte nach „Buffy“ und „Angel“ direkt in die nächste Fox-Erfolgsserie einsteigen, hier deutlich gelöster zu Werke gehen, was ihm gut zu Gesicht steht. Schauspielerisch noch mehr gefordert ist Emily Deschanel („Spiel auf Sieg“), die Brennan als einen Vernunftmenschen darstellt, die soziale Konventionen oft verletzt, hinter deren logikfixierter Schale sich über die Folgen und Staffeln hinweg immer mehr Facetten und Emotionen offenbaren. Unter den wiederkehrenden Nebendarstellern können vor allem John Francis Daley („Freaks and Geeks“), T.J. Thyne („Was das Herz begehrt“) und Michaela Conlin („The Disappointments Room“) Strahlkraft entwickeln, obwohl auch Eric Millegan („The Phobic“) und Tamara Taylor („Altered Carbon“) als weitere Regulars sehr gut sind. Zu den weiteren Highlights zählen Patricia Belcher („Beverly Hills Cop: Axel F“) als Staatsanwältin mit Haaren auf den Zähnen, Ryan O’Neal („Knight of Cups“) als Brennans Vater und John Boyd („Peppermint“) als FBI-Agent Aubrey.
Mit seinem Ansatz der forensischen Anthropologie besitzt „Bones“ ein kleines Alleinstellungsmerkmal im Police-Procedural-Bereich, sonst ist das Ganze Fall-der-Woche-Kost im engen Korsett, die das Format alles andere als neu erfinden will. Dank der guten Drehbuchbücher, der Besetzung und der lebendigen Figuren ist dann trotz aller Formelhaftigkeit eine Serie, der man über zwölf Staffeln sehr gerne folgt, Routine hin oder her.
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20th Century Fox hat die einzelnen Staffeln von „Bones“ auf DVD veröffentlicht, wobei die ersten elf Seasons ab 16 Jahren, die finale ab 12 Jahren freigegeben wurden. Nach dem Verkauf von Fox gibt es mittlerweile auch eine Komplettbox der Serie von Walt Disney. Als Bonusmaterial gibt es entfallene Szenen und Audiokommentare zu einzelnen Folgen, außerdem einige Featurettes.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: 20th Century Fox/Walt Disney__FSK Freigabe: ab 16 (Staffel 1-11)/ab 12 (Staffel 12)__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja |



