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Tulsa King – Staffel 3

Originaltitel: Tulsa King – Season 3__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Jim McKay, Kevin Dowling, Joe Chappelle, Guy Ferland__Darsteller: Sylvester Stallone, Robert Patrick, Beau Knapp, Martin Starr, Jay Will, Frank Grillo, Neal McDonough, Vincent Piazza, Garrett Hedlund, Dana Delany, Dashiell Connery, McKenna Quigley Harrington, Barry Corbin, Chris Caldovino, Kevin Pollack, Bella Heathcote, James Russo, Robert Walker Branchaud, Samuel L. Jackson u.a.
Tulsa King Staffel 3 Artwork

Das Streaming-Promo-Poster von „Tulsa King – Staffel 3“.

Back in Business

Das Geschäft muss weitergehen. Kein Polizeigewahrsam und keine Entführungsaktion könnte als Cliffhanger je verhindern, dass ein Dwight Manfredi pünktlich an seinem Schreibtisch sitzt und seinem Klan Anweisungen gibt, kaum dass fünf Minuten einer neuen Staffel verstrichen sind.

Während der Mafia-Ballon in der dritten Staffel „Tulsa King“ immer voluminöser wird, nimmt auch der Krähenschwarm, der an seiner Hülle pickt, an Größe zu. Alte Feinde und Rivalen wurden entweder längst aussortiert oder zu Stichwortgebern degradiert, dafür aber neue, dickere Fische im Tulsa-Teich ausgesetzt. Ein stark gealterter, dabei aber immer noch ziemlich einschüchternder Robert Patrick ist es diesmal an vorderster Front, der seine natürliche Autorität in die Waagschale wirft, um dem eigentlichen Star der Serie ein Persönlichkeitsduell auf Augenhöhe zu liefern.

Stallone, seines Zeichens nicht nur besagter Star, sondern inzwischen auch noch Autor bei fast der Hälfte aller neuen Folgen, hält sich wohlweislich an das Bewährte. Das einnehmende Charisma der beteiligten Hauptakteure mal beiseite gewischt, ist die grobe Marschroute des Skripts schnell ausgemacht: Tough Guy sendet seine Drohnen aus, um die Basis eines anderen Tough Guys und seiner Drohnen zu infiltrieren, die wiederum zum Gegenschlag ausholen, woraufhin erneut gekontert wird. Nichts Neues auf dem Schachbrett. Wer so wie die Hauptfigur dieser Serie sesshaft wird, büßt eben mittelfristig an Kreativität ein, beziehungsweise verlagert er diese allenfalls in seine Züge, weniger in eine Revolution des Spiels. Das Bekenntnis zu einem kompakten, in sich geschlossenen, inhaltlich einfach gehaltenen Format ist es aber gerade, mit dem die etwas ziellos ins Unbekannte expandierende zweite Staffel wieder überflügelt wird.

Gangster alter Schule

Das Setting könnte diesmal beinahe aus einer Prohibitionsserie gemopst worden sein, die mit dem Country-Flair des Rural America gemischt wird: Bourbon-Brennereien, Bingo, brennende Landsitze und böse Buben in Nadelstreifenanzügen, an denen meist kleine Anstecker mit US-patriotischer Symbolik gesteckt sind. Dazu selbstgemachte Gesetze nach Mobster-Art. Sympathisch ist einem weiterhin so ziemlich nichts und niemand in dieser exklusiven Welt, auch, weil fast jede Figur, nimmt man den weiterhin eifrig seine Lage reflektierenden Martin Starr einmal heraus, den fragwürdigen Lebensstil als natürlich hinnimmt und selbst nach Anschlägen in der Öffentlichkeit umgehend wieder zur Tagesordnung übergegangen wird, als wäre alles so wie immer.

Das Character Writing bleibt bei alldem schlicht, manipulativ und wirkungsvoll. Es reicht alleine ein Blick auf Beau Knapps mitleiderregende Vorstellung als Halbstarker nach Vorbild eines Fredo Corleone („Der Pate“), damit man quasi den kompletten Story Arc vorhersagen kann: Zu Hause von Daddy verbal geprügelt wie ein unterwürfiger Hund, da draußen den harten Macker mimend, ist das Schicksal der Dunmire-Sippe quasi vorbestimmt. Stallone und seine Mitschreiber gehen da keinerlei Risiken ein, es geht ihnen vielmehr darum, den Hebeleffekt der Selbstjustiz möglichst effizient auszukosten.

Schaut in den Trailer zu „Tulsa King – Staffel 2“

Bunte Nebenfiguren wie Neal McDonough, Frank Grillo oder neuerdings auch Kevin Pollack halten die Ersatzbank warm und sorgen aus dem Hintergrund immer wieder dafür, dass das Feuer nicht ausgeht. Die Manfredi-Crew wiederum tut, was sie eben so tut: Befehle des Generals befolgen in erster Linie. Das lebende Ablenkungsmanöver Jay Will lässt den Poser raus, Cash Flo macht den Obelix, Dana Delany zieht die politischen Fäden, Garrett Hedlund hält die Stellung, Martin Starr besorgt das Zeug. Bei McKenna Quigley Harrington ist eine Typveränderung angesagt, die Starrs Figur in einer Szene zu der Anmerkung veranlasst, sie habe etwas aus sich gemacht; tatsächlich bleibt sie aber das Mädchen für alles, das mit eingefrorenem Honigkuchengrinsen kommentarlos jeden Job erfüllt.

Wir sprechen also letztlich über Scherenschnitte, die zwar mehr Profil aufweisen als diejenigen aus Arnold Schwarzeneggers (zu Recht inzwischen abgesetzter) Agentenserie „Fubar“, nichtsdestotrotz aber kaum vergleichbar sind mit den heimlichen Vorbildern aus ernstzunehmenden Milieustudien über kriminelle Organisationen wie „Boardwalk Empire“ oder „Die Sopranos“. Nicht einmal neueren Produktionen wie „Gangs of London“ oder „Mob Land“, die ja ihrerseits oft ins Comichafte tendieren, kann man diesbezüglich das Wasser reichen.

Zwischen leichter Unterhaltung und harten Bandagen

Das mag auch mit dem Mangel an Konsequenz und Endgültigkeit zu tun haben, mit dem „Tulsa King“ zu einer oberflächlichen Unterhaltungsserie nach Vorbild der 80er und 90er Jahre modelliert werden soll, bei der es kaum bis keine Verluste auf der vermeintlich „guten“ Seite zu verzeichnen gibt. Wenn man in der zweiten Staffel in einer Anschlagsszene sogar eine Randfigur ohne Not überleben lässt, um sie in der dritten Staffel nun trotzdem langsam in den Hintergrund zu schieben, weil sie einfach nichts mehr zur Entwicklung der Gruppe beizutragen hat, dann geht es wohl eher um den Feelgood-Effekt als um den Reifeprozess durch Lehrgeld. Umso verstörender ist dann die brachiale Härte, mit der dem Bösen Zahn um Zahn das Böse vergolten wird. Hier kommt vielleicht auch ein wenig das schizophrene Verhältnis Amerikas zu Themen wie Rache und Gerechtigkeit durch, das dieser Tage über dem Land schwebt.

Umso ansteckender bleibt im Kontrast zu den schwerwiegenden Themen der allgegenwärtige Humor. Stallone völlig überfordert in einem selbstfahrenden KI-Auto einen Wutanfall erleiden zu lassen, das ist quasi das gesamte Konzept der Serie „in a nutshell“ auf den Punkt gebracht. Und ein besonderer Gaststar, der sich in den letzten drei Episoden noch in die Grabenkämpfe einmischt und damit im Grunde die ganze Dramaturgie durcheinanderwirbelt, bringt die Nummer alleine schon aufgrund seiner abgefuckt coolen Aura fast im Alleingang zum Siedepunkt. Obwohl von dessen bereits geplantem Spin-Off inhaltlich wohl kaum mehr zu erwarten sein wird als eine uninspirierte Kopie der Mutterserie im alternativen „Big Easy“-Setting, wird das Einschalten schon wegen ihm alleine fast Pflicht werden; insofern hat Paramount da wohl alles richtig gemacht.

„Tulsa King – Staffel 3“: Eine runde Sache

Aller Streaming-Expansionspläne zum Trotz: Dass man in den letzten Minuten von „Tulsa King – Staffel 3“ das Gefühl hat, hier und jetzt könnte genauso gut ein Schlusspunkt gesetzt werden und alles wäre wunderbar rund, ist wohl das größte Kompliment, das man an dieser Stelle machen kann. Es gibt natürlich unzählige bessere Gangster-Serien und auch bewegendere Balladen aus der amerikanischen Countryside. Ein Stallone in guter Form ist aber eben ein ungemein wertvoller Pluspunkt, über den keine andere existierende TV-Serie bisher verfügt.

6 von 10

„Tulsa King – Staffel 3“ läuft seit dem 21. September 2025 exklusiv im Programm von Paramount+, die dauerhaften Nutzungsrechte können aber zum Beispiel auch über Amazon käuflich erworben werden. Über den Zeitpunkt einer möglichen DVD-Veröffentlichung ist momentan noch nichts bekannt. Mit einer Blu-ray-Veröffentlichung wird indes wie bei den ersten beiden Staffeln nicht zu rechnen sein.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder und Screenshots/Label: Paramount Pictures__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein / Nein (tba)

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