Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Michael

Originaltitel: Michael__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Antoine Fuqua__Darsteller: Jaafar Jackson, Colman Domingo, Nia Long, Miles Teller, Juliano Valdi, Kendrick Sampson, Kat Graham, Laura Harrier, Larenz Tate, Derek Luke, KeiLyn Durrel Jones, Mike Myers u.a.
Michael

Mit „Michael“ legt Antoine Fuqua das Biopic zum King of Pop Michael Jackson vor

Antoine Fuqua ist primär als Actionvirtuose bekannt, beschäftigt sich aber auch konstant mit schwarzer Geschichte und schwarzer Popkultur, nicht nur offensichtlich wie in der Dokumentation „What’s My Name: Muhammad Ali“ oder dem Sklavendrama „Emancipation“, sondern auch in vielen seiner Genrefilme (wie „Training Day“ oder „Brooklyn’s Finest“). Insofern war er eine naheliegende Wahl als Regisseur für das Biopic „Michael“.

Michael, das ist Michael Jackson, im Film gespielt von Jaafar Jackson, dem Neffen des realen King of Pop. Produziert wurde das Ganze vom Estate des 2009 verstorbenen Künstlers, weshalb der Großteil der Menschen auf Producer-Seite den Nachnamen Jackson trägt. Dass „Michael“ wahrscheinlich nicht das ganze Leben Jacksons in gut zwei Stunden erzählen würde, war anzunehmen, schließlich konzentrierten sich auch andere Musiker-Biopics wie „Walk the Line“ oder „Bohemian Rhapsody“ nur auf bestimmte Abschnitte des Lebens der Portraitierten. Am Ende von „Michael“ steht allerdings eine Erfahrung, die eher an „Dune“ von Denis Villeneuve erinnert. Denn Fuqua und Drehbuchautor John Logan („Gladiator“) finden zwar einerseits eine durchaus sinnvolle Klammer, kündigen aber andrerseits gleich ein mögliches Sequel an. „His Story Continues“ heißt es auf der Leinwand, bevor die Credits rollen.

„Michael“ sucht sich als Fokus die Zeit von den Anfängen bei den Jackson 5 bis hin zum finalen Konzert der Jacksons im Jahr 1984 aus (mit einem Konzert von „Bad“-Tour aus dem Jahr 1988 als musikalischer Zusatz und Rausschmeißer). Das große Thema ist die Beziehung von Michael zu seinem Vater Joseph (Colman Domingo). Joseph formt die Jackson 5, bucht die Gags und trimmt seine Jungs von Kindesbeinen an auf Höchstleistung. Widerspruch wird nicht geduldet und mit dem Gürtel bestraft.

Als Vater und Manager legt er den Grundstein für die Karriere des späteren King of Pop, verdient sehr gut an seinem Sohn, den er emotional verkrüppelt. Joseph ist der Antagonist der Story, der in seinem Filius nicht mehr als eine Gelddruckmaschine sieht und in dessen Schatten der Sohn über Jahre steht. Insofern ist der konsequente Endpunkt des Films der, an dem sich Michael von seinem Vater lossagt: Auf der Bühne während des Abschlusskonzerts der „Victory“-Tour verkündet er, dass dies das letzte gemeinsame Konzert der Jackson ist, während der Vater noch lautstark eine nächste, internationale Tour angekündigt hat.

Schaut euch den Trailer zu „Michael“ an

So ist Vaterschaft das zentrale Thema des Films. Dem lieblosen, strengen Patriarchen werden kontrastierende Ersatzväter entgegengestellt: Die Produzenten bei Motown, der Song Producer Quincy Jones (Kendrick Sampson), der Bodyguard Bill Bray (KeiLyn Durrel Jones). Menschen, die für oder mit Michael arbeiten, sein Talent erkennen und fördern, gleichzeitig aber auch echtes menschliches Interesse an ihm haben. Selbst der großspurige Agent John Branca (Miles Teller), dessen Auftreten dem Jungstar imponiert, zeigt Fürsorge für seinen Schützling (der echte John Branca ist übrigens ebenfalls Produzent des Films).

Die Kälte durch den leiblichen Vater wird als prägendes Element in Michaels Vita dargestellt, teilweise aber auch küchentischpsychologisch ausgeschlachtet. So zieht der Vater Michael als Kind mit dessen großer Nase auf, was wohl mit als Erklärung für die OPs im Erwachsenenalter dienen soll. Ähnlich hauruckartig funktionieren auch andere Einblicke. Wenn Jackson nach dem Dreh für eine Pepsi-Werbung, bei der Pyrotechnik seine Haare anzündet und für lebensgefährliche Verbrennungen an der Kopfhaut sorgt, in der Burn Unit des Krankenhauses landet, dann redet er mit Branca darüber, dass er heilen müssen, aber dass er der Welt viel geben wolle. Für welchen Hit da wohl die Keimzelle gelegt wurde?

Michael

Michael Jackson wird von seinem eigenen Neffen Jaafar Jackson gespielt

Aufgrund der porträtierten Zeitspanne kommen die kontroversen späteren Jahre aus Jacksons Leben in diesem Film nicht vor. Das Estate bezahlte zudem Reshoots, als es um die Vorwürfe von Kindesmissbrauch und eine betroffene Person, die nicht im Film vorkommen durfte, ging – aber diesen Punkt erreicht „Michael“ nicht. Allerdings leistet Fuquas Film schon Vorarbeit, um dem Ganzen zuvorzukommen: Schon als Kind bei Jackson 5 singt Michael ein Mädchen im Rollstuhl an, um es glücklich zu machen, es folgen Besuche auf Kinderkrankenstationen, spontane Autogrammrunden in Spielzeugläden und Spenden für die Burn Unit, natürlich wegen der dort behandelten Kinder.

Jackson wird als selbstloser Wohltäter inszeniert, wobei „Michael“ immerhin seine Faszination für das Kindsein stimmig erklärt: Michael ist der Junge, der schon als Kind hart an seiner Musik arbeiten musste, dessen seltene kindliche Freizeitmomente in erster Linie aus dem Lesen im Bus auf der Fahrt zum nächsten Auftritt bestanden. Dass „Peter Pan“ ihn besonders einnimmt, ist in der Logik des Films sinnig: Peter Pan kann fliegen, Peter darf frei und ungezwungen sein, Peter besiegt Captain Hook, den Michael als eine Variation Josephs sieht. Michael ist ein Junge ohne Kindheit, der schwer Kontakt zu Gleichaltrigen knüpfen kann, weil diese nur den Star in ihm sehen, weshalb seine Freunde seine zunehmend exotischen Haustiere sind. Der Film führt auch Inspirationsquellen des Musikers, darunter Disney-Cartoons oder Charlie Chaplin, die ihn künstlerisch wie privat prägten, auf.

Ansonsten funktioniert „Michael“ wie ein Highlight-Reel der Stationen von Jacksons Karriereweg: Proben im Wohnzimmer, erste Gigs, erstes Album bei Motown, erstes Soloalbum, Megaerfolg mit „Thriller“, Pepsi-Zwischenfall usw. Manche Anekdote ist der breiten Masse vielleicht nicht so bekannt, etwa dass Jackson für Clip zu „Beat It“ echte Crips und Bloods als Statisten engagierte, weil er für Frieden und die verbindende Art der Musik werben wollte. Dass neben ihm auch reichlich Polizei am Set war, erzählt der Film dagegen nicht.

Auch nicht so bekannt ist, dass MTV ursprünglich keine schwarzen Musiker featurte, bis Jacksons Plattenfirma sich auf Veranlassung des Künstlers dafür einsetzte, in einer amüsanten Szene des Films. Viele dieser Episoden geben Zeit für Musik und Tanz, etwa der Dreh des „Thriller“-Musikvideos oder Jacksons Live-Performance von „Billy Jean“ bei den American Music Awards. Manche dieser Videos und Performances sind ikonisch und dementsprechend bekannt, liefern aber schmissige, aufwändige Einlagen, die Fuqua ansprechend abfilmt. Der Regisseur sorgt mit seiner Inszenierung eh für Stil und Kurzweil, hat den Film zumindest optisch im Griff.

Michael

Joseph Jackson (Colman Dolmingo) prägt das Leben seines Sohnes, aber nicht nur im Guten

Ob Jaafar Jackson nun ein guter oder vielseitiger Schauspieler und Performer ist, das wird die Zeit zeigen. Zumindest seinen eigenen Onkel kann er hervorragend darstellen, besitzt über das Aussehen heraus auch die tänzerischen Fähigkeiten. Auch Jacksons Art und Sprechweise ahmt er hervorragend nach. Colman Domingo („The Running Man“) als Antagonist hat Präsenz und kann dem Publikum vermitteln, wie dieser Mann allein mit seiner Art gestandene Plattenfirmen-Executives nervös machen kann.

Nia Long („47 Meters Down: Uncaged“) gibt den ausgleichenden mütterlichen Part, die ihrem Sohn die Zuneigung entgegenbringt, die er braucht, sich aber nicht immer gegen den Vater durchsetzen kann. Eine stille, aber ebenfalls starke Performance Miles Teller („The Gorge“) als vielleicht bekanntester Name im Ensemble supportet nur, macht dies aber eindrucksvoll. KeiLyn Durrel Jones („Fear the Night“) setzt Akzente, Mike Myers („Wayne’s World“) und Larenz Tate („Extreme Rage“) tun dies in kleinen Gastrollen. Der Rest der Belegschaft bleibt dagegen kaum in Erinnerung, auch die Darsteller von Michaels Brüdern nicht, aber diese Figuren bleiben Beiwerk, obwohl ihre realen Pendants den Film mit produziert haben. Janet Jackson hingegen wollte anscheinend gar nichts mit dem Projekt zu tun haben, weshalb sie noch nicht einmal als Figur im Film auftaucht.

So bleibt „Michael“ ein glatter Gefälligkeitsfilm, der zwar über die Laufzeit von zwei Stunden nicht groß langweilig ist, aber trotzdem total egal und gehaltslos bleibt. Manchmal können Fuqua und Logan zwar vermitteln, wie der King of Pop wohl tickte, oft betreiben sie aber bloß Imagepflege ohne Wagnisse. Eine ersten Nasen-OP beispielsweise wird mit dem Streben nach Perfektion erklärt, weitere nur durch neue Pflaster auf der Nase angedeutet, die mögliche Sucht des Künstlers nach den Operationen wird gar nicht angesprochen. Die gelegentlichen Musik- und Tanzeinlagen sind schmissig, aber einen packenden Zugang findet dieses merklich kuratierte Portrait nicht.

Universal bringt „Michael” am 22. April 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 6 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal__FSK Freigabe: ab 6__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 22.4.2026 in den deutschen Kinos

Tagged as: , , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 22992683 andere Actionnerds