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Extreme Rage

Originaltitel: A Man Apart__Herstellungsland: USA/Deutschland__Erscheinungsjahr: 2003__Regie: F. Gary Gray__Darsteller: Vin Diesel, Larenz Tate, Timothy Olyphant, Geno Silva, Jacqueline Obradors, Steve Eastin, Juan Fernández, Jeff Kober, Marco Rodríguez, Mike Moroff, Emilio Rivera, George Sharperson u.a.
Extreme Rage

Vin Diesel als Actionheld mit Gefühlen und mehr Bodenhaftung in F. Gary Grays „Extreme Rage“

Mit „Extreme Rage“ erfand F. Gary Gray („Gesetz der Rache“) das Genre des Actionthrillers zwar sicherlich nicht neu, seine lange Zeit im Giftschrank der Produzenten ist aber auch nicht ganz zu verstehen.

Sean Vetter (Vin Diesel) ist ein nicht ganz gewöhnlicher Cop bei der Drogenfahndung. Er und seine Kollegen kommen von der Straße, wirken nicht unbedingt wie Polizisten und sind daher auch nicht so schnell als solche zu identifizieren. Nach sieben Jahren Fahndung gelingt es Sean, seinem Partner Demetrius Hicks (Larenz Tate) und der mexikanischen Polizei schließlich, den Drogenboss Memo Lucero (Geno Silva) festzunehmen. Damit steht auch Sean Vetter in der Tradition von Diesels Figuren aus „Pitch Black“, „The Fast and the Furious“ und „xXx“, allesamt raue Verbrecher mit eigenem Ehrenkodex, denen er nun die von Anfang an geläuterte Variante hinzufügt, die aber nicht mit seinem Rollenimage bricht.

Doch die Stelle an der Spitze des Kartells bleibt nicht lange unbesetzt und ein neuer Boss beginnt die Geschäfte zu übernehmen. Er ist überall nur unter dem Namen Diablo gefürchtet. Auch Sean ist sein erklärter Gegner und erhält Besuch von einem Killerkommando, die ihn verletzen und seine Frau ermorden. Sean erholt sich langsam von der körperlichen Pein, aber der seelische Schmerz sitzt tief. Vin Diesel spielt die dramatische Seite des Helden zwar nicht unbedingt oscarreif, zeigt aber ein größeres Potential als mancher Kritiker es ihm zugetraut hatte.

Schließlich rafft Sean sich auf und beginnt wieder zu arbeiten. Er setzt seine ganze Energie ein, um den Diablos Identität zu lüften und den Drogenboss aufzuspüren. Doch der Mann ist schwer zu finden, seine Anhänger skrupellos und seine Taten grausam. Sean allerdings wandert auch nicht immer auf der legalen Seite bei seinen Ermittlungen…

Extreme Rage

Der Rachefeldzug von Sean Vetter (Vin Diesel) geht nicht ohne Sach- und Personenschäden ab

„Extreme Rage“ ist ordentliche Genreware, die in erster Linie bekannte Elemente aus Filmen wie „Hard to Kill“ nach altem Muster zusammensetzt. So ermittelt Sean mit oder weniger Rückendeckung seiner Behörde gegen die Hintermänner, nimmt sich Verdächtige vor und lässt die eigenen Gefühle nicht aus dem Spiel, was seine Nachforschungen allerdings gefährdet. So weit, so bekannt, doch durchaus stimmig umgesetzt, auch wenn F. Gary Gray mit eher gedrosseltem Tempo erzählt und wenige, aber teilweise doch überraschende Wendungen auffährt, wie die Aufdeckung der Identität Diablos, die den Film allerdings im Rückblick an der einen oder anderen Stelle etwas durchkonstruiert wirken lässt. Im Abgang ist „Extreme Rage“ sowieso etwas schwächer: Etwas zahm fällt der Showdown aus, recht überschaubar ist die Gegnermenge des Helden und das Lösen der letzten Konfrontation mit dem wahren Drahtzieher zu schlicht gehalten. Realismus hin oder her, da muss ein Finale schon mehr bieten.

Die Actionszenen sind zudem von eher geringer Zahl und Länge. Auch wenn die umgelegte Gegnerzahl nicht immer noch größer als bei Polizeiaktionen in der Wirklichkeit ist und Held Sean sich gegen mehrere Widersacher behauptet, so besitzen die Actionszenen dennoch eine gewisse Realitätsnähe und Erdung. Geboten werden vor allem Shoot-Outs, aber auch ein paar kleine Prügeleien und vereinzelte Stunts, die F. Gary Gray rau inszeniert, passend zu seinem verletzlicheren Helden und seiner nüchternen Herangehensweise, die sich etwas von den Übermenschen des amerikanischen Actionkinos entfernt. Highlight ist sicherlich das beeindruckende Parkplatz-Shoot-Out in der Filmmitte, an das leider keine der anderen Actionszenen herankommt.

Extreme Rage

Glücklichere Tage: Sean mit seiner Frau Stacy (Jacqueline Obradors)

Den Drogenkrieg nutzt „Extreme Rage“ als stimmigen Hintergrund, lässt den einen oder anderen Fakt zu diesem einfließen und kann aus seinem Sujet eine staubig-nüchterne Atmosphäre schlagen. Die Bilder wirken körnig, die Farbpalette ist nicht allzu bunt, was beim geerdeteren Anstrich des Films hilft, ebenso die Tatsache, dass auch auf die Trauer des Helden und die Auswirkungen seiner Aktionen eingegangen wird – auch wenn dies für die eine oder andere Länge verantwortlich. Interessant ist dagegen der Aspekt, dass Vetter und Lucero bald eine Art Zweckpartnerschaft schließen, der Drogenboss dem Drogenfahnder hilft, nachdem er selbst Diablos Macht unschön zu spüren bekommen hat. *SPOILER* Es ist einerseits etwas demystizierend, dass die Auflösung genau dies zunichtemacht und als reinen Schachzug des Schurken entlarvt. Andererseits verleiht sie dem Schurken dadurch eine noch diabolischere Aura als jemand, der andere benutzt und hemmungslos über Leichen geht – sogar die der eigenen Familie. *SPOILER ENDE*

Im Zentrum des Ganzen steht Vin Diesel („Fast & Furious 7“), hier mal mit Bart zu sehen, der Sean Vetter weniger selbstsicher, weniger großspurig als seine bisherigen Heldenrollen und auch die emotionalen Seiten des gebrochenen Rächers überzeugend zu verkörpern weiß. Larenz Tate („Waist Deep“) als Partner und alter Freund sowie George Shaperson („Showtime“) als halbseidener, aber gutherziger weiterer Jugendfreund verkörpern dagegen eher die typischen Gangsta-Klischees, wobei man Tate den harten Mann nicht so ganz abnimmt. Dafür hat man auf Seiten der Dealer hervorragende Besetzungsarbeit geleistet: Geno Silva („Tequila Sunrise“) gibt einen ruhigen und doch eindrucksvollen Hintermann, Timothy Olyphant („Ich bin Nummer Vier“) spielt ganz groß auf als schriller Drogendealer mit großer Klappe, während Charakterfresse Jeff Kober („Pentagramm – Die Macht des Bösen“) als Mittelmann im Drogenbusiness weitere Akzente setzen kann.

„Extreme Rage“ ist atmosphärisch dicht und in seinen leider etwas spärlich gesäten, aber dafür wuchtigen Actionszenen stark, auch die erdigere Ansatz F. Gary Grays und das überraschend nuancierte Spiel Diesels wissen zu gefallen. Doch altbekannt ist der Unterbau der Geschichte und weder das Finale noch die Auflösung des Rätsels um Diablos Identität können so hundertprozentig überzeugen, weshalb der schwache Schlussakt von „Extreme Rage“ unschön auffällt, den sonstigen Qualitäten des Films zum Trotz.

Starke:

DVD und Blu-Ray des Films von Warner/New Line sind ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben und haben als Bonusmaterial den Kinotrailer sowie einige nicht verwendete Szenen an Bord.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner/New Line__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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