| Originaltitel: Dylan Dog: Dead of Night__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2010__ Regie: Kevin Munroe__ Darsteller: Brandon Routh, Aníta Briem, Sam Huntington, Taye Diggs, Kurt Angle, Peter Stormare, Marco St. John, Mitchell Whitfield, Brian Steele, … |

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Bei „Dylan Dog: Dead of Night“ (2010) handelt es sich um die amerikanische Film-Adaption einer erstmals im Oktober 1986 erschienen, insbesondere in ihrem Ursprungsland Italien beliebten Comic-Reihe Tiziano Sclavis – seines Zeichens übrigens auch der Verfasser der Novellen-Vorlage zu Michele Soavi’s „DellaMorte DellAmore“ (1994). Trivia dazu: Bereits 1989 ließ Sclavi den Friedhofswärter Francesco Dellamorte in einer Ausgabe von „Dylan Dog“ auftauchen – worüber hinaus Rupert Everett bei jenem Kult-Movie ja in der Hauptrolle mit von der Partie ist, auf der Basis dessen Aussehens Sclavi wiederum (Jahre zuvor) die Titel-Figur im vorliegenden Fall gestaltet hatte. Mit einem Budget von 20 Millionen Dollar zur Verfügung, entschieden sich die Verantwortlichen dafür, ihre Horror-Action-Comedy statt in London in New Orleans anzusiedeln – sowie noch diverse andere inhaltliche Veränderungen vorzunehmen, die bei Fans und Kritikern später eine Menge Missstimmung hervorriefen. Die endgültige Drehbuch-Version wurde seitens des Duos Joshua Oppenheimer und Thomas Dean Donnelly (u.a. „Sahara“ und „A Sound of Thunder“) beigesteuert, Kevin Munroe („Teenage Mutant Ninja Turtles“, 2007) übernahm die Regie und als Lead erhielt Brandon Routh („Superman Returns“) den Zuschlag gegenüber seinen Konkurrenten…
Früher war der Privat-Detektiv Dylan ein Experte für Okkultes, der sich bestens in den von Geschöpfen wie Vampiren, Werwölfen und Zombies bevölkerten „Underbelly-Kreisen“ Louisianas auskannte sowie innerhalb jener als unparteiischer Mediator fungierte. Nach der Ermordung seiner Verlobten entsagte er dem jedoch und glitt in eine depressive Phase ab – welche er (samt zugehöriger Alkoholsucht) inzwischen aber überwinden konnte, so dass er sich nun gemeinsam mit seinem Assistenten Marcus (Sam Huntington) um „Harmloseres“ (á la untreue Partner oder Versicherungs-Betrügereien) kümmert und damit durchaus zufrieden ist; nicht allzu hoher Auftragszahlen zum Trotz. Eines Tages bittet ihn die hübsche Elisabeth (Aníta Briem) darum, dem brutalen, offenbar „Monster-bezogenen“ Mord an ihrem Vater (ein Importeur und Sammler seltener Artefakte) nachzugehen: Getreu seines Vorsatzes, lehnt er den Job ab – und dennoch wird Marcus anschließend von der betreffenden Killer-Kreatur angegriffen, getötet sowie infolge dessen selbst zu einem Untoten. Da es jetzt also „personal“ ist, wechselt Dylan seinen Standpunkt diesbezüglich und begibt sich fortan ans Aufklären der mysteriösen Begebnisse – wobei er schon bald beunruhigenden Entwicklungen auf die Spur gerät, die gravierende Konsequenzen für viele mit sich bringen könnten…
„Dylan Dog: Dead of Night“ wartet mit verschiedenen netten Ideen und einer für seine Story ebenso wie für mögliche Sequels reich an Potential daherkommenden „Welt“ auf. Um das Publikum in diese einzuführen – generell sowie weil den meisten die Materie (gerade über die Grenzen Italiens hinweg) im Vorfeld nicht vertraut sein dürfte – griffen die Autoren leider aber nicht auf die beseelte „show, don’t tell“-Devise zurück – im Gegenteil: Die Dialoge sind voller Informationen, verbalisierter Gedanken, Erkenntnisse und Erläuterungen – und das gar in Addition zu einem regelmäßig erklingenden Voiceover Dylans, welches (anstelle etwa des Gewährens bedeutsamer Einblicke in sein psychisches Innenleben) gleichermaßen überwiegend bloß Exposition-Zwecken dient. Selbst einer jüngeren Zielgruppe muss nicht alles derart vorgekaut werden. Zudem erfuhren eine Reihe der „Eigenwilligkeiten“ des von Sclavi Kreierten „Anpassungen“ oder wurden komplett entfernt: So z.B. ist Dylan’s Sidekick in den Comics eigentlich ein exzentrischer Doppelgänger des Komikers Groucho Marx. Der Absicht dahinter entsprechend, entpuppte sich der Streifen als wesentlich konventioneller – fand allerdings auch so keinen positiven Anklang: Weltweit spielte er unter $6 Millionen ein und weist aktuell (2026) einen „Rotten Tomatoes“-Score von 5% auf…
Für den „Vibe“ des Werks strebte man eine Neo-Noir-Horror-Kombination an: U.a. mit der atmosphärischen Südstaaten-Metropole als Schauplatz, einem rätselhaften Mord, einer Schönheit als Klientin sowie einem bewanderten, spezielle Waffen wie auch klassische Methoden nutzenden Ermittler im Zentrum – tragische Vergangenheit und „Hardboiled“-Kommentare aus dem Off inklusive. Das alles aber nicht unbedingt im Stile Alan Parker’s „Angel Heart“ oder Clive Barker’s „Lords of Illusions“ – sondern ein markantes Stück weit „lockerer“. Leicht fühlt man sich an Francis Lawrence’s „Constantine“ erinnert – sowie überdies vereinzelt (aufgrund gewisser Details) an Tim Burton’s „Sleepy Hollow“, John Landis‘ „An American Werewolf in London“ und Stephen Norrington’s „Blade“ (plus andere TV-Shows und Filme). Der Einstieg präsentiert einem interessante Eigenschaften und Plot-Ansätze – nämlich genau die zuvor genannten – deren Weiterentwicklung nach und nach jedoch zunehmend zu enttäuschen beginnt – hauptsächlich da es den Verlaufs-Geschehnissen am erhofften Grad an „Drive“, Gewitztheit, Originalität und Mehrschichtigkeit mangelt – während einem vorhandene Klischees und Logiklöcher anwachsend stärker gewahr werden und ich mir persönlich eine Verminderung des gebotenen Humors gewünscht hätte…
Mit letzterer Aussage ist weder die evidente Selbstironie noch sind damit lobenswert-amüsante Einfälle wie ein Wurm-Burger extra für Zombies in einem Fastfood-Laden, ein „Ersatzteil-Basar“ für beschädigte oder fortgeschritten verwesende Gliedmaße, eine Selbsthilfe-Gruppe für Untote oder trendy ausgestattete Särge einer prominenten Firma (die mit einem angebissenen Apfel als Logo) gemeint. Nein, damit beziehe ich mich auf das Gebaren von Marcus nach seiner „Wiederauferstehung“: Verständlicherweise ist er „freaked out“ davon und gewöhnt sich nur schwer an seinen neuen Zustand – doch gehen einem seine Sprüche, Labereien und gesteigerte Emotionalität u.a. dank der „unfiligran-lauten“ Darbietung Sam Huntingtons („Bride Hard“) rasch ziemlich hart auf den Keks (so wie auch Dylan, der sich wiederholt von ihm genervt fühlt). In „abgemilderter“ Form wäre ich mit dem Part besser zurechtgekommen. Als Auftraggeberin und Love-Interest wurde die attraktive Isländerin Aníta Briem („Journey to the Center of the Earth“, 2008) gecastet – welche allerdings keinen bleibenden Eindruck heraufzubeschwören vermag – nicht einmal als Elisabeth im finalen Akt endlich aktiver agieren, ja sogar zwei Klingen schwingen darf – und deren Szenen mit Routh obendrein bloß ein Minimum an „on-Screen-Chemistry“ ausstrahlen…
Bei seinen Nachforschungen trifft Dylan auf einige „alte Bekannte“ – darunter Gabriel, der von Peter Stormare („Autumn Blood“) via „hammy Overacting“ verkörperte Clan-Chef der örtlichen Lykanthropen, sowie Vampir-Leader Vargas (Taye Diggs), welchem Dylan selbst (indirekt) zu jener Position verhalf, indem er sich nach der Ermordung seiner großen Liebe an den von ihm dafür verantwortlich gewähnten „Elders“ brutal gerächt hatte. Wie es sich irgendwann dann entpuppt, war Elisabeth’s Vater auf ein brisantes antikes Artefakt gestoßen, mit dem eine der Parteien die Macht dominant an sich reißen könnte – denn mit „the Heart of Belial“ wäre man dazu fähig, einen mächtigen Dämon zu erwecken und zu kontrollieren. Die Background-Infos darüber berichtet Dylan ein aufgesuchter Experte (Marco St. John aus der 2004er „the Punisher“-Variante) – doch in wessen Besitz befindet sich dieses (mit dem Blut Belials gefüllte) Kruzifix gerade? Dass Vargas tief in der Sache mit drin steckt, ist von Anfang an relativ klar – allerdings stammen die Verletzungen der Opfer nicht von Vampiren. Taye Diggs („Equilibrium“) injiziert zwar seine gewohnte Coolness in die Rolle – was aber auch nicht zu verhindern in der Lage ist, dass seine Figur und Performance jeweils „blass“ wirken und dem Streifen somit einen prägnanten zentralen Antagonisten verwehren…
Als Titel-Held gefiel mir Brandon Routh („Cost of Living“) mittelprächtig. Sein Look passt – und als glaubwürdig empfand ich ihn prinzipiell ebenfalls – nur kommt er vom Charisma her nicht an das eines melancholischen Menschen wie Dylan (mit all dessen Wissen und Erlebten) heran. Seine Phobien und Neurosen aus den Comics wurden ihm übrigens nahezu umfassend gestrichen – wobei ihm immerhin seine Klarinette geblieben ist. Einzig mit dem ehemaligen Olympia-Ringer und Profi-Wrestler Kurt Angle („Warrior“) herausragend mies bei seinen Auftritten, bewegt sich die Besetzung grundsätzlich auf akzeptablem B-Movie-Niveau. Per Einbinden einer hohen Zahl an Plot-Elementen wollten Oppenheimer und Donnelly sicherlich für erquickende Abwechslung sorgen – nur resultierte das im Vorliegenden in einer „breiten Oberflächlichkeit“; zu Lasten der Charakter-Zeichnungen und inspirierteren Ideen (wie eine „Ausgrenzungs-Zone“ für zu aggressive Zombies) zwischen den eher banalen oder sonstwie mauen (á la dass Untote „praktischerweise“ richtig prima buddeln können). Es gibt einige „Easter Eggs“ zu erspähen und Dinge wie Dylan’s Visitenkarten-Slogan „No Pulse? No Problem.“ ringen einem durchaus ein Schmunzeln ab – doch an dem insgesamt zu „glattgebügelten“ Material und 08/15-Storytelling ändert das nicht entscheidend was…
Wäre „Dylan Dog: Dead of Night“ der Pilotfilm einer TV-Serie, hätte jene Verortung dem Ganzen gut getan – denn in so mancherlei Hinsicht mutet das Ergebnis einfach nicht wie eine Kino-Veröffentlichung an. Die Make-up-Kreationen und „Man-in-a-Suit“-Monster lassen einen wohlig an Shows wie „Buffy, the Vampire Slayer“ denken – mit einem hünenhaften tätowierten Zombie dahingehend das Highlight markierend – wohingegen die (generischen) CGIs ein höheres Budget gebraucht hätten und Cinematographer Geoffrey Hall („Chopper“) selbst aus einer solch stimmungsvollen Location wie „the Big Easy“ nicht mehr als ein mediokres Maß an Atmosphäre herauszuholen vermochte. Untermalt von einem soliden Score Klaus Badelts („Poseidon“), schwanken die ohnehin bloß spärlich gesäten Action-Sequenzen innerhalb der Spanne von ordentlich bis hin zu unbefriedigend (allen voran der Showdown sowie als Dylan und Marcus Vargas‘ Quartier stürmen), hätte sich die etwas über 100-minütige Laufzeit gern straffer entfalten dürfen und lässt Munroe’s Regie jegliche „Individualität“ vermissen. „Unterm Strich“ ist diese Adaption der Kult-Comic-Reihe weder ununterhaltsam noch ärgerlich schlecht – allerdings nicht auch nicht wirklich spannend, originell, witzig, aufregend oder memorabel: Chance vertan, Potenzial verschenkt…
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Hierzulande ist „Dylan Dog: Dead of Night“ auf DVD und BluRay erhältlich.
Stefan Seidl

(© Blue Eyes Ent., Hyde Park Films, Omnilab Media & StudioCanal)
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| Copyright der „Dylan Dog: Dead of Night“ Cover-/Postermotive und Pics: Blue Eyes Ent. / Hyde Park Films / Omnilab Media / Long Distance Films / Platinum Studios / Prana Studios / 20th Century Fox (US) / StudioCanal (D)__ Freigabe der dt. VÖ: FSK-18 (Film ab 16)__ DVD/BluRay: ja/ja |





