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Der Killer im System

Originaltitel: Ghost in the Machine__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1993__Regie: Rachel Talalay__Darsteller: Karen Allen, Chris Mulkey, Ted Marcoux, Wil Horneff, Jessica Walter, Brandon Quintin Adams, Rick Ducommun, Nancy Fish, Jack Laufer, Shevonne Durkin, Richard McKenzie, Mimi Lieber, Mickey Gilbert u.a.
Der Killer im System

In „Der Killer im System“ von Rachel Talalay mordet ein Serienkiller nach dem physischen Exitus als Geist im Stromnetz weiter

Rachel Talalay und Wes Craven. Mit ihrem Regiedebüt „Nightmare on Elm Street 6“ drehte die Filmemacherin ein offizielles Sequel zum Hit des Horrormeisters, mit ihrem Zweitling „Der Killer im System“ legte sie eine Variante von dessen „Shocker“ vor.

„Ghost in the Machine“, wie der Film im Original heißt, ist Teil der Technik- und Computer-Begeisterung der frühen 1990er, als das Neuland Internet gleichzeitig unendliche Möglichkeiten und Gefahren versprach. Dreikäsehoch Josh Monroe (Will Horneff) interessiert sich für Computer und stellt mit seinem Kumpel Frazer (Brandon Quintin Adams) kleine technikgestützte Betrügereien auf die Beine, was ein wenig an John Connor aus „Terminator 2“ erinnert. Seine alleinerziehende Mutter Terry Monroe (Karen Allen) hat jedenfalls so ihre Sorgen mit dem renitenten Filius. Es wird nicht gerade besser, als sie nach der Vorführung eines neuen Scanners ihr Adressbuch im Computergeschäft lässt.

Denn in dem Laden arbeitet auch Karl Hochman (Ted Marcoux), der sogenannte Adressbuchkiller. Von dem weiß man aus früheren Szenen, dass er bei seinen Mordtouren ganze Familien abschlachtet und drapiert, wie ein Seelenverwandter der Zahnfee aus Michael Manns „Blutmond“ – auch der Serienkiller-Thriller boomte Anfang der 1990er ähnlich stark wie die Technikbegeisterung. Aus drehbuchtechnisch nicht erklärten Gründen ist Karl sofort auf Terry fixiert, obwohl er sie nur aus der Ferne gesehen hat, und ist bei der Anreise zum geplanten Mord so ungeduldig, dass er einen Unfall baut und sich mehr oder weniger totfährt. Im Krankenhaus kommt er ins MRT, währenddessen schlagen Blitze ein und er wird in Energie umgewandelt, so der an den Haaren herbeigezogene Aufhänger des Films.

Nun kann Karl durch Stromleitungen und Telefonkabel reisen und elektrische Geräte seinem Willen unterwerfen. Mit seinen neuen Fähigkeiten hat er es weiter auf Josh und vor allem Terry abgesehen. Eine mögliche Hilfe ist der frühere Hacker und jetzige IT-Sicherheitstechniker Bram Walker (Chris Mulkey)…

Schaut euch den Trailer zu „Der Killer im System“ an

Um Spaß an „Der Killer im System“ zu haben, muss man bereit sein die Technik-Humbug-Prämisse und einige damit verbundene Klöpse zu schlucken. Für das Autorenduo William Davies („Karen McCoy“) und William Osborne („Twins“) jedenfalls scheinen Strom- und Telefonkabel jedenfalls mehr oder weniger die gleiche Lauge zu sein, zwischen den der Geist in der Maschine beliebig wechseln kann, beim Finale mit einem Teilchenbeschleuniger macht die Logik dann gleich vollends Urlaub, wenn das Gerät den Killer einerseits vernichten, ihm andrerseits aber auch wieder eine physische Form geben kann, und der vielbeschworene Magnetismus des Teils auch immer so stark oder schwach ist, wie es das Drehbuch gerade braucht. Das Finale ist sowieso eher Routine, die sich zwar durch den Schauplatz und einige Eigenheiten etwas vom Slasher-Einerlei abhebt, erzählerisch aber dennoch komplett wie erwartet verläuft.

So macht „Der Killer im System“ vor allem dann Laune, wenn er die ungewohnte Prämisse vollends ausspielt. Bei den Morden und Mordversuchen geht der Geist in der Maschine jedenfalls sehr fantasievoll vor: Mal werden Ampeln so geschaltet, dass tödliche Verkehrsunfälle drohen, mal ein potentielles Opfer als lebendiger Crash-Test-Dummie benutzt, mal eine Küche zur Riesenmikrowelle umfunktioniert. Das sorgt für kreatives Killen und einige schicke Effekte, besitzt aber auch für schwarzen Humor. Die Opferauswahl ist dabei nicht allzu überraschend und die Tode selten tragisch, da die entsprechenden Figuren sich meistens durch Fehlverhalten und/oder Entbehrlichkeit auszeichnen. Wenn Terry etwa mit ihrem Langweiler-Freund auf ein Date geht, von dem sie selbst schnell angeödet ist, dann ist schon klar, dass dieser gemäß Slasherfilm-Logik sein Leben schon verwirkt hat.

„Der Killer im System“ braucht ein bisschen, um in die Puschen zu kommen, hat keinen allzu hohen Bodycount, zeichnet sich aber durch ein ordentliches Tempo aus, sobald die Prämisse etabliert ist. Es gibt genug Spannungsmomente, etwa wenn der Killer Josh in einem VR-Spiel auflauert oder man das Haus von Terrys Mutter Elaine (Jessica Walter) gegen die Gefahren durch den körperlosen Killer absichert. Die Production Values des Films aus dem Hause 20th Century Fox stimmen ebenfalls, auch wenn das Drehbuch in erster Linie Standards bietet: Natürlich ist Bram nicht nur ein Idol für den computerbegeisterten Josh, sondern auch ein potentielles Love Interest für Terry, natürlich werden Kinder auch mal in Gefahr gebracht, sind aber vor dem Exitus sicher, im Gegensatz zum Familienhund. Warum Karl so auf Terry fixiert ist, erklärt der Film auch nie (während es im ähnlich gelagerten „Shocker“ ja eine klare Verbindung zwischen Held und Killer gab). Das Publikum soll einfach hinnehmen, dass es so ist, der Killer sie erst durch Manipulation eines Geldautomaten und ähnliche Scherze triezt, später zu Morden in ihrem Umfeld übergeht.

Mit Karen Allen („Indiana Jones und das Rad des Schicksals“) hat der Film eine kompetente Hauptdarstellerin zu bieten, der man die patente, manchmal überforderte Mutter in Not auch abkauft. Chris Mulkey („The Hidden“) in der männlichen Hauptrolle ist ganz gut, aber schwächer als seine Filmpartnerin, Will Horneff („The Roost“) ein okayer Kinderdarsteller. Starken Support gibt es von Jessica Walter („Dummy“), während Ted Marcoux („Dark Blue“) zwar nur begrenzte Screentime hat, aber den wahnsinnigen Mörder angemessen manisch zu verkörpern weiß. Dass Brandon Quintin Adams kurz zuvor die Hauptrolle in „Das Haus der Vergessenen“ spielte, ist noch so eine Wes-Craven-Connection in „Der Killer im System“.

So versucht Rachel Talalays Film dem Slashergenre ein paar neue Impulse einzuimpfen, wenn anstelle der immergleichen Maskenmänner hier nun ein Killer ohne körperliche Form umgeht und auf kreative Weise Leute umnietet (was manchmal etwas von einem „Final Destination“-Vorläufer hat), die zudem meist nicht im genreüblichen Teeniealter sind. Das Ergebnis ist ein recht temporeicher Gebrauchsfilm mit weniger, aber kreativen Kills, dessen Plot und Figuren allerdings ziemlicher Standard sind. Und dessen behämmerte Logik man schon schlucken muss, denn da wusste man wahrscheinlich schon 1993, dass einiges in „Der Killer im System“ eigentlich Quatsch mit Soße ist.

„Der Killer im System“ ist in Deutschland bei Nameless/WVG auf Blu-Ray und DVD erschienen, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es den Teaser und Trailer zum Hauptfilm.

© Nils Bothmann (McClane)

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