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Grandmother’s House

Originaltitel: Grandma’s House__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Peter Rader__Darsteller: Eric Foster, Kim Valentine, Len Lesser, Ida Lee, Brinke Stevens, Michael Robinson, Craig Yerman, David Donham, Joan-Carol Bensen, Angela O’Neill, R.J. Walker, Furley Lumpkin, Jeanette Jamron, Anitra Jamron, David Algeier, Michael Flaherty, Ryan Gallagher u.a.

Grandmother's House Banner

Grandmother's House

„Grandmother’s House“ erscheint als vierter Titel der „Thrill Kill Collection“.

Was für ein Wetter. Strahlend blauer Himmel und Temperaturen, die Hausdächer schmelzen lassen. Typisch für Produzent Nico Mastorakis, wenn auch diesmal mit der ganz eigenen kalifornischen Note. Gigantische Palmen stehen an der Allee Spalier, die Orangenplantagen verströmen ihren Duft über hunderte Meter hinweg. Dazu die markanten Formen der viktorianischen Villa, in deren Umfeld sich die kommenden Ereignisse abspielen werden. Das sind Eindrücke, die sich einem Kind dauerhaft einprägen, bis sie im Erwachsenenalter als Nostalgie zurückkehren. Bei David (Eric Foster) und Lynn (Kim Valentine) sieht die Sache ein wenig anders aus, denn als der Hochsommer eintrifft, haben sie noch den Verlust ihres Vaters zu verdauen, der sich bis dahin alleinerziehend um sie gekümmert hatte. Es ist kein unbeschwerter Urlaub bei den Großeltern, der ihnen bevorsteht, sondern eine Adoption durch zwei alte, sich relativ fremdartig verhaltende Menschen, umweht von dem muffigen Geruch der Endgültigkeit.

„Grandmother’s House“ nutzt für seinen gärenden Aufbau das Motiv des schlagartigen Verlusts der Unschuld und widmet sich dem anschließenden Reifeprozess, der durch unvermittelt eintreffende Ereignisse in Gang gesetzt wird. Es sind die typischen Zutaten des Coming-of-Age, die hier zum Tragen kommen. Als David mit seinem neuen Freund Raymond die Umgebung erkundet, ist vor allem Stephen King ganz nah; die Landschaft droht in jedem Moment ein ähnlich schauderhaftes Geheimnis preiszugeben wie die Leiche in „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ zwei Jahre zuvor eines gewesen ist, und der Bewässerungsgraben, den die Kinder bei ihren Streifzügen immer wieder kreuzen, weckt unweigerlich Assoziationen an Kings Roman „ES“, der damals als Bestseller in aller Munde war.

Grandmother's House

Von den Beiden will man wahrlich nicht in die Bäckchen gekniffen werden.

Die Eckdaten der Handlung wiederum teilen gewisse Parallelen mit dem acht Jahre zuvor veröffentlichten australischen Horrorfilm „Funeral Home“, der ebenfalls im Sommer auf Omas großzügigem Anwesen spielte und sich nicht nur die extravagante Architektur des Hauses, sondern auch den Knalleffekt eines letzten Twists bei Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) abgeschaut zu haben schien. Jüngeren Datums kommt einem da natürlich unweigerlich M. Night Shyamalans The Visit (2015) in den Sinn. Ein Hide-and-Seek unter dem Hausfundament sorgt sogar für einen ganz konkreten Bezug; darüber hinaus sind es die Großeltern mit ihren „Hänsel und Gretel“- und „Rotkäppchen“-Bezügen, die man auch in den Darbietungen von Len Lesser und Ida Lee wiederfindet, als sie ihre Enkelkinder begrüßen und deren Trauer mit völlig übertriebener Herzlichkeit übertünchen.

Ähnlich wie Shyamalan spielt Regisseur Peter Rader mit der jugendlichen Argwohn gegenüber den ihnen unbekannten Gebrechen und daraus resultierenden Eigenarten des Alters, die selbst vertraute Bezugspersonen manchmal in ein unheimliches Licht rücken können. Dazu fährt er einfach das Vertraute auf ein Minimum zurück und dreht die Herzlichkeit, die man Großeltern allgemein nachsagt, bis zur Künstlichkeit auf. Während Lesser den harten Knochen aus Kriegszeiten verkörpert, der seine Strenge mit kumpelhaften Allüren zu übertünchen versucht, wirkt Lee schon durch ihre klobige Gesamterscheinung imposant, mit der sie letztlich auch ihre Passivität kompensiert. Als sie dem Jungen voller Stolz das Zimmer zeigt, in dem sein Kindbett stand, lässt er weder Erinnerungen an diese Zeit erkennen noch einen emotionalen Bezug zu ihr. Mit kleinen, effektiven Andeutungen wie diesen wird durchweg subtil vermittelt, dass die Kinder letztlich auf einem fremden Planeten gestrandet sind.

Grandmother's House

Brinke Stevens (Jäger der verschollenen Galaxie) hat nicht viele Dialogzeilen, darf aber oft gruselig in die Kamera starren.

Und so beginnen sich ihre Wege langsam von der Führung der neuen Erziehungsberechtigten zu lösen. Obwohl gelegentlich Horror-Elemente eingestreut werden, wie etwa ein Alptraum, in dem der Großvater seinen Enkel im Keller beim Spionieren erwischt und daraufhin tötet, fokussiert sich die Handlung fortan auf das Erkunden der Umgebung und das Knüpfen neuer Bekanntschaften. Für David stehen nun Schwimmwettbewerbe auf dem Plan und für Lynn aufregende Dates mit dem lokalen Teenieschwarm Kenny (Michael Robinson). Der Eintritt in eine neue Lebensphase ist greifbar. Dem Genre gemäß wird die jugendliche Selbstentfaltung natürlich irgendwann mit dem großen Geheimnis im Herzen des Hauses kollidieren; darauf wird schließlich gezielt hingearbeitet.

Die Vorbereitungen dazu laufen bereits im Prolog. Brinke Stevens, ausnahmsweise in einer ihrer seltenen Rollen mit gewissen schauspielerischen Ambitionen, wird schon früh als verlotterte Erscheinung in das Handlungsgerüst integriert und bemüht als klagende Gestalt mit stechenden Blicken im Grunde sämtliche Klischees des Geisterfilms. Ihre strategisch platzierten Auftritte, die sich zum Ende hin häufen, zeugen von einem kuratierten Grundaufbau der Handlung, der sich auch darin zeigt, dass die vielen kleinen Exkurse niemals den Weg zurück zum Herzen des Kellers aus den Augen verlieren.

Grandmother's House

Da sitzt zwar nicht der Jeeper Creeper am Steuer, aus dem Weg gehen sollte man aber trotzdem.

Allzu geschickt stellt sich das Skript beim Verschleiern der Auflösung allerdings nicht an. Wer mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache ist, wird den Braten wohl relativ schnell riechen, auch wenn in der Schlussphase noch einmal eine letzte Wendung aus dem Hut gezaubert wird, die alles noch einmal in einem wesentlich morbideren Licht erscheinen lässt. Man war sich dessen aber wohl gewahr und rückt entsprechend freigiebig mit den Indizien heraus, gleichwohl immer das Bemühen erkennbar bleibt, das Verhalten des alten Ehepaars zweideutig erscheinen zu lassen.

Es bleibt dahingehend offen, ob die teils haarsträubenden Reaktionen der Kinder das Resultat überschäumender Fantasie sind oder ihre Berechtigung haben. Ein Stück weit bleibt das eben der Willkür der Autoren überlassen, in deren Kontrolle man sich als Zuschauer begibt. Die verzetteln sich dann auch mal prompt und liefern gelegentlich eine etwas konfus wirkende Abfolge von Ereignissen, bei der nicht immer die Notwendigkeit spürbar ist, alles bis auf den letzten Nenner aufzulösen. Die übergeordnete Struktur bleibt dennoch in der Form.

Ungenutzt bleibt allerdings manches Potenzial, was die Horror-Peaks angeht. Ein Chevrolet Heavy Duty, dessen diabolische Erscheinung wohl erst in „Jeepers Creepers“ (2001) so richtig ausgenutzt wurde, steht hier mehr oder weniger sinnlos geparkt in der Ecke, und wenn er sich doch mal in Bewegung setzt, bleibt er hinter einer „Christine“ durchweg zweiter Sieger. Auch eine Verfolgungsjagd zu Fuß entwickelt nicht so recht den richtigen Zug. Selbst eine gefährliche Hängepartie an der Regenrinne verpufft weitgehend spannungsfrei. Umgekehrt beeindruckt in einigen Höhepunkten die Kameraarbeit von Peter Jensen für eine Produktion dieser Klasse, etwa bei einem Stunt auf dem Hausdach aus Panorama-Perspektive oder bei den tänzerischen Steadicam-Fahrten, mit denen etwa die Kinder durch das Erdgeschoss rennen, um hektisch die Türen zu verschließen. Die Affinität zu Feuerwerk, das zuerst auf einem Holzfloß in einem See gezündet wird und schließlich als finaler Kracher in einem Keller, bleibt hingegen einigermaßen unerklärlich.

Grandmother's House

Wenn Kinder von außerhalb aufs Land ziehen, ist die Ruhe dahin.

Für einen kleinen Suspense-Thriller, der mit minimalem Aufwand den maximalen Effekt erzielen möchte, taugt der eher unter dem Strich milde, auf Gefühl getunte Ansatz aber allemal. „Grandmother’s House“ überzeugt vor allem durch das Zusammenspiel aus schwül-sommerlicher Atmosphäre und schwelender Suspense-Steigerung, bei der die Fäulnis aus dem Inneren des Stamms zu kommen scheint. Kein Wunder, dass jemand wie Shyamalan, seinerzeit bereits am Ende seines Lateins angelangt, dieses Quartett aus Großvater, Großmutter, Enkel und Enkelin wieder aufgriff, um letztlich völlig andere Dinge mit ihr anzustellen und seiner Karriere wieder zu einem kleinen Auftrieb zu verhelfen, was nur vom Potenzial der Großeltern-Enkel-Konstellation zeugt. Den Klassikern ihres jeweiligen Gebiets kann die Mischung aus Jugenddrama und Horrorthriller nicht das Wasser reichen, dazu bleibt der gesamte Ablauf zu sehr in den gängigen Stereotypen verankert. Aber der sorgfältige, um Atmosphäre bemühte Aufbau reicht dann doch über das Mittel hinaus.

06 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Grandmother’s House“

Thrill Kill Collection #4

Ein Höllentempo legt die „Thrill Kill Collection“ vor. Gerade mal gut drei Monate nach dem Auftakt mit „Silent Madness 3D“ ist bereits die vierte Ausgabe erschienen; Abonnenten der Box konnten sie sogar noch früher in den Händen halten. Zum vierten Mal in Folge beschert Wicked Vision der Kundschaft damit eine deutsche Blu-ray-Premiere, zum dritten Mal in Folge sogar eine Premiere auf einem digitalen Medium, denn auch „Grandmother’s House“ war mit deutschem Ton bis zuletzt ausschließlich auf VHS zu bekommen.

Diese war außerdem, ebenso wie die gelegentlichen Ausstrahlungen im Fernsehen, nur in gekürzter Fassung zu bekommen. Zensiert wurden zwei Szenen, in denen jemand wiederholt mit dem Messer bzw. mit der Axt attackiert wird. Obwohl der Film insgesamt nicht allzu blutig geraten ist, war die permanente Wiederholung der Attacken dem Jugendschutz wohl zu viel; rund 30 Sekunden fielen der Schere letztlich zum Opfer.

Die Blu-ray macht diesen Eingriff rückgängig und bietet den Hauptfilm bei uns somit erstmals in ungeschnittener Fassung. Als Grundlage der Veröffentlichung dienten die zwischen 2019 und 2020 erschienenen Ausgaben in englischsprachigen Ländern, namentlich die Vinegar-Syndrome-Disc, die 2019 in den USA als Blu-ray/DVD-Set erschien, sowie die inhaltlich weitgehend identische britische Ausgabe von 88 Films, die 2020 im Rahmen der „Slasher Classics Collection“ veröffentlicht wurde.

Die Verpackung

Am Originalposter, das beide übereinstimmend als Artwork nutzten, wollte man für die deutsche Ausgabe wohl auch nicht weiter herumdoktern; nur Details unterscheiden sich hier von den englischen Fassungen. Beim Titel orientierte man sich eher an der britischen Disc, indem man ihn in Gelb abdruckte. Im Gegensatz zu jener packte man über den Titel jedoch noch den Hinweis „A NICO MASTORAKIS PRODUCTION“, wohlwissend, dass der Name bei Genre-Fans die Glöckchen klingeln lässt – zumal dessen „The Wind“ ebenfalls bei Wicked Vision erschienen war. Spezifisch für vorliegende Reihe ist natürlich auch der schwarze Rahmen und das „Thrill Kill Collection“-Logo in der unteren Mitte, den man wie üblich per Wendecover verschwinden lassen kann.

Das Cover nutzt den frontal mit dem Kühler Richtung Betrachter positionierten Chevrolet Heavy Duty als Blickfang, darüber erscheint die Silhouette des Hauses, noch eine Etage darüber die beiden Kinder mit Gesichtern, die so eingefangen wurden, als wäre gerade ein Skandal gelüftet worden. Abgesehen von den beiden Großeltern bekommt man da alles Relevante geliefert. Zumindest die Grummelvisage von Len Lesser grüßt recht herzlich von den Screenshots auf dem Backcover, das außerdem wie üblich Inhaltsangabe, filmhistorische Kontextualisierung, Filmcredits und Infoboxen zum Inhalt zu bieten hat.

Silent Madness Thrill Kill Collection

Wie bei der „Thrill Kill Collection“ üblich, kommt „Grandmother’s House“ als Single Disc im Scanavo Case mit Booklet. Ein Wendecover mit Artwork ohne Rahmen ist wieder enthalten.

Das Booklet

Eine DVD gibt es im Inneren neben der Blu-ray zwar nicht, dafür aber ein 20-seitiges Booklet mit Text von Christoph N. Kellerbach. Der beginnt gleich mit einer Spoilerwarnung und verbannt die Lesestunde somit ans Ende des Filmabends, aber das sollte ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein. Der Autor folgt seinem gewohnten Aufbau, indem er sich von der Biografie des Produzenten Nico Mastorakis zu jener von Autor und Kameramann Peter Jensen hangelt und zu derjenigen von Regisseur Peter Rader überleitet, um sich langsam zur Produktion des Films zu tasten. Zumeist lesen sich seine Texte fast wie ein Roman, in dem sich ein paar Freunde treffen, um etwas Verrücktes anzustellen. Zumindest über die beiden Peters bekommt man sonst nicht allzu viel zu lesen, und um den „unvergesslichen Sommer“ der eigentlichen Produktion in Worte zu fassen, ist eine solche Aufbereitung sicher nicht der schlechteste Weg.

Über Brinke Stevens gibt es besonders viel zu berichten, zumal nicht nur ihre Vita einiges an Material liefert, sondern auch berechtigte Zweifel bestanden, dass sie die ihr im Film angedachte Rolle spielen könne. Schmerzhaft klingt der Bericht über den Stuntman, der an der Außenfassade des Hauses abstürzte und neben der Matte landete, wofür er mit einem gebrochenen Arm bezahlte. Immer lesenswert ist die Veröffentlichungshistorie, weil sie dabei hilft, das besprochene Werk einzuordnen; hier leider mit einem eher ernüchternden Ausblick auf den weiteren Weg von Regisseur Peter Rader, der kaum von Erfolg gekrönt war, wenn man bedenkt, dass sein filmhistorisch vielleicht bedeutsamster Stunt das Skript zu „Waterworld“ (1995) war, jenem Kevin-Costner-Epos, das zu den berühmtesten kommerziellen Flops der Filmgeschichte werden würde.

Das Bild

Was den Transfer angeht, dürfte man wohl auf das bestehende 4K-Master von Vinegar Syndrome zurückgegriffen haben, so dass nur das Encoding über LSP-Medien neu hinzukommt. Die Qualität ist durchaus bestechend: Wenn in den überwiegend von Beige- und Grüntönen dominierten Kompositionen Farbkontraste ins Bild ragen, etwa durch bunte Kleidung oder einen knallroten Chevrolet-Oldtimer, wirkt das stets frisch und knallig. Die Sicht auf das Geschehen ist klar und transparent, die auf 1,85:1 kadrierte Bildfläche ebenmäßig bearbeitet. Details im Hintergrund sind auch gut aufgelöst. Korn rieselt mal mehr, mal weniger, je nach Ausleuchtung. Unter dem Strich ein mehr als überzeugendes Ergebnis.

Der Ton

Obwohl es diesmal keinen Audiokommentar gibt, sammeln sich ganze vier Tonspuren in den Einstellungen. Beim deutschen Ton ist zunächst einmal zu sagen, dass die vormals zensierten Szenen hier tatsächlich in vollständiger übersetzter Fassung vorliegen, so dass es nicht zu OmU-Stellen kommt. Ganz selbstverständlich ist das nicht, da für geschnittene Szenen nicht immer Material vorliegt; schön, dass es hier anders ist.

Ein wenig überraschend ist es, dass der deutsche Ton in zwei Fassungen vorliegt, die aber beide über das gleiche Format verfügen (DTS-HD Master Audio 2.0) und auch jeweils die gleiche Synchronisation enthalten. Eine davon wird im Menü kryptisch als „alternativ“ deklariert; mehr Informationen über die Unterschiede werden nicht bereitgestellt. Wenn man hineinhört, wird man feststellen, dass Musik und Effekte in einer Spur breiter über die Kanäle verteilt sind, während in der anderen Fassung sämtliche Spuren stärker zentriert sind und ebenmäßiger abgemischt sind. Der Vorteil der einen Spur liegt in der ausgeprägteren Räumlichkeit, mit dem Nachteil, dass Geräusche stärker nachhallen. Am besten testet man selbst und entscheidet nach persönlicher Präferenz.

Auch der englische Ton ist mit zwei Spuren vertreten, mit dem Unterschied, dass sich hier auch das Format unterscheidet: Die eine liefert über zwei Kanäle, die andere 5.1 Surround Sound. Schon die Zweikanalspur glänzt mit hochgradig dynamischen Stereo-Effekten, die dem durchaus guten deutschen Ton klar überlegen sind, was die Lokalisierung der einzelnen Effekte und die Stimmverteilung und -Abmischung angeht. Wer ein 5.1-System sein Eigen nennt, verteilt gleich alles über das gesamte Wohnzimmer; da kann man bei der Leuchtraketenszene im Sommer schon für Silvester vorglühen. Wie gewohnt, gibt es natürlich auch optionale deutsche oder englische Untertitel.

Die Extras

Wenn schon kein Audiokommentar dabei ist, kann man es zumindest bei den Extras krachen lassen. Der Titel „Making Of“ des als Auftakt dienenden 6-Minüters ist vielleicht ein wenig irreführend, denn in Wirklichkeit handelt es sich hier um einen Vergleich von Szenen aus der Promo Reel, die als Proof of Concept zur Bewerbung des Filmkonzepts gedreht wurde, und den entsprechenden Szenen aus dem finalen Film. Als Erzähler fungiert Produzent Nico Mastorakis mit seiner charismatisch rauchigen Märchenonkelstimme.

Hinter „Back to Grandmother’s House“ (16 Min.) verbirgt sich ein Interview mit Regisseur Peter Radner, der einen sehr technisch geprägten Blick zurück auf die Dreharbeiten wirft. Kein Wunder, soll Nico Mastorakis ihn doch dazu gedrängt haben, sich in alle Prozesse am Set und in der Postproduktion einzuarbeiten und sich die entsprechenden Kenntnisse anzueignen, um die bestmögliche Übersicht über das Gesamtwerk zu erhalten. Dementsprechend geht es um den Einsatz der Steadicam bei der Umsetzung der im Making Of gezeigten Proof-of-Concept-Sequenz, aber auch um andere Aspekte wie etwa den Tonschnitt. Die Vielfalt der Arbeitsbereiche scheint ihn bis heute zu prägen und auch zu faszinieren, dementsprechend geht sein abschließender Dank auch an Mastorakis und Peter Jensen, die ihn entsprechend beeinflusst haben.

The Mysterious Woman“ (13 Min.) bezieht sich natürlich auf Brinke Stevens, die in „Grandmother’s House“ in einer für sie eher ungewöhnlichen Rolle als geheimnisvolle Frau zu sehen ist, die immer wieder an verschiedenen Plätzen auftaucht. Die Darstellerin spricht darüber, wie sie das Casting-Team mit gebündeltem Wahnsinn davon überzeugen konnte, ihr die Rolle zu geben, hat aber auch einiges über die Dreharbeiten selbst zu berichten und betont die durchaus vorhandenen Produktionswerte. Letztlich freut sie sich über den Re-Release des Films durch Vinegar Syndrome, auch weil sie davon ausgeht, dass viele ihrer Fans ausgerechnet diesen Auftritt noch nicht kennen, den sie zu den besten ihrer Karriere zählt.

Zum Abschluss hören wir noch jemanden, der quasi sein komplettes Berufsleben einem Bereich verschrieben hat, der ihn offenbar fasziniert wie kein anderer Aspekt seiner Arbeit. Peter Jensen, der nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch die Kamera bediente, berichtet in „Slow n‘ Steady“ (9 Min.) darüber, wie die Arbeit mit der Steadicam seine Philosophie als Kameramann geprägt hat. Er belegt dies am Beispiel einzelner Szenen aus dem Film, indem er die Wirkung der jeweiligen Szenen und den Effekt, den die Steadicam auf diese Wirkung hat, konkret erläutert. Noch heute ist er eigener Aussage mit der Entwicklung von Kamera-Mobilität beschäftigt und ist davon überzeugt, dass sich die Standards in diesem Bereich auch in den nächsten Jahren noch weiter verschieben werden.

Nahezu obligatorisch ist der Schlusspunkt in Form des deutschen und englischen Trailers, die zwar beide den gleichen Schnitt aufweisen, aber offenbar auf unterschiedlichen Mastern beruhen. Sämtliche Extras sind außerdem deutsch untertitelt.

Fazit

Unter dem Strich reiht sich „Grandmother’s House“ nahtlos ein in die Riege der eher unbekannten, aber interessanten 80er-Thriller-Perlen der zweiten Reihe, die bisher in der „Thrill Kill Collection“ gelandet sind, wobei sich vor allem die Ausgaben 2-4 sehr ähnlich sind, ohne aber ihre Motive allzu stark zu wiederholen. Für Freunde des Genres baut sich da gerade eine kleine Schatzkiste auf, die auch beim vierten Mal durch ihre solide Aufmachung, ihre gute Präsentation des Hauptfilms und ein reichhaltiges Paket an Extras überzeugt. So darf es gerne bald weitergehen.

Sascha Ganser (Vince)

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