Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Protector

Originaltitel: Protector__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Adrian Grunberg__Darsteller: Milla Jovovich, Matthew Modine, D.B. Sweeney, Isabel Myers, Don Harvey, Gabriel Sloyer, Michael Stahl-David, Brooklyn Sudano, Texas Battle, Yoko Hamamura, Lydia Hull u.a.

Kein Bock zu lesen? Genießt unsere Kurzkritik in Videoform.

Milla Jovovich in "Protector" Blu-ray-Cover

Milla Jovovich hat endlich ihren eigenen „96 Hours“: „Protector“.

Nikki Halsted bereist als Mitglied der Special Forces alle Krisenherde dieser Welt. Ihre kleine Familie muss dafür hinten anstehen. Zahlreiche Festivitäten und Geburtstage ihrer Lieben erlebt sie nur aus der Ferne am Handyscreen mit. Doch eines Tages wird ihr ihr Ehemann genommen. Krebs. Nikkis Leben als Soldatin ist von jetzt auf gleich beendet. Sie erwarte eine neue Mission. Sie muss ihre Teenagertochter Chloe alleine großziehen.

Und dieser Job fordert sie. Immer wieder gibt es Unstimmigkeiten mit ihrem Töchterlein. So auch zu deren 16. Geburtstag. Chloe schleicht sich nach einem Streit davon, um mit ihren Freundinnen zu feiern. Im Zuge dessen landet Rohypnol in ihrem Drink und sie wird von Kerlen verschleppt. Nikki, die längst auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter ist, stellt sich den Entführern beherzt in den Weg, wird aber überwältigt.

Als Nikki wieder zu sich kommt, ist sie sofort in ihrem Modus Operandi drin. Unbarmherzig fräst sie sich durch die Lumpen eines ortsbekannten Kartells, das auch in Menschenhandel macht.

Schaut in den Film hinein

Taffe Action mit Milla Jovovich

Die grundlegende Story von „Protector“ bietet wahrlich nichts Neues. Ein besorgtes Elternteil begibt sich auf die Suche nach dem verschwundenen Kind. „96 Hours“ par excellence. Ein kleines Add-on ist, dass Nikki Halstead eine ultrataffe Soldatin ist, die trotz amtlich Adrenalineinspritzung sehr koordiniert und organisiert agiert. Aus dem Off hören wir immer wieder, wie sie Situationen analysiert, durchdenkt und dann den für sich richtigen Weg sucht. Leider hören wir aus dem Off ansonsten nicht sehr viel über Nikki selbst.

Trotzdem funktioniert die Figur, weil Milla Jovovich („In the Lost Lands“) angenehm uneitel hinter den Charakter tritt. Schon in ihren ersten Szenen als Soldatin im Feld wirkt Frau Jovovich wenig bis gar nicht geschminkt. Auf ihrem Feldzug gegen die Entführer ihrer Chloe kassiert sie hart. Heftige Wunden zieren ihr Gesicht. Die Haare sitzen in so gut wie keiner Szene. Nikki ist definitiv keine Hochglanzheldin. Milla Jovovich spielt das obendrein erstaunlich intensiv und vor allem in den emotionalen Szenen sehr berührend.

Und „Protector“ lässt kaum von ihr ab. Dabei kommen alle anderen Figuren, darunter ein von D.B. Sweeney („Feuer am Himmel“) gespielter Cop, deutlich unter die Räder. Auch und vor allem die Gefährlichkeit der Bösewichter bleibt nur eine Behauptung des Filmes. Sehen kann man davon kaum etwas. Und das finstere Thema des Menschenhandels bleibt unter der straffen Regie von Adrian Grunberg („Get the Gringo“) kaum mehr als oberflächlich angekratzte Staffage.

Apropos Grunberg: Der Regisseur von „Rambo: Last Blood“ erweist sich auch mit „Protector“ als großer Fan des Rambo-Franchises. So schmeißt er zur Filmmitte einen von Matthew Modine („Backtrace“) gespielten Offizier in den Ring, der 1:1 eine Kopie von Colonel Trautman ist. Und der seinen Schützling wie in „Rambo“ zu einer 1A-Kampfmaschine hochjazzen darf. Insgesamt sind diese Szenen ein wenig cheesy, bergen zu viel unfreiwilligen Humor und passen nicht so recht zu dem taffen, kompromisslosen Rest.

Kompromisslos ist dann auch ein gutes Stichwort für die Action. In der langt Milla Jovovich wirklich extrem brutal hin. Schon die erste Actioneinlage, in der sie die Entführer ihrer Tochter jagt, setzt dabei ein eindrückliches Highlight. Wenn Frau Jovovich hier durch ein Fenster eines höhergelegenen Stockwerkes eines Hauses springt und auf dem Autodach der Lumpen landet, nur um von hier die Insassen zu attackieren und einem einen Autoschlüssel ins Auge zu rammen, hat das Wucht und Druck. Und lässt einen auf weitere Actionmomente hoffen.

Gleich der nächste ist eine lang zelebrierte, unangenehm anzuschauende Messerstecherei, die schon beim Zuschauen weh tut. In weiteren Ballereien, etwa rund um zwei SUVs, setzt Millas Nikki trockene Headshots und verdreht ein paar Knochen. Das Blut spritzt dabei in rauen Mengen und stammt vor allen Dingen nicht aus dem Rechner.

Das Highlight ist aber ganz klar der lang und breit ausgespielte Showdown, bei dem eine richtig feine Choreographie zum Zuge kommt, in deren Verlauf Milla Jovovich auch mal auf Knien oder auf ihrem kompletten Körper über den Boden sliden und dabei blaue Bohnen verteilen darf. Hier wird mit Handfeuerwaffen und Schrotflinten die Inneneinrichtung ordentlich mit roter Farbe versehen. Nikki bleibt dabei immer in ihrem Duktus der wenig zögerlichen Kämpferin drin, was auch für humorige, weil sehr trockene Kills sorgt.

Der von Millas Göttergatten Paul W.S. Anderson („Monster Hunter“) mitproduzierte Film bemüht einen sehr rauen, direkten, schmucklosen Look, der hervorragend zur Story und deren grundlegend düstere Stimmung passt. Die Settings überzeugen, die Ausstattung ebenso. Beim mahlenden, vorwärtstreibenden Soundtrack hat im Übrigen auch Milla Jovovich mitgemischt und einige Stücke komponiert und mit zum Leben erweckt. Man wird nicht nur deshalb den Eindruck nicht los, dass „Protector“ für Milla eine besondere Produktion darstellte.

„Protector“ kann Fans ruppiger Action ans Herz gelegt werden

„Protector“ ist keine dieser typischen Anderson/Jovovich-Kollaborationen. Unter Grunbergs Regie spielt Jovovich mal nicht die unantastbare und übercoole Actionheldin. Ihre Nikki muss gehörig einstecken, sowohl emotional als auch physisch. Beides lässt die Figur nicht kalt. Milla Jovovich spielt obendrein stark, kommt mal nicht so steif rüber und wirkt auch in den – wenigen – dramatischen Momenten nicht überfordert. Und in der wahrlich harten Action haut sie ebenfalls einen raus.

Leider kann die Story da nie mithalten. Hangelt sich an zu vielen Klischees entlang, hat über die Figuren nichts zu erzählen und kann auch dank vollkommen egaler Bösewichter leider keine Spannung erzeugen. Hinzu kommt, dass Grunberg spätestens mit der Etablierung von Modines Offizier Verunsicherung beim Zuschauer zu säen versucht. Er beginnt, vermehrt Momente zu lancieren, die einen „Moment mal!“ denken lassen. Und wirklich: Grunberg bereitet mit diesen Szenen einen finalen Twist vor. Einen Twist, der mir persönlich gar nicht gut rein ging, weil er nicht wirklich funktioniert, unlogisch und arg Banane ist. Und genau mit diesem Ausklang verdarb sich „Protector“ dann die bis dahin sichere 6/10.

05 von 10

Der Film ist in deutscher Synchronisation bei Amazon Prime gestartet und hier im Abo enthalten. Er erhielt als Freigabekennzeichnung ein „Not Rated“ und mutet in der Form dank zahlloser derber Momente uncut an. Physische Datenträger findet man unter anderem in den USA. Hier erschien der Film mit einem R-Rating von Alliance Home Entertainment auf DVD und Blu-ray.

In diesem Sinne:
freeman

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der US-VÖ: Alliance Home Entertainment__Freigabe: Rated R__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 24484598 andere Actionnerds