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Runner

Mit „Runner“ lässt Scott Waugh die Buddy-Actionkomödie wieder aufleben. Der wortkarge Kurierfahrer Alan Ritchson soll ein lebenswichtiges Spenderorgan ausfahren, das wiederum vom redseligen Owen Wilson transportiert wird. Doch viel Zeit für Unstimmigkeiten bleibt nicht, da sich Kartellkiller die wertvolle Fracht unter den Nagel reißen wollen und die ungleichen Partner zusammenarbeiten müssen.

Originaltitel: Runner__Herstellungsland: USA/Australien/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Scott Waugh__Darsteller: Alan Ritchson, Owen Wilson, Rodrigo Santoro, Leila George, Kate Box, Peta Sergeant, Geraldine Hakewill, Goran D. Kleut, Scarlett Crabtree, Jacob Hohua, Cecilia Toussaint, Beth Waugh u.a.
Runner

In „Runner“ von Scott Waugh bilden Alan Ritchson und Owen Wilson ein Buddy-Duo

Alan Ritchson begann seine Karriere als Model, spielte als Schauspieler auch früher körperbetonte Rollen, etwa als Motion-Capture-Raphael in den neueren „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Filmen oder in der schnell eingestellten Serie „Blood Drive“. Aber erst im Alter von 40, mit der Titelrolle in der Serie „Reacher“, mauserte er sich zum spätberufenen, aber umso gefragteren Actionstar, der mit „War Machine“, „Motor City“ und „Runner“ gleich drei Vehikel kurz hintereinander rausbrachte.

Das Drehbuch-Duo Miles Hubley und Tommy White kann bisher nur ein paar gemeinsam verfasste Kurzfilme weisen, schafft aber schnell im Genrerahmen gut grundierte Hauptfiguren. Schon bei Hank Malone (Alan Ritchson) reichen wenige Szenen, um zu etablieren, wer er ist. Er ist ein Kurierfahrer, der titelgebende Runner, mit Militärvergangenheit. Er lebt auf einem Hausboot in Brisbane, lernt Französisch via App und bereitet französische Snacks für Essenspausen vor. Vor der Arbeit geht er zum Meeting der Anonymen Alkoholiker, berichtet der getrennt lebenden Ex-Frau via Telefon vom Erhalt des Ein-Jahr-trocken-Chips und hat ein Foto seiner Tochter an der Sonnenblende im Auto. Das ist eine archetypische Figur, die man aber schnell versteht. Ein Mann, der in ein altes Leben zurück will, der Dämonen in seiner Vergangenheit hat, ein Mann der Tat.

Hank hat einen vollen Arbeitstag, an dem er mehr oder weniger legale Botengänge erledigt, als sein Boss ihm den neuen, ganz großen Auftrag zuschiebt: Eine Spenderleber in ein Krankenhaus bringen. Der Kurier, der das Organ via Flugzeug nach Australien bringt, ist Ben Bishop (Owen Wilson). Ein Lebemann, der nichts anbrennen lässt, mit der frisch geschiedenen Stewardess ein Date zum Abendessen verabredet, selbst mehrfach geschieden ist und sich in den feinen Dingen des Lebens auskennt. Und natürlich ein Quasselkopf ist, denn den Gesetzen des Buddy Movies zufolge muss er sich ja auch von dem wortkargen Loner Hank kräftig unterscheiden.

So gibt es die erste kleine Reiberei bereits beim Treffen, als Hank erfährt, dass er nicht nur das Organ, sondern auch Ben transportieren soll – und an eine andere Adresse als ursprünglich angegeben. Als sie jedoch kurz darauf von einer Killertruppe angegriffen werden, die es auf die Leber abgesehen hat, müssen die beiden Partner wider Willen zusammenarbeiten…

Schaut euch den Trailer zu „Runner“ an

Parallel zu den beiden Hauptfiguren sieht man immer wieder das Krankenhaus, in dem die kleine Ellie Baker (Scarlett Crabtree) mit ihrer Mutter Kate (Leila George) auf das lebenswichtige Organ wartet. Ellie ist ein nutellasüßer Fratz mit dicker Brille, der mit Mutti am liebsten Ratespiele spielt und ohne die Leber nicht mehr lange zu leben hat. Das drückt etwas merklich manipulativ die Knöpfe beim Publikum, funktioniert als emotionaler Hook allerdings dennoch gut. Auch sonst startet der Film recht ordentlich, etwa wenn sich die Anzeichen auf den ersten Überfall mehren. Hank stellt wichtige Fragen, versucht seinen Fahrgast nicht zu beunruhigen und bereitet sich auf die Konfrontation vor. Ben redet zwar viel, ist aber nicht die üblich nervige Plaudertasche des Genres, sondern sich seiner überschäumenden Natur durchaus bewusst. Das bedeutet allerdings auch, dass die Buddy-Komik eher dezent ausfällt. Der eine will möglichst viel für sich behalten, der andere teilt seine Erfahrungen gern und möchte alles über seine Gesprächspartner wissen, das sorgt für ein paar Reibereien und Wortgefechte von der Stange, die aber nicht allzu clever sind und eher für dezente Schmunzler als für echte Lacher sorgen.

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Mehr als nur der Kurierfahrer: Hank Malone (Alan Ritchson) kann auch ganz schön ungemütlich werden

Doch sobald es losgeht, treten dann die Probleme von „Runner“ zutage. Da wäre zum einen der Schurke. Warum man einem Tier wie Hank dann einen Lauch wie Damián Zaldívar (Rodrigo Santoro) gegenüberstellt, ist nicht ganz einzusehen. Doch nicht nur körperlich wirkt dieser unterlegen, sondern auch vom Wesen wie ein labiles Muttersöhnchen. Selbst wenn er Zivilisten oder Untergebene eiskalt über den Haufen knallt, dann sieht er eher aus wie Rumpelstilzchen beim Wutanfall aus als wie der Anführer einer Sicario-Truppe mit Rocker-Unterstützung. Seine Henchmen sind zwar genretypische Hackfressen, aber haben kaum Profil, sodass auch da an memorablen Gegnern mangelt. Auch dramaturgisch liegt das eine oder andere im Argen: Wenn Hank einen Sinneswandel hat und Ben urplötzlich seine Lebensgeschichte erzählt, dann wirkt das kaum motiviert. Eher ein Buddy-Movie-Plot-Point, der jetzt abgearbeitet werden muss. Geschichten um Menschen, die von den Schurken zur Mitarbeit gezwungen werden, reißen kurz moralische Dilemma auf, die dann aber wieder versanden – weil eine Kugel das Dilemma direkt wieder beendet. Zumal die (unfreiwilligen) Verräter dann auch genau jene Figuren sind, die sich verdächtig verhalten und von denen man es erwartet, während man alle Ablenkungsmanöver sofort als Nebelkerzen erkennt.

Leider ist auch die Action inszenatorisch und dramaturgisch durchwachsen. Schon das erste Set Piece mit einem geschrotteten Auto und einer Prügelei auf einem Markt montiert ein paar beinharte Knochenbrecher-Close-Ups mit verschnittenen und verwackelten Shots der Kampfeinlagen. Eine Konfrontation im Rocker-Hauptquartier wirkt erst wie ein möglicher Showdown, ist dann viel zu schnell vorbei und zu unspektakulär, auch wenn Hank die Umgebung (etwa den drehenden Reifen eines auf der Seite liegenden Autos) kreativ mit einbezieht. Ein als Spannungspassage gemeinter Szenenblock an einer Tankstelle ist leider komplett vorhersehbar und unspannend. Erst gegen Ende dreht „Runner“ dann auf, mit einer rasanten Autojagd inklusive cooler Drohnenaufnahmen und Blechschäden, auch wenn der eine oder andere Crash doch mit sichtbarer CGI-Unterstützung daherkommt. Und es gibt noch einen Final Fight, der sauber choreographiert und recht derbe ist, auch wenn er vielleicht etwas zu lang geht, aber einen würdigen Höhepunkt darstellt. So liefern Stunt Coordinator Tim Cody („Play Dirty“) und Fight Coordinator Shahaub Roudbari („The Gorge”) weitestgehend handgemachte Action ab.

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Ben Bishop (Owen Wilson) hat eine große Klappe, aber auch ein großes Herz dahinter

Die eine oder andere schreiberisch-inszenatorische Entscheidung ist dagegen selbst im Genrekontext schwer nachvollziehbar. So sollen Zaldívars Schergen an einer Stelle ein Exempel an Hank statuieren und ihn an einer Brücke aufhängen. Als sie ihn abführen wollen, setzt er sich zur Wehr, sticht er einem davon einen Fahrradsattel durch den Hals, sagt dann aber wieder, dass er sich jetzt doch abführen lässt. Und anstatt ihn einfach abzuknallen, lassen sich die Schergen auch drauf ein. Eine Szene, die ganz offensichtlich nur für den kleinen Gore-Effekt da ist.

Dafür ist „Runner“ in einigen Punkten überraschend konsequent und mutig, etwa was Hanks Hintergrundgeschichte oder manche Plotentwicklung angeht. Außerdem kauft man dem Film den wachsenden Respekt und die Verbrüderung der beiden Hauptfiguren ab, trotz des ungelenken Instant-Geständnisses seitens. Die australischen Küstenstädte liefern eine einigermaßen unverbrauchte Kulisse ab, auch wenn der Handlungsort dem Film sonst nicht allzu viel hinzufügt. Und der Humor ist ganz nett, wenngleich manchmal unterentwickelt. Ein seltener Papagei beispielsweise, der unfreiwillig in Hanks Besitz landet, ist für ein paar Gags gut, wird dann allerdings zur Halbzeitmarke schnell aus dem Geschehen entfernt.

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Damián Zaldívar (Rodrigo Santoro) und seine Crew wollen das wertvolle Spenderorgan an sich bringen

Bei den Hauptdarstellern gingen Regisseur Scott Waugh („Hidden Strike“) und sein Castingteam auf Nummer sicher und besetzten beide in ihren Paraderollen. Alan Ritchson („The Ministry of Ungentlemanly Warfare“) gibt den Riesen mit dem sanften, guten Herzen, der aber blitzschnell auf Schlagetot umschalten kann, Owen Wilson („Secret Headquarters“) ist redefreudige Typ von nebenan, ebenfalls mit dem Herz am rechten Fleck. Beide sind in ihrem Element und nicht sonderlich gefordert, harmonieren aber ziemlich. Umso deutlicher fällt Rodrigo Santoro („Project Power“) als Hampelmannschurke ab, der selbst von seiner eigenschaftsfreien rechten Hand Goran D. Kleut („Furiosa: A Mad Max Saga“) dank dessen Charakterfresse überstrahlt wird. Mit Leila George („Mother, May I Sleep with Danger?“) als Mutter in Sorge, Kate Box („Picnic at Hanging Rock“) als Chefchirurgin und Peta Sergeant („Crawlspace“) als Krankenschwester können ein paar Nebendarstellerinnen noch ein paar kleine Akzente setzen, aber den Film schultert in erster Linie das Buddy-Duo.

So ist es den Hauptdarstellern und -figuren zu verdanken, dass „Runner“ ein sympathischer Film ist, der sein Potential jedoch nicht ausnutzt. Dramaturgisch liegt einiges im Argen, auch bei der wechselhaften guten Inszenierung der Action-Beats, und der Schurke ist leider eine Nullnummer, die dem Helden nie gewachsen scheint, was die Spannung der Schema-F-Angelegenheit senkt. Der Witz ist ganz nett, der Film manchmal überraschend konsequent, aber merklich hinter seinen Möglichkeiten. „Runner“ ist definitiv kein „Transporter“ und ein weiterer durchwachsener Eintrag in Scott Waughs durchwachsener Filmographie, wenngleich nicht ganz so schlimm versemmelt wie „The Expendables 4“.

Splendid Film/24 Bilder bringt „Runner“ am 17. September 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film/24 Bilder__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 17.9.2026 in den deutschen Kinos

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