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Teenage Mutant Ninja Turtles

Originaltitel: Teenage Mutant Ninja Turtles__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Jonathan Liebesman__Produktion: Michael Bay u.a.__Darsteller: Megan Fox, Alan Ritchson, Noel Fisher, Will Arnett, William Fichtner, Whoopi Goldberg, Jeremy Howard, Minae Noji, Danny Woodburn, Abby Elliott, Pete Ploszek, Ami Sheth u.a.
Teenage Mutant Ninja Turtles

Michael Bay produzierte Jonathan Liebesmans Reboot der Turtles

Basierend auf Spielzeugen und Kinderserien hatte Michael Bay mit der „Transformers“-Reihe bereits eine lukrative Franchise für Paramount auf die Beine gestellt, weshalb er dann als Produzent auch für das Studio die Neuverfilmung „Teenage Mutant Ninja Turtles“ verantwortete.

Mit seiner sonst vor allem auf Horrorfilme abonnierten Produktionsfirma Platinum Dunes („Horsemen“, „The Purge“) bringt Bay die Turtles, ursprünglich Comicfiguren (und dabei gar nicht für Kinder gedacht, sondern Undergroundvarianten des Superheldenthemas), später vor allem erfolgreich durch Spielzeuge und Kinderserien, auf den neuesten technischen Stand, denn nach Stuntmen und Schauspielern in Gummikostümen (in der „Turtles“-Reihe aus den 1990ern) und dem Animationsfilm „TMNT“ erweckt hier nun Motion Capturing die rund 2 Meter großen Schildkröten zum Leben. Jedoch führt ein Comic-Intro im Scherenstil erst einmal in die klassische Geschichte ein, in welcher der ominöse Foot Clan in New York für reichlich Radau sorgt, scheinbar unaufhaltsam.

Über solche Geschichten würde Reporterin April O’Neil (Megan Fox) auch gern berichten, doch sie muss sich mit hohlen Lifestyle-Reportagen rumschlagen, während sich ihr Kameramann Vernon Fenwick (Will Arnett) schon längst damit abgefunden hat. Doch April stellt eigene Nachforschungen an und erblickt bei ihrer nächtlichen Recherche einen Vigilanten, der es dem Foot Clan zeigt – die Turtles, wie der Zuschauer es schon ahnt. Bei weiteren Recherchen findet auch April heraus, dass vier humanoide Schildkrötenkrieger handelt, wobei sie Michelangelo (Noel Fisher), Leonardo (Pete Ploszek), Donatello (Jeremy Howard) und Raphael (Alan Ritchson) selbst auffällt.

Die Turtles zerstören zwar Aprils Fotobeweise für ihre Existenz, werden aber von Meister Splinter (Danny Woodburn), einer ebenfalls mutierten Ratte, losgeschickt April zu finden und zu beschützen. Denn diese hat noch eine weitere Verbindung zu den Turtles, die der Foot Clan herausfinden und nutzen könnte um die animalischen Vigilanten zu stellen…

Teenage Mutant Ninja Turtles

April O’Neil (Megan Fox), die rasende Reporterin, und der Industrielle Eric Sacks (William Fitchner)

Obwohl „Teenage Mutant Ninja Turtles“ sich stellenweise düster gibt, insgesamt orientiert sich der von Jonathan Liebesman („Battle Los Angeles“) gedrehte Reboot vor allem an den Zeichentrickserien und Realfilmen, in denen die mutierten Kröten als Jungsphantasie durch die Gegend tollten. Also ist der Kampf gegen den Foot Clan ein großes Ninja-Abenteuer für die Ninjakröten im Teenalter, während die Hauptfiguren nebenher noch Tätigkeiten wie Breakdance, Pizzaverdrücken und Raketenskateboardfahren nachgehen. Hin und wieder schlägt Liebesmans Film durchaus ein paar gute Gags aus seiner Positionierung im aktuellen Superheldenkino, etwa wenn die Turtles mit Christian Bales dunkler Batman-Stimme aus der „Dark Knight“-Trilogie sprechen oder eine Szene amüsant darauf hinweist wie nutzlos die farbige Maskierung der Mutantenkröten ist (und eigentlich eher als Orientierungshilfe für die Zuschauer dient). Meist jedoch sind es ein paar infantile Jokes, die sich leider dem unschönen Humor aus den „Transformers“-Sequels annähern, etwa wenn Michelangelo fest davon ausgeht, dass April seine Freundin sei usw.

Doch nicht nur der Humor schlägt die Brücke zur Erfolgsfranchise von Produzent Michael Bay, auch inszenatorisch beweist Jonathan Liebesman (mal wieder) das vollkommene Fehlen eines eigenen Stils, sondern kopiert eifrig seinen Förderer sowie das aktuelle Comickino, wobei das Drehbuch es nicht anders machen. So hat sind Einstellungen, in denen sich Megan Fox als April vor einer Explosion wegduckt, quasi identisch mit entsprechenden Pendants aus den ersten zwei „Transformers“-Filmen, ein Gefecht auf einem Wolkenkratzer mit jede Menge Hängepartien und Beinahe-Abstürzen ruft Erinnerungen an entsprechende Szenen aus „Transformers 3“ und „Transformers 4“ wach, während die Story zu großen Teilen aus „The Amazing Spider-Man“ abgepaust ist (inklusive der Location des Showdowns), um nur einige der offensichtlichen Vorbilder zu nennen, die Liebesman hier fast schon bemerkenswert unkreativ beklaut.

Teenage Mutant Ninja Turtles

Die Turtles im Einsatz

Auch manche Actionszene mag fast recycelt anmuten, doch hin und wieder verirren sich hier starke Momente in das laute, aber wenig packende Spektakel. Wenn Splinter in den Nahkämpfen seinen Schwanz als zusätzliche Waffe einsetzt, dann gibt das den Fights immerhin einen interessanteren Touch, während die restlichen Turtle-Kloppereien nicht mehr als solide Standardware sind, denen gegen Ende noch mehr Spannung ausgetrieben wird, wenn die Turtles feststellen, dass Kugeln ihre Panzer nicht durchdringen können. Immerhin: Ein großes Highlight hat die Action zu bieten, wenn die Helden eine wilde Schlitterpartie mit einem LKW auf einem verschneiten Berghang hinlegen und dabei noch von gegnerischen Vehikeln verfolgt werden – das ist einfallsreiche, spektakuläre und teilweise richtig gewitzte Action. Was man vom 08/15-Showdown mit einem gepimpten, Klingen verschießenden Shredder (Tohoru Masamume) und zig Last-Minute-Rettungen bei Beinahe-in-den-Tod-Stürzen nicht mehr sagen kann.

Mit rund 100 Minuten fällt „Teenage Mutant Ninja Turtles“ immerhin relativ kurz und knackig aus, zumindest angesichts des zunehmenden Hanges zur Überlänge im Comic- und Superheldenkino, doch selbst das kann nicht verbergen wie wenig Liebesmans Film zu erzählen hat, wie unoriginell und wie wenig durchdacht er ist. Vielleicht gibt es schon zu viele vermeintlich nette Förderer und raffgierige Großkonzerne (man denke an „The Amazing Spider-Man“, dessen Sequel, „The Wolverine“ und und und), als dass man Eric Sacks (William Fichtner) wirklich den aufopferungsvollen Freund von Aprils verstorbenem Dad abkauft. Doch obligatorischen Klischees und Handlungsabläufe hören da nicht auf, man denke an den Verlust im Kindesalter (siehe „Batman Begins“, „The Amazing Spider-Man“, „X-Men: First Class“ und und und), der noch mal für Tiefe sorgen soll, diese hier aber bloß behauptet, oder an den ganz böse ominös-verschwörerischen Plan der Übelwichte, der mal wieder den Ausstoß eines biologischen Kampfstoffes über Stadt involviert, aber vollkommen abstrus ist (durch den Verkauf des Gegenmittels will der Industrielle Geld von der Regierung kassieren, gleichzeitig aber mit Shredder und dem Foot Clan auch noch die Stadt ganz offen beherrschen).

Teenage Mutant Ninja Turtles

Kameramann Vernon Fenwick (Will Arnett) kann da nur staunen

Von der rein technischen Seite her ist das Ganze tatsächlich tadellos, da steckt mal wieder die ganze Perfektion der Bay-Maschinerie dahinter, doch Charme oder Seele sucht man in dem spannungsarmen Getöse selten. Die Tatsache, dass man die Turtles-Origin-Story von chemischem Abfall zu genetischer Mutation umgeschrieben hat, ist ein egales Update im Sinne des Zeitgeistes, ebenso die Aktualisierung der Hobbies der pubertierenden Teenkröten, während Splinter Kampfkunst hier aus einem Do-it-yourself-Buch gelernt hat. Erschreckend egal auch die Bösewichte: Shredder tritt kaum auf und seine quasimythische Vergangenheit wird kurz, aber vollkommen wirkungsfrei angesprochen, weshalb es als besserer Handlanger Sacks‘, weniger als wahrer Oberschurke oder große Turtles-Nemesis erscheint; noch weniger erfährt man über seine Foot-Clan-Handlanger, etwa seine rechte Hand Karai (Minae Noji).

Bei so wenig Interesse an den Figuren ist es auch kein Wunder, dass die meisten Darsteller auch keinen Raum zu glänzen haben. Will Arnett („G-Force“) zieht sich dank seines komischen Talents noch mit am besten aus der Affäre, während William Fitchner („Elysium“) seine Bad-Guy-Routine routiniert, aber überzeugend durchzieht. Megan Fox („Passion Play“) bemüht sich redlich, muss aber mit einem Drehbuch kämpfen, das die Sensationsreporterin zu hyterischem Dauergequassel verdammt und kann wenig dagegen tun. Die Motion-Capturing-Darsteller der Turtles verschwinden sowieso hinter den Effekten (im Gegensatz zu beispielsweise Andy Serkis), zumal für die Stimmen von Leonardo und Splinter Johnny Knoxville („The Last Stand“) und Tony Shalhoub („Pain & Gain“) engagiert wurden, Pete Ploszek und Danny Woodburn ihre Figuren noch nicht einmal selbst sprechen. Selbst die angedachten individuellen Persönlichkeiten der Turtles, von denen im Presseheft geschwärmt wird, beschränken sich auf die Zuschreibungen besonnener Anführer, Hitzkopf, Witzbold und Technikgeek. Ein kurzes Wiedersehen in wenigen Szenen gibt es mit Whoopi Goldberg („Jumpin‘ Jack Flash“), die als Chefredakteurin Aprils quasi das Nachrichtenpendant zum stupiden Polizeichef des Cop-Actionfilms der 1980er gibt, das aber halbwegs launig.

„Teenage Mutant Ninja Turtles“ ist technisch astrein und besitzt mit der Rutschpartie am Hang ein hervorragendes Set Piece, ansonsten wirkt der Film allerdings so, als habe man bloß „Transformers“ und „The Amazing Spider-Man“ in einem Mixer geschmissen und diesen dann angeworfen: Schreiberisch und inszenatorisch schamlos zusammengeklaut, wenig spannend und in den Actionszenen abseits der Rutschpartie noch nicht einmal besonders druckvoll – ein relativ egales, wenig charmantes Radaufilmchen, das angesichts starker Superheldenkonkurrenz, etwa von Marvel, nur noch schlapper aussieht.

„Teenage Mutant Ninja Turtles“ läuft ab 16. Oktober in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 16.10.2014 in den deutschen Kinos

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