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The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro

Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Mark Webb__Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan, Campbell Scott, Embeth Davidtz, Colm Feore, Paul Giamatti, Sally Field, Martin Sheen, Denis Leary u.a.

Wann machen Remakes oder Reboots wirklich Sinn? Für mich persönlich müssen folgende drei Punkte erfüllt sein:

  • Man möchte eine bekannte Figur einer neuen Generation von Filmfans vorstellen.
  • Man hat zu der Figur etwas wirklich Neues zu erzählen.
  • Neue technische Gegebenheiten erlauben eine ganz neue Art der Umsetzung des Originals. Sprich: Bessere Special Effects, coolere Optikspielereien, …

All diese Punkte waren meines Erachtens auch objektiv bei dem Reboot des Spider-Man-Franchises überhaupt nicht gegeben. Und so hatte ich meine liebe Not mit „The Amazing Spider-Man“, erkannte keinerlei echte Abgrenzung von den bisherigen Filmen und hatte vielmehr den Eindruck eines etwas misslungenen vierten Teils. Den Neustart selber erkannte ich für meinen Teil nur in der bemühten Story selbst wieder, die sich mal näher an die Comicvorlage anlehnte, dann wieder deutlicher von ihr abwich als die Raimi-Filme. Zumindest war der Film unterhaltsam und vielleicht würde man es ja schaffen, sich in einer eventuellen Fortsetzung von den Sam Raimi Filmen los zu strampeln? Nach Sichtung des zweiten Teils „The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro“ kann ich zumindest konstatieren, dass der Film es wirklich versucht, letztlich aber erneut scheitert…

The Amazing Spider-Man 2

In “The Amazing Spider-Man 2” muss Spidey gegen Electro ran.

Peter Parker hat es sich inzwischen in seinem „neuen“ Leben gemütlich gemacht. Er ist mit seiner Gwen zusammen, rettet als Spider-Man alle Nase lang seine Heimatstadt New York und schafft es irgendwie sogar, seine Ausbildung zu absolvieren. Peter ist dabei so abgelenkt, dass er gar nicht mitzubekommen scheint, dass sich die ganze Stadt New York über ihren neuen Helden den Kopf zerbricht. Während die einen in ihm ein Symbol der Hoffnung ausmachen, sehen andere nur die Zerstörungen, die Spider-Man bei seinen Einsätzen verursacht. Doch nicht nur hier braut sich Ungemach zusammen: Gwen hat nämlich allmählich die Nase voll davon, dass sie in Peters Gunst immer erst nach den Bürgern der Stadt, die gerettet werden müssen, kommt. Sie fühlt sich in gewisser Weise vernachlässigt und hat den Eindruck, dass sich Peter ihr gegenüber zu sehr zurückhält. Was freilich auch mit Peters Versprechen an ihren verstorbenen Dad im Vorgängerfilm zu tun hat, welches ihn immer wieder auf einer moralischen Ebene einbremst. Zwar weiß Gwen um dieses Versprechen, doch sie hat genug vom Kämpfen um Peter und verlässt ihn.

Ablenkung davon erhofft sich Peter von seinen Nachforschungen über seine eigene Vergangenheit. Dabei will er vor allem herausfinden, warum er einst von seinen Eltern verlassen wurde. Derart beschäftigt geht die Genese von gleich zwei Bösewichten fast komplett an ihm vorbei. Mehr noch, es ist ihm offensichtlich gar nicht bewusst, dass er selbst an der Entwicklung dieser beiden Bösewichter eine gehörige Mitschuld trägt.

Dadurch geraten die Fieslinge des neuen Spidey-Filmes herrlich ambivalent, wobei man freilich herauskehren muss, dass Electro der definitiv interessantere der beiden Superschurken ist. Dieser entstand durch einen Betriebsunfall bei „OsCorp“. Ein im Kopf brillanter, zwischenmenschlich aber arg gehandicapter Techniker namens Mof äääh Max fällt in eine Vorrichtung, die zur Erzeugung von Energie genutzt wird. Nach diesem Zwischenfall ist er beinahe vollständig verbrannt und wird für tot erklärt. In der Leichenkammer absorbiert der tot geglaubte Max die Energie der herumstehenden Geräte, erwacht zu “neuem Leben” und flüchtet. Orientierungslos streift er durch die Stadt und nimmt diese auf ganz neue Art und Weise wahr. Er sieht fortan die Energie, die durch die Stadt strömt, und begreift die Stromleitungen wie Adern eines großen, lebenden Organismus’. In diesen Momenten, in denen die „Monster-Vision“ Electros zelebriert wird, hat „The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro“ seine faszinierendsten optischen Momente. Zumal Electro selbst beinahe genauso aussieht, wie er die Stadt wahrnimmt: Er leuchtet aus sich selbst heraus, besteht aus Energie und seine Adern durchziehen sichtbar dieses eigenartige Gebilde, das einmal Max’ Körper war.

The Amazing Spider-Man 2

Electro wird zusehends selbst zu reiner Energie…

Kurz darauf steht er inmitten des Zentrums der Stadt und beginnt, deren Energie in sich aufzusaugen, was freilich nicht unbemerkt vonstatten geht. Mit einem Mal steht der sonst so introvertierte und zurückhaltende Max im Zentrum der Aufmerksamkeit und genießt dies sichtlich. Bis Spidey auftaucht und alle Beachtung der Passanten auf sich zieht. Als Peter Parker diesen Moment auch noch ein wenig zu sehr auskostet, geht in Max, der vorher ein riesiger Fan Spideys war und sogar mal von ihm gerettet wurde, etwas kaputt und er will seinen Konkurrenten, der ihm den einen Moment zerstörte, beseitigen. Unbewusst macht Peter Max zum Bösewicht, denn bis dahin wurde Max nur von Energie angezogen und tendierte weder in Richtung Gut oder Böse. Stattdessen entdeckte er die Welt neu. Dieser gesamte Prozess, diese Entwicklung wird von dem Film zwar etwas oberflächlich dargereicht, weiß aber absolut zu überzeugen, da hier Drehbuch, die tolle Darstellerleistung von Jamie Foxx („Collateral“) und die Bilderwelten von „The Amazing Spider-Man 2“ Hand in Hand gehen und hervorragend funktionieren. Und mehr noch, als Electro zu wüten beginnt und Hans Zimmer sein Thema zu der Figur entwickelt, wird der Film endlich das, was man von ihm und seinem Vorgänger eigentlich erwartet hatte: Er wird zum Comicfilm! Überlebensgroß, schwer einzuschätzen, abgefahren und ein Trommelfeuer der Bilder und Effekte. Dabei gelingen vor allem zu Beginn des Streifens tolle Konglomerate aus handgemachten, sehr aufwändigen Stunts und alles abrundenden, starken Special Effects. Leider nimmt der Film, auf seinem vorläufigen Höhepunkt angelangt, Electro vollkommen unerwartet aus dem Spiel…

The Amazing Spider-Man 2

Im Finale muss Electro aufgehalten werden.

All jene, die bisher immer moserten, Raimis „Spider-Man 3“ sei zu soapig gewesen, dürften in den folgenden Minuten ordentlich die Ohren anlegen, denn das Treiben zwischen Gwen und Peter ist freilich mit Beendigung der Beziehung nicht beendet. Ganz im Gegenteil: Gwen muss neu erobert werden! Das ist dank der spielfreudigen Hauptdarsteller Emma Stone und Andrew Garfield ganz sympathisch anzusehen, beschert dem Film aber auch einige empfindliche Längen. Auch scheinen diese Einlagen die Genese des zweiten Superbäddies (Green Goblin) ziemlich zu behindern, denn der kommt nie so wirklich im Film an. Und auch die Suche nach Peters Vater/Eltern hängt ziemlich in der Luft und wirkt in ein oder zwei Sequenzen nur pflichtschuldig abgehakt, ohne einen besonderen Einfluss auf die Handlung oder auf Peter zu haben. Genau wie im Übrigen die Diskussion der New Yorker um Spider-Man selbst. So wird der viel zu lange Mittelteil ganz allmählich zur Bühne von Dane DeHaan („The Place beyond the Pines“), der als ehemals bester Buddy von Peter eine charismatische One-Man-Show hinlegt.

The Amazing Spider-Man 2

Der Green Goblin bringt derweil Gwen in Gefahr.

Und dann ist es endlich soweit: Electro will rise. Leider verkommt sein zweiter Auftritt zur überkandidelten Superbösewicht-Show. Er ist inzwischen reine Energie, kann sich materialisieren, wo er will, und hat nach wie vor kein höheres Ziel als die Vernichtung von Spider-Man. In einem auf den Zuschauer einknüppelndem Special Effects Inferno scheinen Spidey und Electro einander zu bekämpfen (erkennen kann man vor lauter CGIs kaum etwas davon). Der reizlose Schauplatz: Ein Kraftwerk. Ist dieses Gefecht plötzlich erstaunlich unspektakulär zu Ende gebracht, darf auch Bäddie Nummer zwei ran, im selben Setting, und *zack*, vorbei. Etwas ungelenk wird nun noch eine stark emotionale Szene eingewoben und danach flott ein Epilog mit Paul Giamatti („Planet der Affen“) nachgeschoben, der plötzlich wieder die Tugenden der Einstiegs-Action-Szenen (Handgemachtes geht mit CGIs Hand in Hand) wiederholt und in seiner Kürze mehr Gaudi macht, als der Showdown… Auch nicht schlecht.

The Amazing Spider-Man 2

Doch Spidey wird den Tag schon irgendwie retten.

Das Ergebnis ist in jedem Fall etwas leichter als der schwerfällige, zu düstere Vorgänger. Zwar nervt die One Liner Affinität Spideys ziemlich – genauer gesagt scheint sein Mundwerk während seiner Auftritte gar nicht ruhig zu stehen -, dafür sind seine Actioneinlagen hübsch schlitzohrig geraten und atmen einigen Witz. Eine kurze „Fighteinlage“ Peters gegen Sicherheitsbeamte von “OsCorp”, die er selbst mit einem Charlie Chaplin Markenzeichen beendet, unterstreicht den leichteren Ton deutlich. Auch optisch versucht man sich freundlicher zu geben und legt den Nolan’schen Düsterlook des ersten Teils weitgehend ad acta. Auch wird versucht, deutlicher herauszuarbeiten, dass der neue Peter Parker dem alten in Sachen Selbstbewusstsein und Coolness weit voraus ist. Das wirkt teilweise zwar extrem forciert, schafft es aber wenigstens etwas Distanz zu den früheren Filmen aufzubauen. Am deutlichsten legt der Film in Sachen Special Effects zu. Schon die den Film eröffnenden Netzschwingereien von Spidey durch die Straßenschluchten New Yorks sind absolut spektakulär und verursachen dank der guten 3D-Technik in diesen Momenten echte Schwindelgefühle. Des Weiteren markiert „The Amazing Spider-Man 2“ die glorreiche Rückkehr der Bullet Time auf die großen Kinoleinwände! Ziemlich häufig eingesetzt, nutzt sie Regisseur Mark Webb für einige verblüffende optische Spielereien. Auch und vor allem in den Actionszenen, von denen die ersten beiden großen Scharmützel und der Epilog den Special Effects Overkill im Showdown mühelos ausstechen. Vor allem der erste Auftritt von Spidey ist ein Powerhouse in Sachen Tempo, Montage und Zerstörungswut.

Während sich die bekannten Darsteller des ersten Teils redlich mühen, markieren für mich Dane DeHaans Auftritte die Highlights im Film. Ein weiteres echtes Highlight ist der Score von Hans Zimmer, der dem Film mehr als einmal mühelos das Prädikat „Comic“ überstülpt, so herrlich schräg sind einige Themen geraten. Der ganz große Wurf ist dann aber auch Teil 2 nicht geworden. Der Film wirkt ein wenig überladen: Die Krise zwischen Peter und Gwen, die beiden Bäddies, Peters Eltern, Peters Beziehung zu seiner Tante May, die Krankheit seines besten Kumpels Harry, die Verwicklungen bei “OsCorp” – das passt schwerlich in ohnehin schon arg lange 140 Minuten. Ab und an wirkt die Gewichtung der Elemente nicht optimal bzw. scheint der Fokus nicht immer ideal austariert zu sein. So schleichen sich einige echte Längen in den Film ein. Für nette Blockbuster-Unterhaltung reicht es aber allemal, auch wenn „The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro“ es sich noch immer nicht erlauben kann, auf Vorwürfe wie „Es gibt doch schon einen zweiten Spider-Man-Film“ mit einem Schulterzucken zu reagieren. Dazu ist der Film noch immer zu nah dran am Ur-Franchise. Dank der neuen Leichtigkeit beinahe noch mehr als Teil 1!

Der ab 12 Jahren freigegebene Film kommt von Sony Pictures Releasing und ist ab 17. April 2014 in den deutschen Kinos zu sehen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Releasing__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 17. April in den deutschen Kinos

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