Noch vor den Gang-Klassikern „The Warriors“ und „The Wanderers“ kam „Switchblade Sisters“ von Jack Hill heraus. Darin geht es um die Girl-Gang der Daggers Debs, die in einen Bandenkrieg hineingezogen wird, während sich manche Mitglieder untereinander nicht grün sind. Exploitation mit knalligem Actionfinale.
| Originaltitel: Switchblade Sisters__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1975__Regie: Jack Hill__Darsteller: Robbie Lee, Joanne Nail, Monica Gayle, Asher Brauner, Chase Newhart, Marlene Clark, Kitty Bruce, Janice Karman, Don Stark, Don Marino, Helene Nelson, Bill Adler, Paul Lichtman, J.S. Johnson u.a. |
Normalerweise sind Exploitationfilme ja eher die Nachzieher der großen Genreklassiker, doch anno 1975 hatte Jack Hill nach seinen Blaxploitation-Klassikern „Coffy“ und „Foxy Brown“ den richtigen Riecher. Sein „Switchblade Sisters“, hierzulande als „Die Bronx-Katzen“ veröffentlicht, kam ein paar Jahre vor der Jugendgangfilmwelle mit „The Warriors“ von Walter Hill, „The Wanderers“ von Philip Kaufman und „The Outsiders“ von Francis Ford Coppola heraus.
Der deutsche Titel benennt den Handlungsort Los Angeles falsch (Bronx, L.A., sieht anscheinend alles gleich aus für deutsche Augen), wo Lace (Robbie Lee) mit ihrer Girl-Gang, den Dagger Debs, haust. Gerichtsvollzieher, die den Eltern Geld abknöpfen, werden noch im Fahrstuhl um die Kohle erleichtert und im Burgerladen werden Sitzplätze einfach eingefordert. Doch Maggie (Joanne Nail), neu im Viertel, lässt sich nicht so einfach rumschubsen und hat praktischerweise auch noch eine Jojo-artige Waffe dabei, mit der sie Gangmitglied Patch (Monica Gayle) – natürlich namensgerecht mit Augenklappe unterwegs – alt aussehen lässt. Die weitere Klärung der Sache muss warten, denn die Polente kreuzt wegen des abgezogenen Gerichtsvollziehers auf, buchtet die Daggers Debs samt und sonders ein und Maggie gleich mit, weil die ja vielleicht auch dazu gehört. Die Belästigung durch die lesbische Frauenknastwärterin schweißt die Mädels zusammen, welche die Matrone plus Helferinnen vertrümmen, was augenscheinlich wenig Auswirkungen auf die Haftstrafe hat.
Die Dagger Debs sind allerdings nicht so wirklich eigenständig, sondern an die Jungstruppe der Silver Daggers angegliedert. Lace ist mit Silver-Dagger-Chef Dominic (Asher Brauner) zusammen, dem Maggie einen Brief überbringen soll, da sie früher als der Rest freikommt. Was für ne dufte Type der Dom doch ist, merkt man direkt, denn der liest Lace‘ Liebesbrief nicht nur vor versammelter, johlender Mannschaft vor, sondern folgt Maggie nach Hause und zwingt sie zum Sex. Man sollte den emanzipatorischen Gestus, der „Switchblade Sisters“ bisweilen zugeschrieben wird, nicht überbewerten, doch neben so einem Strolch wie Dom, der nur mit dem Pillermann denkt und eigentlich durchgehend arschig ist, sieht fast jedes noch so kriminelle Dagger-Deb-Mitglied ehrenhaft aus.
Nachdem sie freikommt, plädiert Lace‘ für die Aufnahme von Maggie in die Gang, die quasi direkt zur besten Freundin ernannt wird. Patch schmeckt das natürlich gar nicht, während ein Konflikt zwischen den Silver Daggers und einer rivalisierenden Gang, angeführt von Crabs (Chase Newhart), immer weiter eskaliert…
Schaut euch den Trailer zu „Switchblade Sisters“ an
Jack Hill arbeitete am Storyentwurf für den Film mit, das Drehbuch schrieb F.X. Maier, dessen einzige Arbeit „Switchblade Sisters“ bleiben sollte. Wobei Hills Girl-Gang-Exploitation-Flick eh kein Werk großer Script-Kunst ist, dessen verschiedene Konflikte zwischen den Gangs an sich und einzelnen Mitgliedern untereinander die Geschichte am Laufen halten. Jene Konflikte, gerne mal gewalttätig, sorgen dann immer wieder für Schauwerte, soweit es der begrenzte budgetäre Rahmen zulässt. So gibt es dann immer mal wieder mit der Faust oder der Nahkampfwaffe der Wahl auf die Moppe, wobei die Choreographie des Ganzen dann doch eher grobschlächtig daherkommt, aber immerhin besser als eine Schulhofschlägerei ausschaut. Im Finale ist dann Straßenkrieg im Viertel, wobei Maggie die Hilfe ihrer alten Freundin Muff (Marlene Clark) und deren schwarzer Gang einholt. Muff und Co. haben gepanzerte Wagen Marke Eigenbau und schwere Waffen dabei, um den Weißbroten mal zu zeigen, wie man so richtig Revolution macht. Da bleibt Hill seiner Zeit als Blaxploitationregisseur treu. In besagtem Finish wird die Action dann immer noch nicht allzu filigran oder teuer, haut aber doch ein ganzes Stück mehr auf die Pauke mit Blechschäden, Einschüssen und ein paar Explosionen. Nach dem Actionfinale gibt es noch einen kleineren, intimeren Showdown rein unter den Dagger Debs, an dessen Ende die große Bestrafung für eine Verräterin darin besteht, dass sie nicht mit dem Rest der Gang in den Knast darf.
Diese Storyvolte ist nur eine der wenigen, mit denen „Switchblade Sisters“ immer wieder überrascht. So entpuppen sich die Hintergründe eines gescheiterten Hinterhalts auf einer Rollschuhbahn (inklusive zig abgeknallter Zivilisten) anders als vom Publikum erwartet. Und auch sonst ist „Switchblade Sisters“ voll von lauter unglaublichen Situationen und Einfällen. Das moppelige Mitglied der Gang (Kitty Bruce) trägt den Namen Donut und wird von Lace und Co., andauernd für ihre Körperform rundgemacht. Tolle Schwesternschaft. Die Gang von Crabs macht eine Art Community-Arbeit, dass man sich beinahe fragt, ob sie als White Panther durchgehen wollen. Aber am Ende des Tages wollen sie ja doch nur Kinder süchtig machen und den Silver Daggers den Verkaufsort Schule streitig machen. Dort schickt einer der Silver Daggers seine Dagger-Deb-Freundin zum Anschaffen aufs Schulklo (Ansage: Du muss noch 20 Dollar erarbeiten, dann darfst du wieder raus). Bumsunwillige Nerds werden vom Nachwuchs-Pimp einfach ins Klo geschubst – wäre es nicht einfacher gewesen, diesen direkt die Kohle abzunehmen? Aber solche Einfälle haut „Switchblade Sisters“ alle paar Minuten raus.
Dass die Besetzung fast durchweg zu alt für Schülerinnen und Schüler rüberkommt, gerade die Darsteller der Silver Daggers, ist dann explotationtypisch. Dass die wenigsten davon Talent haben auch, denn ein Großteil kann abseits von „Switchblade Sisters“ keine große Filmographie vorweisen. Die Ausnahme bleibt Don Stark („American Dragons“), der hier Hook spielt. Die beste Performance erbringt Monica Gayle („Im Fummelschuppen von Buffy-County“) als fiese Patch, während sich Joanne Nail („Die Außerirdischen“) als Neu-Gangmitglied auch noch recht gut schlägt. Robbie Lee („Big Bad Mama“) sieht aus wie Linda Blair auf Wish bestellt und wirkt etwas zu nett und babyspeckig für die toughe Anführerin. Asher Brauner, für den nachher noch ein paar B-Actionhauptrollen in Filmen wie „Merchants of War“ und „American Eagle“ raussprangen, ist ein ziemlich grober Klotz.
Die Kamera von Stephen M. Katz („Teuflische Intrigen“) hält dann immer gern auf die halbnackten bis nackigen Körper der Mädels drauf, sodass man das manchmal attestierte feministische Potential von „Switchblade Sisters“ doch eher im Exploitation-Rahmen sehen muss. Immerhin kommt Maggie irgendwann auf den Trichter, dass die meisten Silver Daggers eigentlich ziemliche Würste sind, aber bis zu dieser Erkenntnis sind gut zwei Drittel des Films vorbei. In denen Lace dann eher sauer auf Maggie ist, wenn sich der schmierige Allesficker Dominic an die Neue ranmacht, obwohl relativ klar ist, dass dessen Avancen ungeduldet sind. Allerdings will „Switchblade Sisters“ auch kein sonderlich tiefgründiges Drama sein, dafür sind Figuren und Dialoge auch viel zu grobschlächtig und einfältig.
Hills Beitrag zu den ganzen Gangfilmen der 1970er und frühen 1980er jedenfalls mag in Sachen Plot, Schauspiel oder Dialoge dann vielleicht kein im klassischen Sinne guter Film sein, aber eines ist er jedenfalls nicht: langweilig. Alle paar Minuten gibt es Schauwerte oder unglaubliche Begebenheiten – letzteres oft auch im Sinne von unglaubwürdig, aber sei’s drum. „Switchblade Sisters“ ist knallige Exploitation mit einiger Action im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten (gerade im Finale), jeder Menge memorabler Momente und sicher kein Film nach Schema F.
![]()
Während „Switchblade Sisters“ im Kino und auf VHS unter den Namen „Die Bronx-Katzen“ trotz FSK 18 gekürzt war, erschien der Film ungekürzt und ungeprüft bei Subkultur als DVD/Blu-Ray-Kombi in der Grindhouse Collection. Als Bonusmaterial gibt es zwei Audiokommentare, ein Making of, ein Archiv-Interview, Featurettes, Bildergalerien und Trailer.
© Nils Bothmann (McClane)
Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright aller Filmbilder/Label: Subkultur__FSK Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja |




