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RoboCop

Originaltitel: RoboCop__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: José Padilha__Darsteller: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Samuel L. Jackson, Zach Grenier, Aimee Garcia u.a.
RoboCop

In der Neuauflage tritt Joel Kinnaman in Peter Wellers Fußstapfen

Nachdem Paul Verhoevens „Total Recall“ bereits durch die Remake-Mühlen gedreht wurde, folgte mit weniger als zwei Jahren Abstand das nächste Remake eines seiner Sci-Fi-Actionklassiker: „RoboCop“.

Das Remake versucht die Satire des Originals weiterzuführen, die sich vor allem an der Yuppie-Kultur der 1980er, der Allgegenwart des Fernsehens, der schlechten Wirtschaftslage verschiedener US-Städte und der Consumer Culture abarbeitete. Letzteres ist im Remake geblieben, hinzugekommen sind Seitenhiebe auf Drohnenkrieg und amerikanische Politik des Rechtsaußenspektrums – schon in der Auftaktszene zu sehen, in der die Show des rechtskonservativen Moderators Pat Novak (Samuel L. Jackson) davon berichtet, dass überall auf der Welt Roboter der Firma OmniCorp für Recht und Ordnung sorgen, diese allerdings im eigenen Land verboten sind, da Maschinen eben kein Gewissen haben. Was Grundlage des Plots ist, gleichzeitig aber auch einen tatsächlich frischen Ansatz für das Remake bringt.

Auf dem Regiestuhl zeichnet José Padilha verantwortlich, vor allem bekannt für die beiden „Tropa de Elite“-Filme. An diese erinnert „RoboCop“ anfangs noch ansatzweise, wenn er von der Jagd der Cops Alex Murphy (Joel Kinnaman) und Jack Lewis (Michael K. Williams) auf den Gangsterboss Antoine Vallon (Patrick Garrow) erzählt. In einem Restaurant kommt es zu einer Schießerei, die trotz PG-13 gut funktioniert, mit ähnlicher Mittendrin-Ästhetik wie die „Tropa de Elite“-Filme arbeitet und zeigt, was hier möglich wäre.

Im Hause OmniCorp sucht man derweil nach einer Lösung für das Roboterverbot auf eigenen Straßen – schließlich sind die USA ein Wirtschaftsfaktor, den es auszunutzen gilt. Konzernchef Raymond Sellars (Michael Keaton) hat eine Idee: Ein Invalide aus Polizeikreisen soll mit OmniCorp-Teilen zur Mensch-Maschine gepimpt werden, wofür er den Wissenschaftler Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) gewinnen kann, der von nun als moralisches Gewissen im Kampf gegen kommerzielle Interessen fungieren darf und mit dem Holzhammer die humanistischen Botschaften in die Zuschauerhirne kloppen soll – für den Fall, dass irgendjemand das Geschehen nicht richtig interpretiert.

Als eine von Vallon gelegte Autobombe Murphy quasi vor den Augen seiner Frau Clara (Abbie Cornish) und seines Sohnes David (John Paul Ruttan) größtenteils zerfetzt, schlägt OmniCorps Stunde: Sie bringen Clara dazu zu unterschreiben und aus Alex Murphy wird RoboCop…

RoboCop

Alex Murphy (Joel Kinnaman) alias RoboCop mit Rick Mattox (Jackie Earle Hailey)

Bis es dann allerdings soweit ist, vergeht erst einmal eine ganze Zeit. Denn das, was das Original in kürzester Zeit abhakte, wird hier zerdehnt: Tests, Marktforschung und die (hier graduelle) Umprogrammierung Murphys, gegen den Willen Dennetts, wodurch der Cop immer mehr maschinengesteuert wird. Doch es zeigt sich bald, dass all dieses Geplänkel komplett nutzlos für die Handlung ist, ein paar Gags über das Marketing sorgen für begrenzte Erheiterung, das war es dann aber auch schon. Und nicht nur hier muss sich der 2014er „RoboCop“ Vergleiche gefallen lassen, denn trotz einiger kosmetischer Veränderungen und leichter Storyabwandlungen folgt die Neuauflage recht brav dem von Verhoeven vorgegebenen Konzept: Der wiederbelebte Officer versucht seinen eigenen Tod aufzuklären, Mensch und Maschine streiten um die Vorherrschaft im RoboCop und neben einem großen Gangsterantagonisten steht OmniCorp als zweite Schurkeninstanz da, deren gewissenlos-kapitalistische Umtriebe kaum weniger schlimm als die Verbrechen Vallons sind.

Wieder und wieder zollt die Neuverfilmung dem Original Tribut, mal mehr, mal weniger geschickt: Bei einer Vorführung erschallt das „RoboCop“-Theme in neuer Form, der reine Roboter befürwortende und RoboCop ablehnende Rick Mattox (Jackie Earle Hailey) sagt über Murphy „I wouldn’t by that for a dollar“ und RoboCop erst läuft in klassischem Design herum, ehe Sellars dies mit den (implizit an die Fans gerichteten) Worten verwirft: „People don’t know what they want until you show it to them.“ Wobei dieser Scherz noch weiter getrieben wird: Am Ende des Films wird der zuvor in schwarzer Rüstung umherlaufende RoboCop erneut redesignt und erstrahlt wieder in klassischem Silber.

RoboCop

Von OmniCorp neu designt geht RoboCop in schwarzer Rüstung auf die Straße

Doch die Scherze bleiben nette wie wirkungsarme Fingerzeige in Richtung des Originals, wie auch die Satire des Remakes in erster Linie in den Talkshow-Szenen verharrt, in denen Pat Novak als Karikatur eines rechtskonservativen Moderators seine Standpunkte mit gleichzeitiger Behauptung der Objektivität zu verbreiten versucht. Dass die Figur ausgerechnet von dem Vorzeige-Demokraten und Obama-Unterstützer Samuel L. Jackson („Stirb langsam – Jetzt erst recht“) mit Inbrunst gespielt wird, verstärkt den Gag noch, hier sind aber auch vom Drehbuch her die besten Spitzen des Films zu finden. Schwach hingegen die Satireversuche bei den Szenen von den OmniCorp-Meetings, die meist nur lahme, zig mal gesehene Gags über Raubtierkapitalismus wiederkäuen.

Vor allem aber wirkt das Remake in seiner Kritik am Corporate America vollkommen verlogen. Wo Verhoeven damals einen Film drehen sollte, der sich an den „Terminator“-Erfolg anhängen sollte, auf dieser Basis aber seine eigene Vision umsetzte, da ist der neue „RoboCop“ ein durchkalkuliertes, am Reißbrett entworfenes Produkt, das gleichzeitig hilflos versucht die Produktlogik OmniCorps zu kritisieren. Besonders klar wird dieser Fehler bei der „Fertigung“ RoboCops: Diese findet aus nie geklärten Gründen in China statt, ein im Drehbuch kaum motivierter Ausbruchversuch Murphys führt ihn in die Reisfelder. Klarer kann man kaum auf den mittlerweile so wichtigen asiatischen Markt schielen, der jüngst „Pacific Rim“ vom US-Flop zum internationalen Erfolg aufwertete und für den bereits gesonderte Langfassungen von Filmen wie „Looper“ und „Iron Man 3“ gedreht wurden. Eine weitere strategische Entscheidung war auch das PG-13-Rating, auf das der neue „RoboCop“ abzielen sollte und welches viele Fans des Originals auf die Palme brachte.

RoboCop

Wissenschaftler Dennett Norton (Gary Oldman), Marketingchef Tom Pope (Jay Baruchel), Konzernchef Raymond Sellars (Michael Keaton) und Anwältin Liz Kline (Jennifer Ehle)

Doch das ist gar nicht mal der große Knackpunkt des Films. Zum einen ist der neue „RoboCop“ stellenweise überraschend zeigefreudig (etwa in den Aufnahmen von RoboCops Innenleben mit freiliegendem Gehirn, sichtbar arbeitenden Lungenflügeln und dergleichen), zum anderen zeigt die erwähnte Restaurantschießerei, wie gut inszenierte Action mit PG-13 aussehen könnte. Danach zeigt der Film dann leider meistens wie es besser nicht aussehen sollte, denn von den vier großen Actionszenen des Films ist gerade einmal RoboCops Attacke auf das Hauptquartier der Gangster gelungene Balleraction mit pfiffiger Inszenierung und ordentlich Wumms dahinter. Die anderen drei (Trainingskampf, Shoot-Out im Drogenlabor, Showdown) sind leider nicht besonders gut choreographiert und leiden noch dazu unter schlechtem Schnitt, mangelndem Gefühl für Raum und einem übermäßigen CGI-Einsatz, der oft keine Rücksicht auf physikalische Glaubwürdigkeit legt (etwa wenn ein animierter RoboCop gegen mehrere animierten ED-209 kämpft).

Murphys Kampf um die eigene Menschlichkeit bleibt daneben ein oberflächliches Drama-Element, welches das Dilemma des Helden nie vollends ausschöpft, während sich Padilhas Remake durch seinen recht vorhersehbaren Plot schleppt, welcher die rund zweistündige Laufzeit fast nie rechtfertigt. Über diverse Logiklücken sieht man auch besser hinweg: Sowohl Vallons Leuten als auch OmniCorp ist bekannt, dass erst Kaliber .50 oder mehr RoboCop verwunden können (und das in erster Linie bei Kopftreffern), doch selten scheinen entsprechende Waffen eingepackt zu werden (oder vernünftig gezielt). Da gibt es ein besonderes Gewehr, das RoboCop mit einem Schuss lahmlegen kann, doch lediglich ein einziges davon hat einer der Handlanger im Showdown anstatt dass sämtliche Gegner Murphys sich damit ausrüsten.

Peter Weller hat die Rolle des RoboCop sicher geprägt, gleichzeitig hat man es als dessen Nachfolger auch nicht so schwer, da abgesehen von seiner Mundpartie meist kaum etwas zu sehen war. Im Falle Joel Kinnamans („Safe House“) würde man sich freuen, wenn dem ebenfalls so wäre, doch leider kriegt man dessen relativ hölzernes Spiel öfter zu sehen, da RoboCops Visier nur in Gefahrensituationen herunterklappt. Wesentlich erquicklicher da der Cast der Nebendarsteller: Gary Oldman („The Dark Knight“) macht das Beste aus seiner eindimensionalen Gutmenschenrolle, Michael Keaton („Die etwas anderen Cops“) ist ein charmant-verführerischer Konzernboss ohne Gewissen und Jackie Earle Hailey („Human Target“) kann als sarkastischer Henchman so richtig aufdrehen. Auch das Casting von Komiker Jay Baruchel („Duell der Magier“) in der Rolle des windigen Marketingchefs passt hervorragend, während „The Wire“-Straßenräuber Michael K. Williams („Snitch“) auch als harter Cop mit Street Credibility überzeugt. Abbie Cornish („Sucker Punch“) ist okay, wird vom Drehbuch aber wie bessere Staffage behandelt, kaum besser haben es Jennifer Ehle („Zero Dark Thirty“) und Aimee Gracia („Dexter“) als OmniCorp-Angestellte. Und Patrick Garrow („16 Blocks“) bleibt in der Rolle des achso gefährlichen Gangsterbosses ein besserer Stichwortgeber.

Man kann der Neuauflage vorwerfen, dass sie weit weniger bissig oder hart als der originale „RoboCop“ ist, doch die Vergleiche mit dem Klassiker sind eigentlich nicht das große Problem von Padilhas Film. Eher die Tatsache, dass es sich hierbei um einen recht austauschbaren Sci-Fi-Actioner mit blassen Hauptdarsteller, teilweise schwach inszenierten Ballereien und unausgegorener Dramaturgie handelt. Der Einstieg in den Film ist stark, doch im weiteren Verlauf überzeugen in erster Linie nur noch die bissigen Talkshowszenen und die Ballerei in Vallons Versteck. Immerhin: Besser als „RoboCop 3“ und der vergeigte „Total Recall“ aus dem Jahre 2012 ist das Remake schon, aber das ist dann auch nur ein schwacher Trost.

Starke:

Das „RoboCop“-Remake läuft ab dem 6. Februar 2014 in den deutschen Kinos und ist dort mit FSK 12 ungekürzt.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Studiocanal__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 6.2.2014 in den deutschen Kinos

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