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Badges of Fury

Originaltitel: Bu Er Shen Tan__Herstellungsland: China, Hongkong__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Ziming Wang__Darsteller: Jet Li, Wen Zhang, Liu Shishi, Michelle Chen, Ada Liu Yan, Wu Jing, Collin Chou, Huang Xiaoming, Stephen Fung, Raymond Lam, Michael Tse, Tian Liang u.a.
Jet Li in Badges of Fury DVD Cover

Jet Li wirkt nicht nur auf dem Cover lustlos: „Badges of Fury“.

Die Polizei wird von zahlreichen eigentümlichen Morden auf Trab gehalten. Personen des öffentlichen Lebens treten dabei mit einem breiten Lächeln im Gesicht ab. Erste Ermittlungen ergeben, dass sie alle mit der berühmten Schauspielerin Liu Jinshui liiert waren. Die gibt zum Erstaunen der Polizisten an, dass auf ihr ein Fluch laste, der sie zu ewiger Einsamkeit verdamme. Die Morde müssten damit zu tun haben.

Hauptkommissarin Angela und ihr Team haben den Fall aufgebrummt bekommen. Und sie stürzen sich beherzt in die Ermittlungen. Das Problem: Angelas Mitstreiter sind eine ziemliche Katastrophe. Wang Bu’er ist ein Chaos-Cop sondergleichen und der erfahrene Huang Fei Hong verrichtet im Dienst lieber Aktiengeschäfte als sein Ermittler-Mojo sprießen zu lassen. Trotzdem haben die drei bald eine Hauptverdächtige. Dabei handelt es sich ausgerechnet um die sexy Halbschwester der Schauspielerin.

Um die aus der Deckung zu locken, gibt Wang Bu’er vor, die angeblich verfluchte Liu Jinshui ehelichen zu wollen. Wird es so gelingen, die Lächel-Morde aufzuklären?

Schaut in den Film hinein

Was hat Jet Li verbrochen, um hier mitspielen zu müssen?

Diese Frage stellt sich quasi sofort nach den ersten, nervtötend hektischen Minuten von „Badges of Fury“. Das Bonusmaterial der deutschen Veröffentlichung birgt zumindest etwas Aufklärung. Denn auf der Pressekonferenz zum Film stellt Jet Li („Der Vollstrecker“) fest, dass er damit geködert wurde, den Bösewicht im Film zu spielen. Allerdings habe sich dann am Set seine Rolle massiv verändert.

Und so wirklich glücklich scheint Li mit den Veränderungen nicht gewesen zu sein. Der Star wirkt lustlos, teils regelrecht gelangweilt. Und nach einer starken Präsenz-Phase zu Beginn von „Badges of Fury“ beginnt er, sich mehr und mehr aus dem Film herauszuziehen. Erst im Finale ist er dann wieder stärker mit von der Partie.

Dabei geben sich die Macher alle Mühe, ihn zu feiern. Sein Rollenname Huang Fei Hong wird durchgehend wie Wong Fei Hung ausgesprochen – also eine Referenz auf die Hauptfigur aus „Once upon a Time in China“, die Jet Li den großen Durchbruch bescherte. Wenn seine Rolle erstmals aufbricht, um in Action zu machen, ertönt sogar das Wong-Fei-Hung-Thema aus dem Blockbuster. Und man findet noch mehr ähnliche Szenen, die auf seine Karriere referenzieren.

Und Jet Li bekommt die geilsten Fights. Gegen Collin Chou („Special ID“) darf er ebenso ran wie gegen Leung Sui-Lung (The Beast aus „Kung Fu Hustle“). Und auf einmal kickt er sogar gegen einen Versicherungsvertreter, gespielt von Wu Jing („Wolf Warrior 2“). Viel Ehrerbietung also, richtig begeistern konnte man Li allerdings sichtlich nicht.

Was auch nicht verwundert, denn der Film rund um die Auftritte von Jet Li ist schon arg überdreht und albern. Das beginnt bei der beklatschten Handlung, die immer wieder den Fokus verliert. Spätestens auf der Filmmitte habe ich mich auf meinem Sofa schon ganz offensiv gefragt, worum es hier nun eigentlich geht. Es hilft, sich dann immer wieder gebetsmühlenartig „Lächel-Morde“ vorzusagen – während man mit irgendwelchen Flüchen zugeballert wird, Szenen betrachtet, die nach dem nächsten Umschnitt keine Rolle mehr spielen, und Entwicklungen bestaunt, die beim darauffolgenden Dialog niemanden mehr jucken.

Und irgendwann finden Charaktere in die „Handlung“, bei denen sich der wolkenverhangene Himmel zu Dämonenfratzen verzerrt. Warum auch immer. Obendrein hatten die laut Abspann insgesamt FÜNF Drehbuchautoren keinerlei Ideen, wie sie ihre Figuren irgendwie interessant ausgestalten sollten. Alle definieren sich ausschließlich über die coolen Klamotten und Sonnenbrillen, die sie hier in Hochglanzbildern durch die Kulissen tragen. Und der Regie-Debütant Ziming Wang kapitulierte angesichts dieser Vorzeichen irgendwann spürbar.

Kann man den hysterischen, selten zündenden Humor und die idiotische, zumindest halbwegs logisch abgeschlossene Story und ihre eigentümlichen Figuren ausblenden, bleibt da zumindest die Arbeit eines echten Könners: Corey Yuen („She shoots straight“)! Der haut hier als Actionregisseur durchaus einen raus.

Dabei stechen freilich die Fights von Jet Li deutlich hervor. Man merkt, dass sich beide lange Zeit kannten und die Arbeit des anderen schätzten. Li darf dabei die ganze Palette bedienen. So gerät sein Fight gegen Wu Jing eher geerdet, dafür von den Bewegungsabläufen her angenehm komplex. Hier fühlt man sich immer mal wieder an Jackie-Chan-Fights erinnert. Für den Fight gegen Collin Chou hängte Yuen Jet Li in die Seile und ließ beide in einem Treppenhaus spektakulär – und leider auch mittels räudiger CGI-Momente – herumfliegen und aufeinander eindreschen.

Der Finalfight gegen Leung Sui-Lung lässt dann jedwede Realität hinter sich. Es wird geflogen und sich durch eine hölzerne Konstruktion gedroschen, dass es eine wahre Freude ist. Insgesamt ließ die Szene wohlige Erinnerungen an Jet Lis Showdown-Fight gegen Donnie Yen in „Once upon a Time in China 2“ aufkommen. Der steigt in einer ähnlichen Bambusholz-Konstruktion wie in „Badges of Fury“, führt zu ähnlich akrobatischen Momenten und zerstörte diese Konstruktion ähnlich brachial.

Eine weitere Großactionszene bestreitet Hauptdarsteller Wen Zhang („League of Gods“) als Bu’er ungefähr auf der Filmmitte. Das Setting und die Umsetzung erinnern massiv an „Kung Fu Hustle“, inklusive physikalisch unmöglicher Bewegungsabläufe, sich gummiartig verbiegender Gegner, überdrehter Special Effects und mit bloßen Händen zertrümmerter Mauern. Hier hat man wahrlich das Gefühl, dass man Corey Yuen einfach nur gesagt hat: Tob‘ dich halt mal ordentlich aus! Und er gehorchte.

Die Action ist dabei überdurchschnittlich gut in Szene gesetzt, kommt ohne Schnittgewitter aus und bekommt eigentlich nur durch die Special Effects mehrfach ein Bein gestellt. Wobei diese ein zweischneidiges Schwert sind, denn in ihrer comicartigen Anmutung passen sie eigentlich ganz gut zum überdrehten Film. Häufig wirken sie aber aus westlicher Sicht einfach nur cheesy. Und vereinzelt sind sie halt tatsächlich schlichtweg schlecht. Ein weiteres Problem: Jet Li wird doch einige Male arg offensichtlich gedoubelt.

„Badges of Fury“ ist einfach zu überspannt

Beim Betrachten von „Badges of Fury“ musste ich häufiger an Filme wie „House of Fury“, „Enter the Phoenix“ oder „Twins Mission“ denken. Also Hongkong-Actioner, die sich mit ihren Hochglanzbildern, ihren leeren, in Coolness erstarrten Charakteren und überdrehten Storys an ein Publikum richteten, das gerade dem Teenageralter entwuchs. Geht man mit dem Mindset an „Badges of Fury“ heran, ist man vermutlich genau in der richtigen Stimmung für die Actionkomödie.

Alle anderen werden ihre liebe Not mit dem Film haben. Bis auf die Action will hier nichts so wirklich funktionieren. Und selbst die Action ist treffenderweise extrem stark auf die Stimmung im Film abgestimmt. Und die ist halt extrem überkandidelt. Trotzdem liefern Corey Yuen und Jet Li hier definitiv ab. Retten kann das „Badges of Fury“ aus meiner Sicht aber nicht.

04 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien 2013 von NEW KSM in unseren Breiten. Die laut Artwork zahlreichen Extras entpuppen sich zumeist als kleine Häppchen, die genauso überdreht daherkommen wie der Film. Hier und da bergen sie aber doch ein paar nette Infos. Der Film selbst kommt mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten. Ihr könnt den Film auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: NEW KSM__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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