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Sweet Justice

Originaltitel: Sweet Justice__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Allen Plone__Darsteller: Finn Carter, Frank Gorshin, Marc Singer, Gregg Brazzel, Catherine Hickland, Kathleen Kinmont, Patricia Tallman, Marjean Holden, Michelle McCormick, Cheryl Paris, C.E. Grimes u.a.
Frauenpower in Sweet Justice DVD Cover

„Sweet Justice“ setzt auf Frauenpower.

Suzanne ist Stadträtin einer kleinen Gemeinde im amerikanischen Nirgendwo. Eigentlich will sie nur das Beste, doch sie hat sich von ihrer Macht korrumpieren lassen. Gegen eine ordentliche Summe Geld lässt sie die Reichen und Amoralischen der Gegend Schalten und Walten. Als jedoch der lumpige Lump Rivas Giftmüll in seiner Mine einlagert, reicht es Suzanne. Die Mine hat direkte Zugänge zum Trinkwasserreservoir der Stadt, wodurch alle Einwohner unmittelbar gefährdet werden.

Doch Rivas gibt nicht viel auf Suzannes Intervention. Wenig später ist die junge Dame tot – angeblich bei einem Unfall tödlich verunglückt. Wenig später reitet Sunny auf ihrem Motorrad in der Stadt ein. Sie gibt sich als Suzannes Schwester zu erkennen und erklärt, dass sie deren Tod lückenlos aufklären werde. Bald kommen ihr auch begründete Zweifel, dass Suzanne bei einem Unfall verschieden sein könnte.

Doch in dem Dörfchen will ihr niemand helfen. Aber Sunny weiß Rat. Einst war die kampfstarke Dame Teil der gefährlichsten weiblichen Kampfeinheit der USA. Sie ruft ihre ehemaligen Kameradinnen zusammen und will mit denen ordentlich in dem Ort aufräumen.

Schaut in den Film hinein

Action mit feministischer Note

Die Inhaltsangabe deutet es an: „Sweet Justice“ erzählt eine x-beliebige Rachestory. Nur das diesmal nicht irgendwelche muskelbepackten Schwanzträger unter den Fieswichten aufräumen, sondern weibliche Kampfmaschinen. Und die bringen einige feministische Untertöne in den Film ein. Klar, prinzipiell spielen sie einfach nur Rollen, die in derartigen Streifen eigentlich der Männerwelt vorbehalten waren, und sie verhalten sich ab und an auch kerliger als mancher Mann, aber die Damen dürfen schon einige Male sehr beherzt über die Männerwelt abranten und diverse Klischees brechen.

Obendrein ist in „Sweet Justice“ keine einzige Frau wirklich negativ gezeichnet und die Fieswichtmasse rekrutiert sich ausschließlich aus Männern. Ziemlich dummen Männern. Die Marschrichtung ist also klar: Das Patriarchat soll hier amtliche Tritte in die Weichteile bekommen. Das war im Entstehungsjahr von „Sweet Justice“ – 1991 – definitiv noch kein Standard.

Leider gerät das Eiertreten arg unspektakulär. Zunächst einmal ist der Einstieg in den Film eine formvollendete Schlaftablette. Drehbuch und Regie tun sich spürbar schwer, die Grundsituation anzuschieben. Langweilige Dialoge, egale Handlungsfetzen und eine der unerotischsten Sexszenen der Filmgeschichte zerren an den Nerven. Und wechselt dann der Fokus von Suzanne auf Sunny geht es immer noch nicht los. Man fragt sich in dem Abschnitt teilweise sogar, was der Film hier gerade zu erzählen versucht.

Erst nach etwa 45 Minuten, wenn Sunny ihre ehemaligen Kampfmaschinenfreundinnen um sich versammelt, kommt endlich Leben in die Bude (und es gibt den unerotischsten Striptease der Filmgeschichte zu sehen). Die Damen kommen deutlich lebendiger als Sunny rüber und der Film hat nun endlich auch Spaß daran, sein Genre – das Actiongenre – zu bedienen. Wir schauen den Damen fortan beim Trainieren zu – und fragen uns, inwiefern diese dann doch arg dilettantisch agierenden Damen die gefährlichste weibliche Spezialeinheit der USA gebildet haben sollen. Vermutlich Ringrost.

Und wenn man schon viele sexy Damen an Bord hat, lässt man die auch mal Nacktbaden. Ehrensache. Die Blicke, die sie sich dabei untereinander zu werfen, wirken seltsam neiderfüllt. Aber das habe ich sicher missinterpretiert. Immerhin regiert hier der Feminismus. Hihihi. Egal. Auf jeden Fall kommen dann auch bald erste richtige Actionszenen auf und im nächsten Augenblick rollt dann auch schon der Showdown.

Der ist leider recht fahrig geraten. Prinzipiell bespielt man eine Art Westernstädtchen-Setting und lässt hier die Lumpen tot von den Dächern fallen. Statt auf Pferden rasen unsere Heldinnen auf Motorrädern durch die Stadt, krachen mit denen durch Fensterfronten oder springen über Hindernisse. Alles hübsch anzusehen, aber es fehlt eine Linie. Man hat kein Gespür, welche der Ladys hier gerade loslegt. Es fehlt auch eine Art Gefühl dafür, gegen wie viele Lumpen hier vorgegangen wird. Mal platzen Bloodpacks, mal nicht. Und urplötzlich wechselt der Schauplatz komplett.

Im Umfeld einer gewaltigen Villa gerät ausschließlich Sunny – die anderen Frauen spielen noch Krieg im Städtchen – an den Oberlump, bezeugt einen erwartbaren Charakter-Turn und schwupps, ist sie wieder im Städtchen und betrauert hier plötzlich tote Kameradinnen. Die bekamen nicht einmal geile Abgänge, sondern verreckten Offscreen oder bei einem absolut harmlosen Motorradunfall. Anschlussfehler satt (Motorradhelm auf oder ab) und seltsame Szenen, in denen sich die Damen aufteilen, nur um nach dem nächsten Schnitt wieder zusammen zu agieren, befeuern den Eindruck eines ziemlichen Durcheinanders.

Die deutsche FSK 18 Freigabe wird auch nicht wirklich durch entsprechende Szenen untermauert. Hier stirbt niemand extrahart oder wird allzu cool umgenietet. „Sweet Justice“ bietet kaum mehr als langweilige Standards. Ein paar kleinere Explosionen lenken von dem uninspirierten Geballer und dem teils hilflosen Gekicke der Ladys kaum ab.

Da die insgesamt sechs weiblichen Kampfmaschinen erst recht spät im Film zusammenkommen, erfährt man auch recht wenig über sie. Angesichts der im filmischen Endprodukt gebotenen darstellerischen Leistungen ist das vermutlich aber auch besser so. Hier bekleckert sich wirklich niemand mit Ruhm. Zumindest gibt es ein paar bekanntere Namen zu entdecken.

So kennt man Sunny-Darstellerin Finn Carter immerhin aus „Tremors“. Ihre Mitstreiterin Kathleen Kinmont war Ehefrau und Dauerdrehpartnerin von Lorenzo Lamas (u.a. „Kickboxer USA“ oder „Final Round“). Und sexy Marjean Holden kann man unter anderem aus „Fist of Justice“ kennen. Auf Seiten der Herren fallen Namen wie Marc Singer („Beastmaster“), Mickey Rooney („Geheimauftrag Dubrovnik “), Branscombe Richmond („To the Limit“) oder Frank Gorshin (der Riddler aus der alten Batman-Serie) ins Auge. Beim Spielen lässt sich aber keiner erwischen. Nur Gorshin hat im Finale als Rivas einen herrlich kaputten Overacting-Anfall.

„Sweet Justice“ bietet statt süßer eher belanglose Gerechtigkeit

Das deutsche Cover-Artwork zur DVD-Veröffentlichung von „Sweet Justice“ gibt sich ultramarkig. Auch textlich. „Sechs tödliche Gründe, die Stadt zu verlassen“, heißt es da. Oder „Rache schmeckt bitter… Gerechtigkeit süß!“ Schade, dass der Film deutlich weniger markig und stattdessen eher so verpeilt daherkommt wie sein Untertitel: „Rache der Gewalt“. Was auch immer das heißen mag, es passt in seiner Konzeptlosigkeit zum Film.

Der weiß gefühlt über die Hälfte seiner Laufzeit nicht, wo die Reise hingehen soll. Entsprechend langweilt er den Zuschauer mit egaler Handlung, sinnlosen Dialogen und der vollkommenen Abwesenheit von Action, Tempo und Dynamik. Biegt Regisseur Allen Plone, der nach „Sweet Justice“ keinen Film mehr drehen durfte, was eigentlich Warnung genug sein sollte, dann endlich richtig Finale ab und fokussiert auf seine sechs Kampfmaschinen, wird der im tristen DtV-Look gereichte Actionfilm unterhaltsamer, wirkt aber plötzlich auch gehetzt.

Die Actiondichte steigt parallel an, aber leider hatte keiner am Set rechte Ahnung, wie gute Action geht. Und im Showdown ist irgendwie total der Wurm drin. Das Ergebnis ist nun kein Totalausfall, aber bei weitem auch kein guter Actionfilm.

04 von 10

Die deutsche DVD zum Film kommt von dem Label Maritim Pictures im Vertrieb von Cargo Records und ist mit einer heftigen FSK 18 ungeschnitten. Streamen kann man den Film auch.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures / Cargo Records__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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