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Devil Dogs

Originaltitel: Devil Dogs__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2017__ Regie: Lindsay Holt__ Darsteller: Michael Worth, Greg Duke, Andres Perez-Molina, Raihan Baqui, Andrew Onocie, John J. Pistone, Kevin L. Walker, Eric Roberts, …
Devil Dogs (2017)

Devil Dogs (2017)

„War is a racket. It is the only one international in scope.
It is the only one in which the profits are reckoned in dollars and the losses in lives.“

Major General Smedley Darlington Butler USMC
At the time of his death, the most highly decorated Marine in U.S. history.

Bei „Devil Dogs“ haben wir es mit einem (ohne Abspann) knapp 21-minütigen Kurzfilm aus dem Jahr 2017 zutun, in dessen Zentrum eine Einsatz-Truppe amerikanischer Soldaten steht, welche Ende 2004 im Rahmen der „Operation Phantom Fury“ an der finalen Schlacht um die irakische Stadt Falludscha beteiligt war. Während die Männer schrittweise von einem Straßenzug zum nächsten vorrücken – und dabei immer wieder auf gefährlichen Widerstand feindlicher Kämpfer stoßen – werden sie seitens eines „in ihren Reihen eingebetteten“ zivilen Foto-Journalisten (Michael Worth) begleitet, der zunehmend „emotional involvierter“ auf die sich um die kleine Einheit herum entfaltenden (chaotisch-blutigen sowie auch psychisch belastenden) Geschehnisse reagiert…

Verfasst von Skript-Newcomerin Laura Cross, markiert dieser „Short“ das Regie-Debüt ihres Freundes Lindsay Holt – seines Zeichens ein u.a. als Musiker, Astrologe, Landschafts-Maler, Graphik-Designer und Umwelt-Aktivist tätiger Herr, der bei dem Projekt nur wenige Tage vor Dreh-Beginn „mit an Bord kam“ und es sich zur erklärten Aufgabe machte, eine mit der (bisweilen die Öffentlichkeit täuschenden) Informations-Vermittlung der Medien verknüpfte Geschichte über einige seiner Landsleute zu erzählen, welche die genannte Offensive damals ausgefochten haben: Eine ambitionierte Absicht, an deren Realisierung bzw. Darreichung er allerdings weitestgehend „gescheitert“ ist – und zwar in erster Linie aufgrund der bloß sehr oberflächlich gearteten Vorlage sowie bestimmter „stilistischer Entscheidungen“…

Innerhalb der begrenzten Laufzeit ist es (natürlich) kaum möglich, ein halbes Dutzend Figuren durch die Bank weg mit „charakterlicher Tiefe“ zu versehen: Im Vorliegenden kommt jedoch niemand über eine „eindimensionale Beschaffenheit“ hinaus – und das obgleich jeder in Form einzelner Dialogzeilen ein bis zwei Dinge über sich preisgeben darf. Entsprechend gibt es verschiedene „persönliche Antriebe“ (fürs Heimatland, für die Kameraden, weil der Vater schon Soldat war etc.) ebenso zu vernehmen wie altbekannte „Macho-Sprüche“ und eine Diskussion über Ellen Ripley (im Kontext der Colonial Marines in „Aliens“). Das alles ist keineswegs unrealistisch – allerdings wirken die Aussagen hier eher wie „Worthülsen“, primär da einem die zugehörigen Protagonisten „rundum egal“ sind…

Einer aus dem Team soll in Kürze Vater werden – wodurch man sich sofort geradezu denken kann, welches Schicksal ihn wohl ereilen dürfte – ein anderer filmt gern mit seinem Camcorder und ein weiterer liest in einer „ruhigen Minute“ Sun Tzu´s „the Art of War“: Losgelöst dessen, dass die Akteure, welche diese jungen Männer verkörpern – nämlich Greg Duke („American Sniper“), Andres Perez-Molina („Fort Bliss“), Raihan Baqui („Open“) und Andrew Onocie („Tempting Fate“) – allesamt „blass“ verbleiben, sind ihre Performances an sich dennoch (im gängigen „B-Movie-Sinne“) als „passabel“ zu werten. Ihr deutlich erfahrenerer Sergeant wird indes von John J. Pistone („Boxed out“) gemimt, der im betreffenden Krieg (im Dienste der Navy) einst gar selbst mit „an vorderster Front“ war…

Auch Hauptdarsteller Michael Worth („U.S. Seals II“) geht im Prinzip in Ordnung – allerdings empfand ich seine Rolle als in einem Punkt nicht optimal ausgestaltet: Riley soll ein geübter Photograph sein, der bereits des Öfteren „mit dem Militär unterwegs“ war – und trotzdem verliert er nahezu sofort nach dem ersten Beschuss seine „professionelle Souveränität“ (ist unkonzentriert und hat mit in ihm aufsteigenden Emotionen zu ringen). Möglich, dass jemand „unter Feuer“ so reagieren mag – für mich aber wies das einfach einen „konstruierten Beigeschmack“ auf. In einem vorangegangenen Gespräch hatte er u.a. davon berichtet, dass „die Kamera seine Waffe“ sei und er hoffe, „etwas von dem Grau zwischen all dem Schwarz und Weiß“ dokumentieren zu können…

Riley gegenüber wird Misstrauen in Bezug auf die „Ereignisse ja nicht immer wahrheitsgetreu wiedergebende“ Presse geäußert: Je nach Betrachtung gibt es häufig nicht bloß „eine Seite“ eines Vorfalls oder Sachverhalts – und manchmal agiert der Berichtende dabei obendrein auf der Basis einer speziellen (bspw. politischen) „Agenda“. Solche Ansätze werden aber ausschließlich vorgebracht, ohne sie in irgendeiner Weise zu bekräftigen. Ferner wird jeweils kurz erwähnt, dass Kombattanten aus 18 Ländern in den Irak gekommen sind, um sich den Koalitionstruppen entgegenzustellen, dass gefördertes Öl unkontrolliert an unbekannte Abnehmer verkauft werden würde sowie dass neun Millionen (eigentlich für den Wiederaufbau bestimmte) Dollar „durch Korruption verschwunden“ seien…

Dass News-Meldungen urplötzlich inmitten einer Schießerei „aus dem Off“ eingespielt werden, mag ein Teil des Publikums vielleicht noch als „eigenwillig“ abtun – wohingegen die Gegebenheit, dass die gebotenen Bilder regelmäßig mit künstlichen „Interferenz-Verzerrungen“ versehen wurden, geradewegs unpassend, unlogisch und nervig ist. Anfangs dachte ich für einen Moment, das Ganze wäre eventuell eine „VR-Simulation“ – aber nein, es handelt sich dabei rein um eine misslungene stilistische Idee der Macher. Ein in einer einzigen Szene vollzogener Wechsel in die „Ego-Perspektive“ fällt übrigens in dieselbe „Schublade“. Entweder hätte man auf derartige „Mätzchen“ verzichten – oder die Story komplett als gefilmtes Material eines „embedded“ Kamera-Manns konzipieren bzw. darbieten sollen…

Für ein kleines Projekt wie dieses lässt sich sowohl die Regie-Arbeit Holts als auch die seines Cinematographers P.J. Gaynard als „annehmbar“ einstufen – doch stören u.a. einmal mehr kostengünstig-künstlich ausschauende CGIs, in deren Gestalt man im Zuge der Post-Production Mündungsfeuer, Blutspritzer, Einschusslöcher und Rauch in die Aufnahmen eingefügt hat. Überdies krankt das Präsentierte an einem mangelhaften „Authentizitäts-Gefühl“, welches (generell) weit über die Nicht-Existenz ausgeworfener Patronenhülsen hinausreicht: Während der Kämpfe wurde Falludscha fast vollständig zerstört – hier aber sind die Häuser unbeschädigt, die Straßen ebenso sauber wie die Uniformen der Soldaten und herrscht (unabhängig einzelner „Insurgent“-Angriffe) meist absolute Ruhe in der Stadt…

Zum Ende hin wäscht Riley das Blut von der Ausrüstung der gefallenen Kameraden und arrangiert ihre Helme und Gewehre so, dass sie „ein ausdrucksstarkes Foto“ ergeben – wobei er weint und der von Holt geschriebene und gesungene Song „Angel“ erklingt, welcher (in Kombination mit dem soliden Score Justin Crosbys und Ira Ingbers) immerhin über eine ordentliche Qualität verfügt. Zu guter Letzt taucht zudem noch Eric Roberts („Runaway Train“) im Rahmen einer unbedeutsamen Post-Credits-Sequenz als ein zur Tür hinaus laufender Colonel auf: Bloß flüchtig zu sehen und kaum zu erkennen, war sein Part ursprünglich ein größerer – doch hat eine von ihm gehaltene Rede aus „Pacing“-Gründen im „Final Cut“ schlichtweg keinen Platz mehr gefunden…

Fazit:  „Devil Dogs“ ist ein belangloser, oberflächlicher Kurzfilm mit einer Reihe markanter Unglaubwürdigkeiten und Ärgernisse – wie als sich die Einheit an einer Stelle in einem „Safe House“ einquartiert, nur um irgendwann später mal einen Blick in einen Nebenraum zu werfen, in welchem sie dann plötzlich (frei von Kontext oder Infos dazu) allerlei Waffen, Sprengstoff und geheimes Daten-Material ihrer Feinde entdecken…

zu verorten nahe der Grenze zur

In der englischen OV gibt´s den “Short” bei Vimeo On Demand zu kaufen (Stream/Download).

Stefan Seidl

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Copyright des Postermotivs & der Screenshots: Rebel Seed Films, LLC

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