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Hunde des Krieges

Originaltitel: The Dogs of War__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 1980__Regie: John Irvin__Darsteller: Christopher Walken, Tom Berenger, Colin Blakely, Hugh Millais, Paul Freeman, Jean-Francis Stévenin, JoBeth Williams, Robert Urquhart, Winston Ntshona, Ed O’Neill, Jim Broadbent u.a.
Hunde des Krieges

In John Irvins Söldnerfilm “Hunde des Krieges” gehören Christopher Walken und Tom Berenger zu jener Sorte Mensch, der Titel beschreibt

Das Drehbuch von “Hunde des Krieges”, basierend auf einem Roman von Frederick Forsyth, wurde unter anderem Don Siegel und Norman Jewison angeboten, doch schlussendlich wurde es die erste Großproduktion für Regisseur John Irvin („Der City-Hai“), der zuvor unter anderem Dokumentationen über den Vietnamkrieg gedreht hatte und somit schon Erfahrung für das Sujet mitbrachte.

So startet “Hunde des Krieges” auch mitten in einem Kriegsgebiet, aus dem Söldner Jamie Shannon (Christopher Walken) und seine Mannen, darunter Drew (Tom Berenger), nur mit knapper Not entkommen. Daheim wartet nicht viel: Entfremdete Familien, Jamies geschiedene Gattin, Frau und Kind eines katatonischen Kameraden, die lieber einen Leichnam anstelle eines Pflegefalls hätte zurückkehren sehen, zumindest behauptet sie das in ihrer Trauer. “Hunde des Krieges” zeichnet kein romantisch verklärtes Bild des Söldnerlebens, sondern eines, das vom Verlust menschlicher Regungen erzählt – Jamie etwa kompensiert das Alleinsein dadurch, dass er sich als Ersatzvormund für einen rumlungernden Jungen aus der Nachbarschaft versucht.

Schon bald steht der nächste Auftraggeber auf der Matte, der britische Geschäftsmann Roy Endean (Hugh Millais). Der will in das fiktive afrikanische Land Zangaro investieren, das auf gewaltigen Platinschätzen sitzt, aber von einem Diktator regiert wird, der seine Rivalen ins Exil trieb oder in den Knast warf. Jamie soll nach Zangaro reisen und die Stabilität des Landes überprüfen, ehe Endean entscheidet, ob er dort Geschäfte wagt oder lieber nicht. Dabei macht “Hunde des Krieges”, noch deutlicher als der ähnlich gelagerte, zwei Jahre zuvor veröffentlichte „Die Wildgänse kommen“, keinen Hehl daraus, dass eiskalter Imperialismus und knallhartes Profistreben hinter solchen Interventionen in der Dritten Welt stecken.

Getarnt als angeblicher Reporter reist Jamie nach Zangaro und überzeugt sich dort aus erster Hand von den untragbaren Zuständen, macht Beweisfotos und lernt einige der Einheimischen besser kennen. Ganz ungefährlich ist das nicht…

Hunde des Krieges

Jamie Shannon (Christopher Walken) beim Sammeln von Informationen…

Wer schon den einen oder anderen Söldnerfilm gesehen hat, egal ob im Western-, Action- oder Kriegsgewand, der weiß worauf das Ganze hinauslaufen wird: Am Ende werden Jamie und seine Leute in irgendeiner Form kräftig aufräumen. So kommt es dann auch, wenn John Irvin und seine Drehbuchautoren Gary DeVore („Diese Zwei sind nicht zu fassen“) und George Malko („Tau‘ mich auf, Liebling“) alles auf eine fette Endballerei anlegen, bei der Jamie, seine Söldnerkumpels und eine Gruppe einheimischer Rebellen das Lager des Diktators stürmen. Das ist zwar ein wenig statisch, wenn in erster Linie das Lager erst einmal aus größerer Entfernung mit Raketenwerfern, Uzis, M-60 und dem auf diversen Covern prominent abgebildetem Trommelgranatwerfer sturmreif geschossen wird und man danach nur noch kleinere Widerstandsreste beim Eindringen beseitigen muss. Aufwändig ist das Ganze mit seinen zahlreichen Explosionen und dem hohen Munitionsverbrauch schon, zumal Irvin gelungene Bilder findet. Besonders stark eine Aufnahme, in der Jamie und seine drei engsten Vertrauten ballernd auf einen feuererleuchteten Hof stürmen. Kameramann Jack Cardiff drehte als Regisseur übrigens einige Jahre zuvor den ähnlich gelagerten „Dark of the Sun“.

Der Weg bis zum Finale furioso ist allerdings lang – gerade in der fast zwei Stunden dauernden Langfassung, die in einigen Ländern veröffentlicht wurde. Da nämlich klar ist worauf das Ganze hinausläuft, erscheinen rund drei Viertel des Films als reine Exposition, die oberflächlich bleibt, egal wie viele Subplots der Film anreißt: Jamies private Situation, die Persönlichkeit seiner Söldnerkumpel, eine aufkeimende Annäherung zu einer Einheimischen – all diese Handlungsstränge werden von “Hunde des Krieges” zaghaft begonnen, danach aber eiskalt fallengelassen und nie mit großer Tiefe versehen, sodass sie einfach nur als nutzloses Füllmaterial erscheinen. Zudem kitzelt Irvin nur selten Spannung aus Jamies angeblich so gefährlichen Recherchen heraus – selbst ein Knastaufenthalt mit obligatorischer Folter durch Diktatorenhandlanger ist in Nullkommanix absolviert und endet schon fast lächerlich schnell mit Jamies Freilassung. Auch die Vorbereitung der finalen Actionszene, also die Planung der Operation, die Beschaffung des Equipment und dessen Einschmuggeln, läuft dermaßen formelhaft ab, das Irvin selbst aus einer Szene, in der Grenzbeamte beinahe die von Jamies Leuten in Fässern versteckten Uzis finden, kaum mehr als ein bisschen Oberflächenspannung herauskitzeln kann.

Hunde des Krieges

…und in Action an der Seite von Kameraden wie Drew (Tom Berenger)

Hinzu kommt, dass alle Verhältnisse von Anfang an klar sind: Der Auftraggeber ist lediglich an Profit orientierter Drecksack, der schurkische General aus einer Ansammlung von Diktatorenklischees gestrickt, der von Endean bemühte Ersatzmann kaum besser. Gelegentlich erreicht “Hunde des Krieges” durch diese klaren, aber wenig hoffnungsvollen Verhältnisse immerhin eine nihilistische Stimmung: Es gibt hier fast nur Opportunisten; man hat beinahe Verständnis für den Zöllner am Flughafen, der Jamie um ein Anteile seines Geldes, seiner Zigaretten und seines Alkohols erleichtert. Gleichzeitig hat Jamie diese ja in erster Linie als Bestechungsgut für solche Gelegenheiten dabei. Selbst der Anflug von Idealismus, den Jamie zeigt, kann sich nur in einer finalen Gewalttat entladen, die immerhin reichlich badass daherkommt, mitsamt zynischem Oneliner.

Christopher Walken („King of New York“) legt die Hauptrolle dabei auch als jemanden an, an dessen Einfühlungsvermögen die Jahre des Tötens Spuren hinterlassen haben, der seine Emotionen schwer äußern kann und dessen Mimik daher immer etwas Stoisches, Versteinertes hat, was dem Film gut zu Gesicht steht. Der Rest vom Fest wird dabei allerdings zu reinen Stichwortgebern verdammt, selbst Tom Berenger („Sniper: Ultimate Kill“) als enthusiastischer Söldnerkollege mit Pornoschnauzer kann da kaum Akzente setzen. Lediglich Hugh Millais („Chicago Joe und das Showgirl“) ist als Schmierlappen, der für Profit über Leichen geht, noch halbwegs einprägsam. In einer kleinen Nebenrolle ist Ed O’Neill („Im Tresor ist die Hölle los“) am Anfang seiner Karriere zu sehen.

“Hunde des Krieges” kann als nihilistisch-zynische Bebilderung eines Söldnerlebens immerhin punkten und fährt einen sehenswerten Showdown auf. Dafür muss der Zuschauer allerdings viel formelhafte, wenig spannende Vorbereitung über sich ergehen lassen, bei der sämtliche Figuren sträflich unterentwickelt bleiben. Malen nach Zahlen ohne großen Elan, trotz guter Ansätze.

Die im Text erwähnte Langfassung gibt es auf der US-DVD von MGM zu sehen. Hierzulande wurde “Hunde des Krieges” ebenfalls von MGM/20th Century Fox veröffentlicht, aber nur in der kürzeren Kinoversion, die um Handlung erleichtert wurde. Diese wurde hierzulande ab 16 Jahren freigegeben. Im Bonusmaterial gibt es lediglich den Kinotrailer zum Hauptfilm zu sehen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: MGM/20th Century Fox__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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