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Evils – Haus der toten Kinder

Originaltitel: Dark Awakening__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Dean Jones__Darsteller: Lance Henriksen, Jason Cook, Valerie Azlynn, William Pifer, Lauren Sesselmann, Robert Crayton, Tracey Coppedge, Gil Newsom, Viktor Hernandez u.a.
Evils - Haus der toten Kinder Horror DVD Cover

Lance Henriksen ist zu Gast in “Evils – Haus der toten Kinder”.

Sowohl privat als auch beruflich läuft es für den Staatsanwalt James alles andere als gut. Im Job versenkt eine korrumpierte Jury seinen wichtigsten Fall, was in einer blutigen Tragödie endet. Privat muss er zudem erfahren, dass seine Mutter unlängst verstorben sei. Er beschließt, mit seiner kleinen Familie längere Zeit auf dem Anwesen seiner Mutter zu verbringen. Hier will er einerseits sein Leben wieder in geregelte Bahnen lenken und die Tragödie vor Gericht vergessen. Andererseits will er das Anwesen seiner Mutter für einen geplanten Verkauf vorbereiten.

Doch zur Ruhe kommt James in Cedar Falls, dem Heimatdörfchen seiner Mutter, nicht wirklich. Schon der Empfang gestaltet sich höchst sonderbar. Die hoffnungslos überalterte, verschlafene Gemeinde scheint eine seltsame Obsession für sehr junge Leute und damit vor allem für James’ Sohn Danny zu haben. Obendrein scheint mit dem Haus seiner Mutter irgendetwas nicht so wirklich zu stimmen…

Was auf dem Papier wie ein Kommentar zur Überalterung der Kleinstädte abseits der Ballungszentren klingt, beschert “Evils – Haus der toten Kinder” einen wunderbar creepigen Einstieg. Wenn die alten Leute die jungen Ankömmlinge fast schon gierig in Augenschein nehmen, spürt man sofort, dass hier irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Leider macht der Film aus dieser Prämisse erst einmal gar nichts.

Schaut in “Evils – Haus der toten Kinder” mit Lance Henriksen hinein

Er flüchtet sich lieber beinahe kopflos auf die ausgelatschten Pfade des Haunted-House-Subgenres. Türen, die sich wie von Geisterhand öffnen und schließen, sich von selbst bewegende Gegenstände, von unter dem Bett her auftauchende Monsterhände und ein mit imaginären Freunden kommunizierender Sohnemann: Man kennt alle Ingredienzien des Filmes längst, bevor er sie abzufeuern vermag.

Zudem hat Regisseur Dean Jones („Coffin Baby“), der sein Geld in erster Linie als Make-up-Artist bei Filmen wie „X-Men: Erste Entscheidung“ oder „Frankenfish“ verdient und auch in “Evils” für ein paar nette Maskeneffekte sorgt, kein gutes Händchen beim Spannungsaufbau. In der Folge kommen seine Schockmomente teilweise so krass „out of nowhere“, dass man sie größtenteils gar nicht als Versuch eines Schocks wahrnimmt. Eher als verzweifelten „Hey, nicht wegdösen“-Moment. Spannung, wohliger Grusel oder eine unheilschwangere Atmosphäre baut er so in keinster Weise auf. Da kann er noch so oft Edgar Allan Poe zitieren. Der färbt hier leider nicht ab.

Evils - Haus der toten Kinder

Im Haus der toten Kinder gibt es freilich auch Kinder. Ob die tatsächlich tot sind, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Zudem sind einem die handelnden Figuren von “Evils – Haus der toten Kinder” weitgehend egal. Was weder für deren Charakterzeichnung durchs Drehbuch noch für deren Darsteller spricht. Letzteren wird aufgrund einer reichlich emotionsbefreiten deutschen Synchronisation, die zudem jedwede Umgebungsgeräusche zu schlucken scheint, vollends das Genick gebrochen. Zumindest lassen die relativ langen Auftritte von Lance Henriksen („Daylight’s End“) als Pater der Gemeinde aufhorchen und sorgen aufgrund der souveränen Standgas-Performance des Mimen für die wenigen soliden Schauspielmomente im Film.

Optisch weiß der Film nur bedingt zu überzeugen. Arbeitet er während des Vorspanns noch mit klaren, nicht einmal unattraktiven Naturbildern, wird mit Einsetzen der Handlung massiv mit einem jedwede Schärfe schluckenden Weichzeichner und beständig überstrahlenden hellen Flächen gearbeitet. Das Ergebnis ist eine Optik, die anmutet, als hätte man permanent durch Milchglas gedreht. Leider gibt es für diesen optischen Ansatz keinerlei storytechnische Notwendigkeit. Und gut aussehen mag der entstehende Bildermatsch auch nicht. Der teilweise fast schon anachronistisch klingende Score ruft ebenfalls keinerlei Begeisterungsstürme hervor.

Evils - Haus der toten Kinder Skelette im Keller

Unliebsame Entdeckungen gehören in “Evils – Haus der toten Kinder” zum Horror-Repertoire

In der Folge hat man bei “Evils – Haus der toten Kinder” teilweise schon schwer mit Gevatter Schlaf zu kämpfen. Im Grunde genommen ist es eigentlich nur die Frage, wie das seltsame Verhalten der Dorfbewohner, das in einer großartigen Mall-Sequenz noch einmal genial befeuert wird, mit dem ganzen Spukhaus-Kokolores zusammenpassen soll, die dranbleiben lässt. Und die Beantwortung dieser Frage ist es dann auch, die das letzte Drittel des Filmes durchaus aufwertet. Zwingend logisch ist die Auflösung zwar nicht, zu viele Fragen sollte man auch nicht stellen. Innerhalb der Filmlogik funktioniert sie aber und hat zudem ein paar hübsch inszenierte, sowohl blutig als auch zynisch dargereichte Sequenzen zu bieten, die alles ordentlich zuspitzen und für den bis dahin arg vorhersehbaren Verlauf der Chose entschädigen. Damit zieht dann – sozusagen kurz vor knapp – “Evils – Haus der toten Kinder” noch geradeso seinen Kopf aus der Schlinge und wird nicht als vollkommene Zeitverschwendung begriffen. Netter Schlussgag inklusive. Damit meine ich den, der vor dem Abspann abgefeuert wird. Der danach ist einfach nur Panne.

4 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 1. Februar 2017 von Sunfilm/Tiberius Film und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm/Tiberius Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creepy Hauntings, Reviews

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