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Söldner kennen keine Gnade

Originaltitel: Dai Yat Lui Ying Aau Him__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1980__Regie: Tsui Hark__Darsteller: Lin Chen-Chi, Lo Lieh, Albert Au, Bruce Baron, Richard Da Silva, Nigel Falgate, Pierre Tremblay, Tsui Hark, John Sham, Ray Lui, Terry Tong, Ronny Yu u.a.
Söldner kennen keine Gnade

Trotz markigem Titel ist Tsui Harks „Söldner kennen keine Gnade“ ein Actiondrama mit ambitioniertem Hintergrund

Mit seine ersten Regiearbeiten, „Die Todesgrotte der Shaolin“, „Wir kommen und werden euch fressen“ und „Söldner kennen keine Gnade“, leitete Tsui Hark als junger Wilder die sogenannte neue Welle des Hongkong-Kinos ein, zu der auch die Heroic-Bloodshed-Filme John Woos zählen.

Heroisch ist in „Söldner kennen keine Gnade“ allerdings niemand so wirklich. Die amerikanischen Kriminellen, aus denen die deutsche Synchro eben Söldner machte (was sie ja auch mehr oder minder sind), um sich an das Genre des Söldnerfilms anzudocken, sind als Bösewichte eiskalte Killer, die Verräter und eigentlich jeden, der sich ihnen in den Weg stellt, ohne viel Federlesen exekutieren. Aber Hark stellt diesen keinen Gegenpol entgegen. Selbst der Cop Tan (Lo Lieh), den „Söldner kennen keine Gnade“ noch als am wenigsten schlechte Figur präsentiert, ist alles andere als ein Lichtblick: Ein Hardliner mit viel Durchschlagkraft, aber wenig Verständnis für die Welt um sich, weshalb er auch auf die Verfehlungen seiner Schwester Wan-Shu (Lin Chen-Chi) wahlweise mit Unverständnis oder mit Gewalt reagieren kann.

Wan-Shu stellt sich nämlich als Psychopathin heraus, die Katzen auf Zähne spießt (erfreulicherweise getrickst) und Mäusen Nadeln ins Gehirn bohrt (unappetitlicherweise Tiersnuff). Die unzufriedene Teenagerin, die überall aneckt, beobachtet eines Nachts wie drei Studenten, die je nachdem ob man die internationale Fassung oder den Director’s Cut sieht entweder einen Mann überfahren oder eine Bombe in einem Kino legen. Denn Harks Film bereitete den Zensoren viele Probleme und sie verlangten Änderungen, damit der Film weniger deutlich von der Gewalt innerhalb der Bevölkerung und der Unzufriedenheit gewisser Bevölkerungsschichten handelt.

Mit ihrem Wissen erpresst Wan-Shu das Trio, das ihr nun beim Bombenbau und Aktionen wie der Entführung eines Busses helfen muss. Bei einer derartigen Tat überfallen sie auch den Boten der Söldner und kommen so in den Besitz von Wertpapieren, hinter denen die Truppe her ist – und mit der ist nicht gut Kirschen essen…

Söldner kennen keine Gnade

Wan-Shu (Lin Chen-Chi) ist eine tickende Zeitbombe

Man kann verstehen, was Tsui Hark („Die letzte Schlacht am Tigerberg“) mit diesem Film vorschwebte: Wütend, nihilistisch, unangenehm sollte es werden. Doch all diese ambitionierten Ziele scheitern an der Umsetzung. Schon das Studententrio ist nach den plattesten Nerdklischees gestrickt, es sind drei aus dem gleichen Material geklonte Hornbrillenträger, die wie Tick, Trick und Track mit fast identischer Kleidung durch die Gegend spazieren. Bei den drei Milchbrötchen aus gutem Hause versteht man kaum, warum sie denn nun randalieren, bei der stetig keifenden und irgendwann furchtbar nervenden Wan-Shu deutet alles auf einen mittelschweren Sockenschuss hin. Von Gründen für diese Unzufriedenheit, von gesellschaftlichen Missständen ist kaum etwas zu spüren, mit Ausnahme von Tans Fehlverhalten, aber auch der kann als Einzelfigur, nicht als Repräsentant eines kaputten Systems gesehen werden, zumal er ja trotz aller Fehler noch die eine oder andere positive Qualität besitzt – etwas, was den vier jungen Delinquenten in der Geschichte vollends abgeht.

So randaliert die Meute durch ein zielloses Drehbuch, das erst am Ende mit dem Konflikt mit den Söldner so etwas wie Struktur bekommt, während zuvor die wenig Sinn machenden Aktionen der Youngster neben Tans Ermittlungen in Sachen Verbrechen der Söldner stehen, aber viel zu wenige Berührungspunkte haben, als dass man sich nun wirklich für eine der beiden Geschichten interessieren würde. Ein paar Morde an Figuren, die dem Zuschauer noch egaler sind als die Protagonisten, und eben die Terroranschläge der Jugendlichen sollen wohl provokant sein, verpuffen aber ohne Wirkung, da der Film nicht genug Unterfütterung bietet damit irgendetwas davon auch wirklich schockierend ist.

Söldner kennen keine Gnade

Wan-Shus Bruder, der Cop Tan (Lo Lieh), nimmt jemanden in die Mangel

Dass der Film dann zwischendrin noch auf Humoreinlagen setzt, mag eventuell auch der Intervention von Studio oder Zensurbehörden geschuldet sein, irritiert aber angesichts der angedachten Richtung noch mehr, da sich der Witz und die düstere Stimmung komplett beißen. Sowieso wirkt der Film unsauber, wie ein Übungsprojekt, dem man selten wirklich Finesse ansieht, dessen Schnitt wenig dynamisch ist und dessen Schauspielerführung auch ihre Defizite hat: Lin Chen-Chi („Das Blut der roten Python“) sägt gewaltig an des Zuschauers Nerven, Lo Lieh („Miracles“) kann immerhin ansatzweise die Facetten seiner Figur ausloten, während der Rest seine Figuren nie zu irgendeinem Leben erwecken kann. In Nebenrollen sind Tsui Hark und Ronny Yu zu sehen.

Tatsächlich blitzt kurz die inszenatorische Finesse durch, welche die besten Arbeiten Tsui Harks auszeichnet, und das ist der Showdown. Sind die vorigen Actionszenen oft plump und behäbig, so hat das Finale inszenatorisch tatsächlich wesentlich mehr Pfiff, präsentiert eine Schießerei auf einem Friedhof, die dynamisch inszeniert ist, gleichzeitig aber auch den logischen Endpunkt markiert: Mit jugendlichen Enthusiasmus mögen die Protagonisten ihre gewalttätige Rebellion begonnen haben, doch hier stehen sie geschulten Auftragsmördern gegenüber, deren Handwerk das Töten ist. Dementsprechend werden die Reihen der Hauptfiguren gelichtet, dementsprechend hilflos wirken sie in der Konfrontation mit den Berufskillern.

Doch auch wenn der Showdown zeigt was möglich gewesen wäre, auch wenn Tsui Harks Vorhaben ambitioniert war – entschädigt das für einen konfuses Actiondrama, dessen sozialkritische Komponente nie ausformuliert wird, dessen Figuren wahlweise egal sind oder einem sogar auf den Keks gehen, dessen Inszenierung mehr als holprig ist? „Söldner kennen keine Gnade“ mag als Stimmungsbild mit guten Absichten geschaffen worden sein, die Umsetzung ist aber mehr als dürftig.

Starke:

Die deutsche, ungeprüfte VHS von All Video basiert auf der internationalen Fassung und ist um ein paar Handlungsszenen verkürzt. Eine deutsche Bootleg-DVD enthält die ungekürzte internationale Fassung, der Director’s Cut ist in Frankreich auf DVD erschienen.

© Nils Bothmann (McClane)

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