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Tigerkralle

Originaltitel: Tiger Claws__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 1992__ Regie: Kelly Makin__Darsteller: Cynthia Rothrock, Jalal Merhi, Bolo Yeung, Lisa-Marie Thomas, Franz Fridal, Robert Nolan, Kedar Brown, Ken Quinn, Ernie Cohen u.a.
Tigerkralle

Cynthia Rothrock kickt Bolo Yeung in “Tigerkralle”.

Endlich mal wieder ein Film, in dem Vokuhilas ebenso zelebriert werden wie potthässliche Rotzbremsen. In dem die Leute hinter Metallfässern vor Kugeln in Deckung gehen und Autos explodieren, sobald sie auch nur ansatzweise irgendein Hindernis berühren. Kurzum: Endlich mal wieder ein richtig altes B-Movie! Der Titel: „Tigerkralle“. Die Handlung: Kommt sofort!

Schnuckel-Cop Linda hat die Schnauze voll von lahmen Undercover-Einsätzen, bei denen sie beständig als Dirne verkleidet kleine Fische einsperren muss. Die Karriereleiter wird sie so vermutlich nie hoch fallen. Doch Linda hat Ambitionen. Vor allem, als sie davon hört, dass ein „Todesengel“ genannter Serienkiller die berühmtesten Martial-Artists New Yorks meuchelt. Sie zerrt den Fall an sich, bekommt aber wider Erwarten einen Partner an die Seite gestellt.

Und zwar den suspendierten Drogenfahnder Tarek, der sich erstklassig in Sachen Kampfsport auskennt und Linda den rechten Weg weisen soll. Schnell rauft man sich zusammen und pilgert durch die Kampfsportschulen der Stadt. Der Killer hinterlässt nämlich an seinen Opfern eine eindeutige Signatur: Kratzspuren, die denen einer Tigerpranke entsprechen. Er muss also den Tiger-Kampfstil beherrschen und den lehren nur wenige. Undercover schleust sich Tarek in die Schule ein, die den Kampfstil als einzige in New York zu unterrichten scheint…

„Tigerkralle“ ist extrem behäbige Thriller-Dutzendware, deren einziger spezieller Anreiz die Mystifizierung der Kampfsportarten per se ist. Diese werden in geheimen Zirkeln gelehrt, verändern die Menschen und können das Gute oder Böse in ihnen betonen. Davon abgesehen wird die Handlung vom Zufall vorangetrieben. Weder machen die Ermittlungen der beiden Cops Sinn noch scheint der Killer, der dem Zuschauer weit vor den Helden bekannt ist, irgendein echtes Ziel zu verfolgen oder von irgendeiner Motivation angetrieben zu sein.

Das größte Problem jedoch ist, dass die Killerjagd den Film nicht trägt. „Tigerkralle“ wirkt vollkommen ereignislos, zieht sich wie Kaugummi und holpert recht ungelenk von einem Schauplatz zum nächsten. Diese sehen durch die Bank sehr billig, sehr abgerissen und ziemlich karg aus, was für den gesamten Film gilt. Der wirkt beständig unterfinanziert, was sich auch in der Action niederschlägt. Der einzige Shootout des Filmes ist ein choreografischer Witz und richtig gut werden die Fights auch erst im Finale.

Bis dahin darf vor allem Bolo Yeung („Bloodsport“) als Killer gar nichts zeigen. Meist sieht man nur seine Hand an einem Körperteil eines Gegners vorbei wischen und schon fällt der tot um. Die beiden Hauptdarsteller Cynthia Rothrock („China O’Brien 2“) und Jalal Merhi („Talons of the Eagle“) dürfen da schon mehr ran, bestreiten aber ebenfalls vornehmlich kurze und knackige Fights. Diese lassen zumindest eine Choreographie erkennen, wobei interessanterweise deutlich auffällt, dass die Kampfsporteinlagen von Cynthia um ein Vielfaches besser inszeniert wirken.

In den Actionszenen ist der sonst sehr zähe Film deutlich dynamischer. Vor allem diverse Einstellungen aus halber Höhe sorgen für ein paar nette Momente. Auch der Schnitt und die Kamera sind in diesen Momenten um ein Vielfaches besser als in den schnarchigen Handlungsszenen. Die fallen nur in den Momenten rund um Bolos Killer aus dem Rahmen, wenn mal eine Komplementärfarben-Optik bemüht wird.

Darstellerisch muss man sich von diesem Dreigestirn nichts erwarten. Merhi geht jedwedes Charisma vollkommen ab, dafür wirkt er in den Kampfszenen brauchbar und die Chemie mit Cynthia stimmt. Die spielt derweil einfach nur sich selbst (die Biografie ihrer Figur hat einige Parallelen zu ihrer eigenen) und zeigt in den Fights ihre üblichen Signature-Moves. Und Bolo? Da muss man nicht viel sagen: Er zeigt seine imposanten Muskelberge, lässt ein paar wilde Grimassen vom Stapel und kickt. Wie immer halt.

Das Ergebnis ist ein trantütiger Killer-Thriller, der unter chronischer Ereignisarmut leidet, im Mittelteil diverse langweilige Momente generiert und auch in der Action niemals mitreißend oder spektakulär gerät. Ein gewichtiger Grund für die meisten Probleme dürfte das sichtlich schmale Budget gewesen sein. Zumindest bedienen die Kampfsportszenen die gewohnten Standards ihrer Stars und sind so zumindest ein Argument für die Fans, diesen Film zu konsumieren.

„Tigerkralle“ erschien Anfang März gemeinsam mit den Fortsetzungen erstmals ungeschnitten auf DVD von Imperial Pictures! Die DVD ist ungeprüft, hat ein nettes Interview mit Cynthia Rothrock an Bord und verfügt leider nur über gehobene VHS-Qualität, was das Bild angeht.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Imperial Pictures__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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