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Out of Inferno

Originaltitel: Tao Chu Sheng Tian__Herstellungsland: China, Hongkong__Erscheinungsjahr: 2013__ Regie: Oxide Pang, Danny Pang__Darsteller: Lau Ching-Wan, Louis Koo, Chen Sicheng, Angelica Lee, Jin Qiaoqiao, Eddie Cheung, Joe Ma Tak-Chung, Hui Siu-Hung, Terence Chui u.a.
Out of Inferno

Zwei Brüder im Kampf gegen ein gigantisches Hochhausfeuer: “Out of Inferno”.

Die eineiigen Zwillinge Danny und Oxide Pang, 1965 in Hongkong geboren, erlebten 1999 ihren Durchbruch als Regisseure mit dem in Thailand inszenierten Actionstreifen „Bangkok Dangerous“. 2002 gelang ihnen ein weiterer großer Erfolg mit dem Gruselstreifen „The Eye“. Beide Filme mögen keine Meilensteine ihres jeweiligen Genres gewesen sein, boten aber überdurchschnittlich gute Unterhaltung und kündeten von dem atmosphärischen und bildgestalterischen Gespür ihrer Macher. Unter diesen Vorzeichen durfte man durchaus gespannt sein auf den ersten Katastrophenfilm der Pang-Brüder. Denn einen unterhaltsamen, toll aussehenden Desaster-Film nimmt man als Actionfan doch nur zu gerne mit.

Und die Brüder machten Nägel mit Köpfen und wuppten einen Big-Budget-Katastrophenfilm, für den man man wochenlang ganze Straßenzüge absperrte, mehrere Feuerwehr-Löschzüge befehligte, überwiegend mit realen Flammen zündelte und das ganze auch noch in ein 3D-Gewand kleidete. Über das Ergebnis goss man final eine dicke Schicht Pathos drüber. Und spätestens hier meinte man es dann zu gut…

Die Brüder Qiang und Dajun haben sich nicht mehr viel zu sagen. Ein Ereignis in der Vergangenheit entzweite die beiden und ließ die passionierten Feuerwehrleute getrennte Wege gehen. Während Dajun bei der Feuerwehr blieb, nahm Qiang ein Angebot einer privaten Brandschutzfirma an, wo er flott die Karriereleiter nach oben fiel. Als er sich in einem gigantischen Hochhaus, dessen Brandschutz-Anlage er mit designte, für seine Erfolge feiern lassen will, bricht im Steuerungsraum der Klimaanlage ein Feuer aus.

Dieses breitet sich rasch aus und macht das Gebäude zu einer Todesfalle. Die anrückende Feuerwehr wird natürlich von Dajun angeführt. Das Brisante: In dem Gebäude befindet sich Dajuns schwangere Ehefrau und der einzige, der ihr wirklich helfen kann, ist Qiang…

Was man Danny und Oxide Pang definitiv nicht vorwerfen kann, ist, dass sie Zeit schinden würden. Wenige Minuten nach Filmbeginn rollt schon die Feuersbrunst durch die Gänge des Hochhauses und sorgt für ordentlich Action. Das Problem ist, dass in der kurzen Zeit freilich keine der Figuren auch nur ansatzweise so etwas wie eine Einführung erhalten hat. Stattdessen hangelt sich der Film von Klischee zu Klischee: Die verfeindeten Brüder, die nervige schwangere Ehefrau, der Egomane, der Feigling,… Die absehbare Folge: So recht interessiert den Zuschauer nicht, wer hier warum ins Gras beißt.

Das Schlimmste: Selbst die beiden Hauptfiguren wollen nicht funktionieren. Zum einen bekommen die Brüder Qiang und Dajun erst nach über der Hälfte der Laufzeit so etwas wie ein plausibles dramaturgisches Rückgrat eingezogen und zum anderen reißen die beiden Hauptdarsteller ihre Rollen seltsam lethargisch runter. Qiang etwa wirkt aufgrund des unbedarften Spiels von Louis Koo („Lethal Warrior“) als Feuerbekämpfer vollkommen unglaubwürdig. Dagegen irritiert Lau Ching-wan („Black Mask“) mit einem total emotionslosen Spiel. Ob da nun sein Bruder oder seine Frau verbrennt, scheint der Figur völlig egal zu sein. Wenn es dann tatsächlich einen Verwandten in einer wahrhaft absurden Szene „erwischt“, lässt einen die Eiseskälte der Figur förmlich erschaudern. So findet man nie in den Film hinein und ist in der Folge auch nicht bereit, weitere kleinere Problemchen einfach hinzunehmen.

Und der Problemchen gibt es noch einige! So reißt die Story nicht nur nicht mit, sie ist zu weiten Teilen auch seltsam unlogisch und in den schlimmsten Fällen sogar unglaubwürdig. Zudem entwickelt man keinerlei Gespür für die Räumlichkeiten. Sind die vom Feuer Eingeschlossenen nun im 40. oder 18. Stock? Und warum? Warum wird die ganze Zeit von einem Fluchtstockwerk gelabert, aber gefühlt kommt dort nie jemand an? Genauso irritierend sind mit Wassermassen geflutete Fahrstuhlschächte oder Feuerwehr-Löschzüge, die vor dem brennenden Haus stehen und nicht mit Wasser drauf halten.

Und da rede ich noch gar nicht von urplötzlich auftauchenden Walkie-Talkies oder Feuerwehrtrupps, die beinahe teilnahmslos durch die Gänge schlurfen. Geschweige denn von den Special Effects. Einer der Pferdefüße des aktuellen chinesischen Kinos. Da zündelt man am Set mit echten Flammen, bringt die Schauspieler in Gefahr (siehe Making Of) und anstatt sich auf diese Schauwerte zu beschränken, pimpt man jede Feuer-Sequenz mit halbgaren CGIs. Der Grund ist klar: Man wollte die Inferno-Szenen für den 3D-Effekt noch räumlicher wirken zu lassen. In 2D bleiben leider kaum mehr als verwaschen und weich wirkende Flammen, die immer einen Hauch des Unnatürlichen haben. Die Rauchschwaden um das Haus herum oder die Explosionen einzelner Stockwerke in der Totalen sehen leider keinen Deut besser aus.

Dennoch hat „Out of Inferno“ auch seine Momente. Wenngleich die Handschrift der Regisseure nicht mehr so deutlich zu spüren ist, gelingen ihnen dennoch ein paar imposante Bilder und Spannungsspitzen. So sorgt eine Flucht-Sequenz über einen Kranausleger dank dynamischer Kameraarbeit und diverser Perspektiv-Spielereien für ein beklemmendes Höhenangst-Gefühl. Interessant sind auch die Momente, in denen die Brüder das gebotene Katastrophen-Szenario (beispielsweise in der Gefahrengut-Szene) noch toppen. Obendrein ist so manche Mensch-gegen-Zündelei-Szene mit fetten Zeitlupen ordentlich überinszeniert und verschafft dem Film geniale, leider zu selten eingesetzte Schauwerte.

Was am Ende bleibt, ist ein Film mit einer fetten Feuersbrunst, der einen trotz hitziger Bilder vollkommen kaltlässt. Was vor allem an den katastrophal unterentwickelten Figuren liegt, die den Zuschauer mit immer noch seltsameren Handlungen auf Abstand halten. Dass die eigentlich versierten Darsteller auf diesen Umstand beinahe hilflos reagieren, macht die Sachlage keinen Deut besser. Schlägt dann dank schwülstiger Musik der Pathoshammer richtig zu (und das macht er oft), rutscht „Out of Inferno“ gar ins Unfreiwillig-Komische ab, was so manche glorios gemeinte Szene regelrecht grotesk wirken lässt. Soll es also ein „Flammendes Inferno“-Remake aus Fernost sein, bleibt der südkoreanische „The Tower – Tödliches Inferno“ erst einmal konkurrenzlos. Für alle Feuerfans bleibt derweil „Backdraft“ die Nummer eins. An diesen erinnert in „Out of Inferno“ die eine oder andere Einstellung übrigens überdeutlich.

Die deutsche DVD und Blu-ray kommt am 25. März 2016 von Edel: Motion Film und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Ein chaotisches, sehr selbstbeweihräucherndes Making Of erlaubt ein paar hübsche Blicke hinter die Kulissen des Filmes. Achtung: Der Film läuft schon am 22. März 2016 um 20:15 Uhr auf Tele 5!

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Edel: Motion Film__Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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