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Zero Tolerance – Auge um Auge

Originaltitel: Zero Tolerance__Herstellungsland: Thailand__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Wych Kaosayananda__Darsteller: Dustin Nguyen, Scott Adkins, Sahajak Boonthanakit, Gary Daniels, Prinya Intachai, Kane Kosugi, Ammy Chanicha, Steven Clarke, Natalie Lorence u.a.
Zero Tolerance

Scott Adkins, Gary Daniels, und Kane Kosugi stießen erst spät zu “Zero Tolerance”, der vorher ein ganz anderer Film war.

Als Regisseur hat man es manchmal sehr schwer. Man hat eine Vision von einem Film, die man konsequent umsetzt. Man ist stolz auf das Ergebnis und man hofft, die Zuschauer werden die Mühen honorieren. Tja, und dann kommt es ganz anders. So geschehen bei „Zero Tolerance“, der ursprünglich „Angels“ hieß und sich partout nicht an weltweite Distributoren verkaufen lassen wollte. In seiner Not engagierte Regisseur Wych Kaosayananda, der mit seinen bisherigen Filmen samt und sonders keinerlei Glück hatte, zwei international bekannte B-Stars, drehte einige Szenen nach, verschob die Gewichtung seines ursprünglich dramatischen Streifens in Richtung Action und schaffte es so, seinen Film doch noch an die Käufer zu bringen. Diese grundlegenden Umwälzungen hinter den Kulissen merkt man „Zero Tolerance“ leider häufiger an…

Eines Tages wird in Bangkok eine nackte Frauenleiche angetrieben. Der ermittelnde Cop Peter erkennt die junge Frau sofort. Umgehend bricht er gen Vietnam auf, um Johnny, den Vater der jungen Frau, zu treffen. Die beiden kennen sich von ehemaligen Black-Ops-Zeiten und sind einander nach wie vor in Freundschaft verbunden. Kein Wunder also, dass Peter Johnny anbietet, er könne ihn bei seinen Ermittlungen im Hintergrund unterstützen. Immer mit der Option, wegzusehen, wenn Johnny sich an dem Täter rächen will.

Bald schon soll Peter diesen Pakt ziemlich bereuen, denn seine Behörde kann gar nicht so schnell die Leichensäcke nachbestellen, wie Johnny diverse Lumpen in selbige hinein befördert. Immer skrupelloser fährt Johnny durch Bangkoks Unterwelt und richtet mit eiskalter Präzision alles und jeden hin, der irgendwie in Verbindung mit dem Schicksal seiner Tochter stand…

Das Ergebnis ist trotz der Irrungen und Wirrungen hinter den Kulissen zunächst mal ein erstaunlich schnörkelloser Rache-Reißer, der in seiner Hauptfigur einen Charakter etabliert, der ohne großes Fragen, wenig zimperlich und unbeirrt seinen Weg geht. Die Vehemenz, mit der er das tut, wird durch den Tod der Tochter zwar einigermaßen legitimiert, vor allem zu Beginn sind die rabiaten Aktionen Johnnys aber ziemlich verstörend, da dramaturgisch kaum unterfüttert. Teilweise fragt man sich sogar, wen er da gerade warum umnietet.

Zero Tolerance

Peter und Johnny ermitteln im Tod von Johnnys Tochter.

So richtig schlüssig will „Zero Tolerance“ (nicht verwechseln mit dem Robert Patrick PM-Entertainment-Reißer!) vor allem zu Beginn also nicht anmuten. Doch mit der Zeit bessert sich das. Was vor allem auch daran liegt, dass Dustin Nguyen und Sahajak Boonthanakit („Skin Trade“) als ermittelndes Duo prächtig funktionieren und auch einiges an Emotionalität in den Film hineintragen – was für eine nett melancholische Grundstimmung sorgt. Das Voranschreiten der Ermittlungen wirkt zwar immer noch recht zerfahren und zufallsgesteuert, mehr und mehr erfasst man aber, wen es gerade erwischt. Über das jeweilige „Warum“ schweigt sich der Film aber nach wie vor sehr gerne aus. Der lebt aber auch mehr von seiner Atmosphäre und seiner Action.

Regisseur Wych Kaosayananda („Tekken 2“) zelebriert ein viriles Bangkok mit rauen und grobkörnigen Bildern unter denen ein treibender Score pumpt. Er taucht in Rotlichtviertel und Sexclubs ein, thematisiert Zuhälterei und Drogenmissbrauch und gibt sich auch sonst große Mühe, dem thailändischen Tourismusverband keine Kunden zu bescheren. Denn sein Bangkok ist ein Moloch, getrieben von Kriminalität und angefüllt mit kaputten, nur auf ihren eigenen Vorteil bedachten Charakteren. Sobald es Nacht wird in der Stadt, übernimmt eine kräftige Komplementärfarben-Dramaturgie und taucht die Stadt in blaue, rote und gelbe Farbe. Das lässt Bangkok bei Nacht fast zu einer Art Parallelwelt bar jeder Hoffnung mutieren. Hier steigen dann auch die meisten Actioneskalationen.

Zero Tolerance

Ist Scott Adkins in den Mord verwickelt?

Diese sind roh und brutal und bestehen überwiegend aus Shootouts. Dabei darf vor allem Dustin Nguyen („The Man with the Iron Fists 2“) durch die Gegnerscharen fahren, was, nach den letzten eher müden Actionauftritten des 21-Jump-Street-Serienstars, erstaunlich gut funktioniert und einige coole Momente generiert. Leider wird aufgrund der Entstehungsgeschichte des Filmes das Potential der durchaus prominenten B-Action-Co-Stars weitgehend verschenkt. Deren Auftritte wirken nämlich immer etwas unrund in den Film implementiert:

Kampfsportfloh Kane Kosugi („Ninja – Pfad der Rache“) wird dementsprechend gleich in den ersten 5 Minuten des Filmes geopfert, ohne irgendetwas gezeigt zu haben. Kein Kick, kein Schlag, nichts. Gary Daniels („The Expendables“) hat zumindest mehr Screentime abbekommen als Kosugi, darf von seinen Kampfsportfähigkeiten aber auch nichts zeigen. Seine Figur dient ausschließlich der Story des Filmes und bietet für den Engländer ein paar nette darstellerische Momente. Richtig im Film ankommen will er aber nicht. Mit dem dritten Co-Star wird sowohl in den USA als auch bei uns in Deutschland kräftig geworben: Die große Hoffnung des B-Filmes, Scott Adkins („Close Range“), drückt auf den Covern weltweit sogar Hauptdarsteller Dustin Nguyen extrem in den Hintergrund.

Im Film selber darf er das nicht. Da ist er kaum mehr als ein weiterer Strich auf Johnnys Rache-Liste. Zumindest darf er dem Rächer einen netten Kampf aufzwingen. In dem kann Adkins aber beileibe nicht das zeigen, was er drauf hat. Sonst hätte er Nguyen als Held vermutlich ziemlich lächerlich aussehen lassen. Schade ist, dass sich Adkins Rolle aus den bekannten Gründen nicht wirklich schlüssig in die Handlung einfügt, was im Übrigen auch für einen herrlich abstrusen Dialogwitz sorgt.

Zero Tolerance

Oder ist doch Gary Daniels der Mörder?

Ein weiterer echter Knackpunkt an „Zero Tolerance“ ist sein eigenwilliges Ende. Je nach Lesart beschert es dem Film entweder eine verdammt bittere Schlusspointe oder führt ihn komplett ad absurdum. In beiden Fällen wird die ganze Mission Johnnys und dessen hartes Vorgehen in Frage gestellt. Eigentlich ein verdammt reizvoller Moment. Blöd ist nur, dass der Film bis dahin seine Gewalt (Kopfschüsse en masse, Waffenschlitten werden in Hälse gerammt,…) viel zu sehr als Mittel zum Zweck unreflektiert auf den Zuschauer einprasseln ließ. Das lässt den finalen Twist in jedem Fall dramaturgisch komplett in der Luft hängen und die intendierte Wirkung ziemlich rätselhaft erscheinen.

Doch irgendwie mag man „Zero Tolerance“ weder seine unrunde Story noch sein Ende wirklich übel nehmen. Zumindest, wenn man die Entstehungsgeschichte des Filmes bedenkt. Vielmehr ist man sogar neugierig, wie der Film ohne seine internationalen Gaststars ausgesehen hätte. In der jetzigen Form kann man „Zero Tolerance“ zumindest anrechnen, dass er trotz des Chaos’ ein durchaus involvierender, harter, atmosphärisch dichter und spannungstechnisch ordentlicher Actionfilm geworden ist.

Das Review basiert auf der ungeschnittenen Code-1-DVD von Lionsgate, die ein R-Rating erhalten hat. In Deutschland wird der Film am 11. Februar 2016 von Sunfilm / Tiberius Film auf DVD und Blu-ray in den Handel kommen. Diese haben eine erstaunlich milde FSK 16 Freigabe erhalten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm/Tiberius Film__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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