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Bad Country

Originaltitel: Bad Country__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Chris Brinker__Darsteller: Amy Smart, Willem Dafoe, Neal McDonough, Matt Dillon, Tom Berenger, Bill Duke, Chris Marquette, Kevin Chapman, J.D. Evermore, Frederick Weller u.a.
Bad Country

Willem Dafoe und Tom Berenger geraten nach “Platoon” in dem Thriller “Bad Country” mal wieder aneinander.

Bud Carter ist ein raubeiniger Cop im Bundesstaat Louisiana mit einer ordentlichen Aufklärungsquote. Doch er hat das Gefühl, dass er mit jedem gelösten Fall nur an der Oberfläche kratzt. Er glaubt, dass hinter allen Verbrechen in seinem Bezirk eine gigantische Organisation steckt. Beweise dafür hat er keine und eine Handhabe dagegen erst recht nicht. Da gelingt es ihm bei einem Undercover-Einsatz, den Bruder des Schwerkriminellen Jesse Weiland festzusetzen. Über den Bruder kommt man auch an Jesse heran und verhaftet auch ihn. Doch keiner von beiden mag mit den Cops kooperieren. Bud steht wieder vor dem Nichts. Da wird Jesses Bruder im Knast Opfer einer Überdosis. Jesse ist schnell klar, dass dies kein Selbstverschulden war. Auch seine Familie scheint plötzlich ins Kreuzfeuer von seinen Bossen zu geraten. Damit sind die Hintermänner zu weit gegangen…

Jesse beschließt, mit Bud zusam- menzuarbeiten, solange der ihm die Sicherheit seiner Familie garantiert. Ab sofort beginnt Jesse nach und nach die Verstrickungen einer Organisation des abgefeimten Bösewichts Lutin aufzudecken. Dieser hat Verbindungen, die weiter reichen, als es Bud oder irgendein anderer Gesetzeshüter je hätten erahnen können. Sogar in Washington hat er Lobbyisten, die nur zu gerne mit Lutin zusammenarbeiten und sich die Taschen vollmachen. Doch wie lange wird das doppelte Spiel des Informanten Jesse unentdeckt bleiben?

Bad Country

Bud (Willem Dafoe) ist auf der Jagd nach Lutin (Tom Berenger).

Regisseur Chris Brinker ging bereits vor Jahren mit der Idee zu „Bad Country“ schwanger. Damals war er noch vornehmlich als Produzent tätig und betreute unter anderem „The Boondock Saints“. Hier konnte er Willem Dafoe für sein Baby begeistern und indirekt auch verpflichten, doch es sollten noch gut zwölf Jahre ins Land gehen, bis Brinker seinen Film inszenieren konnte.

Das Ergebnis liegt nun vor und deutet zu Beginn an, dass der folgende Film auf wahren Begebenheiten beruhen könnte. Er spricht es nicht explizit aus, die Eröffnung aber deutet etwas in die Richtung an und nimmt leider auch schon das Ende des Filmes vorweg. Da der Film im Abspann auf dem gewohnten Wege zu reiner Fiktion erklärt wird, fragt man sich schon, warum Brinker diesen etwas seltsamen Ansatz wählte, hat sein Film es doch so ziemlich schwer, wirklich Spannung aufzubauen. Schließlich weiß man durch seinen „Kunstgriff“ von Anfang an, wie das Ganze enden wird. Und dahingehend gibt es auch keinerlei Überraschungen. Vermutlich war Brinker der Weg zu seinem Ziel wichtiger als das Ziel selbst. Doch auch dieser Weg ist vor allem zu Beginn wenig packend.

Bad Country

Gangster Jesse (Matt Dillon) soll Bud helfen.

Man hat all das schon zigfach gesehen. Ein Verbrecher wird umgedreht. Er arbeitet fortan für die Cops und muss aufpassen, dass sein Doppelspiel nicht auffliegt. Diesen Ingredienzien gewinnt „Bad Country“ auch keinerlei neue Seiten ab. Wirkliche Spannung kann er erst aufbauen, als er sich an unantastbar geglaubte Figuren heranwagt und diese aus dem Spiel nimmt. Plötzlich scheint sich die Schlinge um Jesses Hals unauf- haltsam zuzuziehen und seine „Cop-Freunde“ wirken rundweg überfordert mit der Situation. Weswegen Jesse selbst das Heft in die Hand nimmt und für einen brachialen Showdown sorgt. Mit Aufkommen dieser Einzelgänger-Momente des Charakters Jesse läuft „Bad Country“ dann endlich wirklich rund.

Bis dahin muss sich der Film eigentlich rundweg auf seine Darsteller verlassen und hat dahingehend eigentlich keinen Grund zum Klagen. Willem Dafoe („Saigon“) verleiht seinem Bud Carter ordentliche Konturen und macht als harter Cop einen hervorragenden Job. Nach kurzer Zeit wird er von einem souverän aufspielenden Matt Dillon („Wild Things“) als Informant Jesse flankiert. Dieser hat freilich den Vorteil, dass seine Figur aus sich heraus so ziemlich die spannendste des gesamten Filmes ist. Als seine Frau hat Amy Smart („Crank“) kleine aber präzise Auftritte und sorgt für das notwendige Herz im Film. Als Supergangster Lutin erleben wir einen stets supercool gekleideten Tom Berenger („Sinners and Saints“), der seinem Bösewicht ordentlich Stil, Format und Größe verleiht, dessen Gefährlichkeit aber weitgehend nur eine Behauptung des Drehbuchs darstellt, da er durchgehend seine Henchmen in die Spur schickt, anstelle selbst aktiv zu werden. An seiner Seite agiert ein erstaunlich gegen den Strich besetzter Neal McDonough („R.E.D. 2“) als feiger Anwalt. Bill Duke („Phantom Kommando“) rundet den starken Cast trefflich ab.

Bad Country

Doch Jesse mischt erst mit, als seine Familie in Gefahr gerät.

Actiontechnisch langt „Bad Country“ einige Male ordentlich hin, wobei sich die Szenen von Actioneinlage zu Actioneinlage beständig steigern, was Blutzoll und Bodycount angeht. Highlight dahingehend ist freilich der von Stuntman und Darsteller Ron Yuan inszenierte Showdown, in dem Willem Dafoe und Matt Dillon mit Großkalibern klar Schiff machen und ein von James Lew cool choreographierter Messer- kampf beider Darsteller mit Tom Berenger, der ordentlich Laune macht. Was leider ein wenig fehlt, sind echte Höhepunkte. Die Action ist durchweg eher klein skaliert, es spritzt nur CGI Blut und weder Explosionen noch Car Chases durchbrechen die sehr geerdete Inszenierung. Hierfür dürfte aber in erster Linie das niedrige Budget verantwortlich zeichnen.

Dieses nutzte man offensichtlich zum einen für den netten Starauftrieb und zum anderen für die stimmige Ausstattung des Filmes, dem man mühelos seinen 80s Zeitrahmen ansieht. Die Bärte sind wundervoll schräg, die Klamotten herrlich daneben. Das hat schon ordentlich Flair. Leider wollte mir die Inszenierung des Schauplatzes Louisiana einfach nicht zusagen. Im Making Of zu dem Film schimpfen alle Darsteller über die stete Hitze am Set, im Film bekommt man davon nichts mit. Das Hitzige, Schwitzige, Schmuddelige, es fehlt „Bad Country“ vollkommen. Die langweilige Digitaloptik plättet jeden Anflug von atmosphärischer Dichte. Schade. Dafür mühen sich die Darsteller redlich und weiß der Film nach einem etwas verhunzten Start durchaus zu gefallen und einiges an Spannung zu lancieren. Der hübsche Showdown des auch von Cole Hauser produzierten Filmes macht die solide, leider etwas zu brave Unterhaltung perfekt. Das Traurige an „Bad Country“ ist, dass der Regisseur selbst sein langjähriges Herzblutprojekt wohl nie final gesehen haben wird. Er starb vor der Veröffentlichung seines Babys…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 14. April 2014 von Sony Pictures Home Entertainment und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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