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Not Without Hope

Originaltitel: Not Without Hope__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Joe Carnahan__Darsteller: Zachary Levi, Josh Duhamel, Quentin Plair, Terrence Terrell, Marshall Cook, JoBeth Williams, Floriana Lima, Leeshon Alexander, Jessica Blackmore, Edward De Gaetano, Chris Dingli, Priya Jain, James Martin Kelly, Armida Lopez, George C. Owens, John-Paul Pace, Davina Reeves u.a.
Not Without Hope Blu-ray Cover

Survival-Thrill in „Not without Hope“.

Hang in There

Wenn Kriegsfilme Parabeln auf gesamtgesellschaftliche Zustände sind, dann ist „Not Without Hope“ eine Parabel auf Kriegsfilme. Eine Geschichte nach realen Begebenheiten über vier Jungs in der Blüte ihres Lebens, deren größte Sorge das nächste NFL-Match ist, bis unverhofft alles anders kommt. Aus dem Komfort ihres Daseins gerissen durch ein Missgeschick (das vermutlich unglücklichste seit der vergessenen Leiter aus „Open Water 2“) binnen eines plötzlichen Wetterumschwungs, und nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war.

Hoffnung ist das Leitmotiv dieses Survival-Dramas, das sich aus den innersten Gedanken heraus über ein kollektives Ich-Du-Wir-Mantra materialisiert, welches nicht nur auf dem Spielfeld, sondern erst recht verloren auf hoher See seinen Zweck erfüllt. In den fast schon kitschig zu bezeichnenden, vor Harmonie strotzenden ersten Minuten werden etliche Vorschatten der kommenden Ereignisse eingebaut, indem die Männer beim Training über die Verbundenheit zum Meer sinnieren oder die Ende der 2000er relevanter werdenden Sensibilitäten zu Themen wie Rassismus und Diversität ironisch gebrochen werden. Beim Grillabend mit Freunden und Familie stellt der Kindermund in aller Unschuld sogar zur Debatte, ob Fische Schmerzen leiden, wenn sie aus dem Ozean gefischt werden, nicht ahnend, dass die Rollen bald getauscht werden.

Wie im Kriegsfilm

Im Hauptakt tappt Regisseur Carnahan, der zugleich auch die Buchvorlage des Überlebenden Nick Schuyler als Drehbuch adaptierte, dann in sämtliche Klischees. Parallelmontagen zwischen den Männern im Überlebenskampf und den bangenden Frauen am sicheren Hafen bestimmen den Rhythmus. Anstatt von Briefen werden SMS an die Liebsten geschrieben; anstatt der grünen Hölle setzt die blaue zu einer schmerzhaften Umarmung an. Es sind nicht die Deutschen oder die Vietkong, die die Kämpfenden umkreisen, sondern die Flossen neugieriger Haie. Die Mittel mögen sich unterscheiden, indirekt fügt Carnahan seiner Filmografie hingegen zweifellos ein Drama der Kriegsgattung hinzu – und lässt sein Drama dadurch in Pathos ertrinken.

Bei einem sehr ähnlichen Ansatz konnte er diese Falle 2012 mit „The Grey – Unter Wölfen“ noch umgehen. Nun jedoch belädt er Josh Duhamel („Blackout – Im Netz des Kartells“) als Entscheidungsträger in der Zentrale mit der Doppelaufgabe, die Rettung der Männer von außen zu koordinieren, während er gleichzeitig als Meta-Kommentator der aussichtslosen Lage eingesetzt wird. Das führt unter anderem zu einer bizarren Out-of-Character-Situation, in der er einer Mitarbeiterin äußerst bildhaft und mit starrem Blick ins Leere schildert, welch grausames Schicksal es sei, im kalten Wasser zu erfrieren, anstatt die Operation entsprechend seiner eigentlichen Einstellung so schnell voranzutreiben wie nur möglich.

Viel Wasser, wenig Tiefe

Zwischen den erbarmungslosen Wogen des Meeres wiederum versäumt es der Film, in die Perspektive seiner Figuren einzutauchen. Es mag für die Spannung zweckdienlich sein, alle vier Charaktere gleichermaßen neutral zu betrachten, um nicht vorab zu verraten, wer von ihnen überleben wird und wer nicht, allerdings fehlt deswegen über weite Strecken der Zugang zu ihnen allen. Weder werden angesichts der katastrophalen Lage Konflikte thematisiert noch mögliche Schuldgefühle erforscht. Das Handeln der Figuren hat etwas Mechanisches an sich, und das nicht nur im Sinne der immer stärker erlahmenden Steuerung körperlicher Funktionalität. Es stellt sich mitunter die Frage, was sich aus diesen langen Sequenzen eines ohnehin unnötig ausgedehnten filmischen Korpus ziehen lässt.

Dann schließlich wird „Not Without Hope“ mit ungebremster Wucht sentimental, geht voll auf die Tränendrüse, überrumpelt mit manipulativem Geschick die Gefühle des Betrachters, dem jedoch dabei nicht entgeht, dass er manipuliert wird. Das gesamte minimalistische Konstrukt wirkt im Grunde künstlich: Man sieht im Endeffekt nur einen Wassertank, in dem mit Druckluft Wellen unterschiedlichster Formen erzeugt werden; einen grauen Himmel ohne Details, der einmal eine Greenscreen war; Flossen, die mit einer mechanischen Vorrichtung um die treibende Miniaturinsel geschleust werden. Stilistisch hebt sich die Kameraarbeit ohnehin weniger durch spannende Kompositionen hervor, sondern allenfalls durch manipulierte Linsen, mit denen zwischen subjektiver und objektiver Perspektive gewechselt wird – eine beschlagen vom peitschenden Wasser, die andere cineastisch aus dem gehobenen Winkel. Das ist allerdings kein Ersatz für die fehlende psychologische Komponente.

„Not Without Hope“: Hochsee-Thrill nach Schema F

Carnahan findet letztlich keinen Platz für sein Leitmotiv. „Not Without Hope“ pendelt unentschlossen zwischen rohem Überlebensinstinkt und existenzieller Rührseligkeit, ohne die beiden Seiten derselben Medaille jemals in Einklang bringen zu können. Vom Festland kommen lediglich Klischees, um die außer Kontrolle geratene Situation zu kommentieren; sie verstärken die Aussage nicht, sondern verwässern sie. Das Schicksal der Figuren lässt keinesfalls kalt, erst recht nicht angesichts des Umstands, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Die Erzählung scheitert jedoch dadurch, dass es ihr nicht gelingt, dem Stoff völlig unabhängig von etablierten Konventionen eine eigene Perspektive abzuringen.

4 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

Schaut in den Trailer

„Not Without Hope“ feierte seine Premiere im Oktober 2025 beim Austin Film Festival. Ein deutscher Kinostart fand nicht statt. Am 29. Januar 2026 erschien über Vuelta im Vertrieb von SquareOne / Al!ve eine Blu-ray mit deutschem und englischen Ton. Aktuell lässt sich der Film auch über das Basisprogramm von Amazon Prime streamen.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Vuelta / SquareOne / Al!ve__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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