Stolze 34 Jahre dauerte es, bis der Hongkong-Actionfilm „Mission of Justice“ in Deutschland als Pseudosequel „Angel Terminators 3“ erschien. Die Spezialagentinnen Moon Lee und Cynthia Luster alias Yukari Ôshima müssen einen Drogendeal im Dschungel verhindern, beschatten die Verdächtigen und hauen Kauleisten platt. Eine davon gehört Gary Daniels, der ganz kurz im Prolog des Films vorbeischaut.
| Originaltitel: Gam Saam Gok Kwan Ying Kooi__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Lu Chin-Ku__Darsteller: Moon Lee, Yukari Ôshima, Carrie Ng, Betty Mak, Tommy Wong Kwong-Leung, Mark Houghton, Gary Daniels u.a. |

Gary Daniels hat einen Miniauftritt in „Angel Terminators 3 – Mission of Justice“, in dem Moon Lee und Cynthia Luster gegen Gangster kämpfen
Stolze 34 Jahre dauerte es, bis der Hongkong-Actionfilm „Mission of Justice“ es auch nach Deutschland schaffte – unter dem Titel „Angel Terminators 3 – Mission of Justice“. Wobei es sich bei den Pseudovorgängern eh um eine Reihe handelt, die lediglich in der deutschen Titelgebung vorkommt, auch wenn sich dieser mit dem zweiten Teill immerhin die Stars Moon Lee und Yukari Oshima alias Cynthia Luster sowie Regisseur Lu Chin-Ku teilt.
B-Actionfans dürften noch angesichts der Mitwirkung von Gary Daniels („Lion Fist“) als „Martial Artist in Prologue“ hellhörig werden. Allerdings dauert der Prolog nur rund eine Minute, in der sich der blonde B-Actionstar kurz mit Wumme, Fäusten und Füßen mit Spezialagentin Moon (Moon Lee) zofft, aber recht schnell den Kürzeren zieht. Moon hat sich danach erstmal Urlaub verdient, den sie im Hotel mit Am-Pool-Liegen, Lesen und Sandwiches-mit-abgeschnittener-Kruste-Essen verbringt, was ihren Bad-Ass-Faktor direkt mal sinken lässt.
Der Urlaub muss allerdings abgebrochen werden, als sich Colonel Carry (Carrie Ng) meldet, die Leiterin der Einheit. Es müssen ein paar Übelwichte dringend dingfest gemacht werden. Die Zuhälterin Yie Feng (Betty Mak), die gleichzeitig noch in Drogen macht, hat irgendeinen Deal mit zwei Syndikats-Honchos am Laufen, die für ein bisschen Geballer noch ein paar rivalisierende Gangster umnieten. Das jedenfalls sind die Schurken, die Ware gegen Geld tauschen wollen und dafür in den Dschungel müssen, soweit die nebulösen, halbherzigen Erklärungsversuche des Drehbuchs.
Moon und ihre Kollegin Bullet (Cynthia Luster) kennen das Hotel, in dem die beiden männlichen Gangster ihr Zimmer haben, und geben sich als Touristinnen aus, um die Verdächtigen zu bespitzeln. Natürlich läuft nicht alles optimal, was zu diversen Hauereien und Schießereien führt…
Schaut euch den Trailer zu „Angel Terminators 3“ an
Unter den Girls-with-Guns-Filmen aus Hongkong gehört „Angel Terminators 3“ zu den kostengünstigeren Vertretern, was sich schon an manchen inszenatorischen Macken zeigt (etwa wechselnde Lichtverhältnisse innerhalb einer Szene). Wesentlich schlimmer ist allerdings das schlurige Hölzchen-auf-Stöckchen-Script, das wenigstens in der ersten Hälfte noch halbwegs funktioniert, wenn die Mädels undercover ermitteln. Auch da gibt es schon einige Blödheiten, denn so dolle können die beiden im verdeckten Ermitteln nicht sein. Da prügelt man sich schon beim ersten Beschatten mit den Verdächtigen und beim Belauschen eines Telefongesprächs benutzt Bullet ein Gerät, das für so derbe Störungen in der Leitung sorgt, dass die Abgehörten sofort wissen, dass sie abgehört werden. Außerdem tragen die beiden übelst hässliche Touri-Klamotten bei ihrer Tarnidentität; vielleicht versuchen deshalb lauter Leute sie zu verprügeln. Hinzu kommen klischeehafte Dialoge und Standardszenen, etwa wenn sich Moon als Gaunerin ausgibt und Trivia-Fragen zum Syndikatsboss beantworten muss, die aber teilweise nur reingeworfen wirken, weil das im Genre so sein muss. Aber immerhin läuft der Film hier noch einigermaßen, ehe Moon und Bullet sich für eine ganze Weile aus der Handlung verabschieden.
Danach trekken die Gangster nämlich durch den Dschungel und werden dabei von Colonel Carry verfolgt. Offensichtlich viel Lu Chin-Ku („Megaforce 2“) an diesem Punkt auf, dass das Drehbuch gar nicht genug Material für einen Spielfilm bot, weshalb das Publikum von da an mit lauter Füllszenen gequält wird, in denen man Leuten beim Durch-den-Dschungel-Latschen und Mit-dem-Boot-den-Fluss-entlang-Fahren zusehen darf, was genauso aufregend ist wie es sich anhört. Zwischendurch gibt es noch eine geschmacklose Szene, in der die Gangster bei einer alleinstehenden Frau und deren Tochter absteigen, die sie irgendwann auslachen, belästigen und vergewaltigen. Das ist weniger explizit als in anderen Schlonz-Reißern, wirkt aber dennoch niederträchtig, weil es komplett sinn- und kontextlos ist. Schurke Somi (Tommy Wong Kwong-Leung) macht das Gleiche mit seiner Geschäftspartnerin Yie Feng, die in früheren Szene dolle im Draufhauen war, aber anscheinend alle Kampfkünste vergisst, nachdem der Otto sie mit einer Handschelle an sich kettet.
Im Finale sind Moon und Bullet dann wieder da, um mit draufzuhauen, nachdem es auf Gangsterseite irgendwelche komplett unsinnigen Doppel- und Dreifachspiele gab. Allerdings ist der Gegenseite auch nicht sonderlich schlauer, etwa wenn Colonel Carry die Order ausgibt, dass zwei Verdächtige lebend gefangen werden müssen, während ihre Einheit gerade minutenlanges MG-Dauerfeuer auf die Schurken ausübt (und überraschend wenig dabei trifft). Die beiden überleben tatsächlich und teasern im Dialog ein Sequel an, zu dem es aber nicht kam. Ähnlich schlicht wie Inszenierung und Drehbuch ist auch das Schauspiel der Hauptdarstellerinnen: Carrie Ng („China Heat“) guckt stoisch, Moon Lee („Zu: Warriors from the Magic Mountain“) und Cynthia Luster („Born to Fight 3“) bemühen sich in den Schauspielparts redlich, sind aber vor allem dann in ihrem Element, wenn sie mal wieder draufhauen dürfen.
Und die Kloppereien und Ballereien sind es dann auch, die noch ein etwas bei „Angel Terminators 3“ retten. Die Choreographie ist ordentlich, die Menge der Fights und Shoot-Outs geht in der ersten Hälfte und im Showdown in Ordnung, nur dazwischen ist eben eine lange Durststrecke angesagt. Nur inszenatorisch ist das alles nicht optimal: Einigen Actionszenen sieht man den Zeitraffer deutlich an (etwa dem Prolog), Zeitlupe wird nicht nur zur Akzentuierung besonderer Momente eingesetzt, sondern teilweise für Parts von Kämpfen, was dann eher ermüdet als Schauwerte hervorhebt. Auch das Geballer ist wenig filigran, die Einschüsse nicht übermäßig blutig, aber immerhin gibt es meist genug Kanonenfutter und zu polierende Kauleisten.
Insofern ist „Angel Terminators 3“ reichlich anspruchsloses, lächerlich geplottetes und mäßig inszeniertes Hong-Actionkino der grobstolligen Art. Von einer langen Durststrecke im letzten Drittel mal abgesehen gibt es dagegen immer mal wieder Fratzengeballer oder auch nur Geballer, was trotz einiger Schludrigkeiten immerhin für einige Billig-Schauwerte sorgt. Nur von der Gary-Daniels-Mitwirkung sollte man lieber nichts erwarten.
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In Deutschland ist „Angel Terminators 3“ auf DVD und Blu-Ray erschienen, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es Trailer.
© Nils Bothmann (McClane)
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