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Escape Room 2 – No Way Out

Originaltitel: Escape Room: Tournament of Champions__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Adam Robitel__Darsteller: Taylor Russell, Logan Miller, Thomas Cocquerel, Holland Roden, Indya Moore, Carlito Olivero, Deborah Ann Woll, James Frain, Isabelle Fuhrman u.a.
Escape Room 2

In „Escape Room 2“ müssen die Überlebenden des ersten Teils in einem Turnier der Champions um ihr Leben rätseln

Nachdem „Escape Room“ sich anno 2019 als Gelddruckmaschine erwies und bei einem Budget von 9 Millionen Dollar über 155 Millionen einspielte, erhielt der Horrorthriller in schneller Folge ein Sequel, das im Original „Escape Room: Tournament of Champions“ heißt und bei uns als „Escape Room 2 – No Way Out“ erschien.

Immerhin kann man Regisseur Adam Robitel („Insidious: The Last Key“) und seinem Drehbuchquartett aus Maria Melnik („American Gods“), Will Honley („Subservience“), Daniel Tuch („Burn Notice“) und Oren Uziel („The Cloverfield Paradox“) ein Interesse an Weiterentwicklung bescheinigen. Es geraten nicht einfach neue Figuren in die Fänge der Firma Minos, so wie in den meisten Sequels zum Vorbild „Saw“. Stattdessen geht es mit Zoey Davis (Taylor Russell) und Ben Miller (Logan Miller) weiter, den Überlebenden des ersten Teils. An dessen Ende hatte Minos ja eine neue Challenge mit Flugzeugfalle für Zoey vorbereitet, doch damit wird es vorerst nichts, weil diese ihre Flugangst immer noch nicht überwunden hat. Weiterhin besteht auch ihr Wille Minos zur Strecke zu bringen, weshalb sie einem Hinweis folgt, der sie zum Hauptquartier der Firma nach New York bringt.

Also fahren die beiden mit dem Auto nach New York zu besagtem Gebäude, wo sie jedoch in die U-Bahn gelockt werden. Der Wagen erweist sich jedoch als neuer Escape Room, in dem sie gemeinsam mit Rachel (Holland Roden), Brianna (Indya Moore), Nathan (Thomas Cocquerel) und Theo (Carlito Olivero) eingeschlossen sind. Hier geht der Realismus dann flugs flöten, denn wie man diese genau sechs einander unbekannten Personen zeitgleich in dieselbe U-Bahn locken konnte, das vorher volle Vehikel bis auf diese sechs leeren und die U-Bahn so umzubauen, dass ein Wagen abgekoppelt und auf ein besonderes Minos-Gleis geleitet werden kann, das hinterfragt man lieber nicht.

Während sie dem tödlichen U-Bahn-Wagon entkommen, müssen die Gefangenen feststellen, dass sie alle Überlebende früher Minos-Todesfallen-Parcours sind. Und nun befinden sie in der nächsten Abfolge mörderischer Escape Rooms, die sie überstehen müssen…

Schaut euch den Trailer zu „Escape Room 2“ an

Mehr vom Gleichen, nur auf größerer Bühne, das ist das Konzept von „Escape Room 2“ – mit 15 Millionen Dollar war das Budget nochmal deutlich höher als beim Vorgänger. Also sind die Escape Rooms deutlich aufwändiger, was immerhin einige Kreativität freisetzt: Ein U-Bahn-Wagon, der zunehmend unter Strom gesetzt wird, eine Bank mit einem Parkett, das Todesfallen auslösen kann, oder eine New Yorker Straßenszene im Säureregen – gerade letzterer ist das große Highlight des Films. Die Laufzeit ist kürzer, das Tempo ist höher, weshalb die Kandidaten immer schnell Hinweise unter Zeitdruck finden und komplexeste Rätsel in Rekordzeit knacken können. Zumindest ein Teil von ihnen, denn natürlich kommt nicht jeder durch. Erneut bedeutet nicht jeder Raum automatisch einen Toten, denn manchmal geht niemand drauf, manchmal sogar zwei Personen. Gestorben wird nicht sonderlich gory, manches ist aber schon drastisch – zumindest ein Tod, den Zoey hilflos mitansehen muss, ist in seiner Konsequenz schockierend.

Escape Room 2

Zoey (Taylor Russell) und Ben (Logan Miller) müssen mit neuen Mitspielern wie Nathan (Thomas Cocquerel) neue Herausforderungen meistern

Natürlich stehen die potentiellen Überlebenden deutlich fest, da man ja wieder die beiden Survivor aus dem Vorgänger dabei hat. Taylor Russell („Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“) und Logan Miller („Night Moves“) spielen das Duo ziemlich sympathisch und engagiert, bekommen aber weniger charakterliche Facetten zum Ausspielen an die Hand. Sie bleiben Funktionsträger und haben kaum mehr Background als ihre Mitstreiter Holland Roden („Mother, May I?“), Indya Moore („Aquaman: Lost Kingdom“), Thomas Cocquerel („In Like Flynn“) und Carlito Olivero („Bad Samaritan“). Von denen bringt lediglich Roden ein wenig Bekanntheit durch die „Teen Wolf“-Serie mit, große Namen oder Gesichter sind nicht dabei, was immerhin die Reihenfolge des Ablebens nicht ganz so durchschaubar macht.

Noch besser wäre es natürlich, wenn die Figuren auch etwas mehr Profil hätten. In erster Linie erfährt man, aus welchen früheren Wettbewerben sie dabei sind: Für Influencer, für Priester, für angebliche Freaks usw. Das ist als Charakterisierung doch sehr dünn, zumal die Räume auch nichts mehr mit den Teilnehmern als Personen zu tun haben. So bleiben sie weitestgehend anonymes Material, das nach und nach dezimiert wird, was dann aber selten Nachhall hat. Das hohe Tempo wirkt dem Ganzen immerhin entgegen, aber wirkliche Fallhöhe hat „Escape Room 2“ nicht, zumal das Ende natürlich Raum für weitere Fortsetzungen lässt – in der Kinofassung deutlich mehr als im Extended Cut.

Escape Room 2

Rachel (Holland Roden) und Brianna (Indya Moore) sind weitere neue Mitspielerinnen im Turnier der Champions

Tatsächlich sind die Unterschiede in der Story und der Filmqualität je nach Fassung merklich. In der Kinoversion erfährt man minimal mehr über Minos, es wird ein Fortschritt simuliert, aber letzten Endes wird kaum etwas am Status Quo geändert. Der Extended Cut endet auf einer Note, die tatsächlich als Franchise-Abschluss dastehen kann. Beide Versionen sind nicht frei von Blödheiten und Unglaubwürdigkeiten, aber runder kommt der Extended Cut daher. *SPOILER* Nun wirkt es in der Kinofassung aufgesetzt, dass Zoey einfach als neuer Gamemaker herangezüchtet werden soll. Auch die Rückkehr von Deborah Ann Woll („Mother’s Day“) als Amanda Harper wirkt sehr herbei geschrieben, als habe man nachträglich korrigieren wollen, dass im ersten Teil eine solche Sympathieträgerin starb. Amanda kommt im Extended Cut dagegen gar nicht vor, stattdessen befasst sich die Rahmenhandlung mit James Frain („Lone Ranger“) als Minos-Mastermind und Isabelle Fuhrman („Orphan“) als dessen Tochter, welche die Räume designt. Wenn sich die Tochter dann als wahrer Schlaukopf entpuppt, der einen elaborierten, auf vielen Zufällen beruhenden Plan zur eigenen Befreiung schuf und schon im Kindesalter eine Sauna-Todesfalle baute, dann ist das ebenfalls wenig glaubwürdig. Aber immerhin gibt es hier eine Minos-Mythologie und echte narrative Fortschritte. *SPOILER ENDE*

„Escape Room 2“ versagt in der Kernkompetenz des Vorgängers nicht, denn die titelgebenden Räume sind mal wieder reichlich kreativ gestaltet, sowohl inhaltlich vom Drehbuch als auch produktionstechnisch vom Szenenbild. Dummerweise sind sie verpackt in einen Reißbrettplot, der sich gar nicht mal die Mühe macht seine Figuren auszuformulieren und dessen erstes Opfer die Logik ist. In der Kinofassung tendiert meine Wertung zu 5 Punkten, im Extended Cut eher zu 6 Punkten.

Starke:

„Escape Room 2“ wurde in Deutschland von Sony auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht. Auf DVD gibt es nur die Kinofassung, auf der Blu-Ray beide Versionen des Films. Beide Fassungen sind ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Die DVD besitzt kein Bonusmaterial, die Blu-Ray bietet drei Featurettes.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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