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Evil Undead

Originaltitel: The Black Waters of Echo’s Pond__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2009__Regie: Gabriel Bologna__Darsteller: Robert Patrick, Danielle Harris, Sean Lawlor, James Duval, Nick Mennell, Mircea Monroe, Arcadiy Golubovich, Electra Avellan, Elise Avellan, Walker Howard u.a.
Evil Undead

Robert Patrick in der apokalyptischen Schlachtplatte “Evil Undead”

Auf Schnittberichte.com macht man sich schon seit geraumer Zeit über die übertriebenen Covertexte verschiedener DVD/Blu-ray Anbieter lustig. Da ist bei jedem zweiten Film von infernalischen Schlachtplatten die Rede oder man verspricht eine Vollstbedienung (was für ein Wort!) für Splatterfans. Auch musste man bemerken, dass für besonders spektakuläre „Kritikerzeilen“ durchaus mal Zeitschriften und Internetseiten erfunden werden, um diesen dann besonders wirkungsvolle Worte über einen Film in den Mund zu legen. „Evil Undead“ von dem Label „Intergroove“ ist einer dieser Filme. Da vermeldet beispielsweise ein „Splatstick Terror Magazine“ (das in den Weiten des WWW über keinen einzigen Eintrag verfügt!), dass „Evil Undead“ einer der extremsten Dämonenschocker aller Zeiten sei. Und der Verleih selber legt wie folgt nach:

„Mit der ihm eigenen Präzision schafft Horrorregisseur Gabriel Bologna eine apokalyptische Dämonen-Schlachtplatte, die kompromissloser nicht sein könnte: Fress- und Folterszenen, Kettensägeneinsatz, Ausweidungen, hervorragend gelungene Gore-Effekte, ein wahnsinnig spannender Plot und von erstklassigen Darstellern überzeugend gespielt. Einer der besten Genre-Filme der letzten Jahre.“

Wie einen die Erfahrung lehrt, sind derartig vollmundig angeteaserte Filme meistens die letzte Rotze und häufig den Rohling nicht wert, auf dem sie für die Nachwelt in DVD oder Blu-ray Form verewigt werden. Doch bei „Evil Undead“ wird man durchaus ein wenig überrascht, denn so Panne ist dieser Horrorfilmerguss gar nicht. Ok, Ausweidungsszenen gibt es ebenso wenig wie erstklassige Darsteller oder Fressszenen (außer man bezieht sich dabei auf einen Grillabend der Filmcharaktere), aber ordentliche Horror-Unterhaltung bekommt man bei dem von Robert Patrick („Jungle Force“, „Gangster Squad“) produzierten Streifen durchaus!

Dieser geriert sich als erwachsene „Jumanji“ bzw. „Zathura“ Version, sprich, ein rätselhaftes Brettspiel spielt die eigentliche Hauptrolle im Film und krempelt das Leben von neun jungen Menschen gehörig um. Diese wollen auf einer Privatinsel ein partylastiges Wochenende verbringen, als prompt der Strom ausfällt. Um das Wochenende nicht im Dunkeln zubringen zu müssen, begibt man sich in die Kellerräume des angemieteten Hauses. Hierbei bricht einer der Freunde durch die Kellertreppe und landet in einem geheimen Raum. Darin befindet sich ein großer Kasten, den man inspiziert und mit in die Wohnräumlichkeiten schleppt. Aus dem Kasten zaubert man ein großes Spielbrett hervor. Das Pandemonium. Die neun Freunde beschließen, das Spiel auszutesten und setzen damit eine Kette unvorstellbarer Ereignisse frei, die den meisten der Partypeople das Leben kosten werden…

Die Grundidee mutet tatsächlich wie ein Remake der bereits genannten „Spiel“Filmklassiker an. Doch schon früh geht man eigene Wege, denn anstelle von Weltraumwelten oder Tierherden setzt das Pandemonium dämonische Kräfte frei, personifiziert durch einen „Pan“-einem Wesen halb Mensch, halb Ziege. Doch dieser greift kaum ins Geschehen ein, da die Spieler durch das Spielbrett selbst und dessen Kräfte verändert werden. Hier hat „Evil Undead“ seine stärksten Momente, denn der Film schafft es ziemlich gut, seine Figuren zu verorten und die Dynamik zwischen ihnen immer wieder zu verändern. Schnell werden aus Freunden Todfeinde, aus Geliebten Betrüger, aus prüden Schnallen verführerische Sirenen und aus scheinbar ehrlichen Häuten Lügner. Das Spiel und damit freilich auch der Film säen ziemlich intelligent Zweifel und Missgunst unter den Charakteren und schicken sie immer wieder auf falsche Fährten.

Und so kippt die Partystimmung unversehens in blutige Morde, bei denen „Evil Undead“ mit handgemachten Effekten durchaus auch mal den Splatterhammer herausholt. Da wird mit der Kettensäge halbiert und durchbohrt, werden Finger abgehackt und Zähne gezogen und rammt man sich schon mal gegenseitig Laubharken in den Kopf. Genauso CGI frei kommen die Goreszenen daher und gefallen mit blutigen Details. Leider schafft es der Film nicht, aus der aufgebauten Atmosphäre aus Zweifel und Misstrauen so etwas wie Spannung zu generieren. Die „Besessenheit“ der Charaktere geschieht arg willkürlich und in seiner Konzentration auf die größtmögliche Zeigefreudigkeit versäumt es der Film, ein paar Suspensemomente zu schaffen. Der Schrecken selbst kommt dann komplett von der Tonspur, wo der Soundtrack vor allem im Finale „Jump Scare“ auf „Jump Scare“ setzen will und damit irgendwann zu einer Parodie eines gelungenen Horrorscores verkommt.

Inszenatorisch kann man dem Film ansonsten keine großen Vorhaltungen machen. Die Splattereffekte lassen erahnen, dass der Film nicht allzu teuer sein durfte. Doch auch wenn sie ab und an billig wirken, funktionieren sie eigentlich ziemlich gut. Der Rest vom Film wird einfach extrem düster gehalten und sauber durchinszeniert, ohne auf Wackelkamera und andere Unarten des Genres zu setzen. Die Maskenarbeit (schwarze Kontaktlinsen bei Besessenen, blutverschmierte Gesichter und der Pan) ist ebenfalls sehr solide geraten.

Die Schauspieler selber machen einen ordentlichen Job, sind allerdings von den angepriesenen erstklassigen Leistungen weit entfernt. Dafür ist die Besetzung für Genrefans durchaus interessant. James Duvall kennt man aus „Donnie Darko“ und „Sushi Girl“, Nick Mennell durfte im „Freitag der 13.“ Remake abkratzen und Robert Patrick kennen und lieben wir ja eh. Leider hat dieser sich selbst sehr seltsame Auftritte in seiner eigenen Produktion verschafft. Mal stapft er durch den Wald und entschärft Fallen, mal labert er, er breche zum Festland auf, nur um zwei Minuten später wieder im Haus der Partyleute zu stehen, und mal bedroht er einfach so die Charaktere. Kurzum: Aus Robert Patricks Figur des Pete wird man wirklich nie schlau und sie mutet ziemlich schnell vollkommen überflüssig an. Zumal Robert Patrick aus der Rolle auch nichts macht und gelangweilt seinen Stiefel herunterspielt.

Dafür holt Mircea Monroe („Bloodwork“) wenigstens ihre Hupen raus und bekommt diese für einen garstigen Gag sogar abgenommen. Die niedlichen Twins aus „Machete“, Electra und Elise Avellan, zeigen ihre knackigen Ärsche und werden fast zu einem Vierer überredet. Den weiblichen Lead gibt die aktuelle Scream-Queen Danielle Harris („The Victim“, „Halloween“), die aber leider erstens nicht blank zieht und zweitens eine extrem nervig bzw. zickig angelegte Figur abbekommen hat.

Was bleibt ist definitiv keine apokalyptische Dämonen-Schlachtplatte (was auch immer das sein mag), sondern durchaus solider, preisgünstiger B-Horror, der auf gar nicht mal so dumme Art und Weise seine Charaktere aufeinander hetzt und ziemlich blutige Dinge tun lässt. Zudem wirken die Charaktere zum Beispiel im Vergleich zum sehr ähnlichen „Open Graves“ deutlich besser ausgearbeitet. Warum es zu der dämonischen Besessenheit durch das Spiel kommt, lässt der Film bewusst offen, zumal er dank seines Schlussgags auch gar nicht in der Pflicht steht, das Geschehene genauer zu erklären. Ein weitere Beleg, dass in das Drehbuch durchaus die eine oder andere Überlegung eingeflossen ist. Und so bietet „Evil Undead“ eigentlich ziemlich viel, was Horrorfans zufrieden macht: Der Titts’n’Ass Faktor stimmt, der Blutzoll ist ordentlich, die Inszenierung geht absolut in Ordnung, die Darsteller machen einen soliden Job und die „Jumanji“ für Erwachsene Anlage funktioniert ziemlich gut. Was fehlt, sind Spannung, eine gute Synchronisation, eine ordentliche Rolle für Robert Patrick, ein üppigeres Budget für mehr reizvolle Schauplätze und ein wirklich cooler Showdown, bei dem man nicht einfach nur alles und jeden ins Wasser schmeißt… Das macht eine apokalyptische Vollstbedienung für Punktefetischisten…

Sorry, da hab ich wohl gelogen… Ich sollte Covertexter werden…

Die deutsche uncut DVD/Blu-ray kommt von Intergroove und hat eine FSK 18 Freigabe erhalten. Leider handelt es sich bei der Disc um eine reine Vanilla Disc, bei der nur der dämliche Covertext über den Film hinaus zu amüsieren versteht.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Intergroove__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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