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Hard Proof

Originaltitel: Boogie Boy__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Craig Hamann__Darsteller: Mark Dacascos, Emily Lloyd, Jaimz Woolvett, Frederic Forrest, Traci Lords, Joan Jett u.a.
Hard Proof

Mark Dacascos als Drummer in “Hard Proof”

Jesse kommt frisch aus dem Knast und wird von seinem Kumpel Larry in Empfang genommen. Dieser hat aus diversen Knastaufenthalten nichts gelernt und ist nach wie vor im Drogenmilieu am Geschäfte machen und selber hochgradig abhängig.

Als bei einem Gig der Band “Jerk” deren Drummer im Vollrausch umkippt, schlägt Jesses Stunde. Selbst passionierter Drummer, rockt er den Underground Club. Nach dem Gig erhält er das Angebot, als Drummer bei der Band einzusteigen und so wieder beide Beine im realen Leben verankern zu können. Doch Larry bittet ihn am gleichen Abend als Rückendeckung für einen Deal zu fungieren. Sein Versprechen: Genug Geld, um sich ein eigenes Schlagzeug zu kaufen, dass er für eine Tour brauchen würde. Also willigt Jesse ein.

Der Deal endet selbstverständlich in einem mittleren Blutbad, in dessen Verlauf Jesse zwei Leute tötet und mutmaßt, dass sein Kumpel Larry auf der Abschussliste von jemanden zu sein scheint, denn dieser Deal sollte vermutlich mit dem Ableben von Larry enden. Zumindest wollte ihm einer ordentlich eins auswischen. Jesse schnappt sich Larry und flieht aus L.A., um in einem Motel unterzuschlüpfen. Hier setzt er Larry auf einen kalten Entzug. Diese Verschnaufpause der beiden Flüchtigen nutzen die vermeintlichen Drahtzieher des verpatzten Deals, um die Schlinge um die Hälse von Jesse und Larry immer enger zu ziehen.

Alles in “Hard Proof” ist auf Underground getrimmt: Die Figuren hängen alle an der Nadel oder sind sonst irgendwie vollkommen kaputt, die Sets sind dreckig und heruntergekommen und der Soundtrack stammt hörbar von diversen Undergroundbands und unterstreicht das Kaputte und Dreckige des Filmes nur noch mehr. Rein vom Produktionsdesign her haben wir hier also einen ziemlichen Nachtmahr vor uns, produziert von Roger Avary, der ja schon häufiger in etwas abseitigeren Gefilden gewildert hat.

Avary – einer der offensichtlichsten Tarantinowannabes – hat “Hard Proof” auch deutlich seinen Stempel aufgedrückt, versagt aber wieder am meisten bei dem, was einen Tarantino nun mal ausmacht: Geniale Dialoge. Die Dialoge in diesem Film sind, mit Verlaub, ziemlich dämlich und sehr auf pseudocool getrimmt. Damit scheitern dann auch die Figuren, die diese Worthülsen auskotzen.

Mark Dacascos gibt hier noch die beste Figur ab. Eigentlich war der Film als eine Art Kehrtwende in seiner Filmographie gedacht, hin zu anspruchsvolleren Rollen. Dass der Film es nicht mal ins Kino geschafft hat, zeigt dann sehr deutlich, dass es eben nur so geplant war. Denn auch wenn er seine Figur noch halbwegs sympathisch anlegen kann, wird er vom Rest des Castes ziemlich alleingelassen. Tracy Lords gibt eine Horrorfilmdarstellerin und schauspielert wie zu guten alten Pornofilmzeiten … gar nicht. Jaimz Woolvett (Marks Gegner in “Sanctuary”) als Exstricher Larry ist unglaublich anstrengend, ja sogar nervend. Zumindest hat er eine süße Kotz-/Scheißszene. Emily Lloyd (“Chicago Joe und das Showgirl”) als Hester darf ein zwei mal ihren Ausschnitt ins rechte Licht rücken und Wortkotze raushauen, das war’s dann auch schon. Frederic Forrest (“Point Blank”, “Crash Dive“, “Black Thunder“) als Motelinhaber ist dann so ziemlich der Einzige, der nicht komplett absuckt. Die Verfolger geben James Lew (wenn man ihn sieht, freut man sich schon auf den Showdown, denn das der Mann es drauf hat, hat er in diversen Actionhämmern in Nebenrollen wie  “Lethal Weapon 4”, “Replacement Killers”, “Action Jackson” oder “Big Trouble in Little China” bereits bewiesen. Und wirklich bildet sein Fight mit Mark dann den Actionhöhepunkt.) und Ben Browder, mein Lieblingsseriendarsteller, spielt er doch Commander John Crichton in der Kultserie “Farscape”!

Optisch ist der Film ganz ordentlich geworden. Es gibt ein paar sehr schräge Perspektiven zu bewundern. In L.A. dominieren extrem dunkle Aufnahmen, die das Trostlose der Stadt gut einfangen. Wenn die Flucht von Jesse und Larry einsetzt, reißt die Dunkelheit auf und es dominieren sonnendurchflutete Aufnahmen. Wo man mehr hätte reißen können, sind die Sequenzen, in denen Drogen eingeworfen werden. Arbeitet Regisseur Craig R. Hamann zunächst noch mit einer verzerrten Soundkulisse, um den Trip zu verdeutlichen, lässt er die Junkies im weiteren Verlauf die Wirkung der Drogen mit blöden Kommentaren (“ich spüre meine Arme nicht mehr”) verdeutlichen. Hier unterschätzt er die Kraft der Bilder, wie es Filme wie “Spun” und “Requiem for a Dream” Jahre später beweisen sollten.

Schauspielerisch unter aller Kajüte, zumindest optisch ganz ordentlich geworden und mit klischeetriefenden, dämlichen Dialogen vollgepumpt bleibt ein Film, der sich letztendlich wie ein schlechter Trip anfühlt und einfach kein Ende nehmen will. Es kommen immer neue – uninteressante – Figuren hinzu, die Verwicklungen in der Handlung werden immer hanebüchener und wenn dann die ganze Geschichte mit dem verpatzten Deal und den Verfolgern endgültig aufgeklärt wird und der unbekannte Strippenzieher im Hintergrund zu rachenehmenden Verwandten mutiert, ist eh schon alles zu spät. Zum Glück darf dann Mark dem Lew ordentlich eine einschwenken und den einzigen Höhepunkt eines wahren Stinkers setzen.

Die uncut DVD von VCL, vertrieben durch Warner, ist bild- und tontechnisch ganz ansehnlich geworden, warum das Ding aber ab 18 ist, weiß nur die FSK. Inzwischen liegen die Rechte am Film bei dem Label Epix, das den Streifen in seiner Twilight Classics Reihe veröffentlicht hat.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Home Video / VCL__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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