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Hidden in the Woods

Originaltitel: En las afueras de la ciudad__Herstellungsland: Chile__Erscheinungsjahr: 2012__ Regie: Patricio Valladares__Darsteller: Siboney Lo, Carmen Paz, Agustin Aguero, Daniel Antivilo, Eric Bustos, Yuri Caceres, Daniel Candia, Gonzalo Cordova, Cristian Cuentrejo, Emilia Cárdenas, Carolina Escobar, Luis Aguirre España u.a.
Hidden in the Woods

Der chilenische “Hidden in the Woods” entpuppt sich als reinrassiges Exploitation-Movie.

Dies ist die Geschichte von Any und Anna. Die beiden wurden in ziemlicher Isolation groß gezogen. Schule, Freunde, normale Kindheit… Fehlanzeige. Ihre Realität wird von dem mehr als brutalen und verkommenen Vater geprägt. Der lässt den örtlichen Drogen-Großhändler nur zu gerne über die Mutter der beiden Mädchen drüber rutschen und würde nicht einmal nein sagen, wenn der schmierige Typ Any oder Anna besteigen wollen würde. Eines Abends erledigt der Vater das gleich selbst und vergewaltigt eine seiner eigenen Töchter. Die gebiert daraufhin den missgebildeten Manuel…

Eines Tages tauchen zwei Cops auf dem einsam gelegenen Anwesen der Familie auf und sofort eskaliert die Situation. Die Cops segnen das Zeitliche und Any, Anna und Manuel nutzen die Gelegenheit, um sich von ihrem Vater abzusetzen. Der nietet auf seiner Flucht vor den Behörden im Vollrausch weitere Menschen um, wofür er letzten Endes einfährt. Doch Any und Anna kommen auch fernab des Vaters nicht zur Ruhe, denn der hat dem Drogen-Großhändler anscheinend eine gehörige Menge Drogen geklaut, die dieser freilich zurückhaben will. Und da er im Knast kaum eine Handhabe gegen den Vater hat, jagt er unbarmherzig die beiden Mädchen, in der Hoffnung, dass diese etwas über den Verbleib der Drogen wissen…

All das endet, soviel sei verraten, extrablutig. „Hidden in the Woods“ kann man mit Fug und Recht als echten Exploitation-Hammer bezeichnen. Die chilenische Produktion lebt von ihren widerwärtigen Figuren und deren widerwärtigen Taten. Inzest, rüde Gewaltausbrüche, Notgeilheit und eine rohe, nein, eine verrohte Synchronisation machen aus „Hidden in the Woods“ einen Film, nach dem man das Gefühl hat, sich erst einmal gründlich waschen zu müssen.

Der Film ist weit weg von jedweden Mainstream-Pfaden. Die Story entwickelt sich erst nach und nach. In welche Richtung sie sich bewegen wird, ist mal sonnenklar, mal gar nicht vorhersehbar. Die Figuren sind allesamt mehr am Reagieren als am Agieren. Nachvollziehbare Motive hat hier keiner der Charaktere. Dazu kommt eine mal wirklich gnadenlos überzeichnete Schwarz-Weiß-Zeichnung aller Figuren. Dabei sind die Männer allesamt verrohte, perverse, rein triebgesteuerte Schweine und die Frauen strahlend schöne Opfer (vornehmlich der Männerwelt). So simpel das auch sein mag, in diesem Film funktioniert dieser Ansatz ziemlich gut: Man wünscht nämlich jedem Schwanzträger in diesem Film die Pest an den Hals.

Oder eben eines der Mädchen. Any und Anna frönen nämlich nur zu gerne einem ordentlichen Kannibalismus. Immer wieder beißen sie herzhaft in Männerhälse und laben sich an deren Fleisch. Auch die Schusswirkungen tendieren teilweise heftig in Richtung Splatter. Allgemein ist die hier dargestellte Gewalttätigkeit ziemlich heftig, wird lang ausgekostet und gerät vor allem im Zusammenspiel mit dem finsteren Elektroscore sehr intensiv. Dabei habe ich nur die deutsche Fassung gesehen, die eigentlich ordentlich Federn lassen musste, um überhaupt eine FSK 18 Freigabe zu erhalten (über sechs Minuten fehlen!). Man bemerkt die mehrere Minuten langen Schnitte zwar teils überdeutlich, trotzdem bleibt der Film erstaunlicherweise immer nachvollziehbar… und ziemlich heftig.

„Hidden in the Woods“ ist eine sehr kleine Produktion, der man ihr geringes Budget immer ansieht. Doch der leicht schäbige, billig wirkende Düster-Look und die mit zittriger Steadycam eingefangenen, nervös verwackelten Einstellungen passen absolut ideal auf diesen wirklich fiesen kleinen Reißer. Der fährt von Kannibalismus über Vergewaltigungen bis zu Mord und Totschlag den ganz harten Tobak auf und denkt gar nicht daran, irgendwelchen befreienden Humor einfließen zu lassen. Zwar sorgt manch überspanntes Acting für unfreiwillige Humor-Momente, davon abgesehen gibt es hier die finsteren Seiten des Menschen mit der ganz groben und unbarmherzigen Kelle. Demgegenüber stehen die beiden weiblichen Heldinnen, so zart, so schutzlos und gleichzeitig so irre sexy. Denn auch hier kennt „Hidden in the Woods“ keinerlei Hemmungen und lässt die Brüste der beiden Hauptfiguren im Sekundentakt fast aus dem Ausschnitt hüpfen oder filmt sie einfach minutenlang ab.

Kurzum: Dieser chilenische Film zelebriert die Lust am Exploitation-Genre ohne irgendeine Form von Zurückhaltung. Das ist über weite Strecken extrem geschmacklos, funktioniert 90 Minuten lang als furioser Appell an die niedersten Instinkte aber prächtig. Leider blieb davon in der deutschen Fassung einiges auf der Strecke. Und da selbige hier besprochen wird, kann ich leider nur folgende Punktzahl geben:

Die unbestreitbaren Qualitäten dieses Exploiters sind auch Michael Biehn nicht entgangen und er produzierte eine Neuauflage von „Hidden in the Woods“. Der Regisseur des Originals setzt Biehn darin als tobenden Übervater in Szene. Erste Trailer lassen auf ein optisch viel zu glattes, dafür von Biehn begeisternd gewütetes Remake schließen.

Die deutsche DVD/Blu-ray vom Original „Hidden in the Woods“ kommt von Maritim Pictures und ist mit der indizierungsfesten FSK 18 Freigabe stark geschnitten. Die ungeschnittene Fassung dürfte angesichts der noch im Film verbliebenen, wahrlich harschen Momente mit Leichtigkeit den Gewaltverherrlichungsparagraphen streifen. Man darf gespannt sein, ob hier eine deutschsprachige Uncut-VÖ aus dem Ausland folgen wird.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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